Deal? Deal! Eine zwischenmenschliche Begebenheit ... (Allgemeines Forum)

Blaschke, Osnabrück, Montag, 12.08.2019, 11:46 (vor 120 Tagen)

Huhu.

Hier im Forum gibt es ja regelmäßig Anfragen so in der Richtung, darf ich dies, darf ich das, wie ist jenes geregelt, was wird zu solchem der Schaffner sagen. Oft schimmert da ein etwas merkwürdiges Weltbild durch - so, als sei man im Krieg und der Schaffner der Feind. Dazu kommt, dass im Zeitalter von whatsapp und Co. eine persönliche anständige Kommunikation mit einem Gegenüber vielen irgendwie schwerfällt.

Manchmal aber gibt es eine Ausnahme. Und jemand weiß, wie man's macht. 'Man' war ein junge Dame. Wir nehmen mal eine Großstadt in Deutschland. Der Regionalzug in die Provinz fällt aus. Wobei man von der Provinz mit dem nächsten Regionalzug in die nächste Großstadt kommen kann. Der Zug soll auch ganz planmäßig verkehren.

Nun, der Tag neigt sich zu dem Zeitpunkt langsam dem Ende. Daher wird ein etwas später verkehrender recht leerer Fernzug, der planmäßig auch hier und da in der Provinz stoppt, freigegeben für Nahverkehrsreisende. Das wird auch offensiv verkündet auf Anzeigen und Ansagen. Die Freigabe gilt natürlich nur bis zum Endbahnhof des ausgefallenen Regionalzuges.

Im Fernzug dann trudelt der Schaffner ein. Die Fahrgästin zeigt ihr Länderticket vor. Alles okay. Dann nimmt sie sich ein Herz und spricht den Schaffner an: ob sie denn jetzt wirklich in der Provinz wieder raus muss und ab da mit dem anderen Regionalzug weiter muß - wo sie doch als Ziel in die nächste Großstadt will und diese jetzt natürlich bequemer mit dem Fernzug erreichbar wäre.

Der Schaffner überlegt erstmal - die Kundschaft drumherum, die das mitbekommt, ist schon gespannt auf die Antwort.

Klar, Vorschrift ist Vorschrift, Regel ist Regel und wo kommen wir hin, wenn jeder macht, was er will. Einerseits. Andererseits: wer hätte jetzt einen Nachteil, würde die Kundin mit in die Großstadt fahren. So direkt niemand, weil der Zug eh nicht ausgelastet ist. Indirekt dann natürlich der ehrliche Fahrgast, der in der Provinz aussteigt und den Regionalzug in die Großstadt nimmt.

Im Prinzip eine Situation, in der man als Offizieller nur verlieren kann. Aber dann die Idee! Da der Zug leer war, war das Bistro auch nur mau besucht. Vorschlag also: die Reisende kauft im Bistro einen kleinen Snack, 'n Schokoriegel und ein Getränk so in Art und Umfang. Ist natürlich etwas teurer als im Discounter. Aber, so der Schaffner, dann dürfe sie mit bis in die Großstadt. Das alles wurde entspannt mit einem Lächeln vorgetragen und dann am Schluß die Frage: "Ist das 'n Deal?!"

Für die Fahrgästin kein Thema: Klar! Machen wir so! Einmal abklatschen mit dem Schaffner und schnurstracks geht sie nach nebenan ins Bistro, kommt mit etwas Speis und Trank zurück und ist offenkundig zufrieden. Von den Fahrgästen, die das mitbekommen, ist auch keine Kritik zu hören. Und der Schaffner freut sich natürlich, dass die angenehme Atmosphäre im Zug erhalten bleibt. Den Vorteil der schnelleren bequemeren Beförderung gleicht der Nachteil des 'überteuerten' Snacks wieder aus. Kurzum: alles ist gut und alle kommen im Prinzip zu ihrem Recht und Wunsch.

Das also den Paragraphenreitern, den Regelauswendigkennern und den Kommunikationsversagern/-verweigernden ins Stammbuch geschrieben: manchmal (oder sogar öfters?) kommt man jenseits des ganzen Regularienklimbims weiter, wenn man den Gegenüber nicht als bösen Feind betrachtet, sondern ihn einfach mal höflich anspricht! Und schaut, ob ein Geben und nehmen machbar ist.

