Mont Blanc & Chablais 4/7: der Stausee (40 B) (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 19.05.2020, 18:15 (vor 13 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum vierten Teil unserer Rundfahrt zwischen Genfersee, Mont Blanc und Chablais. Im dritten Teil hatten wir von Chamonix aus einen Ausflug mit der Chemin de fer du Montenvers unternommen.

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Wir starten nun in den dritten Reisetag. Auch dieser Tag ist wieder sehr abwechslungsreich und bietet eine reiche Bilderausbeute, so dass es erneut zwei Teile gibt.


Tag 3a: Chamonix-Mont-Blanc – Vallorcine - Le Châtelard - Lac d’Emosson - Le Châtelard

Heute verlassen wir Chamonix-Mont-Blanc, unser nächstes Übernachtungsziel ist Leysin in der Schweiz. Dieser Ort ist in Luftlinie keine 50 Kilometer entfernt, mit Zwischenstopps und Umwegen ist es aber keine Herausforderung, hier einen ganzen Tag unterwegs zu sein.

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Wir beginnen den Tag am Bahnhof von Chamonix-Mont-Blanc. Der Bahnhof wurde 1901 in Betrieb genommen, damals erreichte die Strecke von der französischen Seite her den Ort. 1908 erfolgte der Lückenschluss in die Schweiz.

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Während man in der Schweiz dazu übergegangen ist, aus Sicherheitsgründen von der Stromschiene auf eine Oberleitung umzustellen, gibt es auf französischer Seite keine solchen Bestrebungen. Der Triebzug im Hintergrund erinnert an das 100-jährige Jubiläum des grenzüberschreitenden Lückenschlusses. Nun fährt auch gleich unser Zug nach Vallorcine ein. Die französischen Triebzüge vom Typ Z 850 verfügen nicht über einen Zahnradantrieb und können deshalb nicht auf dem schweizerischen Abschnitt fahren.

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Die Strecke folgt dem Tal des Flusses Arve, von Chamonix aus geht es weitere gut 300 Höhenmeter nach oben. In der Anfangszeit der Bahn wurde dieser Streckenabschnitt nur in den Sommermonaten befahren, im Winter gab es zu viel Schnee.

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Schließlich erreicht der Zug den knapp 1,9 Kilometer langen Montets-Tunnel. Der Tunnel war das anspruchsvollste Bauwerk der Strecke, er unterquert den Montets-Pass. Geologisch schwieriges Gebiet führte beim Bau zu Verzögerungen und einer Änderung der Linienführung. Nach dem Tunnel geht es mit leichtem Gefälle in Richtung Schweiz.

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Vallorcine ist der letzte Bahnhof auf französischer Seite. Hier heißt es Umsteigen, nun geht es weiter mit der schweizerischen Transports de Martigny et Régions (TMR), in der die ehemalige Martigny-Châtelard-Bahn (MC) aufgegangen ist. Die Züge werden auch unter den Namen Mont Blanc-Express vermarktet. Mit dem schweizerischen Zug fahren wir weiter in Richtung der Grenze.

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Der schweizerische Grenzbahnhof ist Le Châtelard-Frontière. Der Bahnhof mit mehreren Gleisen wirkt etwas überdimensioniert und der Fahrgastandrang ist in der kleinen Grenzsiedlung auch überschaubar. Wir fahren noch eine Station weiter bis zum Bedarfshalt Le Châtelard VS.

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Der Haltepunkt Le Châtelard VS befindet sich direkt am Kraftwerk Châtelard-Barberine. Das Pumpspeicherkraftwerk gehört den SBB, es dient der Bahnstromversorgung der Westschweiz und der Simplonlinie. Es wurde 1923 als Speicherkraftwerk in Betrieb genommen und später zu einem Pumpspeicherkraftwerk ergänzt. Das Wasser stammt aus dem höhergelegenen Stausee Lac d’Emosson – und genau dort wollen wir nun hin. Hinter dem Gebäude...

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...beginnt eine kuriose Reise mit drei Bergbahnen, die unter dem Namen Parc d’Attractions du Châtelard bzw. VerticAlp vermarktet wird. Die erste Etappe bis zu Station Les Montuires legt man mit einer Standseilbahn zurück.

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Die Bahn hat eine Neigung von bis 87 Prozent und überwindet auf einer Länge von 1.300 Metern einen Höhenunterschied von 700 Metern. Zeitweise war sie die steilste Zweikabinen-Seilbahn der Welt. Die Bahn wurde ursprünglich von den SBB als Transportbahn erbaut, durch die touristische Anschlussverwendung entging sie dem Abbruch. Moderne Panoramakabinen erinnern kaum noch an die frühere Transportbahn. Oben ankommen...

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...muss man umsteigen, die Anschlussverbindung wartet schon. Hier im Forum würde man das nächste Verkehrsmittel „Feldbahn“ nennen, für die Touristen muss das schon etwas spektakulärer klingen, und so ist das nun der Petit train panoramique (Schmalspur-Panoramazug).

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Wobei: das mit dem Panorama stimmt schon. Der Zug schlängelt sich nun am Hang entlang und bietet den Fahrgästen einen Blick auf die umliegende Bergwelt bis zum Mont Blanc-Massiv. Die Bahn nutzt die frühere Trasse einer Werkbahn der SBB, die in den 1920er-Jahren als Baubahn betrieben wurde. Die ursprüngliche Baubahn hatte eine Spurweite von 750 Millimetern, heute verkehrt die Feldbahn auf 600 Millimetern.

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Die Strecke ist 1.650 Meter lang und führt durch fünf Tunnel. Die Felswände werden nun steiler und bald ist die Staumauer zu sehen. Der Blick hinab geht zur Bouqui-Schlucht.

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Häufig hört man ja, dass Umsteigeverbindungen unattraktiv seien. Nun, das kann man hier nicht unbedingt sagen, auch wenn wir jetzt schon in die nächste Umsteigestation einfahren. Die letzte Bahn ist das sogenannte Minifunic, die Standseilbahn bringt uns die letzten 140 Höhenmeter nach oben.

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Geschafft, wir sind oben angekommen! Alle drei Bahnen sind übrigens in der elektronischen Fahrplanauskunft der SBB hinterlegt, die Feldbahn taucht dabei als „Regio“ auf. Und dieser „Zug“ wird offenbar auch an die internationalen Fahrplanmedien weitergegeben, so dass man auch in der Fahrplanauskunft der DB einen „Regionalzug Richtung: Pied du barrage, Fahrradmitnahme begrenzt möglich, Betreiber: Parc d Attractions du Châtelard“ findet (siehe auch hier).

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Die 180 Meter hohe Bogenstaumauer wurde zwischen 1967 und 1974 erbaut, zuvor gab es hier schon einen wesentlichen kleinen Stausee. Vor dem Bau wurde durch einen Gebietstausch mit Frankreich die Landesgrenze verschoben, damit die Staumauer vollständig auf schweizerischem Gebiet liegen konnte. Die Grenze zu Frankreich liegt heute nur wenige Meter neben dem Seeufer.

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Der Lac d’Emosson liegt auf 1.930 Metern über dem Meer, hier blicken wir von der Staumauer talwärts. Der rechte Bildrand gehört schon zu Frankreich.
Die Berggipfel um den See sind über 3.000 Meter hoch.

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Auch für uns geht es nun noch weiter hinauf, wir wandern noch ein Stück und wagen den Aufstieg zum 300 Meter höher gelegenen Stausee Lac du Vieux Emosson. Hier der Blick hinab zum Lac d’Emosson...

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...sowie zur Staumauer des Lac du Vieux Emosson. Zwischen den beiden Seen wird ein Pumpspeicherwerk betrieben.

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Hier sind wir wieder am unteren und größeren Lac d’Emosson angekommen. In der Bildmitte die Staumauer, der Fußweg dorthin am rechten Ufer führt direkt an der Landesgrenze zu Frankreich entlang.

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Dieses Bild ist etwas gegenlichtig, von links oben führt die Standseilbahn zur Umsteigestation Pied du barrage, dort schließt sich die Strecke des Panoramazugs am Berghang entlang an. Im Vordergrund sieht man, dass die Feldbahnstrecke noch weiter führt bis kurz vor die Staumauer.

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Nun geht es für uns wieder mit den drei Bergbahnen hinab, als erstes die Standseilbahn zur Umsteigestation. Direkt an der Station gibt es einen weiteren Tunnel, durch den die Feldbahn weiter Richtung Staumauer führt.

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Die Züge werden mit Akkuloks gefahren, an wenigen Tagen im Jahr gibt es auch einen Dampfbetrieb. Nach dem Umsetzen fährt der Zug zurück zur Station Les Montuires.

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Gut, die Rückfahrt bietet nun wenig Überraschendes, denn die Verkehrsmittel kennen wir ja bereits von der Hinfahrt. Am Endbahnhof Les Montuires steigen wir wieder um auf die Standseilbahn hinab nach Le Châtelard.

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Und das letzte Bild zeigt wieder das Kraftwerk Barberine. Ich denke, Verkehrsmittel haben wir nun schon genug, und somit machen wir hier einen Schnitt. In den nächsten Tagen folgt Teil 5, darin fahren wir hinab zur Rhone, an den Genfersee und auf der anderen Seite des Rhonetals wieder den Berg hinauf.

Viele Grüße

Tobias

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.

Mont Blanc & Chablais 4/7: der Stausee (40 B)

kllaas @, Mittwoch, 20.05.2020, 13:44 (vor 12 Tagen) @ TD

Sehr schön,
eine für ich vollkommen unbekannte Ecke.

Gute Reise... Kristian

Très émossonal ;-). Merci !

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Freitag, 22.05.2020, 14:56 (vor 10 Tagen) @ TD

- kein Text -

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Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

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