Kap. 1/5: Im Bogen ans Schwarze Meer [DE][PL] (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Dienstag, 07.04.2020, 19:14 (vor 124 Tagen)

Hallo liebes Forum,

Anfang September 2018 unternahm ich meine bislang längste Bahnreise.
Wie schon ein Jahr zuvor ging es wieder Richtung Osteuropa und Balkan, diesmal aber freilich mit anderen Stationen.

Hier erstmal die Route im Ganzen:
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Auch wenn es nicht so aussieht, tatsächlich wurden nur die erste und letzte Etappe der Tour auf kreativer Streckenführung zurückgelegt. ;-)


Das ganze Spektakel begann am 31.08.2018 mit dem ICE 1504 von Minga nach Kein Flughafen. Der Wagen war tatsächlich ohne technische Mängel, selbst das WC funktionierte. Problemlos ging es über die RbTW (Rennbahn Thüringer Wald). Bis Leipzig war der Zug stets pünktlich, erst in LuWi gab es zum ersten Mal eine Abfahrt mit + 1. Dafür war er eine Minute zu früh am Südkreuz, was sogar noch reichte, um eine S-Bahn früher zu erwischen. Ich fuhr zur Wohnung meiner Mutter, die selber am Vortag in den Urlaub geflogen war, und übernachtete dort.
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1 Ab geht er!

Am nächsten Morgen fuhr ich zum Healthywell und von dort im RE5 hoch zu den Fischköppen. Binnen knapp sechs Wochen hatte ich nun alle deutschen Bundesländer befahren, mit Ausnahme von Doorwrestling und Thingsee-Onhold (Englisch for Runaways) war ich auch überall wenigstens umgestiegen und in diesen beiden hatte ich immerhin bei mehreren Fahrten gehalten. ;-) Meck-Pomm grüßte mit Nebel. Die betagte 112 zog den Zug zunächst mit 160 km/h die Rostocker Strecke hinauf, um in Neustrelitz abzubiegen und mit 100 Sachen quer durchs Nichts zu fahren. Meistens war Funkloch. Sprich nicht ein Balken und schlechter Empfang, sondern wirklich gar kein Balken. Unschön, wenn man versucht, den wohlerziehenden Eltern und entsprechenden Kindern gegenüber (der Junge hieß Fintley – sagt alles, oder?) mit Kopfhörern & Musik zu begegnen… -.- „Nächster Halt: Cammin“ – das sagt der Weihnachtsmann auch immer. Aber der schreibt das anders. ;-) Die Steckdosen waren ob meiner Anwesenheit mal wieder kaputt. Ebenso das WC, sowas kann ich offenbar auch gut.^^ Ab dem vorletzten Zwischenhalt begann der Zug ohne ersichtlichen Grund Verspätung aufzubauen, am Ende erreichte er nach dreistündiger Fahrt über 222 km Stralsund mit + 5.
Der direkte Regionalzug nach Usedom stand noch im gedruckten Fahrplan, ohne Einschränkung der Verkehrstage. Online war er nicht mehr zu finden. Also fragte ich an der Info, ob er fahren würde. "Nee, Bauarbeiten!" – "Gibt es einen anderen Zug?" – "Fahrnse halt Stunde später, mit Umsteigen!!!" Ich: "Kann ich nicht auch in der ursprünglichen Zeitlage den ICE nehmen?" – "NEIN!!!". Die DB Info, wie sie leibt und lebt. -.- Dann fragte ich eben beim ICE-Personal draußen. "Eigentlich müssten Sie ein neues Ticket kaufen und das im Nachhinein einreichen. Aber fragen Sie mal den Chef... " Der Chef hat's OK gegeben.^^ Im ICE waren beide WCs in meinem Wagen defekt – aber hey, die Steckdosen funktionierten. :D Nach weniger als einer Dreiviertelstunde mit 120 km/h verließ ich in Züssow den ICE, der als Ziel übrigens München hatte.^^ Ich stieg in das Stadler GTW und lief mit dem schweren Koffer durch den engen Gang. Kurz vor dem Türbereich kam mir eine ältere Dame mit kleiner Tasche entgegen. Sie drehte sich um und sagte zu ihrer Begleitung: "Geht nich weiter". Ich trocken: "Solange Sie mir den Rücken zudrehen und stehen bleiben vermutlich nicht". Manchmal hasse ich Menschen… Der DB-Automat verkaufte keine Verbundtickets für die UBB. Die KiNe hatte vor Abfahrt gemeint, Fahrkarten gibt's dann im Zug. Schade, dass ich an dem Tag ein sehr auffälliges T-Shirt trug. :D Erst nach mehr als einer Stunde Fahrzeit kam jemand durch (nicht einmal die KiNe selbst, die ich gefragt hatte). Ich habe trotzdem ein Ticket für die ganze Strecke gekauft – Karma und so. :-)
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2 Stralsund: Alt & Neu
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3 Zurück? Nein, nur umständlich :p
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4 Mit diesem Vehikel verließ ich Schland
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5 Reif für die Insel!
Auf Usedom gibt die Strecke nur 80 km/h her. Nach anderthalb Stunden erlebte ich in Swinemünde die vorletzte pünktliche Ankunft für eine ganze Weile.^^ In der Stadt gab es kaum Interessantes zu sehen. Der Stadtplatz ist ja ganz nett, aber sonst… Dass ich einen Koffer dabei hatte und Ankunfts- und Abfahrtsbahnhof nicht identisch waren, machte die Sache nicht besser.^^ Schließlich schipperte ich über den Fluss. Die Fähren fahren alle 20 min oder wenn sie voll sind. Tatsächlich musste ich ziemlich lange auf die Abfahrt meiner Fähre warten, nach uns kam dafür gleich die nächste. Die Überfahrt ist für Fußgänger kostenlos und dauert ca. 5 – 7 min.
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6 Grenzerfahrung
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7 Angekommen in Polen
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8 Stadtplatz in Swinemünde
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9 Überfahrt über die Swine
An der Ostseite der Fähre ist auch gleich der „polnische Bahnhof“. Halb sechs begann die Nachtzug-Fahrt mit dem Przemyślanin schräg einmal durch ganz Polen. Auch wenn Kołobrzeg – Przemyśl länger dauert (wahrscheinlich wegen langsamerer Strecke und/oder längerer Aufenthalte), ist Swinemünde – Przemyśl sicherlich die weiteste Strecke, die man innerhalb Polens umsteigefrei zurücklegen kann (nahezu 1.000 km). B-) 15,5 h sollte das Spektakel dauern. Die Abfahrt war pünktlich. Das Liegewagen-Abteil war ein echtes 4er-Abteil, kein falsches 6er. Bereits ab Swinemünde mit mir im Abteil war ein älteres Ehepaar. Ich versuchte mich mit ihnen zu unterhalten, was aber an der Sprachbarriere scheiterte: Sie fragten irgendwas, ich sagte, wie mein weiterer Plan ab Przemyśl ist, aber lt. ihrer Reaktion war das irgendwie nicht die Antwort auf ihre Frage.^^ Ich erfuhr, dass sie nachts um 3 in Katowice aussteigen wollten. -.- In Stettin stieg noch ein Herr um die 40 im BMW-T-Shirt zu, der die ganze Zeit kein Wort sprach. Ich weiß nicht mal, ob er Pole war.^^ Der Zug fuhr über Usedom und bald aufs polnische Festland, dort mit überwiegend 120 durch finstere Wälder ohne jeglichen Handy-Empfang gen Süden. Szczecin Dąbie – Szczecin Główny war eine durchaus ordentliche Stichstrecke. Exotischerweise fuhr der Zug ohne Fahrtrichtungswechsel in Szczecin Główny, und beim ersten Mal ohne Halt durch Dąbie. In Stettin war mit 21 min der längste Aufenthalt der Fahrt, bis kurz vor halb acht. Der Zug bestand aus 2 x Schlafwagen nur bis Krakau (Ankunft 5:20 Uhr, kann man also vergessen^^), 1 x 2. Klasse Großraum, Restauracja, 4 x 1. Klasse Abteil offiziell deklassiert, nochmal 1 x 2. Klasse Großraum, 1 x Liegewagen und 1 x Schlafwagen. Das sind ziemlich viele Sitzwagen und ziemlich wenige Wagen mit horizontaler Beförderung.^^ Die Sitzwagen waren alle gut voll, aber im Restauracja hockten nur fünf Leute, davon zwei Personal.^^ Bei WARS wird man nicht am Platz bedient, sondern bestellt selbst an der Theke. Es wurde Englisch gesprochen. Auf den Anzeigen im Großraumwagen und Restauracja stehen Zwischenhalte und Angaben wie Außentemperatur, aktuelle Geschwindigkeit und Entfernung bis zum nächsten Bahnhof, die Verspätung allerdings wird nicht angezeigt (in meinem Fall meist nur 5 – 10 min, aber Polen kann ja auch anders^^). Man konnte problemlos vom Liegewagen zum Restaurant gehen, bloß wenn man zurückwollte, musste man beim Liegewagen-Betreuer klingeln. Ab Stettin arbeitete sich der Zug mit meist 120 – 140 km/h zeitweise im Regen Richtung Südosten vor. Bei manchen Weichen dachte man, der Wagen fällt gleich auseinander, so heftig ruckelte es. Kurz nach zehn Uhr gab es einen 7-minütigen Aufenthalt am Inselbahnhof Posen, der wegen der geringen Verspätung etwas gekürzt wurde. Dann ging es weiter über Ostrów Wielkopolski bis Gliwice, ab dort Richtung Osten durchs polnische Ruhrgebiet.
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10 Da ist das Ding
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11 Bevor ich mich auf den Bahnsteig begebe, will noch wer durch, der stärker ist als ich
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12 Da kommt was zurück. Im Hintergrund lauert schon mein Zug.
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13 Ein schöner Rücken kann auch entzücken
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14 Der Gang
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15 Abfahrt in Swinemünde: Das Spektakel beginnt!
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16 Die Brücke aufs polnische Festland
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17 In den Weiten Polens
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18 Oderbrücke in Stettin
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19 Polnich Produzierte Personenbox
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20 Stink den ganzen Bahnhof voll
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21 Der letzte deutsche Zug für eine ganze Weile
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22 Zuglaufschild. Oder: Dieser Moment, wenn du auf der Tastatur einschläfst :-/
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23 Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht? :p

