EU will Fahrgastrechte einschränken (Allgemeines Forum)

flyingska @, Freitag, 29.11.2019, 19:54 (vor 229 Tagen)

Falls es dazu schon einen Thread gibt: Sorry, habe ich übersehen.

Die EU will nächste Woche die Fahrgastrechte einschränken.
Siehe: www.fuldainfo.de/eu-staaten-wollen-entschaedigungsansprueche-von-bahnkunden-einschraenken/

u.a. soll es keine Entschädigung bei höherer Gewalt mehr geben.

Wird schon seit 2017 thematisiert

Power132 @, Freitag, 29.11.2019, 20:21 (vor 229 Tagen) @ flyingska

Jeder EU Parlamentarier hat Rechtsanwalt (in Reichweite)

br752 @, Freitag, 29.11.2019, 20:56 (vor 229 Tagen) @ flyingska

u.a. soll es keine Entschädigung bei höherer Gewalt mehr geben.

Das ist kein Problem, aber wer sagt was hoehere Gewalt ist?

Der Baum vor meinem ICE schon*, aber was ist mit der Rueckleistung?

Ist das hoehere Gewalt wenn der Zug in Basel zu spaet ankommt und spaeter wendet oder hat die Bahn verschlafen fuer die Rueckleistung einen puenktlichen Ersatzzug losfahren zu lassen?

Wenn es in Norddeutschland stuermt und man dann auch in Muenchen den FV einstellt?

Die ganzen sch**ss Diskussionen einschliesslich Gerichtsverfahren erspart man sich im Moment. Wenn das kommt werden monate lange Schriftverkehre X3 u.ae. fuellen.


Meine Loesung: Jedes Ticket 20 Cent teuerer machen und dafuer anlasslos die Verspaetung wie bisher auszahlen.


BR752


* Oder ich kann mit einem RA nachweisen, dass die Bahn vor 2 Monaten den Guenschnitttermin nicht ausreichend wahrgenommen hat.

Einfach die Ust. Senkung umlegen

Hansjörg, Freitag, 29.11.2019, 21:01 (vor 229 Tagen) @ br752

Meine Loesung: Jedes Ticket 20 Cent teuerer machen und dafuer anlasslos die Verspaetung wie bisher auszahlen.

Oder alternativ nächstes Jahr jedes Ticket wieder um 10% erhöhen, dann merkt man es gar nicht.

Jeder EU Parlamentarier hat Rechtsanwalt (in Reichweite)

Fulda_NBS, Samstag, 30.11.2019, 20:04 (vor 228 Tagen) @ br752

Wieso sollte der Baum vor dem Zug höhere Gewalt sein? Ist einfach fehlende Investition in Rückschnitt und damit zu Lasten der Bahn zu legen.

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

Matze86 @, München, Samstag, 30.11.2019, 20:13 (vor 228 Tagen) @ Fulda_NBS

- kein Text -

Lösung im gelobten Bahnland

WbuIV, Samstag, 30.11.2019, 20:42 (vor 228 Tagen) @ Matze86

In der Schweiz gibt es scheinbar ein Lösungsschema mit den entsprechenden rechtlichen Implikationen:


https://www.waldwissen.net/technik/naturgefahren/wsl_waldpflege_bahnlinien/index_DE

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

Aphex Twin, Sonntag, 01.12.2019, 10:52 (vor 228 Tagen) @ Matze86

Dann muss man einfach den Grundeigentümer haftbar machen falls der Baum umfällt und dadurch Kosten für die Bahnbetreiber entstehen.

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

Manitou, Dienstag, 03.12.2019, 01:51 (vor 226 Tagen) @ Aphex Twin

Und dann heißt es bei "BLÖD": Die raffgierige DB plündert armen Kleingärtner aus.

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

GibmirZucker @, Göding, Sonntag, 01.12.2019, 13:12 (vor 227 Tagen) @ Matze86

Werden übrigens durch FGR entstandene Kosten, die ein Dritter verursacht, heute auf den Verursacher abgewälzt? Beginnt ja bei privaten Baum auf den Gleisen, geht über PU bis zu Streiks?

