Airliners.de: Auswirkungen von 30 Jahren ICE auf dt. Flüge (Allgemeines Forum)

BGSMH, Dienstag, 28.12.2021, 20:09 (vor 21 Tagen)
bearbeitet von BGSMH, Dienstag, 28.12.2021, 20:13

Liebes Forum,

Airliners.de hat eine interessante Analyse zur Auswirkung des Ausbaus des ICE-Netzes in den letzten 30 Jahren veröffentlicht: https://www.airliners.de/analyse-auswirkungen-30-jahren-ice-innerdeutsche-kurzstreckenf...

Ich möchte den gesamten Beitrag mal zur Diskussion stellen und bin gespannt, welche Facetten ihr erwähnenswert findet, was ihr anders seht und was ihr ergänzen würdet.

Ein Gedanke, den ich interessant fand, ist folgender:

"Dabei sind die "Low hanging Fruits" in Sachen Schnellbahnausbau in Deutschland mittlerweile geerntet. Ab jetzt wird es nur noch komplexer. Dennoch muss weiter ausgebaut werden, was vielerorts bereits planfestgestellt oder sogar begonnen wurde."

Low Hanging Fruits, also Neu- und Ausbauten, die verhältnismäßig schnell und mit verhältnismäßig wenig Aufwand einen großen Ertrag bringen. Ich nehme an damit sind Strecken wie Berlin - Hannover gemeint, die topographisch nicht anspruchsvoll sind und gleichzeitig einen sehr hohen Nutzen haben.

Teilt Ihr diese Einschätzung bzw. welche "Low Hanging Fruits" seht ihr (noch)? Könnte man Bahnhofsbeschleunigungen darunter fassen - aber wie preiswert sind die wirklich?

Airliners.de: Auswirkungen von 30 Jahren ICE auf dt. Flüge

Tubs, Riesa, Mittwoch, 29.12.2021, 06:23 (vor 21 Tagen) @ BGSMH
bearbeitet von Tubs, Mittwoch, 29.12.2021, 06:24

Hallo alle zusammen?

Hier stellt sich mir eher die Frage, wie man „low hanging fruits“ definiert. Planerisch, bautechnisch, rechtlich?

Aber in der Tat sind viele Großprojekte (VDE etc.) gelaufen oder „in der Mache“.

Grundsätzlich fallen mir spontan folgende Strecken ein (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Berlin-Warschau (https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/berlin-frankfurt-oder-grenze) könnte tatsächlich in jeder Hinsicht eine „low hanging fruit“ sein. Aber hier wird zumindest auf deutscher Seite nur auf 160 km/h ausgebaut. Da scheint mir noch erhebliches Potential zu sein.

Berlin-Dresden (https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/berlin-dresden): im Bau, Ende 2028

Dresden- Riesa (https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/vde9, https://bauprojekte.deutschebahn.com/media/projects/7265/docs/FB_leipzig-dresden-vde9-r... im Bau, Ende 2028

Dresden-Prag (https://neubaustrecke-dresden-prag.de/), in Planung, Ende? (so etwas könnte ich mir auch für Berlin-Warschau vorstellen)

Sachsen-Franken-Magistrale (https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/sachsen-franken-magistrale), in Stufen, Ende? (und auch “nur“ auf 160 km/h)

Berlin-Rostock (https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/berlin-rostock), in Stufen, Ende? (und auch „nur“ für 160 km/h)

Frankfurt-Mannheim (https://www.frankfurt-mannheim.de/home.html), in Planung, kann hier jemand etwas dazu sagen?

Hannover-Bielefeld (https://www.hannover-bielefeld.de/), in Planung, (das wird bestimmt noch „lustig“ angesichts der vielen NIMBYs)

Alles rund um Stuttgart 21, im Bau, Ende?

Wie sieht denn mit den folgenden Strecken aus?

Mittelrheintal

Frankfurt-Kassel

Würzburg-Nürnberg

Hannover-Hamburg (Kann Blaschi dazu etwas sagen?)

Amsterdam-Osnabrück-Hamburg/Hannover/Berlin (Da könnte Oscar näher dran sein!)

Bahnhofsausbauten dienen in der Regel eher der Betriebsstabilität. Hier ist im Westen in der Tat noch einiges zu tun. (Köln, Frankfurt etc.) [1]

Alles Gute und bleibt gesund!