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Krümelmonster @, München, Dienstag, 07.04.2020, 19:15 (vor 124 Tagen) @ Krümelmonster

Irgendwann nachts wachte ich auf, da war der Zug 10 min vor Gliwice. Als ich das nächste Mal aufwachte und der Zug zum Stehen kam, war ich der Meinung, dass das jetzt Gliwice sein müsste. Tatsächlich war es schon über 2 h später und das ältere Paar war schon weg.^^ Zwischen Katowice und Krakau quälte sich der Zug mit 50 – 60 km/h über eine Strecke in erbärmlichem Zustand – zum Glück war das die Zeit, zu der ich gut schlafen konnte. Frühmorgens legte er einen 12-minütigen Halt in Krakau ein. Als ich später wach war, hörte ich die erste Durchsage seit Abfahrt. Sie war sehr kurz und v. a. schnell, mehr als "Zug" habe ich nicht verstanden.^^ Ab Rzeszów gab es an jedem Halt kurze Durchsagen in Landessprache – das kannte ich ja gar nicht aus dem Nahen Osten. Östlich von Krakau ist die Strecke renoviert und sehr gut in Schuss, meist ging es mit 160 km/h voran. Bereits um 8 Uhr saß der erste mit seinem Bier im Restauracja, wow… Das Restaurant-Personal war das gleiche wie gestern Abend. Deren Schicht möchte ich nicht haben. :-O Ein paar Mal war der Zug leicht verspätet und konnte das immer aufholen. Kurz vor dem Ziel begann er wieder leicht Verspätung aufzubauen, sodass er schließlich Punkt neun Uhr mit + 8 in Przemyśl eintraf.
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24 Morgens in Krakau
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25 Blick ins Karpatenvorland
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26 Der Bahnhof Rzeszów in seinem alten, wenig mondänen Zustand
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27 Erstmal Essen
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28 – 29 Alt & Neu
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30 Das Abteil kurz vor Ankunft
Am Bahnhof gab es eine winzige Zahl an Schließfächern. Die Zahlung der geforderten 15 Zł ist nur in 1 Zł-, 2 Zł- oder 5 Zł-Münzen möglich, Wechselgeld wird nicht gegeben. Ich fragte bei den Kiosken in Bahnhofsnähe, ob sie meinen 20-Zł-Schein kleinmachen könnten. Die wollten natürlich nicht und waren allesamt derart unhöflich, dass ich es nicht einsah, sie zu belohnen, indem ich etwas kaufte. Englisch konnte niemand. Ein freundlicher Taxi-Fahrer meinte, er kann etwas Russisch und Ukrainisch, er konnte aber nicht wechseln. Slowakisch mit polnischen Einschlägen verstanden sie aber alle. :p Dabei hatte ich bisher immer den Eindruck, dass in Polen Englisch-Kenntnissen für osteuropäische Verhältnisse relativ verbreitet sind. Also musste ich mich doch in die elendig lange Schlange am Ticket-Schalter einreihen. Als ich irgendwann dran war, erklärte mir die Schalterfrau erst lang und breit auf Polnisch, dass sie nicht wechseln kann. Dann habe ich angefangen, laut auf Slowakisch, Deutsch & Englisch rumzuzetern. Schließlich hat sie mir das Geld getauscht. So verging die erste Stunde nach meiner Ankunft… -.-
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31 – 32 Die prächtige Bahnhofshalle in Przemyśl
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33 – 34 Das prächtige Bahnhofsgebäude
Nachdem ich endlich mein Gepäck losgeworden war, ging ich durch die Stadt (60.000 EW). Und die ist durchaus sehenswert! Zwischen den beiden Nachtzug-Fahrten wollte ich eigentlich ins Schwimmbad. Ich schaute nochmal nach, wo genau ich musste. Erst in dem Moment fiel mir auf: Ich trug zwar das Handtuch mit mir rum, aber das Duschgel hatte ich im Koffer im Schließfach gelassen. Aaargh!
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35 Der hübsche Stadtplatz
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36 Die Altstadt von Przemyśl
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37 Kirchen
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38 – 39 Hier wollte ich einen Zug auf der Brücke über den San fotografieren. Ich hatte extra mehrere Minuten gewartet. Genau in dem Moment, wo der Zug kam, setzte sich eine Wespe auf meinen Arm. -.-

