Keine Kulanzgutscheine bei Überfüllung - Regeln? (Allgemeines Forum)

Proeter, Dienstag, 02.08.2022, 11:26 (vor 7 Tagen)
bearbeitet von Proeter, Dienstag, 02.08.2022, 11:29

Hallo zusammen,

vor ein paar Tagen war's in Mannheim mal wieder Zeit für eine "Teilräumung per Appell" (also ohne Polizei). Per Durchsage wurde ein 30€-Kulanzgutschein versprochen, der im Reisezentrum ausgegeben werden sollte.

Also fassten wir uns ein Herz und sind ausgestiegen. Im Reisezentrum dann böses Erwachen: Gutscheine gebe es nur für Leute, die "auf diesen Zug gebucht waren". Auf meine Nachfrage, was das denn hieße, entgegnete man mir, ich müsse entweder eine Platzreservierung oder eine Fahrkarte mit Zugbindung auf den konkreten ICE vorlegen. Tatsächlich erging es auch anderen Aussteigern im Reisezentrum so: Einige bekamen den Gutschein, andere nicht.

Im Zug wurde von dieser Einschränkung nichts gesagt. Meine Frage nun: Was ist das für ein Räumungsmodus? M.W. prüft das RZ den Anspruch im RIS anhand der Einträge "Überfüllung mit Kulanz" oder "Überfüllung ohne Kulanz". Gibt es da noch einen dritten "Kulanz nur bei zuggebundener Fahrkarte / Reservierung"? Oder hat man sich da in Mannheim etwas ausgedacht? Es war jedenfalls kein Fehlverhaltenen eines einzelnen, denn auch an anderen Schaltern kam diese Regel zur Anwendung.
Wie kann man im Zug vor dem Aussteigen zuverlässig prüfen, ob man einen Gutschein bekommt oder nicht?

Danke und Grüße vom
Pröter

Keine Kulanzgutscheine bei Überfüllung - Regeln?

TRAXXP160DE, HWIH, Dienstag, 02.08.2022, 16:00 (vor 7 Tagen) @ Proeter

Mit erschließt sich nicht, warum ich einen Zug buche und aus diesem aussteigen soll. Wäre es nicht sinniger, wenn die Gelegenheitsfahrgäste ohne Buchung diesen Zug verlassen?

Warum soll ich meine Platzreservierung freiwillig aufgeben bzw. eine über viele Monate im voraus gekaufte Fahrkarte. Oft haben nur Gelegenheitsreisende diese Fahrkarte, z.B. Urlaub. So viele Fernzüge in Urlaubsgebiete gibt es ja häufig auch nicht. Und Nahverkehr dort benutzen, wo ich Zugbindung habe ... - problemlos ohne Diskussionen möglich?

Volle Zustimmung - aber Frage bleibt offen...

Proeter, Dienstag, 02.08.2022, 20:34 (vor 7 Tagen) @ TRAXXP160DE

Mit erschließt sich nicht, warum ich einen Zug buche und aus diesem aussteigen soll. Wäre es nicht sinniger, wenn die Gelegenheitsfahrgäste ohne Buchung diesen Zug verlassen?

Warum soll ich meine Platzreservierung freiwillig aufgeben bzw. eine über viele Monate im voraus gekaufte Fahrkarte. Oft haben nur Gelegenheitsreisende diese Fahrkarte, z.B. Urlaub. So viele Fernzüge in Urlaubsgebiete gibt es ja häufig auch nicht. Und Nahverkehr dort benutzen, wo ich Zugbindung habe ... - problemlos ohne Diskussionen möglich?

Mit deiner Argumentation rennst du bei mir offene Türen ein. Ich sehe es genauso.

Jetzt hoffe ich bloß, dass jemand mit Einblicken uns erklärt, was da in Mannheim vorgefallen ist.

Mir kamen diese Kulanzregelungen immer unglaubwürdig vor.

Bahngenießer, Dienstag, 02.08.2022, 20:42 (vor 7 Tagen) @ Proeter

Irgendwie kamen mir solche Kulanzregelungen (als letztes Mittel vor einer Zwangsräumung) schon immer unglaubwürdig vor.
a) Es müssen schließlich immer eine große Menge Fahrgäste wieder aussteigen, um die Situation drinnen tragbar zu machen. Und 100 x 30 EUR sind schon viel.
b) Die Gefahr von Trittbrettfahrern ist recht groß. Gemeint sind Reisende (ohne Zugbindung), die eigentlich ohnehin einen anderen Zug nutzen wollen, dann zufällig die Räumung mitbekommen und sich auch den 30EUR-Gutschein abholen, obwohl sie nie mit dem überfüllten Zug mitfahren wollten.

