Wann darf ich meine Fahrt wirklich(!) abbrechen? (Fahrkarten, Angebote und Tarife)

ICE619, München, Samstag, 17.10.2020, 13:22 (vor 14 Tagen)

Abbrechen natürlich jederzeit, geht in dem Fall wie ich ihr euch womöglich denken könnt, um die Erstattung vom kompletten Fahrtpreis.

https://community.bahn.de/questions/2484015-verspatung-ec44-mehr-60-minuten-fahrt-vorhe...

In dem verlinkten Thread entsteht nach meinem Empfinden irgendwie das Gefühl, dass das so garnicht klar ist.
Die DB bestätigt leider nur eine Antwort als die richtige Antwort, sagt aber nichts weiter dazu.
Da mir bewusst ist, dass es hier wirklich Leute gibt die sich mit solch Dingen wirklich sehr sehr gut auskennen, würd ich gern das Thema hier mal behandeln.

Hoffe, dass es okay ist, dass ich aus dem Thread nun nichts rauskopiere wie ggf ein bestimmter User gern kritisiert.

Also falls jemand Zeit und Lust hat, darf sich gerne den Thread durchlesen und hier seine Erfahrung oder Meinung niederschreiben.
Laut Frau Merkel, sollen wir ja eh alle, wenn möglich, zuhause bleiben und haben somit Zeit.

Schönes WE euch allen!:-)

Wann darf ich meine Fahrt wirklich(!) abbrechen?

ICE-TD, Samstag, 17.10.2020, 13:40 (vor 14 Tagen) @ ICE619

Der Zug kam mit 42 min in Berlin an, also keine Erstattung. Wenn dann müsste er wohl einen Screenshot einer Prognose haben die für Berlin mehr als 60 min prognostizierte, eine solche Prognose gab es aber anscheinend nicht laut Threadersteller.

Wann darf ich meine Fahrt wirklich(!) abbrechen?

GibmirZucker, Göding, Samstag, 17.10.2020, 13:48 (vor 14 Tagen) @ ICE619

Erstens scheint es eher so,als hätte sich der Reisende eh spontan entschieden zu fliegen, als er ein Billigangebot entdecke. Gut, ändert an der Sache nichts. Aber gerade bei langen Laufwegen und auch international verstärkt kann eine Verspätung massiv abgebaut werden. Wenn die DB prognostiziert, dass der Zug 40 Minuten verspätet in Berlin ankommt, dann ist das ja maßgebend. Und nicht was hunderte Kilometer weiter östlich der Stand war.

Wann darf ich meine Fahrt wirklich(!) abbrechen?

VT642, Samstag, 17.10.2020, 13:52 (vor 14 Tagen) @ ICE619

"Experten" buchen daher bei Fahrten zu Knotenbahnhöfen immer noch einen Anschluss, den sie gar nicht zu nutzen gedenken, dazu - idealerweise zu einem Bahnhof, der nur alle 60min angefahren wird ;)

Wann darf ich meine Fahrt wirklich(!) abbrechen?

Knochendochen, Samstag, 17.10.2020, 14:00 (vor 14 Tagen) @ ICE619

Eigentlich ist es doch ganz einfach:

Wenn vernünftigerweise davon ausgegangen werden muss, dass der Zielbahnhof mit einer Verspätung von über 60 Minuten erreicht wird, darf man die Fahrt abbrechen und sich den nicht durchgeführten Anteil erstatten lassen oder zum Ausgangsbahnhof zurückkehren und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen.

Das steht in Punkt A.9.1.3 der Beförderungsbedingungen:

Muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Reisende am Zielbahnhof gemäß Beförderungsvertrag mehr als 60 Minuten verspätet ankommen wird, kann er auch die Reise abbrechen oder gar nicht erst antreten. Er hat dann anstelle der Ansprüche nach den Nummern 9.1.1 oder 9.1.2 Anspruch auf Erstattung des von ihm bezahlten Fahrpreises für die nicht durchgeführten Teile der Fahrt und für die bereits durchgeführten Teile, wenn die Fahrt für ihn sinnlos geworden ist, gegebenenfalls zusammen mit einer Rückfahrt zum ersten Ausgangspunkt bei nächster Gelegenheit. Für die Erstattung gilt Nr. 9.3.

Im nächsten Abschnitt wird dann definiert, welche Kriterien für die Ermittlung der zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof anzuwenden sind:

Der Reisende kann insbesondere dann vernünftigerweise mit einer Verspätung nach den Nummern 9.1.1 bis Nr. 9.1.3 am Zielbahnhof rechnen, wenn diese über mindestens einen der nachfolgenden Informationskanäle bekanntgemacht wurde: (i) Aushangfahrpläne und ausgehängte Informationen über Fahrplanänderungen in Bahnhöfen, (ii) elektronische Anzeigen und Lautsprecheransagen in Zügen und auf Bahnhöfen, (iii) Fahrplaninformationen aus Buchungssystemen personalbedienter Verkaufsstellen sowie (iv) verfügbare Fahrplaninformations- und Reisendeninformationsmedien, insbesondere das Fahrplanauskunftssystem im Internet unter www.bahn.de. Die Übergangszeiten für planmäßige Umstiege (Umsteigezeiten) orientieren sich an der elektronischen Fahrplanauskunft unter www.bahn.de. Das Gleiche gilt, wenn der Reisende eine vom Beförderer oder vom Bahnhofsbetreiber ausgestellte Bestätigung vorlegen kann, aus der sich eine Verspätung nach den Nummern 9.1.1 bis Nr. 9.1.3 ergibt.

Wenn also im DB Navigator eine Verspätung über 60 Minuten prognostiziert wird, darf man die Fahrt sofort abbrechen. Bei Umstiegen wurde ich es so deuten, dass dann vernünftigerweise von einem Anschlussverlust ausgegangen werden kann, wenn laut Prognose die Mindestumsteigezeit unterschritten wird. Ob vernünftigerweise davon ausgegangen werden kann, dass ein Anschlusszug wartet, darüber kann man sich streiten, ich würde aber eher sagen nein, und außerdem wäre es für einen Fahrgast auch überhaupt nicht zumutbar, abzuschätzen, ob ein Anschlusszug wartet oder nicht. Wenn im DB Navigator steht "Anschluss vsl. nicht erreichbar" oder "Anschluss wartet nicht", ist es ganz eindeutig, weil da ja da die DB ganz offiziell bestätigt, dass davon auszugehen ist, dass der Anschlusszug erreicht wird.

Im oben zitierten Abschnitt ist ja davon die rede, dass insbesondere dann vernünftigerweise mit einer Verspätung nach
den Nummern 9.1.1 bis Nr. 9.1.3 am Zielbahnhof rechnen, wenn diese über mindestens einen
der nachfolgenden Informationskanäle bekanntgemacht wurde.

Wichtig ist das Wort insbesondere. Ich würde das so auslegen, dass die in den Beförderungsbedingungen genannten Kriterien nicht die einzigen Kriterien sind, die zur Rate gezogen werden dürfen. Wenn ein Zug beispielsweise schon Seit einer Stunde auf freier Strecke steht, er aber im DB Navigator immer noch pünktlich fährt, kann auch vernünftigerweise von einer Verspätung größer 60 Minuten ausgegangen werden.

Generell würde ich immer einen Screenshot von den entsprechenden Prognosen im DB Navigator machen, um im Zweifelsfall belegen zu können, dass die zu erwartende Verspätung am Zielbahnhof wirklich über einer Stunde lag.

Wunder bei Anschlüssen.

sfn17, Samstag, 17.10.2020, 15:59 (vor 14 Tagen) @ Knochendochen
bearbeitet von sfn17, Samstag, 17.10.2020, 16:02

Das allgemeine Problem bei DB ist ja diese Wundergläubigkeit:

Selbst bei voraussichtlich völlig aussichtslosesten Anschlüssen könnte noch während der Fahrt ein Wunder geschehen und damit der Anschluss (egal ob Zug oder Flug) erreicht werden.

Man kann die Reise nicht faktisch abbrechen, ohne manifest zu spät anzukommen. Der Passus
vernünftigerweise davon ausgegangen werden [muss], dass der Reisende am Zielbahnhof gemäß Beförderungsvertrag mehr als 60 Minuten verspätet ankommen wird
wird in der Praxis gar nicht gelebt. Denn die Deutsche Bahn hat keine Vernunft, sondern ist wundergläubig.

Das Problem besteht auch schon bei Verbindungen, in denen an einem Zwischenort ein längerer Aufenthalt eingeplant und so auch gebucht wurde.

Angeblich ist ein durch vorherige Verspätung ruinierter Aufenthalt (d.h. man hat am Zwischenort letztlich gar keine Zeit und muss plötzlich schnell den zuggebundenen und pünktlichen Zug erreichen) erstattungsfähig, aber da habe ich hier im Forum noch nie eine Erfolgsmeldung vernommen. Eigentlich müsste schon bei Verspätung (meinetwegen auch erst ab 59 Minuten) eines vorherigen Zuges bereits die Zugbindung komplett aufgehoben werden.

Ich weiß, dass einige Forumanen den Buchungswunsch "Aufenthalt" gerne ignorieren oder schlecht reden würden. Derartige Unmutsbekundungen bitte gleich unterlassen, danke.

Wunder bei Anschlüssen.

brandenburger, Perleberg, Samstag, 17.10.2020, 19:32 (vor 14 Tagen) @ sfn17

Das allgemeine Problem bei DB ist ja diese Wundergläubigkeit:

Selbst bei voraussichtlich völlig aussichtslosesten Anschlüssen könnte noch während der Fahrt ein Wunder geschehen und damit der Anschluss (egal ob Zug oder Flug) erreicht werden.

Die Erfahrung habe ich nicht gemacht, im Gegenteil nehme ich den DB-Navigator regelmäßig als eher pessimistisch wahr. Da wird geschrieben, dieser Anschluss kann voraussichtlich nicht erreicht werden, und dann klappt es hinterher doch.

Wunder bei Anschlüssen.

VT642, Samstag, 17.10.2020, 22:12 (vor 14 Tagen) @ brandenburger

Die Erfahrung habe ich nicht gemacht, im Gegenteil nehme ich den DB-Navigator regelmäßig als eher pessimistisch wahr. Da wird geschrieben, dieser Anschluss kann voraussichtlich nicht erreicht werden, und dann klappt es hinterher doch.

Diese Auffassung teile ich. Die "Quelle des Optimismus und Wunderglaubens" hat einen anderen Namen: DB Information. Dort ist mir bisher bei nahezu jeder Verspätung, die unweigerlich zum Anschlussverlust und hoher Verspätung am Zielort gesagt worden, man könne mir keinen "Zugbindung aufgehoben" Stempel geben, da ich damit rechnen müsse, dass der Zug in 50min noch 10min Verspätung aufholen würde. Wer Streckenkenntnisse hat, wüsste, dass das auf der betroffenen Strecke niemals möglich wäre und selbst wenn 10min aufgeholt würden, so würde die Übergangszeit 0min betragen und der Anschluss damit noch immer als nicht erreichbar gelten.

Wunder bei Anschlüssen.

bahnfahrerofr., Samstag, 17.10.2020, 22:15 (vor 14 Tagen) @ VT642

Dem stimme ich absolut zu @VT642

Was natürlich schon sein kann im Navigator: wenn der Zug aktuell noch irgendwo rumsteht (Sperrung, Störung) kann die Prognose totaler Müll sein und die daraus folgende Anschlussprognose auch.

Wunder bei Anschlüssen.

GibmirZucker, Göding, Sonntag, 18.10.2020, 12:46 (vor 13 Tagen) @ bahnfahrerofr.

Ja, die Anschlussprognose stimmt häufig nicht. Hilfreich kann nur sein, dass bei gefährdeten Abschlüssen dann eine Alternativverbindung gezeigt wird. Die aber auch tricky ist. Gerade bei internationalen Fahrten werden Verbindungen vorgeschlagen, für die das Ticket nicht gültig ist - und die eine nur um 2 Minuten frühere Ankunft haben als wenn man über den normalen Laufweg den nächsten Zug nimmt.

Abschließendes Fazit schwierig.

ICE619, München, Sonntag, 18.10.2020, 15:07 (vor 13 Tagen) @ GibmirZucker

Ich finde es wirklich schwierig da ein abschließendes Fazit zu ziehn.
Alles sehr schwammig und undurchsichtig, was mich wirklich nervt und aufreibt.
Mir fällt dazu auch nicht wirklich was ein,
viel zu viel graubereich, viel zu viel Macht die da ein EVU ausüben kann, auf Kosten des Fahrgastes.
Dass das EVU nicht mehr Interesse daran hat, dass ich vom Kauf zurücktreten kann, ist mir bewusst.
Aber naja.
Evtl schreib ich da mal der Schlichtungsstelle, Pro Bahn oder dem Eisenbahn-Bundesamt.

60 Minuten oder "ab 60 Minuten"?

chriL999, Sonntag, 18.10.2020, 14:14 (vor 13 Tagen) @ ICE619

Gelten nun 60 Minuten Verspätung oder "mehr als 60 Minuten" Verspätung?

Gemäß Bahn müssten ja bereits 60 Minuten Verspätung am Zielort ausreichen, oder?

https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte/nationale_regelungen.shtml

60 Minuten oder "ab 60 Minuten"?

ICE619, München, Sonntag, 18.10.2020, 14:58 (vor 13 Tagen) @ chriL999

Gelten nun 60 Minuten Verspätung oder "mehr als 60 Minuten" Verspätung?

Gemäß Bahn müssten ja bereits 60 Minuten Verspätung am Zielort ausreichen, oder?

https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte/nationale_regelungen.shtml

Ich stellte die Frage genau so mal an mehrere Organe, Verbünde, EVU ua an das Servicecenter Fahrgastrechte selbst und die Antwort war immer 60 Minuten.
Sprich mit 60 Minuten Verspätung wird entschädigt.
Insbesondere als Beispiel bei Anschlusszügen, die jede Std nur fahrn - gibt es also eine Entschädigung, wenn man den Anschlusszug verpasst aber dann den eine Std später nimmt und der dann pünktlich genau eine Std später am Zielort ankommt.
Dies hatte ich so auch schon öffters und wurde entschädigt.

60 Minuten oder "ab 60 Minuten"?

bahnfahrerofr., Sonntag, 18.10.2020, 20:32 (vor 13 Tagen) @ ICE619

Entschädigt wird wohl auch bei :59 und :58 min, evtl. sogar noch ein oder zwei Minuten weniger, vorausgesetzt man verschreibt sich auf dem Formular oder hat die Zeit nicht mehr ganz genau in Erinnerung...

60 Minuten oder "ab 60 Minuten"?

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 18.10.2020, 21:05 (vor 13 Tagen) @ chriL999

Für eine Entschädigung ja, für eine Erstattung gilt "mehr als 60 Minuten".

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Weg mit dem 4744!

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