Gegen halb eins mittags war ich wieder am Bahnhof, mein Zug sollte 13:10 Uhr fahren. Um zum Bahnsteig 5 zu kommen, muss man in die Unterführung, bei Bahnsteig 4 die Treppe hoch, den Bahnsteig entlang, runter zur nächsten Unterführung und dann wieder die Treppe hoch. Und das alles mit Gepäck… -.- An besagtem Bahnsteig 5 wartete eine große Menschenmasse auf den Zug in die Ukraine. Eine Reisende erkannte ich sogar aus dem nächtlichen Przemyślanin wieder. Personal war allerdings keins anwesend. Pünktlich zur Abfahrtzeit fuhr der ukrainische Triebwagen IC+ aufs Gleis ein. Zunächst fragte ich mich, warum man das Ding nicht einfach für die 25 min Wendezeit am Gleis stehen ließ. Erst als auf der anderen Türseite die Reisenden ausstiegen, merkte ich, dass das die verspätete Vorleistung war.^^ Am Bahnsteig gab es mehrmals Durchsagen nur auf Polnisch. 10 min nach Abfahrtszeit ertönten über die Außenlautsprecher des Zuges Ansagen, diesmal nur auf Ukrainisch, dass der Einstieg nur über bestimmte Wagen möglich ist. 15 min nach der Abfahrtzeit sprach der ZZA am Bahnsteig von 5 min Verspätung. :D 25 min nach der Abfahrtszeit wurden endlich die Türen geöffnet – und das für einen Zug aus dem sonst so pünktlichen Breitspurland. Dort wird beim Einstieg ja immer die Passnummer abgeglichen. Also hielt ich der Provodniza meinen Pass hin. Sie schaute mich ratlos an und fragte auf Ukrainisch: „Was ist das?“ Ich antwortete: „Німеччина“ :D Hat man bei UZ-Fahrkarten von/nach EU eigentlich Anspruch auf FGR, wenn die Verspätung auf dem EU-Abschnitt (überbordend lange Zollkontrolle) entsteht? 30 min nach Planabfahrt hatte der Zug lt. pkp.pl bereits das Land verlassen, tatsächlich stand er mit geöffneten Türen am Bahnsteig.^^ Was dabei am interessantesten ist: lt. Vagonweb soll die Zollkontrolle an der Grenze erst 38 min nach Abfahrt in Przemyśl beendet sein, selbst bei pünktlicher Abfahrt wäre man 30 min später also noch auf polnischem Gebiet. :p
Die Abfahrt erfolgte schließlich mit + 34. Der in der 2. Klasse recht dicht bestuhlte Zug war auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt nur knapp zur Hälfte ausgelastet. Das Premiumprodukt IC+ ist halt schnell, aber unbequem. Die Sitze sind zwar etwas weicher als ICE Redesign, aber die Beinfreiheit ist wohl noch mieser als im ICE4... Dazu kommt die 2-3-Bestuhlung. Zur ersten Klasse kann ich nichts sagen, die Fahrt sollte ja nur 1:50 h dauern. Bereits in Przemyśl waren polnische Zöllner zugestiegen. Die Kontrolle war auch für die Ukrainer sehr entspannt: Dzień dobry, Stempel, Dziękuję, fertig. Nach gut 20 min gemächlicher Fahrt erreichte der Triebwagen den Grenzbahnhof Medyka, das Zollpersonal stieg aus. Und dann passierte mal wieder nichts. Irgendwann kam neben uns ein riesiger Güterzug mit Monsterlok aus der Ukraine zum Stehen. Daraufhin schlossen sich die Türen unseres Zuges. Und dann passierte mal wieder nichts. Nach ebenfalls gut 20 min Standzeit in Medyka setzte sich der IC+ wieder in Bewegung, mit fast 40 min Verspätung ging es über die Grenze. Nicht zum ersten Mal hatte Bahnfahren meinen Tag um eine Stunde verkürzt. ;-) In Mostys’ka 2 wurde wieder angehalten… Wenigstens ging es hier schnell: Das ukrainische Zollpersonal stieg ein, und schwupps fuhren wir weiter. Auch die ukrainische Kontrolle fand im fahrenden Zug stand, die Zöllner fuhren bis Lemberg mit. Die Ukrainer haben offenbar eine Weisung, die letzte Seite im Pass zu stempeln. Jedes Mal wird ganz zielstrebig gleich dort aufgeschlagen. Ist gut, so sieht kein anderer die vielen Stempel.^^ Nachteil der Kontrolle im Zug war, dass man währenddessen natürlich nicht rumlaufen durfte und ich mega Hunger hatte. Und in einem ukrainischen Restaurant „draußen“ muss man min. eine Stunde Zeit einplanen, eher anderthalb… -.- Über den Triebwagen sind mehrere Bistros verteilt. Beim letzten Mal hatte ich sie schon nicht nutzen können, weil ich den Zug dekorierte (zum Glück war es heute anderes Personal – das wäre mir sonst sehr unangenehm gewesen!). Der Tf gab alles und hupte fast unentwegt. Es ging nun mit 110 – 120 Sachen voran, was die Fahrt zu einer äußerst ruckeligen Angelegenheit machte. :D Ich versuchte, den Zub auf Russisch zu fragen, wann wir in Lemberg sind. Ok, vielleicht war es auch Ruskrainisch, von den Endungen hab ich ja wenig Ahnung, auf jeden Fall sollte es Russisch werden. ;-) Dafür nannte er mir die neue Ankunftszeit auf Ukrainisch.^^ Auf den Bildschirmen über dem Gang lief Werbung durch, dass der IC+ nach Donezk fährt. Hat er das denn jemals getan? Mein Fahrzeug wurde 2012 gebaut, sagte das Schild, also zwei Jahre vor Ausbruch des Krieges. Mit + 37 erreichte das schnelle Vehikel Lemberg, immerhin zwei min hatten die Ukrainer seit der Grenze aufgeholt.^^ Am Bahnsteig gab es Ansagen auf Ukrainisch, auf Polnisch mit ukrainischem Akzent und auf Englisch ebenfalls mit starkem Akzent.^^
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40 – 42 Grenzanlagen
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43 Mostys’ka, wo lediglich der ukrainische Zoll zusteigt
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44 Angekommen in Lemberg
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45 Es krabbelt weiter Richtung Kiew
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46 In seiner Heimat, dem westlichen Nachbarland, ist dieses Vehikel nicht so dick
Der Preis der Tram-Tickets hat sich in einem Jahr drastisch erhöht: von 3 UAH auf 5 UAH (17 ct). Das mit meinen Ukrainisch-Kenntnissen muss ich nochmal üben. Ich wollte ein Ticket kaufen, hatte aber nur einen 10-UAH-Schein. Ich sagte: "Eins, bitte". Die Fahrerin erzählte mir irgendwas. Ich: ¯\_(ツ)_/¯. Sie gab mir zwei Tickets.^^ Dann kam eine grimmige Kontrolleurin. Oh, ich hatte gar nicht entwertet. Sie erzählte mir irgendwas. Ich: ¯\_(ツ)_/¯. Ich entwertete ein Ticket. Alles gut. :D Tramfahren in der Ukraine ist ungefähr wie Artillerie-Geschütz und Sturm auf hoher See gleichzeitig. Wie viel Querneigung verträgt so eine Tatra eigentlich, ohne umzukippen? :-s (auf jeden Fall mehr als man denkt)
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47 – 49 Trammen auf dem Bahnhofsvorplatz in Lemberg
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50 Sitzprobe gefällig?
Nun streifte ich wieder etwas durch die wundervolle Innenstadt. Lemberg gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingsstädten! Am Ende aß ich in einem georgischen Restaurant (sehr zu empfehlen, bei uns aber wenig verbreitet) Chinkali und Hammel-Kebab. =)
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51 Die Oper
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52 Am Rynok, links angeschnitten das Lemberger Rathaus

Unter der Zugnummer 12 (je niedriger, desto höher die Qualität) erwartete mich ein sehr moderner Wagen: Die WCs konnten sogar in den Bahnhöfen benutzt werden. Nicht dass es draußen kalt gewesen wäre (tagsüber an die 30 Grad), aber der Zug war landestypisch gut beheizt. Auch landestypisch war die Gastfreundschaft: Als ich das Abteil enterte, stellte sich Oleg mir gleich vor. Als im mir beim Versuch, meinen Koffer zu verstauen, intelligenterweise die Hand blutig geschürft hatte, gab er mir sofort ein Pflaster.^^ Kurz nach zehn begann die Reise an die Küste. Für die knapp 750 km brauchte der Zug 10,5 h.
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53 Der Einstieg ist noch anspruchsvoller, als er aussieht
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54 Schlafwagen an die Küste

Nachts um zwei war ich in Chmelnyzkyj zufällig wach, die Ankunft dort war mit – 10 oder – 8. Das Ziel Odessa erreichten wir morgens kurz vor 9 dafür erst mit + 6.^^
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55 Lost in Translation
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56 Schrei doch nicht so! (Diesel wäre nicht leiser :D)
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57 – 58 Odessa ist erreicht
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59 Das Bahnhofsgebäude von Odessa

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Kap. 1/5: Im Bogen ans Schwarze Meer [UA]

Krümelmonster @, München, Dienstag, 07.04.2020, 19:16 (vor 124 Tagen) @ Krümelmonster

Nachdem ich mein Gepäck in der Unterkunft abgelegt hatte und endlich geduscht hatte, erkundete ich die Stadt. Das, was zu sehen ist, ist ja schon schön. Aber so viel ist es gar nicht. Ich hatte mir irgendwie mehr erhofft von der Stadt. Auch wenn es wenige Sehenswürdigkeiten an sich gibt, habe ich Odessa als lebhafte Stadt positiv in Erinnerung behalten.
Neben der der Potemkinschen Treppe gibt es eine Standseilbahn. Die Mitfahrt kostet stolze 10 ct.^^ Die Treppe zählt 192 Stufen, für einen normal trainierten Menschen ist das durchaus ohne Pause zu schaffen. Die Montagne de Bueren in Lüttich ist ohne Pause wesentlich heftiger, die hat 374 Stufen.^^ In der Fußgängerzone spielten Straßenmusikanten ausgerechnet russische Volkslieder, namentlich erkennen konnte ich freilich nur Katjuscha. Den ganzen Tag hörte ich wieder kein gesprochenes Ukrainisch, alle sprachen Russisch. Offizielle Beschilderungen sind aber ausschließlich auf Ukrainisch.
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60 – 61 Die berühmte Oper
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62 Die noch berühmtere Treppe
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63 An deren oberen Ende steht das Denkmal für den einstigen Statthalter
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64 Geschäfte in der Passazh
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65 Das Rathaus
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66 Denkmal für Katharina die Große, welche die Stadt einst für Russland in Besitz genommen hatte
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67 Das Denkmal am Abend
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68 Die Fußgängerzone Derybassiws‘ka Wulitsja (ukrainischer Name) mit dezenter Dekoration (keine Ironie, das geht viel schlimmer! :D). Bei Deko in Osteuropa ist der Stil egal, es gibt nur eine Regel: Hauptsache maßlos übertreiben! :D
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69 Das Primorskyj Bul’var am oberen Ende der Potemkinschen Treppe. Und nein, es war nicht Weihnachten. :D
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70 – 71 Rathaus am Abend
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72 Die Oper am Abend

Die Tatra, die durch das Chaos namens Verkehr rumpelte, schaukelte immerhin nicht ganz so heftig wie in Lemberg oder Kiew.
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73 Breitspur-Tatra
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74 Sei gegrüßt, Freund!
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75 Wenn ich das richtig verstehe, stand in einer Marschrutka (interessanterweise auf Russisch): „Wenn Sie sehen, dass der Fahrer während der Fahrt raucht oder am Handy spielt, melden Sie das bitte telefonisch.“

Demnächst geht es weiter mit ziemlich gegensätzlichen Eindrücken. ;-)

Solange grüßt
Das Krümelmonster

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Danke!

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Dienstag, 07.04.2020, 21:51 (vor 124 Tagen) @ Krümelmonster

Vielen Dank auch für diesen Bericht! Georgisch gegessen habe ich in Petersburg auch, war sehr lecker.

75 Wenn ich das richtig verstehe, stand in einer Marschrutka (interessanterweise auf Russisch): „Wenn Sie sehen, dass der Fahrer während der Fahrt raucht oder am Handy spielt, melden Sie das bitte telefonisch.“

„… oder am Handy telefoniert“, würde ich sagen.

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Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Danke!

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 09.04.2020, 15:41 (vor 122 Tagen) @ JanZ

Vielen Dank auch für diesen Bericht! Georgisch gegessen habe ich in Petersburg auch, war sehr lecker.

Immer wieder gern. Danke auch an die anderen Kommentatoren fürs Lob!
Da kommt demnächst eh noch einiges, solange mir die Berichte noch nicht aus den Ohren rauskommen. ;-)

75 Wenn ich das richtig verstehe, stand in einer Marschrutka (interessanterweise auf Russisch): „Wenn Sie sehen, dass der Fahrer während der Fahrt raucht oder am Handy spielt, melden Sie das bitte telefonisch.“


„… oder am Handy telefoniert“, würde ich sagen.

Ok, ich hatte es gleich frei übersetzt. Ich persönlich benutze das Handy viel weniger zum Telefonieren als zum Schreiben. Zumindest war das bis kurzem so, seitdem ich zu Hause hocke, hat sich das durchaus geändert. ;-)

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Danke!

A-W @, Hannover, Dienstag, 07.04.2020, 22:15 (vor 124 Tagen) @ Krümelmonster

Danke für den schönen Bericht.

In der Stadt gab es kaum Interessantes zu sehen. Der Stadtplatz ist ja ganz nett, aber sonst… Dass ich einen Koffer dabei hatte und Ankunfts- und Abfahrtsbahnhof nicht identisch waren, machte die Sache nicht besser.^^ Schließlich schipperte ich über den Fluss. Die Fähren fahren alle 20 min oder wenn sie voll sind. Tatsächlich musste ich ziemlich lange auf die Abfahrt meiner Fähre warten, nach uns kam dafür gleich die nächste. Die Überfahrt ist für Fußgänger kostenlos und dauert ca. 5 – 7 min.

Deswegen fahren die Meisten eher in die benachbarte Międzyzdroje (dt. Misdroy), die eine sehr touristische Promenade mit Handabdrücken vieler polnischer Promi usw.

Zum Thema Fähre: Freue dich, dass du nicht mit Auto eingetroffen bist. Sonst müsstest du auf Usedom ganz nach unten fahren, dort mit der Fähre die Swine überqueren und wieder nach Norden fahren. Die Fähre im Stadtzentrum ist nur für Fußgänger und örtliche Autofahrer verfügbar.

Seit mehreren Jahren wird den Einwohnern ein Tunnel versprochen, aber egal welche Partei gerade im Land gewinnt, passiert trotzdem nicht.

Der Zug fuhr über Usedom und bald aufs polnische Festland, dort mit überwiegend 120 durch finstere Wälder ohne jeglichen Handy-Empfang gen Süden.

Das kann nicht dein Ernst sein, oder? Die Insel westlich von Swine ist Usedom, aber die Insel östlich des Flusses ist doch Wollin (polnisch Wolin)!

Am Bahnhof gab es eine winzige Zahl an Schließfächern. Die Zahlung der geforderten 15 Zł ist nur in 1 Zł-, 2 Zł- oder 5 Zł-Münzen möglich, Wechselgeld wird nicht gegeben. Ich fragte bei den Kiosken in Bahnhofsnähe, ob sie meinen 20-Zł-Schein kleinmachen könnten. Die wollten natürlich nicht und waren allesamt derart unhöflich, dass ich es nicht einsah, sie zu belohnen, indem ich etwas kaufte. Englisch konnte niemand. Ein freundlicher Taxi-Fahrer meinte, er kann etwas Russisch und Ukrainisch, er konnte aber nicht wechseln. Slowakisch mit polnischen Einschlägen verstanden sie aber alle. :p Dabei hatte ich bisher immer den Eindruck, dass in Polen Englisch-Kenntnissen für osteuropäische Verhältnisse relativ verbreitet sind. Also musste ich mich doch in die elendig lange Schlange am Ticket-Schalter einreihen. Als ich irgendwann dran war, erklärte mir die Schalterfrau erst lang und breit auf Polnisch, dass sie nicht wechseln kann. Dann habe ich angefangen, laut auf Slowakisch, Deutsch & Englisch rumzuzetern. Schließlich hat sie mir das Geld getauscht. So verging die erste Stunde nach meiner Ankunft… -.-

Da hast du Glück gehabt. Wenn niemand das Geld kleinmachen will, die beste Lösung ist es eben die billigste Kleinigkeit zu kaufen. Das hätte eben auch das Risiko, dass du noch einen 10 zł Schein erhalten würdest. Ich sage nur: In Görlitz ist es nicht besser. Am dortigen Bahnhof kannst du im keinen Geschäft Geld kleinmachen lassen und die Fahrkartenautomaten in Bussen und Straßenbahnen und am Haltestellen nehmen keine Scheine und keine Karten (GeldKarte wird akzeptiert, aber das benutzt kaum einer). In Bussen kannst du auch nicht beim Fahrer eine Fahrkarte kaufen und im Bahnhof gibt es keine Fahrkartenautomaten.

Viele Grüße,
A-W

Danke!

frank_le, Dienstag, 07.04.2020, 22:42 (vor 124 Tagen) @ A-W

Danke für den schönen Bericht.

In der Stadt gab es kaum Interessantes zu sehen. Der Stadtplatz ist ja ganz nett, aber sonst… Dass ich einen Koffer dabei hatte und Ankunfts- und Abfahrtsbahnhof nicht identisch waren, machte die Sache nicht besser.^^ Schließlich schipperte ich über den Fluss. Die Fähren fahren alle 20 min oder wenn sie voll sind. Tatsächlich musste ich ziemlich lange auf die Abfahrt meiner Fähre warten, nach uns kam dafür gleich die nächste. Die Überfahrt ist für Fußgänger kostenlos und dauert ca. 5 – 7 min.


Deswegen fahren die Meisten eher in die benachbarte Międzyzdroje (dt. Misdroy), die eine sehr touristische Promenade mit Handabdrücken vieler polnischer Promi usw.

Swinemünde hat auf der Usedomer Seite eine schöne Promenade mit Strand und vielen Restaurants. Einfach am UBB Bahnhof nach links abbiegen und nicht gerade aus in die Innenstadt.

Dagegen ist in Misdroy "tote Hose". Außer einiger überteuerter Restaurants an der Seebrücke und viel Strand gibt es dort nichts.

Touristische Infrastruktur gibt es dann eher wieder in Kolberg.

Danke!

A-W @, Hannover, Dienstag, 07.04.2020, 23:24 (vor 124 Tagen) @ frank_le

Danke für den schönen Bericht.

In der Stadt gab es kaum Interessantes zu sehen. Der Stadtplatz ist ja ganz nett, aber sonst… Dass ich einen Koffer dabei hatte und Ankunfts- und Abfahrtsbahnhof nicht identisch waren, machte die Sache nicht besser.^^ Schließlich schipperte ich über den Fluss. Die Fähren fahren alle 20 min oder wenn sie voll sind. Tatsächlich musste ich ziemlich lange auf die Abfahrt meiner Fähre warten, nach uns kam dafür gleich die nächste. Die Überfahrt ist für Fußgänger kostenlos und dauert ca. 5 – 7 min.


Deswegen fahren die Meisten eher in die benachbarte Międzyzdroje (dt. Misdroy), die eine sehr touristische Promenade mit Handabdrücken vieler polnischer Promi usw.


Swinemünde hat auf der Usedomer Seite eine schöne Promenade mit Strand und vielen Restaurants. Einfach am UBB Bahnhof nach links abbiegen und nicht gerade aus in die Innenstadt.

Dagegen ist in Misdroy "tote Hose". Außer einiger überteuerter Restaurants an der Seebrücke und viel Strand gibt es dort nichts.

Touristische Infrastruktur gibt es dann eher wieder in Kolberg.

Ich habe Misdroy nicht wirklich empfohlen und war dort zuletzt vor etwa 15 Jahren. Deswegen es durfte sich dort einiges geändert haben. Genau, Kolberg ist recht gut auf die Touristen ausgerichtet und man kann dort etwas machen, auch wenn das Wetter nicht mitspielt. Zwischen Swinemünde und Kolberg kann man sich in Rewal anhalten, da gibt es u.a. eine Schmalspurbahn mit einer Dampflok und in der Nähe Kirchenruine in Trzęsacz (Hoff), diese Kirche wurde über die Jahre durch das Meer beansprucht und es bleibt nur noch die südliche Wand.

Danke!

Sören Heise @, Region Hannover, Mittwoch, 08.04.2020, 08:34 (vor 123 Tagen) @ A-W

Moin,

danke für den Bericht, Krümelmonster! :-)

@A-W: Für den Tunnel zwischen Usedom und Wollin haben angeblich vorbereitende Baumaßnahmen begonnen. Und dass man den Fernverkehr (außer nachts) unten rum via Karsibór schickt, halte ich für sinnvoll.

@Krümelmonster: Odessa wurde duch Katharina (geboren als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst) erst gegründet. Ihre Truppen hatten das danach Neurussland genannte Gebiet gerade erst von den Osmanen erobert.

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Danke!

A-W @, Hannover, Mittwoch, 08.04.2020, 16:01 (vor 123 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von A-W, Mittwoch, 08.04.2020, 16:02

@A-W: Für den Tunnel zwischen Usedom und Wollin haben angeblich vorbereitende Baumaßnahmen begonnen. Und dass man den Fernverkehr (außer nachts) unten rum via Karsibór schickt, halte ich für sinnvoll.

Es hat sich in der Tat was getan. Es wird ein Straßentunnel (leider) mit einer Bahn pro Richtung entstehen. Die Gesamtlänge soll 3,2 km darunter 1,44 km unter der Swine betragen. Das Bohren sollte im März 2021 beginnen und der Tunnel sollte im September 2022 in Betrieb genommen werden. Die Investition hat sogar eine eigene Webseite (nur auf Polnisch): http://tunel-swinoujscie.pl/

Die Tatsache, dass man die Besucher mit dem Auto nicht über Stadtzentrum leitet ist logisch. Immerhin ist die Fahrt mit der Fähre kostenlos für alle.