Einerseits ist das nicht eingehaltene Versprechen eher als Täuschung zu bezeichnen, andererseits kann das Zugpersonal auch nicht unbedingt ein ganzes Regelungswerk vorlesen, um die Fahrgäste zum Aussteigen zu animieren.
Zeitkarten-Kunden oder Flexpreis-Reisende (jeweils ohne Reservierung) zu benachteiligen, ist aber auf alle Fälle keine gerechte Lösung, zumal diese doch mehr Geld bezahlen als ein Supersparpreis-Kunde.

Mir kamen diese Kulanzregelungen immer unglaubwürdig vor.

Proeter, Mittwoch, 03.08.2022, 09:17 (vor 6 Tagen) @ Bahngenießer

b) Die Gefahr von Trittbrettfahrern ist recht groß. Gemeint sind Reisende (ohne Zugbindung), die eigentlich ohnehin einen anderen Zug nutzen wollen, dann zufällig die Räumung mitbekommen und sich auch den 30EUR-Gutschein abholen, obwohl sie nie mit dem überfüllten Zug mitfahren wollten.

Es mag sein, dass das ein Hintergedanke der Entscheidungsträger ist, der zu dem geführt hat, was ich da letzte Woche in Mannheim vorgefunden habe. Durch die Beschränkung auf Sparpreis- und Reservierungsinhaber könnte man die "Trittbrettfahrer" vollständig verhindern. Dann wäre es aber fair auch dies zu erwähnen. Das ist ja nur ein Halbsatz und nicht:

andererseits kann das Zugpersonal auch nicht unbedingt ein ganzes Regelungswerk vorlesen, um die Fahrgäste zum Aussteigen zu animieren.

Man könnte das natürlich auch dadurch lösen, indem man die Gutscheine bereits auf dem Bahnsteig ausgibt für jeden, der aussteigt.

Mir kamen diese Kulanzregelungen immer unglaubwürdig vor.

gnampf, Mittwoch, 03.08.2022, 09:59 (vor 6 Tagen) @ Proeter

Es mag sein, dass das ein Hintergedanke der Entscheidungsträger ist, der zu dem geführt hat, was ich da letzte Woche in Mannheim vorgefunden habe. Durch die Beschränkung auf Sparpreis- und Reservierungsinhaber könnte man die "Trittbrettfahrer" vollständig verhindern. Dann wäre es aber fair auch dies zu erwähnen.

Ergibt aber auch keinen Sinn. Es wird doch immer so schoen durchgesagt "wer keine Reservierung hat bitte aussteigen". Jemanden mit Reservierung raus zu jagen waere ja daemlich, der darf dann in Folge im naechsten Zug stehen. Ziel ist es doch, die Huette moeglichst schnell soweit leer zu bekommen, dass sie wieder fahren kann, damit man hinterher nicht Unsummen an Fahrgastrechten zahlen muss. Dann muss man halt bei den Entschaedigungsgutscheinen was "Schwund" in Kauf nehmem.
Und je komplizierter das gemacht wird, desto weniger steigen halt aus, desto laenger dauert das ganze, weil am Ende doch die Polizei raeumen muss.

Nachdem in solchen Zuegen aber wohl immer noch einige mit (Super)Sparpreisen unterwegs sein duerfte, waere es wohl das sinnigste da erstmal das Angebot deutlich zu reduzieren. Wenn Mitfahrt nur noch mit Flexpreis moeglich ist werden wohl so einige doch eine andere Verbindung nehmen. Aber dafuer muss man halt auch entsprechend vorplanen und Auslastungen korrekt abschaetzen, bei der Vorkaufsfrist dann auch mehr als 6 Monate im Voraus.

Mir kamen diese Kulanzregelungen immer unglaubwürdig vor.

agw, NRW, Mittwoch, 03.08.2022, 10:07 (vor 6 Tagen) @ Bahngenießer

b) Die Gefahr von Trittbrettfahrern ist recht groß. Gemeint sind Reisende (ohne Zugbindung), die eigentlich ohnehin einen anderen Zug nutzen wollen, dann zufällig die Räumung mitbekommen und sich auch den 30EUR-Gutschein abholen, obwohl sie nie mit dem überfüllten Zug mitfahren wollten.

Ich denke, die Gefahr ist gleich Null.

Ich habe noch nie mitbekommen, dass in einem Zug, in dem ich nicht sass, Kulanzgutscheine versprochen wurden. Ich lungere aber auch nicht stundenlang im Reisezentrum rum. Abgesehen davon, sind Räumungen mit Kulanzgutschein ja auch selten, wenn man die Gesamtzahl der vollen Züge betrachtet.

In welcher Situation wäre das auch hilfreich, dass man es mitbekommt?
Dafür müsste ich für den Tag und die Richtung einen Flexpreis haben und die Kulanzregelegung mitbekommen und gar nicht Zug fahren wollen. Und dann noch Lust haben, mich für 30 Euro ne halbe Stunde anzustellen.

Allex EXTREM unwahrscheinlich.

--
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- bahn.de

Zeitung schreibt über Regeln, jedoch 2019?

Nordy, Dienstag, 02.08.2022, 21:01 (vor 7 Tagen) @ Proeter

beeindruckendes Stück Presse

Proeter, Mittwoch, 03.08.2022, 09:13 (vor 6 Tagen) @ Nordy

siehe hier : https://www.derwesten.de/reise/was-fuer-flexpreis-fahrer-ohne-zugbindung-gilt-id2263169...

hat sich ggf. was verändert?

Wow! Von diesem Medium darf man bei Eisenbahnthemen ja eigentlich nicht viel erwarten. Hier geht es aber genau auf das Thema ein und behandelt die Aspekte, die mich im konkreten Fall betreffen.
Jetzt bleibt nur die Frage, ob das heute noch so gilt, oder ob es bspw. Fälle gibt, in denen eben nur ein Teil der Kunden Kulanzgutscheine erhält.

Weiße es jemand hier im Forum?

beeindruckendes Stück Presse

Sportdiesel612, Mittwoch, 03.08.2022, 10:55 (vor 6 Tagen) @ Proeter

siehe hier : https://www.derwesten.de/reise/was-fuer-flexpreis-fahrer-ohne-zugbindung-gilt-id2263169...

hat sich ggf. was verändert?


Wow! Von diesem Medium darf man bei Eisenbahnthemen ja eigentlich nicht viel erwarten. Hier geht es aber genau auf das Thema ein und behandelt die Aspekte, die mich im konkreten Fall betreffen.
Jetzt bleibt nur die Frage, ob das heute noch so gilt, oder ob es bspw. Fälle gibt, in denen eben nur ein Teil der Kunden Kulanzgutscheine erhält.

Weiße es jemand hier im Forum?

Selbst wenn irgendwas von ganz weit oben offiziell gilt, dann müssen die unteren Stellen das nicht unbedingt korrekt umsetzen oder es gibt die Möglichkeiten der Ausnahmen, wenn irgendwas was anderes ist oder oder ... Beispiele hat wohl jeder von uns schon mal erlebt.

Ich habe vor vielen Jahren mal in der Schlange am Schalter/Infopoint mitbekommen, wie etwas mehrfach über Lautsprecher durchgesagt wurde und das Personal zum Fahrgast sagte "Ja, das habe ich natürlich auch gehört, aber ich habe noch keine Anweisung bekommen, deshalb kann ich da nichts machen."

Fahrgäste ohne Reservierung oder Zugbindung gehören nicht in einen überfüllten Zug. Aber mit Reservierung würde ich mich aus dem Zug tragen lassen und anschließend zur BILD gehen.

Keine Kulanzgutscheine bei Überfüllung - Regeln?

GibmirZucker, Göding, Mittwoch, 03.08.2022, 20:57 (vor 6 Tagen) @ Proeter

Persönlich habe ich der Sache nie getraut. Auch letzthin war es nur eine Aussage der Zugchefin ohne weitere Details. Da der Zugteil mit meinem Sitzplatz fehlte, hätte ich theoretisch ja gute Chancen gehabt. Nur, dann hätte ich mein Reiseziel definitiv nicht mehr am gleichen Tag erreicht. Am Ende hätte ich weder Gutschein noch Hotel bekommen und auch keine 50 Prozent Erstattung. Da bin ich ziemlich ungläubig was so was angeht.

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