Mit dem Nachtzug nach Lissabon 2/7 | 61 B (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 12.02.2019, 18:12 (vor 623 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer Bahnreise nach Portugal. Im ersten Teil waren wir vom Bodensee durch die Schweiz und durch Frankreich nach Spanien gefahren und hatten am Abend Girona im Nordosten Kataloniens erreicht.

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Am Abend des zweiten Tags wollen wir in Madrid den Nachtzug nach Lissabon besteigen, und da es in Spanien kein Problem ist, große Entfernungen in kurzer Zeit zurückzulegen, ergibt sich die Möglichkeit für einen Zwischenstopp bei der Zahnradbahn zum Kloster Montserrat.


Tag 2: Girona – Barcelona - Monistrol de Montserrat – Montserrat - Monistrol de Montserrat – Barcelona – Madrid – Nachtzug nach Lissabon

Bevor wir aber die Reise fortsetzen, drehen wir einen Rundgang durch Girona. Denn besonders das bekannteste Motiv von Girona, die bunten Häuser am Ufer des Onyar, sollte man schon bei Tageslicht anschauen.

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Girona kann auf eine lange Stadtgeschichte zurückblicken, in der Altstadt finden sich zahlreiche mittelalterliche Bauwerke. Davon hebt sich der Place de la Independencia mit seinen Arkaden und Bogengängen im neoklassizistischen Stil ab.

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Hier leuchtet in der Morgensonne der Glockenturm der Basilika Sant Feliu, die erste Kathedrale von Girona wurde zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert errichtet.

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In Girona hätten wir durchaus noch mehr Zeit verbringen können. Wer in Katalonien unterwegs ist und eine Alternative zu Barcelona sucht, dem kann Girona durchaus empfohlen werden. Hier der Blick vom Onyar zum Wahrzeichen der Stadt, der Kathedrale Santa Maria auf dem Altstadthügel der Fora Vella.
Gerade auch hier im Forum werden häufig die langen Planungszeiten bei Bauprojekten kritisiert – nun, auch bei Kathedrale diskutierte man 50 Jahre über die Bauweise, bis man sich letztlich für eine einschiffige Kathedrale entschied.

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Auch aus anderen Gründen bietet sich Girona als Zwischenstopp an, denn von der Stadt aus hat man Anschluss an das Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes. In fußläufiger Entfernung zur Altstadt liegt der Bahnhof. Während sich die Breitspurgleise im oberirdischen Teil befinden...

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...geht es zu den normalspurigen Gleisen des Hochgeschwindigkeitsverkehrs tief hinab. Auf dem Weg nach unten finden auch die Ticketkontrolle und die Gepäckdurchleuchtung statt.

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Mit einem Velaro E, der spanischen Version des ICE 3, fahren wir nun nach Barcelona. Manches im Zug wirkt sehr vertraut, anderes wie die Gepäckregale in den Einstiegsräumen, das Design mit hellem Ahornholz, die Ausrichtung der Sitze in Fahrtrichtung und die Temperaturanzeige ist ungewohnt. Wir reisen diesmal in der Tourista Plus.

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Die Fahrt von Girona entlang der Ausläufer der Pyrenäen nach Barcelona vergeht schnell, sie dauert nur knapp 40 Minuten. Nach der Ankunft in Barcelona Sants bringen wir einen Teil des Gepäcks in ein Schließfach, dann geht es mit der Metro L3 zur Station Plaça d'Espanya.

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An der Station Plaça d'Espanya beginnt die Vorort-Linie R5 in Richtung Manresa. Die Linie wird von der FGC, der Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya, betrieben. Auf der Strecke werden Elektrotriebzüge der Serie 213 eingesetzt.

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Die Strecke führt zunächst U-Bahn-artig unter dem Stadtgebiet von Barcelona, dann durch die Peripherie und das Flussdelta des Riu Llobregat. Auf der weiteren Fahrt ändert sich die Landschaft vor dem Zugfenster und das Montserrat-Gebirge kündigt sich an.