Tobias

[1] Den Vortrag von David Kriesel „Bahnminig- Pünktlichkeit ist eine Zier“ aus dem Jahre 2019 kennen sicher hier einige. (https://media.ccc.de/v/36c3-10652-bahnmining_-_punktlichkeit_ist_eine_zier)

zwei weitere Strecken

ktmb, iOS, Mittwoch, 29.12.2021, 11:35 (vor 21 Tagen) @ Tubs

Leipzig/Halle-Berlin fehlt auch noch. Ich kann mir nicht vorstellen, warum es hier nicht weitergeht.
Aber auch Köln - Hamburg hat sicher noch viel Potential in Sachen HGV.
Hier sollte doch irgendwann einmal 2,5 h für echte ICE und 3 h für IC machbar sein.

Ich hoffe jedoch, dass der typisch deutsch HGV-Flickenteppich nach und nach durchgängiger werden wird.

--
Niemand hat die Absicht eine Autobahn zu bauen. #A49#A20#AXYtbc

Airliners.de: Auswirkungen von 30 Jahren ICE auf dt. Flüge

JanZ, Ha(n)sestadt, Mittwoch, 29.12.2021, 19:37 (vor 20 Tagen) @ Tubs
bearbeitet von JanZ, Mittwoch, 29.12.2021, 19:39

Mittelrheintal

Dafür wurde ja bereits die KRM gebaut. Ich wüsste nicht, dass es Pläne zum Ausbau an den Altstrecken gibt (und ehrlich gesagt auch nicht, wozu die dienen sollten).


Frankfurt-Kassel

Hanau-Fulda soll ausgebaut werden (ABS/NBS). Frankfurt-Hanau wird durch den Frankfurter Fernbahntunnel beschleunigt, wenn er denn kommt. Fulda-Kassel gibt es bereits eine SFS.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Niederlande.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 30.12.2021, 09:47 (vor 20 Tagen) @ Tubs

Hallo Tubs, hallo ICE-Fans,

Amsterdam-Osnabrück-Hamburg/Hannover/Berlin (Da könnte Oscar näher dran sein!)

Wishing I was... :(

Auch in der heutigen Zeit von "flygskam", "there is no planet B", Fridays 4 Future, Stickstoffkrise und dem niederländischen Verfahren MVO (Maatschappelijk Verantwoord Ondernemen = gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensweise) gibt es immer noch keine konkreten Anlässe, neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in NL zu bauen.

Lediglich die Volt-Partei macht sich wirklich stark für ein europaweites HGV-Netz (lies: bitte etwas mehr als lediglich Watergraafsmeer erweitern damit wir dort mehr deutsche ICEs abparken können); bei den anderen Parteien ist es lediglich und bestenfalls Wahlpropaganda. Leider für uns ICE-Fans hat die Volt-Partei nur 3 von 150 Mandaten im Parlament und überhaupt keine Senatsvertretung. 2022 sind zwar Gemeinderatswahlen in NL, aber hier in Eindhoven geht die bahnbezogene Politik nicht weiter als die internationale Anbindung von Eindhoven an Deutschland und Belgien (lies: ja, der Düsseldorf-IC kommt, sollen wir auch einen Brüssel-IC nachstreben?).

Bezüglich Amsterdam-Berlin herrscht in NL leider für uns ICE-Fans die Auffassung:

a. Deutschland hat die Verkehrsmittel zum Rasen, NL nicht.
b. in Deutschland ist Platz zum Rasen da, in NL nicht.
c. Deutschland hat die Bodenfestigkeit für Rennbahnen, NL nicht.

Es wird hier eher diskutiert, ob die Schnellverbindung Berlin-Amsterdam nun:

a. nach wie vor in Almelo, Apeldoorn und Hilversum halten soll;
b. via Osnabrück und Hengelo stattfinden soll oder doch vis Essen und Oberhausen;
c. via Deventer und Amersfoort stattfinden soll (wie jetzt) oder doch via Zwolle und Almere, weil man dorthin schon fährt bei Baustellen und man zudem zwischen Zwolle-Lelystad für ein paar Dutzend Kilometer ein bisschen Gas geben kann.

Alles was hier im Treff geschrieben wurde bzgl. Rennbahn Utrecht-Köln, Twentelinie, Rennbahn Amersfoort/Arnhem - Münster - Bielefeld oder Eisenbahnknoten "Winterswijk ICE" sind Gedankenspielen eines hier nicht näher zu nennen niederländischen ICE-Fans.

Wenn wir die Idee einer HSL-Oost wiederaufnehmen, müssen wir auch realisieren, dass es zuerst 20 Jahre dauert bis die Pläne endgültig feststehen und weitere 20 Jahre vorübergehen bevor die Infra steht. Dann sind wir als im Jahre 2062. Bin mir nicht sicher, ob unsere brandneue neoliberale Regierung Rutte-4 sich schon Gedanken darüber macht. Das Regierungsabkommen sieht eher aus wie ein Reparierungsabkommen. Derselbe alte Wein, neues Gefäss.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Niederlande.