Vielleicht anstelle einer epischen darf-ich-das-Diskussion hier im Forum einfach mal vor Ort ausprobieren!


Schöne Grüße von jörg

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"Wenn Sie für die Eisenbahn arbeiten, dann sind Sie immer auf der Seite der Guten!"

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)

"Darf ich das?

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 12.08.2019, 12:17 (vor 120 Tagen) @ Blaschke

Ich sag's mal so, soweit man sich im Vorhinein absichern kann, tu ich das auch. Wenn nicht, hat es sich für mich auch durchaus gelohnt, einfach nett zu fragen.

Ich hatte da auch einen anderen Fall, der mich irgendwie an das "Wo kämen wir hin, wenn alle das so machen" erinnert.

Ich war mit meinem Sommerticket unterwegs (und ich weiß, was sich einige Leute vor Neid darauf denken). Ich nahm um 6:30 den RJX. Gibt nur ein Problem und das vergaß ich an jenem Tag: Das Sommerticket ist erst ab 8 Uhr gültig. Der Schaffner meinte zuerst sowas wie "Bist etwas zeitig dran." Und verwies auf die Gültigkeit. Ich brauchte erstmal etwas Zeit, um meinen Fehler zu realisieren, doch beließ der Schaffner es dabei. Die Fahrt ging weiter ihren Lauf. In Linz stiegen 2 Jugendliche ein, Fahrtziel Bregenz. Reserviert haben sie auch.

Doch das Problem, in Linz ist der Zug vor 8 Uhr abgefahren und guess what, auch sie hatten ein Sommerticket. Das selbe Problem. Nach der scherzhaften Frage, ob wir irgendwie zusammengehören hat der Schaffner auch hier Gnade vor Recht ergehen lassen. Danach habe ich selbstverständlich nicht mehr vergessen, dass ich erst um 8 Uhr in der Woche meine Reise mit dem Sommerticket antreten kann.

Hängt natürlich immer vom Fall ab, aber für mich war schon eigentlich immer klar, dass der Schaffner in der Regel dein Freund, nicht dein Feind ist ;-)

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[image] - eine Marke der ÖBB.

OT: Nix Neid ...

Blaschke, Osnabrück, Montag, 12.08.2019, 12:47 (vor 120 Tagen) @ J-C

Huhu.

Ich war mit meinem Sommerticket unterwegs (und ich weiß, was sich einige Leute vor Neid darauf denken).

Zum siebenunddreißigsten Mal: es geht nicht um Neid. Es ging bei der Kritik immer darum, dass du einerseits ein relativ günstiges Ticket ziemlich gut nutzt - WAS DEIN GUTES RECHT IST -, dass du aber andererseits Fahrgästen, die die Möglichkeiten anderer, z.B. "kreativer", Fahrscheine auch ziemlich gut ausnutzen, sinngemäß als 'Schmarotzer' und 'Abzocker' bezeichnet hast. Und das geht nicht. Punkt.


Schöne Grüße von jörg

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Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (07.05.2019)

Na bitte! ;-)

OT: Nix Neid ?

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 12.08.2019, 13:07 (vor 120 Tagen) @ Blaschke

Also entweder ich kann mich daran nicht erinnern, oder ich habe keinen als Schmarotzer bezeichnet. Auch nicht als Abzocker.

Vielleicht hat das wer anderes gemacht. Mittlerweile bin ich da eigentlich auch eh relativ locker damit. Mit der Zeit passiert's ja auch mal, dass man seine Meinung ändert *schulterzuck*

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[image] - eine Marke der ÖBB.

OT: !

Blaschke, Osnabrück, Montag, 12.08.2019, 15:17 (vor 120 Tagen) @ J-C

Huhu.

Also entweder ich kann mich daran nicht erinnern, oder ich habe keinen als Schmarotzer bezeichnet. Auch nicht als Abzocker.
Vielleicht hat das wer anderes gemacht.

Das warst schon du. Ich schrieb: sinngemäß.

War so.

Mittlerweile bin ich da eigentlich auch eh relativ locker damit. Mit der Zeit passiert's ja auch mal, dass man seine Meinung ändert *schulterzuck*

Nennt sich 'erwachsen werden' ;-)

Alles tutti. Von Alkohol las man ja auch schon. Fehlt nur noch Sex, Drugs, Rock'n Roll. Aber das wird noch ...


Schöne Grüße von jörg

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Na bitte! ;-)

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