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Nach einer Fahrzeit von einer guten Stunde verlassen wir den Zug in Monistrol de Montserrat. Hier steigen wir um auf die Zahnradbahn Cremallera de Montserrat. Die Zahnradbahn wurde zwischen 2001 und 2003 zum Bahnhof Monistrol verlängert, so dass ein bequemer Umstieg von der R5 auf die Zahnradbahn möglich ist.

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Die Zahnradbahn führt von Monistrol hinauf zum Kloster Montserrat. Eröffnet wurde die Bahnlinie 1892, anfangs wurde sie mit Dampflokomotiven befahren. Nach einem wirtschaftlichen Niedergang und einem schweren Unfall wurde die Strecke 1957 stillgelegt. Nach 46 Jahren wurde die Strecke 2003 wiedereröffnet, hierfür wurden fünf meterspurige Zahnrad-GTW von Stadler beschafft.

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Vom Bahnhof Monistrol führt die Strecke im Adhäsionsbetrieb in einem Bogen zum Bahnhof Monistrol-Vila, anschließend beginnt die Zahnstangenstrecke und die Bahn verläuft am Berghang nach oben.

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Die Bahnstrecke ist insgesamt 5,2 Kilometer lang, dabei überwindet sie 550 Höhenmeter. Mit 30 Stundenkilometern geht es bergauf, auf dem Bild sieht man die Trasse am Hang, der Turm darüber gehört zum Monestir de Sant Benet de Montserrat, ebenfalls ein Kloster, aber nicht unser Fahrziel.

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Unser Fahrziel haben wir nach 20 Minuten mit der Bergstation am Kloster Montserrat erreicht. Der Zug auf dem Bild verlässt gerade die Bergstation und fährt wieder ins Tal. Links davon ist eine von zwei Standseilbahnen zu sehen, wir entscheiden uns aber für die andere Standseilbahn, nämlich den Funicular de Sant Joan, der noch weiter hinauf führt.

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Mit einer maximalen Steigung von 65 Prozent ist der Funicular de Sant Joan die steilste Standseilbahn in Spanien. Hier der Blick auf die Strecke sowie das Kloster Montserrat.

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Die Bergstation der Standseilbahn liegt auf 970 Meter Höhe. Hier oben gibt es Wanderwege, Aussichtspunkte und mehrere Kapellen. Das Sandsteingebirge des Montserrat gilt als eines der Wahrzeichen von Katalonien, es erhebt sich schroff aus dem hügeligen Hinterland.

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Von hier aus könnte man weiter zum Gipfel auf 1.236 Meter über dem Meer wandern – aber auch so bietet sich schon ein beeindruckender Panoramablick über das weite Land und die imposante Felslandschaft.

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Nein, das ist nicht Mount Rushmore, wir sehen einen der Gipfel des Montserrat – auf Deutsch übrigens „Gesägter Berg“. Hier oben könnte man es durchaus länger aushalten, aber wir wollen heute Abend ja weiter in Richtung Lissabon.

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Und so geht es mit dem Funicular wieder hinab zum Kloster. Das Kloster wurde zwischen den Jahren 1025 und 1035 gegründet, die historischen Klosteranlagen wurden 1809 und 1811 von Truppen Napoleons zerstört und später neu aufgebaut. In der Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat leben heute noch etwa 80 Mönche.

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Montserrat hat nicht nur für die katholische Kirche und Wallfahrer eine besondere Bedeutung, sondern auch für die katalanische Kultur, da hier während der Francodiktatur Messen in der sonst verbotenen katalanischen Sprache gefeiert wurde. Vielen Stadtbewohnern aus Barcelona dienen der Ort und die umliegende Berglandschaft aber auch als Naherholungsgebiet.

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Es geht gleich weiter...

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Mit dem Nachtzug nach Lissabon 2/7 | 61 B Fortsetzung

TD, Dienstag, 12.02.2019, 18:14 (vor 623 Tagen) @ TD

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Das Kloster ist nicht nur auf der Straße und mit der Zahnradbahn zu erreichen, sondern auch per Seilbahn. Wir entscheiden uns für die Rückfahrt ins Tal aber doch wieder für den Zug. Die Standseilbahnen und die Zahnradbahn werden wie der Vorort-Zug nach Barcelona von der FGC betrieben. Die Cremallera de Montserrat ist eine von zwei Zahnradbahnen in Spanien, die andere ist die Cremallera de Núria. Die Fahrzeuge auf beiden Bahnen sind austauschbar und unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Farbe, Núria-Fahrzeuge sind blau, Montserrat-Fahrzeuge grün. (Bei der Cremallera de Núria waren wir im Jahr zuvor, zum Reisebericht).

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Beim Wiederaufbau der Zahnradbahn wurde die alte Streckenführung weitgehend beibehalten und nur an wenigen Stellen verändert. Die Bahn verkehrt während der Hauptbesuchszeiten etwa alle 20 Minuten, allerdings sind nur die Bahnen mit Anschluss an die R 5 zum Bahnhof durchgebunden, die anderen enden in Monistrol Vila, wo sich ein großer (Bus-)Parkplatz befindet.

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Ok, grüner Zug in grüner Landschaft kann schon mal in ein Suchbild ausarten.

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Die Rückfahrt nach Barcelona hält jetzt keine unerwarteten Überraschungen bereit, am Bahnhof Monistrol de Montserrat steigen wir wieder in die R5. Die Strecke ist ebenfalls in Meterspur ausgeführt, so können die Zahnradbahnen auch unkompliziert zur Hauptwerkstatt der FGC in Martorell gebracht werden.

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Am Fuße des Montserrat-Massivs folgt die Bahnlinie dem Llobrega nach Barcelona. Bei Martorell führt die Strecke für eine kurze Etappe parallel zur Schnellfahrtstrecke, über die wir später nach Madrid fahren werden.

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Barcelona sehen wir auf dieser Reise nur von unten, denn mit der U-Bahn geht es anschließend direkt zum Bahnhof Barcelona Sants. Jetzt müssen wir nur noch schnell das Gepäck aus dem Schließfach holen und uns dann in die Schlange für Fahrkartenkontrolle und Gepäckdurchleuchtung anstellen.

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Für die Fahrt nach Madrid haben wir wieder einen Velaro E, diesmal war auch ein Ticket für die Preferente-Klasse erschwinglich. Mit 300 Stundenkilometern rauschen wir nun durch Spanien, die Außentemperatur wird mit 32 Grad angezeigt.

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Unterwegs wird ein kleiner Imbiss mit Sandwichs und Getränk gereicht. Wir haben einen „Bummelzug“ mit zwei Zwischenhalten erwischt, der braucht für die 620 Kilometer von Barcelona nach Madrid doch glatt 2 Stunden 50 Minuten. Non-Stopp-Züge schaffen die Strecke in 2 Stunden 30 Minuten.

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Die Schnellfahrstrecke führt durch das Iberische Gebirge (Sistema Ibérico), in der Sierra Ministra erreicht die Strecke mit 1.217 Metern über dem Meer den höchsten Punkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz.

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Die Fahrt endet im Bahnhof Madrid Puerta de Atocha. Der Bahnhof wurde ursprünglich als Kopfbahnhof angelegt, heute nutzen die Züge einen neuen Bahnhofsteil. Die alte Jugendstil-Bahnhofshalle beherbergt heute einen tropischen Palmengarten, in dem sich auch Wasserschildkröten tummeln.

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Der Bahnhof ist ja ganz schön – aber für uns leider falsch. Denn der Nachtzug nach Lissabon startet am anderen Fernbahnhof Madrids, dem Nordbahnhof Chamartín. Und so wechseln wir nun mit der S-Bahn den Bahnhof, hier der Cercanías-Triebzug nach der Ankunft in Chamartín.

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Der Bahnhof Chamartín wurde zur Fußball-Weltmeisterschaft 1982 erbaut und sollte eigentlich den Bahnhof Atocha ablösen, heute ist er jedoch nur die Nummer zwei.

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Die spanische Bahn Renfe ist nicht Mitglied im Railteam, mit bahn.bonus comfort kommt man hier deshalb nicht weit. Aber unser Schlafwagenticket für die Gran Clase öffnet uns den Zugang zur Club Lounge.

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Schließlich wird es Zeit für den Nachtzug nach Lissabon. Bahnfreunde werden dabei an den „Lusitania“ denken, Literaturfreunde hingegen an den Roman von Pascal Mercier. Den Roman um den Lehrer Raimund Gregorius aus Bern, der Hals über Kopf mit dem Nachtzug nach Lissabon aufbricht, habe ich mittlerweile auch gelesen – aber ich denke wir machen jetzt besser mit dem Trenhotel Lusitania weiter.

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Der Nachtzug von Madrid nach Lissabon ist aus Talgo-Wagen gebildet. Es gibt verschiedene Komfortklassen, wir haben eine Cabina gran glase gebucht, das ist ein Abteil mit Dusche und Toilette. Der Zug wird gemeinsam von spanischer Renfe und portugiesischer CP betrieben.

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In Medina del Campo wird der Zug mit dem Nachtzug „Sud-Express“ aus Hendaye vereinigt, dann geht es weiter zur portugiesischen Grenze. Zwischen Spanien und Portugal gibt es einen Zeitunterschied von einer Stunde. Für Fahrgäste bedeutet das: die Uhr wird um eine Stunde zurückgestellt; nach der Abfahrt um 2:30 Uhr in Fuentes de Onoro kommt man um 1:35 Uhr in der portugiesischen Grenzstad Vilar Formoso an. Auf der Linha da Beira Alta fahren wir nun nach Lissabon.

Mit der Ankunft am Morgen in Lissabon setzen wir dann in den nächsten Tagen den Reisebericht fort.


Viele Grüße

Tobias

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Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.

Gràcies! (und Frage)

JanZ, Aschaffenburg, Dienstag, 12.02.2019, 19:02 (vor 623 Tagen) @ TD
bearbeitet von JanZ, Dienstag, 12.02.2019, 19:02

Danke auch für diesen Teil! Ich sehe schon, ich hätte bei meiner Tour in der Gegend 2013 noch deutlich mehr Zeit in und um Barcelona verbringen können. Aber es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein.

Wie erstellst du eigentlich die Karten für deine Berichte? Die sehen immer sehr professionell aus.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

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TD, Mittwoch, 13.02.2019, 17:30 (vor 622 Tagen) @ JanZ

Wie erstellst du eigentlich die Karten für deine Berichte? Die sehen immer sehr professionell aus.

Hallo,

ich suche mir zunächst eine Kartenvorlage (Bueker.net, Railmap Europe oder Kursbuchkarte) und scanne oder fotografiere den entsprechenden Ausschnitt.

Dann benötigt man ein Grafikprogramm, mit dem man mit mehreren Ebenen arbeiten kann. Ich verwende dazu das uralte "Microsoft Picture it!", welches irgendwann bei einem Rechnerkauf mal dabei war.
Dort zeichne ich dann die relevanten Dinge nach (Streckenverlauf, Ländergrenzen) und füge Beschriftungen hinzu. Anschließend lösche ich die Ebene mit der Ursprungskarte raus und die nachgezeichnete Karte bleibt übrig (also eine Art digitales "Abpausen"). Da so die Ursprungskarte nicht mehr zu erkennen ist, sollte es keine Urheberrechtsprobleme geben.

Ich kenne mich mit Grafiksoftware nicht so aus und bisher komme ich mit Picture it gut zurecht, es gibt aber bestimmt auch andere Software (Freeware?), mit der man das machen kann.


Viele Grüße


Tobias

--
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ant6n, Mittwoch, 13.02.2019, 23:36 (vor 622 Tagen) @ TD

Ja, Inkscape

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