"DIE WELT" meint: Bahnbashing nervt! (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Donnerstag, 06.01.2022, 13:47 (vor 18 Tagen)

Hey.

Da meinte unser geschätzter J-C in einer anderen Diskussion noch, die DIE WELT sei eine Art BILD für Vermieter - und jetzt das: der Kommentator stört sich am ewigen Gejammer um die Pünktlichkeit.


Für alle positiv Denkenden hier der passende Artikel:

https://amp.welt.de/debatte/kommentare/article236059338/Puenktlichkeitsstatistik-Warum-...

Die Bahn hat mal wieder ein Pünktlichkeitsproblem. Nur drei Viertel aller ICEs und ICs seien im vergangenen Jahr pünktlich (...) angekommen. Die Realität, das vorweg, ist deutlich schlimmer. Aus der Praxis eines Bahn-Vielfahrers muss gesagt werden: Wer in Hamburg-Altona in den ICE nach München steigt, kommt nur in Ausnahmefällen zum erwarteten Zeitpunkt an. (...) Der Störfall ist beim Bahnfahren die Regel. (...) Welches Unternehmen bietet mehr Angriffsflächen als die Bahn mit ihren unbeholfenen Durchsagen, dem Zugchef-Denglisch, diesen unterwürfigen Pünktlichkeitsstatistiken, mit denen sie ihren Widersachern noch Munition liefert? (...) Bei der Verkehrsmittelwahl ging es schon immer nicht um die beste Alternative, sondern um die am wenigsten schlimme. Und das ist in vielen Fällen eben die Bahn. (...)


Na dann!

Schöne Grüße von jörg

der heute den Fernzug auch genießen konnte: zwischen Osnabrück und Hannover durchgängig einziger Fahrgast im Waggon! Jei! Nur die FV-übliche Ansageritis nervte etwas - obwohl das eine der wenigen Zugchefs war, die die Ansagen vernünftig hinbekommt..

Überrascht mich nicht

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Donnerstag, 06.01.2022, 14:03 (vor 18 Tagen) @ Der Blaschke

Hey.

Da meinte unser geschätzter J-C in einer anderen Diskussion noch, die DIE WELT sei eine Art BILD für Vermieter - und jetzt das: der Kommentator stört sich am ewigen Gejammer um die Pünktlichkeit.

Die Bild-Zeitung kritisiert mitunter die selben Ressentiments, die sie zuvor schürt.


Für alle positiv Denkenden hier der passende Artikel:

https://amp.welt.de/debatte/kommentare/article236059338/Puenktlichkeitsstatistik-Warum-...

Da zitiere ich mal.

Reisen ist nun mal beschwerlich, ob mit dem Flieger oder dem Auto. Da ist die Bahn noch die am wenigsten schlimme Methode.

Das wird als gegeben angenommen, obwohl es mit meiner Realität in einem starken Widerspruch steht. Reisen kann unheimlich viel Spaß machen.

Und mit der Bahn hat man ja besonders viel Möglichkeiten, sich die Reise zu versüßen. Nur ein Schiff kann mehr. Aber da siehst du Wasser und Küsten. Bei der Bahn eben je nach Strecke Städte und Landschaften ;)

Die Bahn hat mal wieder ein Pünktlichkeitsproblem.

Das überrascht jetzt niemanden

Nur drei Viertel aller ICEs und ICs seien im vergangenen Jahr pünktlich (...) angekommen.

Und fast immer, wenn ich in Deutschland reise, liege ich in den 3/4.

Die Realität, das vorweg, ist deutlich schlimmer.

Kommt darauf an.

Aus der Praxis eines Bahn-Vielfahrers muss gesagt werden: Wer in Hamburg-Altona in den ICE nach München steigt, kommt nur in Ausnahmefällen zum erwarteten Zeitpunkt an.

Wie oft wird gereist?

(...) Der Störfall ist beim Bahnfahren die Regel.

Das ist subjektiv, bei einer 3/4 Pünktlichkeit ist Pünktlichkeit ja die Regel.

(...) Welches Unternehmen bietet mehr Angriffsflächen als die Bahn mit ihren unbeholfenen Durchsagen, dem Zugchef-Denglisch, diesen unterwürfigen Pünktlichkeitsstatistiken, mit denen sie ihren Widersachern noch Munition liefert? (...) Bei der Verkehrsmittelwahl ging es schon immer nicht um die beste Alternative, sondern um die am wenigsten schlimme. Und das ist in vielen Fällen eben die Bahn. (...)

D'accord.

Und jetzt werde ich mal den Rest durchnehmen.

Kein Wunder, dass jeder Modelleisenbahner glaubt, er könnte zweieinhalb Millionen Bahnreisende zügiger ans Ziel bringen.

Es gibt angeblich auch 80 Millionen Fußballtrainer in Deutschland... oder 80 Millionen Virologen. Je nach Saison.

Doch wenn es eins gibt, das noch mehr nervt als die Bahn, dann sind es die Bahn-Kritiker. Die im Zugrestaurant bei jeder Durchsage laut aufstöhnen, als wäre es eine persönliche Zumutung, zehn Minuten später in Uelzen anzukommen.

Vor allem im Zugrestaurant. Ich bin sogar ziemlich glücklich, wenn ich mehr Zeit für's Mittagessen habe und noch einen weiteren Gang einlegen kann. Oder generell mich über den längeren Aufenthalt im Zug freuen kann. Wenn die Verspätung einen nicht gerade zu spät zu einem Termin kommen lässt, bin ich der Meinung, dass man das als geschenkte Zeit wahrnehmen sollte. Aber dafür wird man als Typ mit Job und so weiter natürlich nichts anfangen können. Züge sind als Werkzeug zu gebrauchen und nicht als Genussmittel.

Die 10 Minuten Verspätung sind ja natürlich absolut Katastrophe und werfen sämtliche minutiös geplanten gehetzten Zeitpläne durcheinander. In einer schnelllebigen Gesellschaft inakzeptabel.

Was ich damit sagen will, man kann die Zeit im Zug doch eh zu irgendwas nutzen. Völlig verloren ist sie nicht. Und wenn es dazu ist, mal bisserl Ruhe vorm Aussteigen zu finden.

Die Mitropa-Kellner, Schaffner und Mitreisende über ihr erlittenes Schicksal informieren und mit frischem Schaum vorm Mund Twitter einschalten. Sie sind einfach keine Profis. Sonst würden sie den Mund halten und einfach alles auf sich zukommen lassen.

Meine Rede!

Es ist einfach so: Reisen ist beschwerlich. Je weiter, desto mehr. Früher wurden die Leute in der Postkutsche überfallen. Heute verbringen sie Nachmittage in der Dauerbaustelle auf der A1 bei Osnabrück. Oder sie lassen sich am Flughafen demütig wie die Schafe durch absurd zeitaufwendige Abfertigungsrituale schleusen und stundenlang vor geschlossenen Gates eingattern.

Und da kriegst du keine Curry-Wurst vom Speisewagen!

Bei der Verkehrsmittelwahl ging es schon immer nicht um die beste Alternative, sondern um die am wenigsten schlimme. Und das ist in vielen Fällen eben die Bahn. Dafür an dieser Stelle ein einsames: Senk ju!

Perfektion ist der Feind des Guten, wie ich zu sagen pflege. Jeden Tag geben sich die Mitarbeiter:innen der DB die Mühe, das System am Laufen zu halten. In solch einem komplexen System in einem durch politische Gemengelagen nicht optimal erhaltenen Netz, welches auch anfällig für externe Störungen durch Personen im Gleis, Unwetter, die mit dem Klimawandel eher öfter auftreten, Störungen in der immer mehr komplexen Technik, etc. können eben Störungen auftreten. Passiert


Na dann!

Schöne Grüße von jörg

der heute den Fernzug auch genießen konnte: zwischen Osnabrück und Hannover durchgängig einziger Fahrgast im Waggon! Jei! Nur die FV-übliche Ansageritis nervte etwas - obwohl das eine der wenigen Zugchefs war, die die Ansagen vernünftig hinbekommt..

Das ist auch eine Erfahrung. Die ECs von Wien nach Polen sind mit 5 Wagen zu kurz, als dass man nur einen Fahrgast im Wagen hat. Vielleicht gibt es in Deutschland irgendwelche Beschränkungen. Das einzige Mal, wo ich der einzige im Großraumwagen war, ist damals gewesen, wo ich im EC von Wien nach Tschechien während des Lockdowns und der Einreisebeschränkungen einreiste. Da musste ich zumindest auf dem Papier in Quarantäne gehen für 1-2 Wochen glaub ich...

--
Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
[image]
(Bildquelle: ČD)

Tut es ja auch!

611 040, Donnerstag, 06.01.2022, 16:20 (vor 18 Tagen) @ Der Blaschke

Seit Jahren wird über die Pünktlichkeit gemeckert. Und ja manchmal ist es sehr ärgerlich, vor allem wenn dadurch ganze Reiseketten zerstört werden. Aber so häufig wie oft zitiert trifft es jeden doch gar nicht.
Klar findet man an größeren Bahnhöfen immer verspätete Züge, aber wenn man mal ehrlich nur die eigenen Fahrten ansieht ist es bei den meisten doch längst nicht so viel.
Klar gibt es auch deutliche regionale Unterschiede. So wird ein Pendler Dortmund - Essen deutlich öfter von Verspätungen geplagt sein, als einer von Meiningen nach Sonneberg. Dafür ist auf erstgenannter Strecke aber auch ein Vielfaches an Ausweichmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit vorhanden.

Ich persönlich erlebe eigentlich relativ selten größere Verspätungen. Manchmal ärgern sie mich extrem, aber sowas kommt in höchstens 5-10% der Fahrten vor. Die allermeisten sind absolut pünktlich egal mit welchen EVUs.

Ich bin heute auch im auf die Minute pünktlichen 2155 nach Jena gefahren. Und der ist mit seinem Laufweg aus NRW schon eher anfällig und ab und häufiger verspätet.

Grüße 611 040
und ein interessantes Bahnjahr 2022 und viele hoffentlich pünktliche Fahrten.

--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤

Die Realität, das vorweg, ist deutlich besser.

Henrik, Donnerstag, 06.01.2022, 17:40 (vor 18 Tagen) @ 611 040

Seit Jahren wird über die Pünktlichkeit gemeckert. Und ja manchmal ist es sehr ärgerlich, vor allem wenn dadurch ganze Reiseketten zerstört werden.

Der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr liegt bei 85%.

Aber so häufig wie oft zitiert trifft es jeden doch gar nicht.
Klar findet man an größeren Bahnhöfen immer verspätete Züge, aber wenn man mal ehrlich nur die eigenen Fahrten ansieht ist es bei den meisten doch längst nicht so viel.

Thematisiert wird in der Öffentlichkeit nebst Bahn-Kritiker-Foren wie diesen hier nur die Verspätungen der Züge des Fernverkehrs.
Das ist für den einzelnen überhaupt nicht relevant.
Wie der Vorredner schon treffend formulierte, ist das reine PR.. Image - mehr nicht.
Und eben die Vergütung durch Boni von verantwortlichen Bahnmanagern richtet sich danach.

Die Reisenden selbst kommen natürlich mit einer erheblich höheren Wahrscheinlichkeit pünktlich an ihren Zielen an.

Klar gibt es auch deutliche regionale Unterschiede. So wird ein Pendler Dortmund - Essen deutlich öfter von Verspätungen geplagt sein, als einer von Meiningen nach Sonneberg. Dafür ist auf erstgenannter Strecke aber auch ein Vielfaches an Ausweichmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit vorhanden.

beides nun wahrlich nicht so recht klassische Relationen des Fernverkehrs.. ;)
letztere auf keinen Fall, erster kann man auch mit ICE zurücklegen, joa. Dort liegt die Pünktlichkeit eher deutlich höher.
Nun war ab Essen auch noch eine Strecke längere Zeit gesperrt - das mag die Pünktlichkeit noch einmal mehr gesteigert haben.. zu den zusätzlichen Steigerungen dieses Jahres noch drauf.

Ich persönlich erlebe eigentlich relativ selten größere Verspätungen. Manchmal ärgern sie mich extrem, aber sowas kommt in höchstens 5-10% der Fahrten vor.

Den gewaltig hohen Wert nehm ich Dir nicht ab.
Meintest Du Promille? 0,5-1%

Die allermeisten sind absolut pünktlich egal mit welchen EVUs.

Ebent.
Und wenn der durchschnittliche jeden-Tag-2x200km-Pendler ein einziges Mal innerhalb von 2 Wochen auch nur 7 min später zuhause bei seiner Frau ankommt, dann fällt das ganz gewiss noch nicht einmal auf.
Und mit jedem anderen Verkehrsmittel wäre er deutlich unzuverlässiger unterwegs.

Die Realität, das vorweg, ist deutlich besser.

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Donnerstag, 06.01.2022, 18:39 (vor 18 Tagen) @ Henrik

Seit Jahren wird über die Pünktlichkeit gemeckert. Und ja manchmal ist es sehr ärgerlich, vor allem wenn dadurch ganze Reiseketten zerstört werden.


Der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr liegt bei 85%.

Ich fände das akzeptabel.

Aber so häufig wie oft zitiert trifft es jeden doch gar nicht.
Klar findet man an größeren Bahnhöfen immer verspätete Züge, aber wenn man mal ehrlich nur die eigenen Fahrten ansieht ist es bei den meisten doch längst nicht so viel.


Thematisiert wird in der Öffentlichkeit nebst Bahn-Kritiker-Foren wie diesen hier nur die Verspätungen der Züge des Fernverkehrs.
Das ist für den einzelnen überhaupt nicht relevant.

Hängt davon ab, Fernverkehr übernimmt ja durchaus auch Aufgaben in Regionen. Gibt Gründe, warum die Trennung Regional-/Fernverkehr stellenweise aufgeweicht wurde. Bei kürzeren Relationen spielen solche Verspätungen eher eine Rolle als auf langen Relationen.

Als jemand, der häufig und gern reist, kann ich aber aus Erfahrung sagen, dass man einen Anschlussverlust oder einen längeren Aufenthalt am Bahnhof wegen einer Verspätung (oder beides gleichzeitig) eher annehmen wird, wenn man am Bahnhof eine gewisse Aufenthaltsqualität findet, die es erträglich macht.

Also meinetwegen WLAN und Sitzgelegenheiten in klimatisierten Räumlichkeiten.

Wie der Vorredner schon treffend formulierte, ist das reine PR.. Image - mehr nicht.
Und eben die Vergütung durch Boni von verantwortlichen Bahnmanagern richtet sich danach.

Wobei klar sein muss, dass man immer schauen sollte, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit nach den eigenen Möglichkeiten zu maximieren. Es ist ja nicht so, als ob das gar nicht versucht wird.

Die Reisenden selbst kommen natürlich mit einer erheblich höheren Wahrscheinlichkeit pünktlich an ihren Zielen an.

Deswegen wäre es eigentlich interessant, zu wissen, wie die Reisendenpünktlichkeit aussieht.

Klar gibt es auch deutliche regionale Unterschiede. So wird ein Pendler Dortmund - Essen deutlich öfter von Verspätungen geplagt sein, als einer von Meiningen nach Sonneberg. Dafür ist auf erstgenannter Strecke aber auch ein Vielfaches an Ausweichmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit vorhanden.


beides nun wahrlich nicht so recht klassische Relationen des Fernverkehrs.. ;)

Aber nicht völlig abwegig! In Österreich ist es ganz normal, dass man von Linz nach Wels den Fernverkehr nimmt. Irgendwo las ich, dass auch die Schüler den Railjet zwischen Attnang-Puchheim und Vöcklabruck nehmen.

Und dann gibt es Landstriche, wo die Bedienung nur vom Fernverkehr erfolgt - etwa am Arlberg.

letztere auf keinen Fall, erster kann man auch mit ICE zurücklegen, joa. Dort liegt die Pünktlichkeit eher deutlich höher.

Wenn ich mir die Reisezeiten in der Ruhrregion anschaue, ist der einzige Grund, nicht den Fernverkehr dort zu nehmen, der erhöhte Fahrpreis. Eine Einbindung des Fernverkehrs in die Verkehrsverbünde brächte definitiv Vorteile und würde die Attraktivität wesentlich steigern.

Keine Ahnung, warum man unbedingt den Fernverkehr nicht tarifintegriert laufen lassen will zum selben Preis wie den Regionalverkehr. Gefühlt ist diese Struktur das Werk irgendwelcher Dogmatiker, die einfach nicht outside the box denken können oder wollen.

Nun war ab Essen auch noch eine Strecke längere Zeit gesperrt - das mag die Pünktlichkeit noch einmal mehr gesteigert haben.. zu den zusätzlichen Steigerungen dieses Jahres noch drauf.

Ich persönlich erlebe eigentlich relativ selten größere Verspätungen. Manchmal ärgern sie mich extrem, aber sowas kommt in höchstens 5-10% der Fahrten vor.


Den gewaltig hohen Wert nehm ich Dir nicht ab.
Meintest Du Promille? 0,5-1%

Das wäre der Wert, den ich immer kriege, wann auch immer ich in Deutschland eine Reise mache.

Und hey, die DB Netz AG kriegt es auch hin, meinen Railjet zwischen Freilassing und Kiefersfelden pünktlich über die Bühne laufen zu lassen und angeblich hat er ja so eine niedrige Priorität etc.

Die allermeisten sind absolut pünktlich egal mit welchen EVUs.


Ebent.
Und wenn der durchschnittliche jeden-Tag-2x200km-Pendler ein einziges Mal innerhalb von 2 Wochen auch nur 7 min später zuhause bei seiner Frau ankommt, dann fällt das ganz gewiss noch nicht einmal auf.

Manche warten einfach nur darauf, mal so richtig grantig sein zu können. Da ist die Bahn vielleicht der Katalysator für ganz andere Probleme.

Und mit jedem anderen Verkehrsmittel wäre er deutlich unzuverlässiger unterwegs.

Blaschke wird da sicher energisch was gegen sagen, weil Autofahren auf der Autobahn ja auch so toll ist und so. Weil es ja auch super ist, für eine WC-Pause erstmal die nächste Raststätte aufsuchen zu müssen. Weil man ja im Stau wenigstens für sich alleine rumgammeln kann und seine Zeit im Gefährt verschwenden kann. Im Auto kann man aber auch nur schlecht im Eifer des Gefechts einen Tweet absetzen oder in einer Kommentarspalte sich echauffieren. Man kommt zu Hause an und da hat sich das Gemüt schon beruhigt... und wenn nicht, dann sollte man mal zum doc. Ist nicht gesund, sich ständig über jeden Nonsense zu echauffieren.

Ich fahre recht selten selbst Auto, noch seltener ganz alleine. Ich mach das der Fahrpraxis wegen. Damit kann ich auch Erfahrung aus der Perspektive sammeln.

1. Alleine fahren ist furchtbar. Da ist einfach nichts los. Höchstens Musik für bisserl Stimmung. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das jeden Tag irgendwie angenehm sein soll. Weil:

du musst ständig auf der Hut sein vor Gefahren, mal nähert sich ein Fußgänger jenseits jeder Möglichkeit zum Bremsen gefährlich nahe zu mir, mal macht ein anderer Verkehrsteilnehmer einen Fehler, auf den du reagieren musst, gleichzeitig musst du Geschwindigkeitsbeschränkungen beachten, Verkehrszeichen rechtzeitig beachten, da wird man durchaus gefordert. Das kann man meistern, aber meiner Meinung nach ist das stressig. Es lastet eine sehr hohe Verantwortung auf einen.

Ein Beifahrer hilft wirklich sehr. Meinetwegen, um dir zu sagen, wo du abbiegen musst, aber auch weil du im besten Fall 2 weitere Augen hast für das Geschehen, weil du jemanden hast, mit dem du bisserl reden kannst...

2. Du bist innerhalb des Verkehrsmittels unflexibel.

In einem Zug kannst du mal eben das Handy rausholen und chatten, egal ob man fährt oder steht. Im Auto ist das während des Fahrens nicht nur verboten, sondern auch verdammt gefährlich.

Wie willst du während der Fahrt als Fahrer was trinken? Oder gar essen? Und was überhaupt? Im Fernverkehr kriegst du eine Auswahl warmer Mahlzeiten für längere Reisen und kannst diese in einem gepflegten Ambiente mit richtigem Besteck verzehren. Dieses Level erreichst du im Auto nimmer. Da muss man sich Zeit nehmen und in die Rastatation.

Du hast mal eben ein Bedürftnis? Im Auto kann es ziemlich arg werden, bis man die nächste Möglichkeit hat. Und das geht wieder auf die Reisezeit drauf. Das vergessen natürlich die Autofans schnell. Sie sehen die Zeit auf Google Maps oder ihrem Navigator und vergessen die notwendigen Pausen.

Im Zug bei längeren Distanzen an sich kein Problem, oft haben Züge sogar mehr als ein WC, also auch genug Redundanz.

Du willst dich nach einiger Zeit mal bewegen? Beim Auto musst du wieder parken und rausgehen.

Im Zug kannst du zur Not mal kurz dir die Beine vertreten. Jederzeit. Da kann man auch gerne mal seine Balance-Fähigkeiten üben. :D

Auch toll: wenn ich im Zug oder Bus an einem Ort ankomme, muss ich mir nicht Gedanken machen, wo und wie ich parke. Als Fahranfänger sind meine Parkkünste uhh... spannend.

Freilich, hin und wieder kann eine Autofahrt schon nett sein. Allerdings eher nicht zum Pendeln. Sondern meinetwegen für einen RoadTrip, vielleicht weil es grade sich so ergibt, dass das Sinn ergibt...

Und das tut man dann auch nicht alleine ;)

Ich finde es spannend, wie andere eine ganz andere Sicht auf diese Materie haben und damit leichter klarkommen, es als selbstverständlich nehmen und vielleicht sogar es genießen.

Mir geht es jetzt um längere Distanzen. Kann sein, dass es auf Kurzstrecken, wo das ÖV-Angebot einfach gar nicht passt, anders ist. Aber wie oft sind es tatsächlich solche Relationen, wo das Auto wirklich de facto alternativlos ist, die die Straßen verstopfen? Hand auf's Herz.

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Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)

Die Realität, das vorne weg, ist deutlich besser.

BGSMH, Donnerstag, 06.01.2022, 22:38 (vor 18 Tagen) @ J-C

Daran sieht man, dass es nicht DAS Verkehrsmittel gibt, weil die persönlichen Präferenzen eben unterschiedlich sind. Viele Autofahrer haben auf das Auto einen anderen Blick:

- Das Fahren selbst strängt sie nicht sonderlich an.
- Sie mögen die Privatsphäre des eigenen Autos.
- Sie möchten das Aussehen des Verkehrsmittels als auch die Inneneinrichtung selbst bestimmten und sehen es als Ausdruck ihrer eigenen Persönlichkeit.
- Sie nutzen die Zeit zum Telefonieren, Nachdenken oder Anhören von Musik, Radio, Podcasts etc. (Der Telefon-Empfang ist übrigens deutlich besser im Auto, zumal es keine Mithörer gibt und sich auch niemand gestört fühlt.)
- Sie mögen die Flexibilität die ein Auto bietet (kein Fahrplan, man kann jede Minute und zu jeder Tag und Nachtzeit losfahren).
- Sie mögen den Umstand, dass man sehr einfach viel Gepäck mitnehmen kann.
- Sie mögen die Einfachheit des Autofahrens. Ziel ins Navi und los gehts. Keine Ortskenntnisse benötigt. Bei Staus und Sperrungen wird man von modernen Geräten neu navigiert.
- Sie fahren nicht hauptsächlich "Großstadt Zentrum" nach "Großstadt Zentrum".
- Sie sind oft keine Singles und wohnen oft nicht im Zentrum von Großstädten.
- Last but not least: Sie schaffen es beim Fahren zu trinken (und oft auch zu essen). ;)

So und so. Oder so.

Der Blaschke, Donnerstag, 06.01.2022, 22:41 (vor 18 Tagen) @ J-C

Huhu.

Der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr liegt bei 85%.

Ich fände das akzeptabel.

Ich nicht.

Als jemand, der häufig und gern reist, kann ich aber aus Erfahrung sagen, dass man einen Anschlussverlust oder einen längeren Aufenthalt am Bahnhof wegen einer Verspätung (oder beides gleichzeitig) eher annehmen wird, wenn man am Bahnhof eine gewisse Aufenthaltsqualität findet, die es erträglich macht.

Ähm, nö.

So wird ein Pendler Dortmund - Essen deutlich öfter von Verspätungen geplagt sein, als einer von Meiningen nach Sonneberg. Dafür ist auf erstgenannter Strecke aber auch ein Vielfaches an Ausweichmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit vorhanden.

Was aber möglicherweise die Unzufriedenheit steigern könnte, wenn die Ausweichidee dann doch nicht so top war.

Und zig Möglichkeiten führen dann eher zu irrem Aktivismus und Unruhe.

Und mit jedem anderen Verkehrsmittel wäre er deutlich unzuverlässiger unterwegs.

Blaschke wird da sicher energisch was gegen sagen, weil Autofahren auf der Autobahn ja auch so toll ist und so.

Es ist zuverlässig. Ich muss nicht 'energisch' widersprechen. Kannst ja mal 2 Wochen bei mir mitfahren. Danach bist du ein neuer Mensch ... ;-)

Im Auto kann man aber auch nur schlecht im Eifer des Gefechts einen Tweet absetzen oder in einer Kommentarspalte sich echauffieren.

Was vielleicht nicht unbedingt von Nachteil sein muss ...

1. Alleine fahren ist furchtbar. Da ist einfach nichts los. Höchstens Musik für bisserl Stimmung. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das jeden Tag irgendwie angenehm sein soll.

Siehste, so unterschiedlich ist die Welt. In den reinen 'Pillenfahrjahren' kam ich rein dienstlich auf ca 110.000 Kilometer, dazu ca 25.000 km privat und für's Zeitungsverteilen. Alles allein.

Ein Beifahrer hilft wirklich sehr.

Kann aber auch ablenken oder nerven.

Wie willst du während der Fahrt als Fahrer was trinken? (...) Und was überhaupt?

Coca-Cola!

Freilich, hin und wieder kann eine Autofahrt schon nett sein. Allerdings eher nicht zum Pendeln.

Warum nicht? Ich würde mal sagen, es kommt in allen Fällen auf die konkrete Strecke und Umstände an! Pendeln kann mit dem Auto erholsamer sein als mit dem Zug. Aber umgekehrt ist es genauso möglich!

Mir geht es jetzt um längere Distanzen. Kann sein, dass es auf Kurzstrecken, wo das ÖV-Angebot einfach gar nicht passt, anders ist. Aber wie oft sind es tatsächlich solche Relationen, wo das Auto wirklich de facto alternativlos ist (...)


Da gilt dasselbe wie bei der Antwort zuvor. Mal so, mal so.


Schöne Grüße von jörg

Die Realität, das vorweg, ist deutlich besser.

musicus, Freitag, 07.01.2022, 11:14 (vor 17 Tagen) @ Henrik

Der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr liegt bei 85%.

Und wieviel Prozent aller getätigten Umstiege sind FV/FV-Anschlüsse?

Thematisiert wird in der Öffentlichkeit nebst Bahn-Kritiker-Foren wie diesen hier nur die Verspätungen der Züge des Fernverkehrs.
Das ist für den einzelnen überhaupt nicht relevant.

Ergo ist auch der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr überhaupt nicht relevant. Relevant wäre eine öffentlich einsehbare, valide Statistik zur Reisendenpünktlichkeit.

Die Reisenden selbst kommen natürlich mit einer erheblich höheren Wahrscheinlichkeit pünktlich an ihren Zielen an.

Und zwar mit welcher genau?

Und mit jedem anderen Verkehrsmittel wäre er deutlich unzuverlässiger unterwegs.

Was alleine an der jeweils zuvor zugrundegelegten Definition von „Zuverlässigkeit“ liegt.

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