ITF, Freitag, 31.12.2021, 15:40 (vor 19 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich dachte die Frage wäre mit dem D-Takt entschieden, dass Amsterdam - Berlin weiterhin über Hengelo geführt wird. Verdichtet zum Stundentakt und deutlich beschleunigt.

Auch aus NL habe ich Studien gesehen, die die Takt via Zwolle und den Ausbaubedarf exakt darlegen.

Jubelschrei bzgl. ICE an falscher Stelle?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 30.12.2021, 10:08 (vor 20 Tagen) @ BGSMH

Hallo ICE-Fans,

Airliners.de hat eine interessante Analyse zur Auswirkung des Ausbaus des ICE-Netzes in den letzten 30 Jahren veröffentlicht: https://www.airliners.de/analyse-auswirkungen-30-jahren-ice-innerdeutsche-kurzstreckenf...

Es wurde also die Frage gestellt: Welche innerdeutsche Strecken werden dank ICE nicht mehr geflogen?
Schön, dass die Bahn bestimmte innerdeutsche Flüge verunnötigt hat. Darum geht's aber leider nicht.

Ich kann nämlich auch die Frage stellen: Was ist aus den Flugzeugen, die zuvor diese Strecken flogen, geworden?
Sind die Flugzeuge arbeitslos geworden? Oder sogar verschrottet? Oder haben die Flugzeuge neue Aufgaben = längere Strecken bekommen?

Im letzten Fall sind die ach so tollen ICEs nur eine Ausrede für die Airlines gewesen, neue Märkte anzubohren und ihren Marktanteil zu verstärken. Zuvor flog Otto Köln-Frankfurt für viel Euros (Billigflieger gab es noch nicht) und reiste Köln-Mailand gar nicht (denn zu teuer). Jetzt kann er Köln-Frankfurt mit der Bahn fahren (ob er das tatsächlich macht, sei dahingestellt) und fliegt er Köln-Mailand für wenig Euros.

Sorry dass ich hier den Spass verderbe, aber damit ist unserem Planeten nicht geholfen.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Jubelschrei bzgl. ICE an falscher Stelle?

BGSMH, Donnerstag, 30.12.2021, 13:58 (vor 20 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich kann deine Argumentation nicht ganz nachvollziehen. Da so etwas theoretisch immer sehr kompliziert zu erklären ist, mache ich mal ein Beispiel. Wir nehmen an, dass in Deutschland ab 2022 der Einsatz von Verbrenner-Pkws verboten wird. Das Resultat ist freilich nicht, dass die derzeit in Deutschland gefahrenen Verbrenner-Autos verschrottet werden, sondern, dass diese ins Ausland verkauft werden, wo sie im Schnitt x weitere Jahre weiterfahren bevor sie dann tatsächlich verschrottet werden. Im Ausland ersetzten diese zum einen alte Autos und aufgrund des größeren Angebots / geringeren Preis an Pkws wird nun im Ausland sicher noch etwas mehr Auto gefahren.

Insofern scheint mir ein fiktives Verbrenner-Verbot schon allein deshalb einen Effekt zu haben, weil es im Ausland eben alte Pkws ersetzt. Zum anderen werden in Deutschland keine Neuwagen mehr gekauft, was einen Einfluss auf die weltweiten Zulassungszahlen hat.

Ergo: Ich sehe da schon einen Effekt durch die Streichung von Strecken.

Jubelschrei bzgl. ICE an falscher Stelle?

JanZ, Ha(n)sestadt, Freitag, 31.12.2021, 15:02 (vor 19 Tagen) @ BGSMH

Richtig. Anders sähe es aus, wenn die Billigflüge ins Ausland eine direkte Folge der Einstellung von innerdeutschen Verbindungen wäre, z.B. weil die Fluggesellschaften die Flugzeuge unbedingt irgendwie auslasten wollten. Das glaube ich aber nicht. So haben sich vielleicht die Effekte (teilweise) aufgehoben, ohne die deutschen SFS wäre aber noch mehr geflogen worden.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Jubelschrei bzgl. ICE an falscher Stelle?

Norddeich, Donnerstag, 30.12.2021, 14:15 (vor 20 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Norddeich, Donnerstag, 30.12.2021, 14:15

Sind die Flugzeuge arbeitslos geworden? Oder sogar verschrottet? Oder haben die Flugzeuge neue Aufgaben = längere Strecken bekommen?

Die meisten Flugzeugen, die vor 30 Jahren innerdeutsche Strecken bedient haben, dürften inzwischen verschrottet worden sein.

Neue Flugzeuge werden (wie Züge) nur auf konkrete Bestellung produziert.

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum