Deutschlandtakt und Regionalpolitik (Allgemeines Forum)

WbuIV, Freitag, 31.07.2020, 10:35 (vor 13 Tagen)
bearbeitet von WbuIV, Freitag, 31.07.2020, 10:36

Im Osten Bayerns regt sich Widerstand gegen den Deutschlandtakt:

https://www.kurier.de/inhalt.kritik-an-planungen-deutschlandtakt-oberfranken-droht-abge...

Nachvollziehbar ist, dass Ostbayern tatsächlich ziemlich von Fernverkehr abgehängt ist. Es gibt zwei West-Ost Verbindungen (und umgekehrt). Im Süden München - Salzburg - AUT/I in der Mitte Nürnberg - Paussau - AUT. Eine Nord-Süd-Verbindung fehlt. Die Zugleistung auf der Achse Achse München - Regensburg - Hof - Leipzig usw. ist qualitativ und vom Zeitaufwand erbärmlich.

Aber auch auf Strecken mit FV werden sicher sobald es konkret Öberbürgermeister und Landräte aufdie Barrikaden klettern und einen Halt für ihre überaus wichtige Stadt fordern.

Alternative zum ITF wäre das S-Bahn-Modell oder Mischkonzept

ICETreffErfurt ⌂ @, Eisenach, Freitag, 31.07.2020, 11:17 (vor 13 Tagen) @ WbuIV

Ich bin und war immer ein Verfechter des ITF als grundlegendes Prinzip der Verkehrsplanung. Allerdings funktioniert dieser am besten kleinräumig. Denn ein ITF hängt sehr stark von der Maschengröße ab.

Ein ITF ist im Prinzip ein Karo oder Schachbrettmuster von Knoten und Verbindungen (Kanten). Macht man dieses Muster zu groß, bleiben große Flächen ohne gute Verkehranbindung.

Und genau dieses Problem stellt sich aktuell für Deutschland. Der ITF wird nur für bereits bestehende Eisenbahnstrecken geplant. Das mag wirtschaftlich sinnvoll sein, ist es aber nicht verkehrstechnisch.

Darum bleibt immer noch die Alternative einer HGV-S-Bahn. Also statt die Züge wie in einem Orchester exakt abzustimmen und aufeinander zu timen sollte man möglichst oft fahren. Dann sind die Reiseketten zwar unterm Strich langsamer, da man mehr Umsteigezeiten an den Knoten hat, aber das System ist in sich stabiler.

Der betriebliche Nachteil ist, dass man gegenüber einem durchoptimierten ITF mehr Fahrzeuge und mehr Personal benötigt und das die Hauptstrecken deutlich stärker ausgelastet sind.

Ich sehe die Zukunft in einer Art Mischkonzept. Also ITF dort, wo die Auslastung der Strecken keine höhere Taktung her gibt und eine vom ITF abweichende Taktung dort, wo die Knoten zu instabil sind und dort wo die Maschen zu groß sind.

Für Erfurt würde sich beispielsweise eher das S-Bahn-Konzept bewähren, da der Hauptbahnhof keine für einen ITF geeignete betriebliche Struktur besitzt.

Wenn man die ICE München–Berlin alle 20 Minuten fahren lassen würde, könnte man den Nahverkehr besser verteilen und damit die Zulaufstrecken entlasten.

In Leipzig und Nürnberg könnte man wiederum daraus einen ITF generieren, indem man einfach einen Takt 10 Minuten langsamer macht und dann die Züge, welche im 20-Minuten-Takt Erfurt verlassen im ITF-kompatiblen 30-Minuten-Takt in Nürnberg ankommen. 10 Minuten entsprechen ziemlich genau dem Zeitverlust eines Zusatzhaltes in Coburg oder zweier Zusatzhalte in Bamberg UND Erlangen.

Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob man zusätzlich zu den Taktzügen noch Direktverbindungen anbietet. Beispielsweise 3x täglich ein ICE/IC-Zugpaar Wien–Passau–Regensburg–Nürnberg–Erfurt–Berlin.

Ost-Oberfranken

sfn17, Freitag, 31.07.2020, 15:13 (vor 13 Tagen) @ WbuIV

Im Artikel geht es nicht um "Ostbayern", sondern um Oberfranken und da anscheinend nur um die östliche Hälfte.

Ich wollte schon fragen, welche Städte in "Ostbayern" denn da so abgehängt werden sollen.

Im Arikel ist nur von Marktredwitz und Hof die Rede.

Und ich dachte, es geht um das schöne echte weißblaue Bayern ganz unten rechts (Reit im Winkl und sowas).

(Es geht mir gar nicht mal um die alte Neckerei mit "Bayern" und "Franken".)

Anbindung wichtiger als Zuggattung.

Oscar (NL) @, Eindhoven (NL), Dienstag, 04.08.2020, 09:42 (vor 9 Tagen) @ WbuIV

https://www.kurier.de/inhalt.kritik-an-planungen-deutschlandtakt-oberfranken-droht-abge...

Artikel:

...denn in der jetzt vorgelegten dritten Überarbeitung des Deutschlandtaktes sind die für die Region existentiellen Fernverkehrsverbindungen Nürnberg-Hof-Dresden und München-Regensburg-Hof-Leipzig-Berlin nicht oder nicht mehr vorgesehen.

FV-Netzgrafik (PDF).

Für N-HO-DD ist ein Umstieg in Marktredwitz notwendig. Dafür sind dann Nürnberg-Prag und München-Hof-Dresden direkt.
Für M-R-HO-L-B kann man sagen: die Berlinreise führt dann nicht mehr via Leipzig, sondern via Dresden.

Was das Artikel aber nicht nennt (und ich vermute, DAS ist das Problem): die Stadt Bayreuth ist komplett vom Fernverkehr abgehängt worden. Dort wo Frau Kramme wohnt.
Zwar gibt es Fernverkehr zwischen Nürnberg-Hof, aber der führt via Kirchenlaibach und nicht via Bayreuth.

WbuIV:

Nachvollziehbar ist, dass Ostbayern tatsächlich ziemlich von Fernverkehr abgehängt ist. Es gibt zwei West-Ost Verbindungen (und umgekehrt). Im Süden München - Salzburg - AT/IT in der Mitte Nürnberg - Paussau - AT. Eine Nord-Süd-Verbindung fehlt.

Doch, München-Nürnberg. Aber ich denke, Du meinst östlich von dieser Strecke.

Die Zugleistung auf der Achse Achse München - Regensburg - Hof - Leipzig usw. ist qualitativ und vom Zeitaufwand erbärmlich.

Genauso wie bei uns die Strecke (a) Den Bosch-Nijmegen-Arnhem-Zwolle eine kleinere verkehrstechnische Wert hat als die Strecke (b) Den Bosch-Utrecht-Amersfoort-Zwolle. Der "IC" auf Strecke (a) hat eher mit einem RE zu tun (hält ja auch in Kleinstädten wie Dieren und Zutphen), der von Strecke (b) bedient nur Grosstädte: Utrecht und Amersfoort.
Ist das schlimm? Nein, das ist nachfragekonform.

Aber auch auf Strecken mit FV werden sicher sobald es konkret Öberbürgermeister und Landräte aufdie Barrikaden klettern und einen Halt für ihre überaus wichtige Stadt fordern.

Alle möchten direkt nach München und Berlin. Am liebsten noch mit einem ICE. Egal ob Fahrdraht hängt oder doch nicht. Nun geht das leider nicht, und erst recht nicht mit sowas wie Deutschlandtakt.
Notwendig ist, dass man irgendwie gut irgendwo hinkommt. Wir haben hier in Eindhoven auch keine Fernverkehrsanbindung (der "IC" nach Amsterdam betrachte ich hier nicht als Fernverkehr). Und wir brauchen das auch nicht. Hauptsache ist, dass wir gut mit dem "IC" nach Utrecht, Arnhem, Düsseldorf, Köln oder Rotterdam kommen. Dort wo ICE und Thalys/e320 halten. Und die fahren dann nach London, Paris, Basel, München, Wien, Berlin und Hamburg.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Anbindung wichtiger als Zuggattung.

naseweiß, Dienstag, 04.08.2020, 11:09 (vor 9 Tagen) @ Oscar (NL)

Link Netzgrafik BAYERN

Bayreuth ist per RE alle 30 min an den Knoten Nürnberg angebunden, Fahrzeit 52/56 min. Dort kann man in viele FV-Linien umsteigen.

Die zweistündliche Linie Nürnberg-Dresden aus den vorherigen Entwürfen für den D-Takt, deren Wegfall beklagt wird, soll meiner Ansicht nach weiter verkehren, lediglich als "E3 SA" bezeichnet, z.B.:

- Nürnberg       ab 13:16
- Kirchenlaibach 14:07/08
- Marktredwitz   14:26/31
- Hof            14:52/55
- ( 5 Halte )
- Chemnitz       16:34/36
- ( 3 Halte )
- Dresden        an 17:35

Auf Nürnberg-Marktredwitz ergibt sich der Stundentakt zusammen mit der FR2 (Nürnberg-Cheb-Prag), auf Marktredwitz-Dresden zusammen mit der FR4 (München-Regensburg-Dresden).

Die Linie München-Regensburg-Hof-Leipzig-Berlin ist in der Tat weggefallen. Vermutlich ließe sich so eine Linie als Durchbindung/Flügelung von im Plan enthaltenen FR- und E-Linien irgendwie bewerkstellingen.

Ein ganz anderer Vorschlag wäre noch eine oder die beiden Linien Zürich-Stuttgart-Nürnberg und Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg z.B. nach Bayreuth oder nach Marktredwitz(-...) zu verlängern. Möchte man aus Bayreuth vielleicht alle 30 min nach Stuttgart? Wäre das interessant für die dortige Interessenvertretung?

Gruß, nasweiß

--
[image]

Anbindung wichtiger als Zuggattung.

WbuIV, Dienstag, 04.08.2020, 11:42 (vor 9 Tagen) @ naseweiß

Aus meiner Zeit in Bayreuth habe ich in Erinnerung, dass die Anbindung nach Nürnberg wichtig ist. Nicht unterschätzen sollte man die Bedeutung Richtung Frankfurt Flughafen. Stuttgart als direkter Anschluss war nach meiner Beobachtung kein Thema.

In der Region Bayern-Nordost wird bahntechnisch vielfach noch so getan, als ob es keine Grenzöffnung gegeben hätte. Das meine ich sowohl Richtung "Mitteldeutschland" aber auch Richtung "Prag". Klar es gibt Nahverkehr. Aber Strecken wie Nürnberg - Hof (egal welche Variante) oder Nürnberg - Furth im wald ist schon was für Eisenbahnromantiker. Bayreuth - Leiipzig braucht mit dem Auto ca. 2 Stunden, mit dem Zug zwischen 3 - 4 Stunden, Bayreuth - Prag: Bahn > 5 Stunden, Auto 3:15)

Grundsätzlich halte ich die Anbindung der Tschechischen Republik an den Süden Deutschlands für mäßig attraktiv. Hier könnte noch Poential außerhalb der IC Busse liegen, aber ganz besonders im Güterverkehr. Zu den LKW-Konvois auf der A6 muss es doch Alternativen geben.

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