Unterwegs zwischen Achensee und Schafberg | 4/6 m. 56 B. (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 14.01.2020, 18:57 (vor 38 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch die Alpen. Im letzten Teil waren wir von Nova Gorica über Wocheinerbahn, Semmering und Wien nach Waidhofen an der Ybbs gefahren und hatten die dortige Citybahn besucht.

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Tag 4: Waidhofen/Ybbs – Selzthal – Stainach-Irdning - Hallstatt

Heute haben wir nur ein halbtägiges Bahnprogramm und wir werden an diesem Reisetag auch nicht ganz so viele Kilometer machen. Wir haben in Waidhofen an der Ybbs übernachtet, hier starten wir nun in den neuen Tag.

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Waidhofen liegt in den Eisenwurzen, einer Region der Ybbstaler Alpen. Die Innenstadt liegt am linken Ybbsufer, im Vordergrund sehen wir den Ybbsturm, ein Torturm der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Vorbei am Rathaus und am Hohen Markt machen wir uns auf den Weg zur Citybahn.

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Am Rande der Innenstadt wurde 1896 für die Ybbstalbahn der Schwarzbachviadukt errichtet, er ist das größte Brückenbauwerk der Strecke. Wenig später werden wir dort oben fahren.

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Diesmal laufen wir zur Haltestelle Schillerpark, die recht zentrumsnah liegt. Im Jahr 2019 beförderte die NÖVOG auf der Citybahn Waidhofen 202.000 Fahrgäste, die Strecke ist in den Verkehrsverbund VOR eingebunden.

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Die Fahrt vom Schillerpark zum Bahnhof dauert 4 Minuten, hier fahren wir gerade über das Viadukt, unten der namensgebende Schwarzbach.

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Bekannt ist Waidhofen auch für das Rothschildschloss. Der Bau hat einen mittelalterlichen Kern, prominentester Besitzer war Albert Salomon Anselm von Rothschild, ein Vertreter des österreichischen Zweigs der bekannten Bankiersfamilie.

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Am Bahnhof von Waidhofen wechseln wir von Schmalspur auf Normalspur. Wir wollen heute die Gesäusestrecke befahren. Die Bahnstrecke durch die Gebirgsgruppe Gesäuse wird nur am Wochenende von Personenzügen befahren.

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Im Jahr 2018, als wir diese Tour unternahmen, gab es nur ein Zugpaar, das von Amstetten über Waidhofen nach Selzthal fuhr. Mittlerweile ist das Angebot verdoppelt und es fahren zwei Zugpaare durch das Gesäuse, die zudem nach Wien durchgebunden sind. Wir fahren nun mit dem Cityjet bis Selzthal.

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Die historische Rudolfsbahn führt von St. Valentin bis nach Tarvisio, sie wurde von der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn Gesellschaft (KRB) gebaut und 1873 eröffnet. Daneben gibt es noch die Nebenstrecke von Amstetten, auf der wir hier gerade durch das Traunviertel fahren.

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Bei Kastenreith führt die Nebenstrecke über die Enns und trifft dann auf die Stammstrecke der Rudolfsbahn aus St. Valentin. Ich bin mittlerweile recht frustriert, weil es mir nun das nächste Highlight auf dieser Tour verregnet, denn die Fahrt durch das enge, kurvenreiche und bewaldete Tal der Enns ist landschaftlich äußerst reizvoll.

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An der Mündung des Erzbaches in die Enns liegt der Ort Hieflau. Der Ort entstand als Eisenwerksiedlung, das für die Eisenverhüttung benötigte Holz wurde damals durch die Gesäuseschlucht getriftet und mit einem riesigen Holzrechen aufgefangen. An diese Tradition erinnert heute ein Köhlerzentrum. Hieflau liegt am Ostende des Gesäuses, die Strecke führt nun durch das schluchtartige Tal der Enns.

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Streng genommen bezieht sich der Begriff Gesäuse nur auf das Durchbruchstal der Enns zwischen Hieflau und Admont, durch das wir nun fahren. Unter dem Namen Gesäuse wird aber auch die umgebende Gebirgsgruppe der Ennstaler Alpen verstanden. Die Strecke führt durch den Nationalpark Gesäuse und folgt dem Tal flussaufwärts. Zwischen Hieflau und Admont überwindet die Bahn durch zahlreiche Tunnel und Galerien auf gut 20 Kilometern 140 Höhenmeter.

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Na toll, jetzt am Bahnhof Admont gibt es das erste Mal ein Stück blauen Himmel – nachdem wir nun den spektakulärsten Streckenabschnitt schon hinter uns haben. Diese Strecke möchte ich auf jeden Fall nochmal bei besserem Wetter befahren – mal schauen, ob sich die Strecke durch das zweite Zugpaar demnächst mal sinnvoll in eine Tour einbauen lässt.

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Die Bahnstrecke folgt weiter dem Fluss Enns, allerdings ändert sich die Landschaft. Der Fluss mäandriert hier durch ein weites Tal, auf dem Kulmberg liegt weithin sichtbar die Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg an der Enns.

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Im Bahnhof Selzthal trifft die Rudolfsbahn auf die Pyhrnbahn und die Ennstalbahn. Hier gibt es einen schlanken Anschluss, mit einem Talent-Triebzug fahren wir direkt weiter nach Stainach-Irdning.

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Wir folgen weiter dem Tal der Enns, diese Strecke kennen wir bereits, hier auf der Ennstalbahn sind wir beispielsweise auch schon mit dem EC Transalpin von Zürich nach Graz gefahren.

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Am Bahnhof Stainach-Irdning heißt es wieder Umsteigen, diesmal gibt es einen längeren Aufenthalt. Da wir heute nur im Regionalverkehr und somit ganz ohne Speisewagen unterwegs sind, ist eine kleine Pause zur Verpflegung gar nicht schlecht. Hier sind wir am Hauptplatz von Stainach.

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Auch Stainach-Irdning ist ein Bahnknoten, hier trifft die Salzkammergutbahn auf die Ennstalbahn. Der Bahnhof ging 1875 mit der Eröffnung der Ennstalbahn in Betrieb, 1877 wurde er zum Abzweigbahnhof, als die Salzkammergutbahn eröffnet wurde. Mit einem Regional-Express fahren wir auf der Salzkammergutbahn nach Hallstatt, zum Einsatz kommt eine Cityshuttle-Garnitur.

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Die Bahnstrecke verlässt nun das Ennstal und gewinnt rasch an Höhe, durch Tunnels und Galerien geht es auf der Südrampe hinauf ins Hinterberger Tal. Dabei fällt der Blick auf Schloss Trautenfels, das auf einem Felsvorsprung über den Enns thront.
Bei Tauplitz erreicht die Strecke den Scheitelpunkt auf rund 830 Meter über dem Meer.

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Mit der Eröffnung der Salzkammergutbahn 1877 wurde die Region auch für den Tourismus erschlossen. Neben dem Wintersport entwickelte sich auch der Kurbetrieb, schon den Römern war die Thermalquelle des heutigen Bad Mitterndorf bekannt.

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Die Strecke führt zunächst noch durch die offene Landschaft des Hinterberger Tals im Steirischen Salzkammergut...

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...dann ändert sich die Landschaft und die Bahnlinie folgt dem engen Tal der Koppentraun hinab zum Hallstätter See.

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Der „Koppen“ zwischen Bad Aussee und Obertraun gilt auch heute noch als anspruchsvolle Strecke. Aufgrund von Überschwemmungen und Hochwasser der Traun wurde die Strecke schon einmal verlegt, auch heute muss die Bahnstrecke durch den Talpass im Winter manchmal wegen Lawinengefahr gesperrt werden.

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Unten angekommen präsentiert sich die Landschaft wieder anders, die Strecke führt nun am Ufer des Hallstätter Sees entlang. Am gegenüberliegenden Seeufer ist schon unser heutiges Tagesziel zu sehen.

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Es geht gleich weiter...

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Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.

Unterwegs zwischen Achensee und Schafberg | Fortsetzung

TD ⌂ @, Dienstag, 14.01.2020, 18:58 (vor 38 Tagen) @ TD

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Am Haltepunkt Hallstatt steigen wir aus. Dass Bahnhof und Ortszentrum etwas auseinanderliegen ist ja nun nicht ungewöhnlich. Dass Ort und Bahnstation jedoch von einem See getrennt werden, ist doch eine Kuriosität. Außer dem Haltepunkt gibt es hier nicht viel, wer nach Hallstatt möchte, folgt dem Wegweiser zur Schiffstation...

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...und muss mit 'Stefanie' auf die gegenüberliegende Seeseite übersetzen.

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Der Fahrplan des Fährschiffs ist auf die Bahn abgestimmt, die Überfahrt dauert 7 Minuten. Der Hallstätter See liegt fjordartig im Salzkammergut zwischen Dachsteinmassiv, Sarstein und Plassen, er ist knapp 6 Kilometer lang und gut 2 Kilometer breit.

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Mit der Ankunft in Hallstatt ist der verkehrstechnische Teil dieses Reiseberichts abgeschlossen. Wer sich auch für die touristische Seite interessiert, der darf gerne noch weiterlesen. Hallstatt ist berühmt und gleichzeitig auch berüchtigt für den Overtourism. Auf rund 750 Einwohner kommen jährlich rund 700.000 Besucher, überwiegend asiatische Tagesbesucher.
Für 2018 gehen wir nun als zwei weitere Gäste in die Statistik ein – aber immerhin werden wir nicht mit dem Bus herangekarrt und wir übernachten hier sogar.

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Hallstatt liegt auf einem schmalen Uferstreifen zwischen See und Berghang, der historische Kern besteht eigentlich nur aus einem Straßenzug und einigen Gassen um den Marktplatz. Teilweise wurden die Häuser auch mit Pfählen in den See gebaut. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Ort überhaupt nur per Schiff oder auf schmalen Pfaden zu erreichen. Die evangelische Kirche wurde auf Seehöhe errichtet und hat dafür eine hohe Spitze erhalten...

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...während die katholische Kirche hochwassersicher oben am Hang erbaut wurde. Sie hat jedoch einen niedrigeren Turm, so dass beide Kirchen im Ergebnis dem Himmel gleich nahe sind.

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Doch halt, ein Verkehrsmittel haben wir noch: wir fahren nun mit der Salzbergbahn bergwärts, die Standseilbahn führt über 325 Höhenmeter hinauf ins Hallstätter Hochtal zu den Salzwelten.

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In der Berggegend gibt es reiche Salzvorkommen, die bereits seit Jahrtausenden abgebaut werden. Am Eingang des Hallstätter Salzberg-Hochtals steht der Rudolfsturm. Es handelt sich im Kern um einen mittelalterlichen Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, später diente er als Wohnung des jeweiligen Bergbaubetriebsleiters.

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Aus 360 Metern Höhe gibt es einen Panoramablick über den Hallstätter See und die Region Dachstein-Salzkammergut. In der Sonne liegt der Ort Obertraun, aus dieser Richtung waren wir über die Salzkammergutbahn angereist.

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Am gegenüberliegenden Seeufer sieht man schön die Bahnstrecke, die am Fuße des Wehrkogels verläuft. Etwas links der Bildmitte kann man einen Zug am Haltepunkt Hallstatt erahnen, dort befindet sich auch die Schiffstation.

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Im Rahmen einer Führung betreten wir nun den Christina-Stollen, er wurde 1719 aufgeschlagen. Salz wird hier jedoch schon wesentlich länger abgebaut, unterschiedliche Funde deuten darauf hin, dass schon um 5000 vor Christus Menschen im Hallstätter Hochtal lebten und Salz abbauten. In der Bronzezeit begann der organisierte Abbau von Salz, seine Blütezeit erreichte der prähistorische Bergbau in der sogenannten Hallstattzeit (zwischen 800 und etwa 400 vor Christus), damals drangen die Bergleute bereits bis in eine Tiefe von 200 Metern vor. Der Salzstollen gilt heute als ältester der Welt. Der durchschnittliche Salzgehalt liegt bei 60 Prozent.

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Das Salzbergwerk umfasst rund 65 Streckenkilometer auf 21 Horizonten (Stockwerke), der Höhenunterschied wird mit sogenannten Bergmannsrutschen überwunden, die hölzerne Rutsche ist 64 Meter lang und dient heute als Attraktion für die Besuchergruppen.

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Immer wieder werden hier auch archäologische Funde gemacht, so fand man im Jahr 1734 die gut erhaltene Leiche eines prähistorischen Bergarbeiters, der wohl im ersten Jahrtausend vor Christus einem Grubenunglück zum Opfer fiel und vom Salz konserviert wurde. Als weitere wissenschaftliche Sensation gilt die älteste Holzstiege Europas. Sie wurde auf das Jahr 1344 vor Christus datiert und ist damit der älteste europäische Beleg für gezimmerte Holztreppen.

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Ach, jetzt hätte ich fast noch ein Verkehrsmittel vergessen. Die Besucher werden nämlich anschließend aus dem Stollen gefahren. Vor Ort erklärt man uns, dass wir mit einem Grubenhunt transportiert würden. Als ich jetzt allerdings für den Reisebericht recherchiere, ob die Schreibweise „Hunt“ oder „Hund“ ist, merke ich, dass das gar kein Hunt war, denn unter diese Bezeichnung fallen nur Förderwagen, die von Menschenkraft bewegt werden. Eine motorbetrieben Grubenbahn bringt uns wieder ans Tageslicht.

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Für uns geht es nun wieder hinab nach Hallstatt, die Sonne verabschiedet sich nun langsam und Hallstatt taucht in den Schatten der umliegenden Berge. Ein Teil des Orts liegt im Winter dauerhaft im Schatten, einige Häuser sehen ein Drittel des Jahres keine Sonne.

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Die Region Hallstatt-Dachstein ist seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe. Als Besonderheit haben die Region und der romantische Ort gleichzeitig die Titel Natur- und Kulturerbe. Hallstatt war auch malerische Kulisse für eine südkoreanische Fernsehserie, wodurch der Ort in Asien bekannt wurde. Und 2011 wurde gar damit begonnen, die Alpenidylle in China nachzubauen, die Kopie inklusive Kirchturm, Dorfplatz, Brunnen bis hin zu originalgetreuen Schachtdeckeln ist allerdings seitenverkehrt angelegt.

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Nachdem der letzte Bus abgefahren ist und das letzte Fährschiff abgelegt hat, kehrt Ruhe ein – und wir sind am Ende des vierten Reisetags angekommen.

In den nächsten Tagen folgt Teil 5, dann fahren wir über Umwege von Hallstatt zum nächsten Touristenmagneten der Region: dem Schafberg.

Viele Grüße

Tobias

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