Mainzer Ausflüge (3/5): Brohltal- und Hunsrückbahn (m. 45 B) (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Samstag, 21.03.2020, 15:36 (vor 15 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer Mainzer Ausflüge. Im zweiten Teil hatten wir die Drachenfelsbahn und die Erfttalbahn besucht. Geendet hatte der zweite Teil mit der MittelrheinBahn in Bonn. In diesem Teil arbeiten wir uns nun südwärts nach Mainz vor und machen Abstecher zur Brohltalbahn und zur Hunsrückbahn.

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Teil 3: Brohl – Engeln – Brohl – Boppard – Emmelshausen – Boppard – Mainz

Wir beginnen den Bericht am Bahnhof Brohl, der an der linken Rheinstrecke zwischen Bonn und Koblenz liegt. Allerdings lassen wir DB-Gleise nun hinter uns...

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...und widmen uns der Brohltalbahn. Die Brohltalbahn ist eine Meterspurbahn, die vom Rhein in die Eifel führt. Genaugenommen besteht die Brohltalbahn aus zwei Streckenteilen, nämlich der Talstrecke in die Eifel sowie der Hafenstrecke zum Rheinhafen von Brohl. Hier sehen wir die Hafenstrecke, die die linke Rheinstrecke überquert und in die Rheinanlagen führt. Beide Strecken laufen im Kopfbahnhof Brohl BE zusammen.

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Der Bahnhof Brohl BE liegt wenige Treppenstufen vom Bahnhof der DB entfernt. Die Brohltalbahn wird heute überwiegend touristisch genutzt und unter dem Namen Vulkan-Express vermarktet.

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Die Diesellokomotiven D 1 und D 2 ziehen heute den Vulkan-Express, beide Lokomotiven wurden 1965 fabrikneu nach Brohl geliefert. Da im Hafengebiet auch Dreischienengleise liegen, sind die Loks dafür ausgestattet, auch Normalspurwaggons rangieren zu können.
Im Vulkan-Express werden verschiedene Personenwagen eingesetzt, bei der Hinfahrt entscheiden wir uns für die klassische Variante.

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Nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Brohl BE passiert die Strecke die Werkstattanlagen, dort steht die Diesellok D 5. Sie wurde 1966 in Kassel gebaut und zur FEVE nach Spanien geliefert, von dort kam sie 1998 nach Brohl.

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Die Strecke führt nun kurvenreich durch das enge und felsige Brohltal nach Westen. Vor dem Zugfenster zieht Schloss Schweppenburg vorbei, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1365 reichen.

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Dann folgt mit dem Tönissteiner Viadukt ein erster Höhepunkt der Strecke. In 12 Metern Höhe wechselt die Strecke die Talseite und quert dabei Straße und Brohlbach. Unmittelbar nach dem Viadukt...

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...folgt der 95 Meter lange Tönissteiner Tunnel. Kurz darauf erreicht der Zug den Bahnhof Burgbrohl.

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Auf den nächsten Kilometern folgt die Bahnstrecke unspektakulär der Brohltalstraße. Das Tal weitet sich nun, dabei gewinnt die Strecke stetig an Höhe. Der nächste Bahnhof ist Niederzissen, dort gibt es einen Toilettenhalt.

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Hier fahren wir durch Oberzissen, in der Ferne ist schon Burg Olbrück zu sehen. Ab Oberzissen beginnt eine Steilstrecke, mit einer maximalen Steigung von 50 Promille führt die Strecke aus dem Brohltal hinaus in die Vulkaneifel. Dieser Streckenabschnitt war anfangs als Zahnstangenstrecke konzipiert, heute gehört er zu den steilsten Adhäsionsstrecken von Meterspurbahnen in Deutschland.

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Hier oben in der Vulkaneifel erwartet uns nun eine ganz andere Landschaft und den Fahrgästen bietet sich auf der folgenden Fahrt ein weiter Blick über die von der Sommerhitze ausgetrocknete Eifel. Und bei 20 Stundenkilometern bleibt auch ausreichend Zeit für die Eifellandschaft.

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Als weithin sichtbares Wahrzeichen des Brohltals gilt die Burgruine Olbrück. Die Burg wurde um 1100 gegründet, seither mehrfach zerstört und immer wieder aufgebaut, sie ist eine der ältesten und größten Höhenburgen in der Eifel.

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Die Brohltalbahn wurde 1902 eröffnet, sie wurde hauptsächlich für den Güterverkehr gebaut. Durch den Eifelvulkanismus ist die Region reich an Steinbrüchen, in denen der Mörtelzuschlag Trass, Tuffsteine, Phonolith, Bimsstein und Basalt-Schotter gewonnen wurden bzw. werden. Auf der Schiene wurden diese Güter zum Schiffsumschlag nach Brohl transportiert. Es gab zwar auch einen Personenverkehr, dieser spielte aber nur eine untergeordnete Rolle und wurde 1961 eingestellt.

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Der höchste Punkt der Strecke liegt in Engeln, die Station ist Endpunkt des Vulkan-Expresses. Auf der gut 17 Kilometer langen Strecke von Brohl bis Engeln hat die Bahn fast 400 Höhenmeter überwunden.
Die Strecke führte ursprünglich noch 6 Kilometer weiter bis Kempenich, dieser Streckenabschnitt wurde bereits 1976 abgebaut.
Der Bahnhof Engeln liegt auf der grünen Wiese, der namensgebende Ort befindet sich ein Stück entfernt. Man könnte hier zu einer Wanderung oder Radtour starten, wir entscheiden uns jedoch für eine kleine Stärkung in der „Vulkanstube“ und fahren dann mit dem selben Zug zurück. Hier werden gerade die Lokomotiven umgesetzt. Für die Rückfahrt wählen wir den offenen Sommerwagen.

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Schon 1977 wurden mit dem einzigen verbliebenen Personenwagen Ausflugsfahrten mit dem „Vulkan-Expreß“ angeboten. Dank kommunalem und ehrenamtlichem Engagement entstand ein Konstrukt aus einer Infrastruktur-GmbH, einer Betriebs-GmbH und einem Verein, so dass der Vulkan-Express heute ganzjährig verkehren kann.
Noch immer gibt es auch in geringem Maße Güterverkehr auf der Strecke, die Brohltalbahn ist damit eine der letzten Schmalspurbahnen in Deutschland mit regulärem Güterverkehr.

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Das Bahnhofsgebäude von Burgbrohl ist in Fachwerk und Bruchstein erbaut, es gilt als schönstes Bahnhofsgebäude im Brohltal. Wir erreichen nun bald schon wieder das Tönissteiner Viadukt und bis Brohl ist es nicht mehr weit.

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Und damit endet unser Besuch bei der Brohltalbahn. Der Vulkan-Express hinterlässt bei mir einen sehr positiven Eindruck, insbesondere auch das ehrenamtliche und rührige Engagement und die geradezu familiäre Atmosphäre.

Nach der Ankunft in Brohl BE wechseln wir über den Bahnhofsvorplatz zum DB Bahnhof und nehmen dort den nächsten Zug der MittelrheinBahn rheinaufwärts.

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Auf der linken Rheinstrecke fahren wir nach Boppard. Hier sind wir in Koblenz und fahren gerade über die Mosel. Hinter der Balduinbrücke liegt das Deutsche Eck, dort waren wir im letzten Teil des Reiseberichts. Über der Brücke sieht man die Festung Ehrenbreitstein.

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Und weiter geht’s am Rhein entlang, hier fahren wir durch die größte Rheinschleife, am gegenüberliegend Ufer ist der Ort Filsen zu sehen, die Türme rechts gehören schon zu Boppard.

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Am Hauptbahnhof Boppard hat eine weitere von der linken Rheinstrecke abzweigende Stichstrecke ihren Ausgangspunkt: die Hunsrückbahn. Hier gibt es regulären Personenverkehr, der von Rhenus Veniro mit Regioshuttle-Triebwagen erbracht wird.

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Schon kurz nach dem Hauptbahnhof von Boppard verlässt die Hunsrückbahn das Mittelrheintal. Während sich die linke Rheinstrecke hier durch die Rheinschleife nach Osten windet, führt die Hunsrückbahn nach Westen ins Mühltal. Kurz darauf ist eine Sesselbahn zu sehen, die von Boppard über die Weinberge zu einem Aussichtspunkt führt.

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Die heutige Hunsrückbahn ist zwar recht kurz – aber landschaftlich äußerst reizvoll! Für rund 6 Kilometer geht es steil bergauf in die Mittelgebirgshöhen des Hunsrücks. Mit einer maximalen Neigung von 60,9 Promille gilt die Strecke als steilste im Regelbetrieb betriebene Bahnstrecke Deutschlands, sie steht auch als technisches Denkmal unter Denkmalschutz.

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Schade, dass der spektakuläre Abschnitt nur so kurz ist, die restlichen Kilometer der Strecke können da nicht mehr mithalten. Rhenus Veniro gehört zur Transdev-Gruppe, das Unternehmen hat auf der Strecke drei steilstreckentaugliche Regioshuttles im Einsatz.

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Die Fahrt endet nach 24 Minuten in Emmelshausen. Die Strecke war ursprünglich 53 Kilometer lang und führte von Boppard nach Simmern. Der Streckenabschnitt zwischen Emmelshausen und Simmern wurde etappenweise stillgelegt, heute dient die Trasse als Radweg. So blieb nur ein rund 15 Kilometer langer Stummel in Betrieb.
Das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1908, es steht unter Denkmalschutz.

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Die Züge auf der RB 37 fahren im Stundentakt. Ich hoffe, dass ich Emmelshausen nicht Unrecht tue – aber die 5.000-Einwohner-Stadt sah mir bei der Internetrecherche jetzt nicht unbedingt danach aus, als dass sich hier ein einstündiger Aufenthalt lohnt. Und wer auf seiner Internetseite als Startbild mit einem Kreisverkehr wirbt, hat es ohnehin schwer, meine Sympathie zu bekommen. Und so geht es nun gleich wieder hinab ins Rheintal.