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

EK-Wagendienst @, Münster, Sonntag, 01.12.2019, 13:18 (vor 227 Tagen) @ GibmirZucker

Werden übrigens durch FGR entstandene Kosten, die ein Dritter verursacht, heute auf den Verursacher abgewälzt? Beginnt ja bei privaten Baum auf den Gleisen, geht über PU bis zu Streiks?

Eben nicht, deswegen ist das DB Netz auch ganz egal, die haben davon keine Nachteile.
Das EVU muss bezahlen.

--
Ein Fahrplan ist ein VORSCHLAG an den Lokführer, wie man fahren könnte.

Und wenn der Baum auf Privatgrund steht?

Manitou, Dienstag, 03.12.2019, 01:55 (vor 226 Tagen) @ EK-Wagendienst

Das EVU könnte erst mal den Netzbetreiber bei einer Streckensperrung in Regres nehmen, dieses dann den Verursacher. So beschäftigt man Anwälte und Gerichte

Dann seinen Cheflobbyisten verklagen

agw @, NRW, Dienstag, 02.06.2020, 18:10 (vor 43 Tagen) @ Matze86

Also wenn die Bundeseigenebahn mit hochbezahlten Lobbyisten keine Gesetzesänderung hinbekommt, ist die selbst schuld.
Für alle möglichen anderen Gesetzesänderung hat man ja Zeit gehabt.

--
"Mit Vollgas in den Sommer: Sparen Sie 20% bei Europcar."
- bahn.de

Jeder EU Parlamentarier hat Rechtsanwalt (in Reichweite)

markw @, Sonntag, 01.12.2019, 09:24 (vor 228 Tagen) @ br752

u.a. soll es keine Entschädigung bei höherer Gewalt mehr geben.


Das ist kein Problem, aber wer sagt was hoehere Gewalt ist?

Der Baum vor meinem ICE schon*, aber was ist mit der Rueckleistung?

Ist das hoehere Gewalt wenn der Zug in Basel zu spaet ankommt und spaeter wendet oder hat die Bahn verschlafen fuer die Rueckleistung einen puenktlichen Ersatzzug losfahren zu lassen?

Wenn es in Norddeutschland stuermt und man dann auch in Muenchen den FV einstellt?

Die ganzen sch**ss Diskussionen einschliesslich Gerichtsverfahren erspart man sich im Moment. Wenn das kommt werden monate lange Schriftverkehre X3 u.ae. fuellen.

Als die Fahrgastrechte eingeführt waren, war das ganz einfach. Da war nämlich höhere Gewalt ausgeschlossen (das ist soweit ich weiß erst durch ein Gerichtsurteil geändert worden) und das offensichtlich juristisch hervorragend gebildete Zugpersonal, wusste dann immer sofort, dass es sich um höhere Gewalt handelte und rückte die Formulare dann erst gar nicht raus.

Der Ausschluss von höherer Gewalt ist offensichtlich keine Lösung. Gleichzeitig kann ich die Position der DB gut verstehen. Der Fernverkehr soll ja eigenwirtschaftlich betrieben werden und insbesondere bei Sturmereignissen treibt das die Kosten ganz schön in die Höhe.

Man kann natürlich argumentieren, die DB müsste zur Vermeidung und Einschränkung von Verspätungen:
- Wieder mehr Ausweichstrecken und Ersatzfahrzeuge mit entsprechendem Personal bereithalten.
- Bewuchs entlang der Bahnstrecken beseitigen.
- Generell mehr in Fahrzeuge investieren.
- Manche Fahrpläne nicht ganz so auf Kante nähen, damit Verspätungen aufgeholt werden können.
- Die Netze so ausbauen, dass die Strecken weniger überlastet sind

Alles Dinge über die man sich vernünftigerweise auseinandersetzen kann, nur würde es dann teurer und man müsste sehen, welche dieser Aufgaben, dann Gesamtgesellschaftlich und nicht Aufgabe der DB sind.

Jeder EU Parlamentarier hat Rechtsanwalt (in Reichweite)

Hansjörg, Sonntag, 01.12.2019, 15:53 (vor 227 Tagen) @ markw

Alles Dinge über die man sich vernünftigerweise auseinandersetzen kann, nur würde es dann teurer und man müsste sehen, welche dieser Aufgaben, dann Gesamtgesellschaftlich und nicht Aufgabe der DB sind.

Das ist alles dem Fahrgast egal. Es muss eine Situation eintreten in der man davon ausgehen kann pünktlich anzukommen und FGR die Ausnahme werden.
Der Ansatz die Rechte der Reisenden einzuschränken ist genau die falsche Richtung.

EU will Fahrgastrechte einschränken

Frecciarossa, Freitag, 29.11.2019, 21:18 (vor 229 Tagen) @ flyingska

1. Noch vor gar nicht so langer Zeit gab es überhaupt keine Fahrgastrechte. Weder hat sich das Reiseverhalten durch die Einführung dramatisch geändert noch ist die Welt stehen geblieben. Daher gehe ich davon aus, dass auch diese Änderung keine nennenswerten Auswirkungen haben wird.

2. Der Grundsatz der höheren Gewalt kommt nicht nur im Flugverkehr zur Anwendung sondern ist der Normalfall im bürgerlichen Recht. Wir erleben hier also eine Normalisierung.

3. Die notwendigen juristischen Abgrenzungen sind kein Novum sondern jahrzehnte- oder gar Jahrhundertelang eingeübte Praxis unseres Rechtssystems.

Wenn es nicht der Faktor 1:10.000 waere.

br752 @, Samstag, 30.11.2019, 04:07 (vor 229 Tagen) @ Frecciarossa

1. Noch vor gar nicht so langer Zeit gab es überhaupt keine Fahrgastrechte. Weder hat sich das Reiseverhalten durch die Einführung dramatisch geändert noch ist die Welt stehen geblieben. Daher gehe ich davon aus, dass auch diese Änderung keine nennenswerten Auswirkungen haben wird.

Doch!
Keine FGR: Keine Diskussion
FGR immer: Keine Diskussion
FGR ja, aber nur wenn: VIELE Diskussionen!

2. Der Grundsatz der höheren Gewalt kommt nicht nur im Flugverkehr zur Anwendung sondern ist der Normalfall im bürgerlichen Recht. Wir erleben hier also eine Normalisierung.

Nein!
Ich kenne keine 10.000 Reisenden die an einem Tag im Luftverekehr wegen 5 Minuten Verspaetung den Anschluss verloren haben und somit 1 Stunde spaeter am Ziel ankommen.
Wenn ich mir die Falle im Flugverkehr und Bahnverkehr so ansehe wuerde ich auf ein Verhaeltniss von 1:10.000 kommen.

3. Die notwendigen juristischen Abgrenzungen sind kein Novum sondern jahrzehnte- oder gar Jahrhundertelang eingeübte Praxis unseres Rechtssystems.

Stimmt. Aber wenn die Anzahl der Faelle explodiert, dann sind Gerichte, Schiedsstellen und die Gesellschaft unzufrieden. Den Aerger sollte man vermeiden.


Hier geht es schlicht um die Menge der anfallenden Faelle. Wenn es nur 10 pro Tag bei der Bahn waeren, dann waere das togal.


BR752

Gut so. Und die Bahn?

Gast @, Montag, 02.12.2019, 09:17 (vor 227 Tagen) @ flyingska

Wenn die EU irgendwelche Vorgaben einschränkt, kann ich das nur begrüßen. Mich würde in diesem Zusammenhang mehr interessieren, ob die Bahnunternehmen vorhaben, in so einem Fall die Sorge für das Ankommen ihrer Fahrgäste auf das neue gesetzliche Mindestmaß abzusenken und die AGB entsprechend zu verschlechtern.

Die Mitgliedsstaaten wollen dies - nicht das EU-Parlament

JW, Dienstag, 03.12.2019, 00:53 (vor 226 Tagen) @ flyingska

Die EU will nächste Woche die Fahrgastrechte einschränken.

Dies haben die Verkehrsminister der EU-Mitgliedsstaaten auf Vorschlag der vorherigen EU-Kommision so beschlossen. Also die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten.
Unsere Vertreter im EU-Parlament sehen dies mehrheitlich anders. Es gibt dort sogar Bestrebungen die Fahrgastrechte auszubauen.