Danke!

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 09.04.2020, 15:41 (vor 122 Tagen) @ A-W


Das kann nicht dein Ernst sein, oder? Die Insel westlich von Swine ist Usedom, aber die Insel östlich des Flusses ist doch Wollin (polnisch Wolin)!

Ah, ich dachte, Usedom wäre der Begriff für das ganze „Gebilde“ inkl. Wolin. Wieder was gelernt! ;-)


Da hast du Glück gehabt. Wenn niemand das Geld kleinmachen will, die beste Lösung ist es eben die billigste Kleinigkeit zu kaufen. Das hätte eben auch das Risiko, dass du noch einen 10 zł Schein erhalten würdest. Ich sage nur: In Görlitz ist es nicht besser. Am dortigen Bahnhof kannst du im keinen Geschäft Geld kleinmachen lassen und die Fahrkartenautomaten in Bussen und Straßenbahnen und am Haltestellen nehmen keine Scheine und keine Karten (GeldKarte wird akzeptiert, aber das benutzt kaum einer). In Bussen kannst du auch nicht beim Fahrer eine Fahrkarte kaufen und im Bahnhof gibt es keine Fahrkartenautomaten.

Zgorzelec ist aber auch nur halb so groß wie Przemyśl.
Andererseits dürfte hingegen in Zgorzelec die Zahl an Ausländern höher sein, die ohne passende Münzen dort aufkreuzen.


Zur Diskussion, welcher Ort in der Nähe von Swinemünde am schönsten ist:
Ich hatte mich einfach deshalb für Swinemünde entschieden, damit ich eine möglichst lange Strecke umsteigefrei bis Przemyśl fahren konnte. :D


Viele Grüße,
A-W

Es grüßt
Das Krümelmonster

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)

Service-Points

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Mittwoch, 08.04.2020, 08:35 (vor 123 Tagen) @ Krümelmonster
bearbeitet von Alibizugpaar, Mittwoch, 08.04.2020, 08:36

"Kann ich nicht auch in der ursprünglichen Zeitlage den ICE nehmen?" – "NEIN!!!". Die DB Info, wie sie leibt und lebt. Dann fragte ich eben beim ICE-Personal draußen. "Eigentlich müssten Sie ein neues Ticket kaufen und das im Nachhinein einreichen. Aber fragen Sie mal den Chef... " Der Chef hat's OK gegeben.

Genau so habe auch ich den Unterschied Service-Point ./. Zugpersonale wiederholt erlebt. Seit der Zeit mache ich einen großen Bogen um jeden Point und gehe direkt zum Zug. Ich werde am Point nie wieder um eine Zugfreigabe bitten. Meine Standardfrage blieb bis heute leider unbeantwortet: Wer schult diese DB-Leute so extrem unterschiedlich, daß da unterm Strich Ergebnisse rauskommen, die um 180 Grad gedreht zueinander stehen?

Das gleiche erlebt man ja auch am Telefon je nachdem welche DB-Nummer man anruft.

--
Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797

Theorie und Praxis und die Unternehmenskultur ...

Blaschke, Mittwoch, 08.04.2020, 10:39 (vor 123 Tagen) @ Alibizugpaar

Hey.

"Kann ich nicht auch in der ursprünglichen Zeitlage den ICE nehmen?" – "NEIN!!!". Die DB Info, wie sie leibt und lebt. Dann fragte ich eben beim ICE-Personal draußen. "Eigentlich müssten Sie ein neues Ticket kaufen und das im Nachhinein einreichen. Aber fragen Sie mal den Chef... " Der Chef hat's OK gegeben.

Genau so habe auch ich den Unterschied Service-Point ./. Zugpersonale wiederholt erlebt. Seit der Zeit mache ich einen großen Bogen um jeden Point und gehe direkt zum Zug. Ich werde am Point nie wieder um eine Zugfreigabe bitten. Meine Standardfrage blieb bis heute leider unbeantwortet: Wer schult diese DB-Leute so extrem unterschiedlich, daß da unterm Strich Ergebnisse rauskommen, die um 180 Grad gedreht zueinander stehen?

Die einen sind Theoretiker, die anderen Praktiker ...

Ansonsten besteht eben das Problem darin, dass der ganze Konzern auf Mißtrauen basiert. Als Servicepoint-Mensch wäre ich da auch restriktiv - man weiß ja nicht, ob da nicht nachher ein Schaffner unzufrieden ist mit meiner Entscheidung.

Der Schaffner - allein gelassen von allen Vorgesetzten - muss derweil sehen, dass er am Zug 'über die Runden kommt' und möglichst nervlich und körperlich unbeschadet den Dienst übersteht. Und da er all die Fehlorganisationen ja selbst auch erlebt, kann er sich in seine Kunden hinein versetzen. Was die Motivation dazu ist, Dinge durchzuwinken, die nicht den Vorschriften und Regularien entsprechen. Das dann natürlich möglichst ohne Tamtam und ohne Aufsehen - bevor die Plüschetage erwacht und es wieder eine neue Weisung gibt: "Aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass ...".

Der hier vertretene Schaffner wird das alles zwar anders sehen - aber das ist ja auch erlaubt. Da ich nun regelmäßig mit vielen Schaffnern in Kontakt komme, sehe ich die Dinge wie beschrieben. Wie ja auch der Umgang der DB mit den Zählern erstmal grundsätzlich von Mißtrauen, Kontrolle und Überwachung geprägt ist. Für mich übrigens ein Grund, warum ich nie in dem Konzern würde arbeiten wollen.


Schöne Grüße von jörg

Theorie und Praxis und die Unternehmenskultur ...

heinz11 @, Mittwoch, 08.04.2020, 11:11 (vor 123 Tagen) @ Blaschke

Die einen sind Theoretiker, die anderen Praktiker ...

Ansonsten besteht eben das Problem darin, dass der ganze Konzern auf Mißtrauen basiert. Als Servicepoint-Mensch wäre ich da auch restriktiv - man weiß ja nicht, ob da nicht nachher ein Schaffner unzufrieden ist mit meiner Entscheidung.

Der Schaffner - allein gelassen von allen Vorgesetzten - muss derweil sehen, dass er am Zug 'über die Runden kommt' und möglichst nervlich und körperlich unbeschadet den Dienst übersteht. Und da er all die Fehlorganisationen ja selbst auch erlebt, kann er sich in seine Kunden hinein versetzen. Was die Motivation dazu ist, Dinge durchzuwinken, die nicht den Vorschriften und Regularien entsprechen. Das dann natürlich möglichst ohne Tamtam und ohne Aufsehen - bevor die Plüschetage erwacht und es wieder eine neue Weisung gibt: "Aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass ...".

Der hier vertretene Schaffner wird das alles zwar anders sehen - aber das ist ja auch erlaubt. Da ich nun regelmäßig mit vielen Schaffnern in Kontakt komme, sehe ich die Dinge wie beschrieben. Wie ja auch der Umgang der DB mit den Zählern erstmal grundsätzlich von Mißtrauen, Kontrolle und Überwachung geprägt ist. Für mich übrigens ein Grund, warum ich nie in dem Konzern würde arbeiten wollen.

Das heißt also, einen Bahnvorstand Blaschke wird es nicht geben... :-(

OT: Gebeten werden oder über Kurhessenbahn ;-)

Blaschke, Donnerstag, 09.04.2020, 13:58 (vor 122 Tagen) @ heinz11

Hey.

Für mich übrigens ein Grund, warum ich nie in dem Konzern würde arbeiten wollen.

Das heißt also, einen Bahnvorstand Blaschke wird es nicht geben... :-(

Wenn man mich inständig bittet ... Zumindest riecht der Fisch am Kopfe dann herrlich verführerisch.

Die andere Alternative wäre ein Weg über die KURHESSENBAHN. Eine der Regionalfirmen der DB. Der Laden ist klasse. Man merkt, dass da Berlin nicht durchregiert. Angenehmes Betriebsklima - so erzählen es zumindest alle Personale. Die sind da alle spitze. Einer unserer Zähler hat auch rübergemacht und ist jetzt Zugbegleiter bei denen!

Schöne Grüße von jörg

Theorie und Praxis und die Unternehmenskultur ...

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 09.04.2020, 15:41 (vor 122 Tagen) @ Blaschke

Ansonsten besteht eben das Problem darin, dass der ganze Konzern auf Mißtrauen basiert. Als Servicepoint-Mensch wäre ich da auch restriktiv - man weiß ja nicht, ob da nicht nachher ein Schaffner unzufrieden ist mit meiner Entscheidung.

Der Schaffner - allein gelassen von allen Vorgesetzten - muss derweil sehen, dass er am Zug 'über die Runden kommt' und möglichst nervlich und körperlich unbeschadet den Dienst übersteht. Und da er all die Fehlorganisationen ja selbst auch erlebt, kann er sich in seine Kunden hinein versetzen. Was die Motivation dazu ist, Dinge durchzuwinken, die nicht den Vorschriften und Regularien entsprechen. Das dann natürlich möglichst ohne Tamtam und ohne Aufsehen - bevor die Plüschetage erwacht und es wieder eine neue Weisung gibt: "Aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass ...".

Der hier vertretene Schaffner wird das alles zwar anders sehen - aber das ist ja auch erlaubt. Da ich nun regelmäßig mit vielen Schaffnern in Kontakt komme, sehe ich die Dinge wie beschrieben. Wie ja auch der Umgang der DB mit den Zählern erstmal grundsätzlich von Mißtrauen, Kontrolle und Überwachung geprägt ist. Für mich übrigens ein Grund, warum ich nie in dem Konzern würde arbeiten wollen.

Die Erklärung klingt plausibel.
Wahrscheinlich empfinde ich deutsche Zubs deshalb im internationalen Vergleich als die kulantesten und am meisten kundenorientierten. ;-)

Schöne Grüße von jörg

Es grüßt
Das Krümelmonster

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Theorie und Praxis und die Unternehmenskultur ...

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Freitag, 10.04.2020, 16:05 (vor 121 Tagen) @ Krümelmonster
bearbeitet von Alibizugpaar, Freitag, 10.04.2020, 16:05

Wahrscheinlich empfinde ich deutsche Zubs deshalb im internationalen Vergleich als die kulantesten und am meisten kundenorientierten.

Wobei die aber auch gefühlt fast ALLES durchgehen lassen. Und sei die Kunden-Ausrede von wegen Zugbindung noch so abstrus und uninspirierend. Ich hatte hier vor vielleicht drei Jahren mal ein paar aufgefangene Parade-Beispiele aufgeführt.

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Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797

Theorie und Praxis und die Unternehmenskultur ...

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Freitag, 10.04.2020, 21:47 (vor 121 Tagen) @ Alibizugpaar
bearbeitet von JanZ, Freitag, 10.04.2020, 21:48

Ich habe schon mal eine Ablehnung erlebt. Wobei es daran liegen mag, dass mein Kumpel, der gefragt hat, gerne eine Grund-Anspruchshaltung an den Tag legt und sich dann tierisch aufregt, wenn ihm sein vermeintliches Recht nicht gewährt wird. Dafür traue ich mich selber meist gar nicht erst zu fragen und setze mich lieber noch eine Stunde in die Lounge.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Kap. 1/5: Im Bogen ans Schwarze Meer [DE][PL]

ArbitroCollina @, Mittwoch, 08.04.2020, 08:42 (vor 123 Tagen) @ Krümelmonster

Hi Krümelmonster

Besten Dank für den weiteren interessanten Bericht. Ich bin schon sehr auf den nächsten Teil gespannt, da ich diese Reise eigentlich in zirka sechs Wochen geplant hatte, aber wohl auf Herbst verlegen werde.

Gruss
Christian

Link zum nächsten Kapitel

Krümelmonster @, München, Samstag, 02.05.2020, 15:30 (vor 99 Tagen) @ Krümelmonster

Hallo liebes Forum,

wer die Berichte erst später liest, findet hier das nächste Kapitel.

Es grüßt
Das Krümelmonster

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