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Bekannt ist die Hunsrückbahn insbesondere für ihre zwei Rundbogen-Viadukte, das Rauschenloch-Viadukt und das Hubertus-Viadukt. Hier fahren wir auf dem Hubertus-Viadukt in einer Kurve über die Hubertusschlucht. Die Brücke ist 150 Meter lang, mit einer Höhe von 50 Metern war sie zum Zeitpunkt der Errichtung eine der höchsten Steinbogenbrücken Deutschlands. Fünf Tunnel ergänzen die abwechslungsreiche Streckenführung.

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Die Strecke überwindet einen Höhenunterschied von rund 340 Metern, in der Anfangszeit gab es hier einen Zahnstangenabschnitt. Wer mal im Rheintal unterwegs ist, dem sei ein Zwischenstopp in Boppard empfohlen, abseits der linken Rheinstrecke liegt hier eine reizvolle Mittelgebirgsbahn quer durch den Bopparder Stadtwald verborgen.

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Nach Ankunft in Boppard werfen wir noch einen Blick auf das Logo der Hunsrückbahn mit dem Hubertus-Viadukt.
Als die Bahnstrecke durch den Vorderhunsrück 1908 eröffnet wurde, war der Name Hunsrückbahn für eine andere Bahnstrecke reserviert, erst nachdem auf der ursprünglichen „Hunsrückbahn“ von Langenlonsheim nach Hermeskeil der Personenverkehr eingestellt wurde, erhielt die heutige Hunsrückbahn den Namen.
Wir fahren nun mit dem nächsten Zug der MittelrheinBahn von Boppard nach Mainz.

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Bei manchen Bahnstrecken habe ich mitunter Mühe, einigermaßen nette Fotostellen zu finden – hier im Mittelrheintal hingegen habe ich die Qual der Wahl, so hoch ist die Motivdichte. Hier gibt es eine Parallelfahrt mit der Godesburg vor der Kulisse des Orts Kestert.

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Bei der nächsten Kurve sind die Türme der Stadtbefestigung von Oberwesel zu sehen.

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Burg Pfalzgrafenstein hatte ich schon in einigen früheren Reiseberichten abgelichtet, deshalb gibt’s diesmal eine andere Ansicht von Kaub. Über der kleinsten Stadt in Rheinland-Pfalz wacht Burg Gutenfels über das Mittelrheintal.

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Bei Bingen endet die Fahrt durch die Welterbe Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals. Hier gibt es einen kurzen Blick auf die Nahe – dem Fluss werden wir im nächsten Teil häufiger begegnen.

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Mit den letzten Sonnenstrahlen kommen wir in Mainz an – und damit haben wir auch das Ende dieses Teils erreicht. In den nächsten Tagen folgt Teil 4 mit einer Rundfahrt nach Luxemburg und Frankreich.

Viele Grüße

Tobias

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.

Vielen Dank!

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Samstag, 21.03.2020, 16:19 (vor 15 Tagen) @ TD

Vielen Dank auch für diesen Teil! Diesmal habe ich beide Strecken auch bereist. Die Brohltalbahn habe ich mit der Pellenz-Eifel-Bahn (Koblenz–Kaisersesch) kombiniert. Von Mayen nach Engeln gibt es nämlich (oder gab es zumindest) einen Bus, in dem ich über weite Strecken der einzige Fahrgast war.
Bei der Hunsrückbahn erinnere ich mich vor allem an die Mountainbiker, die mit dem Zug hochgefahren sind. Als ich mit dem Zug wieder unten ankam, standen sie schon wieder da und warteten auf die nächste Bergfahrt …

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Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Brohltalbahn

sflori @, Samstag, 21.03.2020, 17:07 (vor 15 Tagen) @ TD

Danke für den schönen Bericht! :)

Ich bin mal alleine mit der Brohltalbahn gefahren und wie es der Zufall so wollte, saß im Triebwagen eine sehr weinselige Gesellschaft. Schon kurz nach der Abfahrt haben sie die ersten Sauflieder angestimmt. Die Stimmung war natürlich gut, aber ob ich das bis Engeln durchhalten würde? In meiner Verzweiflung habe ich vorne beim Tf reingeschaut, der in einem extra Abteil saß, indem auch die Vorräte gebunkert waren. Er hatte vollstes Verständnis, ich habe mir einen Holzstuhl als improvisierten Schaffnersitz geschnappt und mich vorne links neben ihn gesetzt. So hatte ich die beste Aussicht und musste die Weinlieder nur gedämpft ertragen. Ein fantastischer Ausflug!


Bye. Flo.

Mainzer Ausflüge (3/5): Brohltal- und Hunsrückbahn (m. 45 B)

101-Fan, Köln, Montag, 23.03.2020, 19:48 (vor 13 Tagen) @ TD

Wieder mal ein toller Bericht. Für mich besonders interessant, weil ich viele hier und in den beiden ersten Teilen vorgestellte Strecken und Orte kenne. Freue mich schon auf Teil 4.

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Es grüsst aus Köln
Markus

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