Gruß Jörg

FGR: Europäischer Rat 12/2019 zu Neufassung FGR-VO

michael_seelze @, Samstag, 30.05.2020, 00:23 (vor 47 Tagen) @ JW

Die EU will nächste Woche die Fahrgastrechte einschränken.


Dies haben die Verkehrsminister der EU-Mitgliedsstaaten auf Vorschlag der vorherigen EU-Kommision so beschlossen. Also die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten.
Unsere Vertreter im EU-Parlament sehen dies mehrheitlich anders. Es gibt dort sogar Bestrebungen die Fahrgastrechte auszubauen.

Genau, die (alte) EU-Kommission hat einen Vorschlag zur Neufassung der FGR-VO erarbeitet,
das Parlament hat den vorgeschlagenen Text abgeändert und in erster Lesung angenommen, der Europäische Rat hat sich anschließend mit der Sache beschäftigt, es wurder der Beschluss gefasst in interinstitutionelle Beratungen einzutreten. Der Rat hat im Dezember 2019 seinerseits einen abgeänderten Text in erster Lesung als seine allgemeine Ausrichtung angenommen.

Bei der Lektüre findet man hier u.a:
Erwägungsgrund (21): [...]

Die Eisenbahnunternehmen sollten nachweisen müssen, dass sie die Verspätung weder vorhersehen noch verhindern konnten, selbst wenn alle zumutbaren Maßnahmen, einschließlich durch geeignete vorbeugende Instandhaltung ihres Rollmaterials, ergriffen worden wären.

Es ist zu begrüßen, dass die Notwendigkeit der vorbeugenden Instandhaltung erkannt worden ist.

Artikel 16 Erstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung
(1) Muss entweder schon bei der Abfahrt oder im Falle eines verpassten Anschlusses oder eines Zugausfalls [... [auf einer Fahrt mit einer Durchgangsfahrkarte]] vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass bei Ankunft am Zielort gemäß Beförderungsvertrag die Verspätung [...] 60 Minuten oder mehr betragen wird, so bietet das Eisenbahnunternehmen, das den verspäteten oder ausfallenden Dienst bedient, dem Fahrgast [...] unverzüglich an, sich für eine der folgenden Möglichkeiten zu entscheiden, und trifft die dazu notwendigen Vorkehrungen:
a) Erstattung des vollen Fahrpreises unter den Bedingungen, zu denen er entrichtet wurde, für den Teil oder die Teile der Fahrt, der/die nicht durchgeführt wurde(n), und für den Teil oder die Teile, der/die bereits durchgeführt wurde(n), wenn die Fahrt nach den ursprünglichen Reiseplänen des Fahrgasts sinnlos geworden ist, gegebenenfalls zusammen mit einer Rückfahrt zum ersten Ausgangspunkt bei nächster Gelegenheit. [...];
b) Fortsetzung der Fahrt oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort bei nächster Gelegenheit;
c) Fortsetzung der Fahrt oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen bis zum Zielort zu einem späteren Zeitpunkt nach Wahl des Fahrgasts.

Der Punkt Durchgangsfahrkarte erhält seinen eigenen Artikel

Artikel 10a Durchgangsfahrkarten
(1) [...] Eisenbahnunternehmen, Fahrkartenverkäufer und Reiseveranstalter unternehmen alle zumutbaren Bemühungen, um [...] für inländische und grenzüberschreitende Schienenpersonenverkehrsdienste und insbesondere für von nur einem Eisenbahn-unternehmen erbrachte Dienste Durchgangsfahrkarten anzubieten. Eisenbahnunternehmen arbeiten zusammen, um sowohl für inländische als auch für grenzüberschreitende Schienenpersonenverkehrsdienste in größtmöglichem Umfang Durchgangsfahrkarten anzubieten.
(2) Bei Reisen, die einen oder mehrere Anschlüsse umfassen, ist der Fahrgast vor dem Fahrkartenkauf darüber zu informieren, ob die Fahrkarte oder Fahrkarten als Durchgangsfahrkarte gilt bzw. gelten.

mit aufschlussreichem Erwägungsgrund:

Durchgangsfahrkarten ermöglichen nahtlose Fahrten für Fahrgäste; daher sollten angemessene Anstrengungen unternommen werden, solche Fahrkarten für inländische und grenzüberschreitende Dienste sowie Dienste des Stadtverkehrs, Vorortverkehrs und Regionalverkehrs, einschließlich der von dieser Verordnung ausgenommenen Schienenverkehrsdienste, anzubieten. Für die Berechnung der Verspätungsdauer für Entschädigungen sollte es in Bezug auf solche Schienenverkehrsdienste möglich sein, Verspätungen auszunehmen, die auf Teilen der Fahrt aufgetreten sind, die außerhalb des Anwendungsbereichs dieser Verordnung liegen.

Artikel 17 [...] Entschädigung
(1) Ohne das Recht auf Beförderung zu verlieren, hat ein Fahrgast bei Verspätungen Anspruch auf eine Entschädigung durch das Eisenbahnunternehmen [...], wenn er zwischen dem auf der Fahrkarte [...] oder Durchgangsfahrkarte angegebenen Abfahrts- und Zielort eine Verspätung erleidet, für die keine Fahrpreiserstattung nach Artikel 16 erfolgt ist. Fahrgäste haben auch Anspruch auf eine Entschädigung im Fall eines Zugausfalls oder einer Verspätung von 60 Minuten oder mehr‚ wenn eine Weiterreise mit geänderter Strecken-führung gemäß Artikel 16 Absatz 1 Buchstabe b erfolgt. In diesem Fall wird die Verspätung anhand der planmäßigen Ankunftszeit am Zielort entsprechend der ursprünglichen Fahrkarte oder Durchgangsfahrkarte und der tatsächlichen Ankunfts-zeit am Zielort berechnet.

Laut Artikel 2 Anwendungsbereich gilt:

(2) Vorbehaltlich des Absatzes 4 können die Mitgliedstaaten die folgenden Dienste von der Anwendung dieser Verordnung ausnehmen:
a) [...] Schienenpersonenverkehrsdienste des Stadtverkehrs, Vorortverkehrs und Regionalverkehrs, einschließlich entsprechender grenzüberschreitender Dienste innerhalb der Union

Ergibt sich hieraus in Verbindung mit dem zitierten Erwägungsgrund nicht die Möglichkeit für die EVU, für Relationen mit Umstieg(en) zwischen NV und FV zwar Fahrkarten aber keine Durchgangsfahrkarten mehr zu verkaufen?!

Weiter Artikel 16 Erstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung:

(2) Wenn für die Zwecke von Absatz 1 Buchstaben b und c eine vergleichbare geänderte Strecke von demselben Eisenbahnunternehmen bedient wird oder das Eisenbahnunternehmen ein anderes Unternehmen mit der Bedienung der geänderten Strecke beauftragt, entstehen dem Fahrgast dadurch keine zusätzlichen Kosten. Diese Anforderung gilt auch, wenn die Weiterreise mit geänderter Streckenführung die Beförderung in einer höheren Klasse sowie die Benutzung alternativer Verkehrsmittel einschließt. Seitens der Eisenbahnunternehmen sind angemessene Bemühungen zu unternehmen, um zusätzliches Umsteigen zu vermeiden und Verlängerungen der Gesamtreisezeit möglichst kurz zu halten. [...] Die Fahrgäste dürfen nur dann auf Verkehrsmittel in einer niedrigeren Klasse herabgestuft werden, wenn diese die einzige anderweitige Beförderungsmöglichkeit darstellen.
Unbeschadet des Unterabsatzes 1 kann das Eisenbahnunternehmen sich auf Anfrage des Fahrgasts damit einverstanden erklären, dass der Fahrgast Beförderungsverträge mit anderen Anbietern von Verkehrsdiensten schließt, die es ihm ermöglichen, den Zielort unter vergleichbaren Bedingungen zu erreichen, und ihm die entstandenen Kosten erstatten.

Hieße das nicht, dass das Eisenbahnunternehmen entscheiden, welche Züge und Strecken der von einer zu erwartenden Verspätung betroffene Fahrgast bei seiner Weiterreise nutzen darf, wenn dieser nicht auf den Kosten "sitzenbleiben" möchte?

