[AT] Man kann's ja auch übertreiben mit der Gleichstellung.. (Allgemeines Forum)

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 07:18 (vor 8 Tagen)

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Man stelle sich vor, man will auf die Gefahren achtlosen Handelns im Bahnbetrieb aufmerksam machen. Fragt sich da, wie man das macht. Die ÖBB Infra entschloss sich, eine Kampagne zu starten, mit der darauf aufmerksam gemacht wird, was passiert, wenn man meinetwegen am Bahnübergang nicht schaut, ob da ein Zug kommt (geschweige denn vor geschlossenem BÜ wartet.

Oder man auf die Idee kam, das Dach eines Zuges zu erkunden. Solche Dinge halt.

Eines der Plakate beinhaltete eine Person in einem Rollstuhl, Titel "Lass dich nicht aufhalten - außer von Bahnübergängen."

Man könnte meinen, es soll darauf hinweisen, dass man wegen des achtlosen Überquerens eines Bahnüberganges Gefahr läuft, sein Leben im Rollstuhl verbringen zu müssen (klar könnte man eine Leiche zeigen, was näher an die Realität kommt, aber das würde erst Recht für Unmut sorgen).

Was folgte war eine Medienkampagne von Behindertenanwalt, Behindertenverbänden und willigen Zeitungen, die die Werbekampagne als diskriminierend bewerten. Es könnte ja nicht sein, dass eine Behinderung nicht wünschenswert ist, scheint da der Tenor zu sein.

Ich sag dazu folgendes: Haben die noch alle Tassen im Schrank? Es sollte doch klar sein, worauf die Kampagne abzielt, warum muss man auf Biegen und Brechen das als ganz schlimm bewerten? Das ist doch lächerlich und gibt meiner Meinung mach keinen guten Eindruck in der Gesellschaft ab, wo es doch immer noch enorm wichtig ist, dass behinderte Menschen nicht als solche zweiter Klasse behandelt werden. Aber wie will man solche Leute ernstnehmen, die meinen, man sollte Behinderte bloß nicht als... Behinderte darstellen? Wenn man davor warnen will, dass man durch achtloses Handeln im Rollstuhl landen kann, ist das doch keine Diskriminierung, sondern einfach nur den Tatsachen entsprechend.

Aber hey, vielleicht sieht's hier ja wer anderes?

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Finde ich etwas übertrieben...

Destear @, Berlin, Montag, 04. November 2019, 08:08 (vor 8 Tagen) @ J-C

...sowohl die Kritik als auch deine Replik. Dass Betroffene sich gegen das Bild des Behinderten wehren, der etwas hilflos ist, kann ich schon verstehen. Und genau den Eindruck erweckt das Bild so ein bisschen mit der Schrift links und dem Rollifahrer rechts. Wenn du dich jetzt so krass über die Kritik aufregst, steigst du eigentlich nur auf dieser übertriebenen Schiene ein...

Ok, hast Recht...

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 08:29 (vor 8 Tagen) @ Destear

...ich sollte mich nicht aufregen.

Andererseits sehe ich es nicht ein, was die Verbände da für ein Problem haben.. Es wird jemand im Rollstuhl gezeigt. Wenn man sich den Text einmal zu Gemüte führt, ist meiner Meinung nach absolut klar, dass man sich von einem Bahnübergang aufhalten lassen sollte, damit man nicht am Ende im Rollstuhl landet.

Ich bin ja absolut für die Gleichstellung von Behinderten, Barrierefreiheit ist heutzutage sehr wichtig. Nicht, dass mich wer falsch versteht. Aber wie will man glaubhaft für eine Sache einstehen, wenn es möglich ist, dass man wegen solchen Dingen nicht ernst genommen wird?

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Ok, hast Recht...

Destear @, Berlin, Montag, 04. November 2019, 09:16 (vor 8 Tagen) @ J-C

Ich gestehe dir deine Sicht der Dinge in jedem Fall zu, denn man kann das Plakat ja ohne weiteres so interpretieren wie du es tust. Nur gibt es eben auch offensichtlich eine andere Deutungsmöglichkeit, die ich - auch wenn ich die Aufregung des Verbandes wie gesagt etwas übertrieben finde - auch nicht ganz von der Hand weisen kann. Also denke ich, liegt die Wahrheit wie immer in der Mitte zwischen den beiden Polen - und das führt überleitend direkt ins Land Polen, deren führendes Eisenbahnunternehmen in seinen Speisewagen dem Vernehmen nach guten Kakao hat...diesen wünsche ich zahlreich in dieser verregnet startenden Woche!

Gestern gab's keinen :(

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 09:30 (vor 8 Tagen) @ Destear

Gleich als ich mich niedersaß, hat man mir, man kennt mich wohl schon, gleich gesagt, dass es keine heiße Schokolade gab.

Und ich habe ja nicht ohne Grund gefragt, ob jemand eine andere Sicht hat, weil ich mir irgendwie schon dachte, dass mein Blickwinkel nicht allumfassend ist.

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Hab' deinen letzten Absatz im Erstbeitrag pflichtwidrig...

Destear @, Berlin, Montag, 04. November 2019, 09:40 (vor 8 Tagen) @ J-C

ignoriert. Sry!

Alles gut.

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 10:38 (vor 8 Tagen) @ Destear

Ich kann ja verstehen, dass man bei meinem Stil nicht immer bis zum Ende lesen mag ;-)

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Wahrscheinlich gewollt

brun, Montag, 04. November 2019, 10:10 (vor 8 Tagen) @ J-C

Wahrscheinlich hat die Agentur, die diese Kampagne ausgedacht hat, sogar gewollt, dass man sich drüber aufregt.

Aufregung ist ja Free Publicity. Und da sich in der heutigen Gesellschaft sowieso immer jemand beleidigt fühlt, war es noch nie so leucht wie heute, um mit einer Werbekampagne umsonst extra Wirkung zu erzielen.

Hätten sie mal echte Opfer genommen ...

Blaschke, Osnabrück, Montag, 04. November 2019, 10:57 (vor 8 Tagen) @ J-C

Hey.

Alles total behämmert. Die Kampagne. Und die Kritik.

Aber Aufmerksamkeit generiert. Wenigstens das.


Schöne Grüße von jörg

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"Wenn Sie für die Eisenbahn arbeiten, dann sind Sie immer auf der Seite der Guten!"

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)

Wie denn?

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 11:01 (vor 8 Tagen) @ Blaschke

Wie kriegst du schon echte Opfer solcher Kampagnen? Und denkst du, dass sich dann nicht auch wieder wer beschwert?

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Na, wie wohl?

Blaschke, Osnabrück, Montag, 04. November 2019, 12:20 (vor 8 Tagen) @ J-C

Hey.

Wie kriegst du schon echte Opfer solcher Kampagnen?

Vom Friedhof. Aus der Reha-Klinik. Vom OP-Tisch. Etc.

Und denkst du, dass sich dann nicht auch wieder wer beschwert?

Es beschwert sich IMMER irgendwer...

Aber es wäre wenigstens authentisch gewesen.

Hier hat sich in einem Bürgerforum ne Tiffie beschwert, dass neulich eine Ente überfahren worden wäre - wann als nächstes wohl ein Kind überfahren würde ... Da sag ich: könnte auch ein Rentner sein ...


Schöne Grüße von jörg

--
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Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)

Besserer Vorschlag

Mike65 @, Montag, 04. November 2019, 14:11 (vor 8 Tagen) @ Blaschke

Ich habe vor Jahren mal eine Plakataktion gesehen, die motorisierte Zweiradfahrer zum Tragen eines Helms animieren sollte. Ich glaube es war in Spanien oder Marokko: Neben einem umgestürzten Roller war eine zerplatzte Wassermelone abgebildet. Kein Mensch war zu sehen, trotzdem wusste jeder, was damit gemeint war.
Vielleicht könnte man eine Ladung zermatschter Tomaten auf einem Bahnübergang zeigen. Damit würde man höchstens Gemüserechte verletzen.

Besserer Vorschlag

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 16:14 (vor 8 Tagen) @ Mike65

Wenn wir aber in Metaphern sprechen, kann es sein, dass der Bezug zur Realität verloren geht. Es sollte ja eine Kampagne sein, die einen wachrüttelt. Und da muss man eben schauen, wie man einerseits die Folgen möglichst klar, aber andererseits nicht zu verstörend zeigt.

Es gab noch andere Motive. Der, der einen Arm verloren hat, der, der sich eine Verbrennung zugezogen hat...

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Kampagne von Network Rail

sibiminus @, Montag, 04. November 2019, 21:55 (vor 8 Tagen) @ Blaschke

Wie kriegst du schon echte Opfer solcher Kampagnen?


Vom Friedhof. Aus der Reha-Klinik. Vom OP-Tisch. Etc.

Moin, damit hast du mich an ein Video aus UK von vor 4 Jahren erinnert, auch wenn das keine echten Opfer sind, sondern nur Darsteller. Ich finde dennoch sehr eindrücklich.

https://youtu.be/ZoGfw2taFNg

Stop. Look. Listen. Live!

Wie denn?

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Montag, 04. November 2019, 16:28 (vor 8 Tagen) @ J-C

Sind auf Zigarettenpackungen nicht auch echte Raucherzähne, -Lungen und -Beine abgebildet?

Aber ob die EU-Kampagne was gebracht hat wage ich zart zu bezweifeln.

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Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."
Goethe an Schiller 1797

Das Problem ist....

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 16:31 (vor 8 Tagen) @ Alibizugpaar

...dass man bei Rauchern kein rationales Denken voraussetzen kann. Wie bei jeder Sucht tut man etwas im Wissen, dass es schlecht für einen ist.

Darauf hinzuweisen, dass man auf sich aufpassen sollte, kann vielleicht besser wirken - eben am besten mit konkreten Bildern, die gleichzeitig aber nicht zu verstörend sind.

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Deutung den Betroffenen überlassen

Taurus83 @, Nürnberg, Montag, 04. November 2019, 14:32 (vor 8 Tagen) @ J-C

Hallo,

ich habe mir mittlerweile angewöhnt, der Gruppe, die (angeblich) diskriminiert werden, zu überlassen, ob sie diskriminiert werden. Das gilt für "Neger", "Zigeuner", LGBTs ebenso wie für Behinderte. Warum soll ich mir anmaßen, darüber zu urteilen?

Trotzdem sprechen Verbände natürlich nicht immer repräsentativ über die, die sie repräsentieren. Der ADAC spricht nicht für alle Autofahrer*innen, ProBahn nicht für alle Bahnfahrer*innen, die Gewerkschaft nicht für alle Mitarbeiter*innen und natürlich auch der genannte Verband für Behinderte.

Daher finde ich es gut, wenn Journalisten das kritisch hinterfragen, ggf. Behinderte zu Wort kommen lassen, die das anders sehen oder eine Umfrage machen. Ich persönlich möchte mir aber nicht anmaßen, zu urteilen, ob sich jemand diskriminiert fühlen darf oder nicht wenn ich nicht zu der Gruppe gehöre (oder anderweitig eine Beziehung zu dem Thema habe).


Viele Grüße,
Bernhard

Nehm ich mal auf, aber...

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 16:10 (vor 8 Tagen) @ Taurus83
bearbeitet von J-C, Montag, 04. November 2019, 16:11

...was ich definitiv keinem Behinderten absprechen will ist seine Meinung zu einem Thema. Wir leben ja generell in einem freien Marktplatz der Ideen. Meiner Meinung nach ist es aber einfach so, dass durch solche Klagen bei so einigen auch der Eindruck entstehen könnte, die Interessensvertretung für Behinderte schießt über ihr Ziel hinaus. Und das könnte deren Akzeptanz schmälern.

Und mein größeres Problem ist, dass durch solche Querschüsse die eigentliche Botschaft der Kampagne überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird. Und das finde ich einfach schade. Für mich sah es nach einem der besten Wege aus, über die Konsequenzen unachtsamen Handelns aufzuklären. Wie hätte man das denn besser machen können?

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Wie man es richtig gemacht hätte ...

Blaschke, Osnabrück, Montag, 04. November 2019, 15:35 (vor 8 Tagen) @ J-C

Hey.

20 Minuten Brainstorming; fertig.

Plakat 1: Abbildung eines Grabes. Text: 2 Minuten am Bahnübergang warten? Lieber tot für immer.

Plakat 2: Abbildung eines Rollstuhlfahrers. Text: 20 Stufen durch die Unterführung laufen? Brauche ich nie wieder.

Plakat 3: Abbildung übelster Hautverbrennungen. Und eine Oberleitung. Text: keine coole Location.


Alles muss man wieder selbst erfinden ...


Schöne Grüße von jörg

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"Wenn Sie für die Eisenbahn arbeiten, dann sind Sie immer auf der Seite der Guten!"

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)

Wie man es richtig gemacht hätte ...

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. November 2019, 16:17 (vor 8 Tagen) @ Blaschke

Ja, ich hätte auch ein Foto eines Grabes mit der Aufschrift "Das geht sich noch aus" und daneben die Umrisse der Person an einem Bahnübergang vorgestellt oder dergleichen. Irgendwie kam mir das aber dann eben doch zu zynisch vor. Das Motto der Kampagne hieß ja "Pass auf dich auf" und nicht "Dümmste Todesursachen".

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Wie man es richtig gemacht hätte ...

leunam, Donnerstag, 07. November 2019, 15:31 (vor 5 Tagen) @ J-C

Ja, ich hätte auch ein Foto eines Grabes mit der Aufschrift "Das geht sich noch aus" und daneben die Umrisse der Person an einem Bahnübergang vorgestellt oder dergleichen. Irgendwie kam mir das aber dann eben doch zu zynisch vor. Das Motto der Kampagne hieß ja "Pass auf dich auf" und nicht "Dümmste Todesursachen".

Zum Thema "Dümmste Todesursachen" hat mal ein Team der Metro Melbourne ein Video erstellt, das damals im Internet eingeschlagen ist und sich irre schnell verbreitet hat:
https://www.youtube.com/watch?v=IJNR2EpS0jw
Wenn man also Glück hat, kann sowas also auch gut ankommen. Den Bahnbezug gibts ab 2:20.

[AT] Man kann's ja auch übertreiben mit der Gleichstellung..

brandenburger, Perleberg, Montag, 04. November 2019, 21:13 (vor 8 Tagen) @ J-C
bearbeitet von brandenburger, Montag, 04. November 2019, 21:16

Was folgte war eine Medienkampagne von Behindertenanwalt, Behindertenverbänden und willigen Zeitungen, die die Werbekampagne als diskriminierend bewerten. Es könnte ja nicht sein, dass eine Behinderung nicht wünschenswert ist, scheint da der Tenor zu sein.

Was soll das denn? Ich kann mir nicht vorstellen, irgendein Rollstuhlfahrer hätte nicht lieber gesunde Beine, mag der Rollstuhl auch noch so High Tech sein.

Aber der Mensch mit Behinderung selbst, der ist natürlich genau so wünschenswert wie jeder Andere auch.

Natürlich würde ich mich als Rollstuhlfahrer, wenn ich einer wäre, nicht gut fühlen, wenn ein Plakat mir unterstellt, ich sei zu dämlich gewesen an einem Bahnübergang zu warten. Trifft ja vermutlich auf weniger als ein Promille aller Rollstuhlfahrer zu.

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