Artikel 17

(8) Der Fahrgast hat keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn Verspätungen, Zugausfälle und verpasste Anschlüsse als direkte Folge von oder in untrennbarem Zusammenhang mit folgenden Umständen auftreten:
a) außerhalb des Eisenbahnbetriebs liegende Umstände wie extreme Wetterbedingungen oder schwere Naturkatastrophen, die das Eisenbahnunternehmen trotz Anwendung der nach Lage des Falles gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und deren Folgen es nicht abwenden konnte,
b) Verschulden des Fahrgasts oder
c) Verhalten eines Dritten wie Selbstmord, Betreten der Gleise, Kabeldiebstahl, Notfälle im Zug, Strafverfolgungsmaßnahmen, Sabotage oder Terrorismus, das das Eisenbahnunternehmen trotz Anwendung der nach Lage des Falles gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und dessen Folgen es nicht abwenden konnte.

Streiks des Personals des Eisenbahnunternehmens, Handlungen oder Unterlassungen eines anderen Unternehmens, das dieselbe Eisenbahninfrastruktur nutzt, und Handlungen oder Unterlassungen der Infrastruktur- und Bahnhofsbetreiber fallen nicht unter die Ausnahme nach Unterabsatz 1.

Liest sich recht spannend: Ich frage mich, was hier unter "Unterlassung" zu verstehen ist. Nehmen wir mal an das EIU hat es unterlassen, Bäume in Gleisnähe zurückzuschneiden, durch extreme Wetterbedingungen geraten diese in den Gleisbereich, als direkte Folge davon verspätet sich ein Zug und der Fahrgast verpasst den Anschluss.
Bestünde ein Entschädigungsanspruch?

FGR: Europäischer Rat 12/2019 zu Neufassung FGR-VO

gnampf @, Dienstag, 02.06.2020, 17:57 (vor 43 Tagen) @ michael_seelze

Liest sich recht spannend: Ich frage mich, was hier unter "Unterlassung" zu verstehen ist. Nehmen wir mal an das EIU hat es unterlassen, Bäume in Gleisnähe zurückzuschneiden, durch extreme Wetterbedingungen geraten diese in den Gleisbereich, als direkte Folge davon verspätet sich ein Zug und der Fahrgast verpasst den Anschluss.
Bestünde ein Entschädigungsanspruch?

Das bedeutet "das EVU kann einfach erstmal alles ablehnen mit der Begründung das sie es nicht hätten verhindern können und du kannst ja dagegen klagen". Im Gegensatz zur aktuellen, sehr einfach Regelung bei der sich das EVU nur schwierig rausreden kann (und es trotzdem immer mal wieder versucht) kann man sich auf viel mehr (ungerechtfertigte) Ablehnungen einstellen. So wie man damals immer dem Stempel auf dem Verspätungsformular schon im Zug hinterher rennen musste damit man überhaupt eine Chance hat. Das Problem ist ja auch das ich als Kunde dem EVU ein Verschulden meist gar nicht nachweisen kann, da es dafür Einblick in viele Internas braucht.
Das ganze macht die Bahnen weder besser noch attraktiver oder günstiger... es verbessert nur mit Glück ihre Gewinne, insbesondere wenn sie regelmäßig miese Leistungen abliefern. Ist also ein Anreiz weniger Qualität abzuliefern.

EU will Fahrgastrechte einschränken

Manitou, Dienstag, 03.12.2019, 01:49 (vor 226 Tagen) @ flyingska

Eine solche Regelung entspricht durchaus dem BGB. Wenn die Bahnen z.B. Drittverursacher in Regress nehmen, regen sich auch wieder alle auf, z.B., wenn die Hinterbliebenen eines Selbstmörders eine Rechnung bekommen. So Geschehen vor einigen Jahren, wo die DB in einer RTL-Sendung mit Schmutz durch die Hinterblieben beworfen wurde, obwohl lediglich die gesetzliche Unfallversicherung gesetzesgemäß Regress für den Gesundheitsschaden, den der selbstmörder dem Lokführer zugefügt hatte, Regress gefordert hat, wie es gesetzlich vorgesehen ist.

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum