Frage zu der Bahnsteiglängsneigung? (Allgemeines Forum)

Henrik, Montag, 22.11.2010, 23:43 (vor 3989 Tagen) @ Jörg

Wie mir bekannt wurde ist bei dem Bauprojekt vorgesehen die Bahnsteige in einer Steigung anzulegen was laut §7 Absatz 2 der EBO nicht vorgesehen ist.

Hat jemand der die Schlichtung verfolgt hat vielleicht mitbekommen warum man diese Längsneigung macht bzw. warum es nicht anders geht?
Hat jemand vielleicht sogar die Begründung einer Ausnahmegenehmigung des EBA gelesen?

Grüße
Jörg

Das kann man auch sehr gut in dem Planfeststellungsbeschluss nachlesen,
den kannst Du Dir unter www.stuttgart21.de im Download-Bereich runterladen (+ PFA 1.1: Talquerung der Innenstadt mit Hauptbahnhof +).
Such da einfach nach "Neigung", dann findeste die Abschnitte sehr schnell.
Sind halt die baulichen Begebenheiten, z.B. die Stadtbahnstation...

"4.8.3. Eisenbahnspezifische Anforderungen

Im Zuge des geplanten Vorhabens sind Ausnahmen vom Regelwerk der Bahn erforderlich. Diese sind korrekt und vollständig in den Antragsunterlagen (Erläuterungsbericht Teil III, S. 85) dargestellt. Diese Ausnahmen werden hiermit zugelassen. Im Einzelnen sind dies:

(1) Längsneigung im Bahnhof (§ 7 (2) EBO i.V.m. Modul 813.0201, Abschnitt 3(3))

Die Vorhabenträgerin hat für den neuen Hauptbahnhof die Zulassung für eine Gleisneigung, und damit zwangsläufig auch für eine Neigung der Bahnsteige, abweichend von der üblichen Regelneigung in Bahnhöfen ( 2,5 ‰) von 15,143 ‰ beantragt. Begründet wird dies damit, dass eine flachere Neigung unter Beachtung der Zwangspunkte der vorhandenen Stadtbahnstrecken und der besonders schutzwürdigen Belange des Mineralwassers nicht möglich sei.

[...]

Entscheidung Eisenbahn-Bundesamt

Eisenbahnspezifische Bestimmungen stehen der beantragten Längsneigung von 15,143 ‰ im neuen Stuttgarter Durchgangsbahnhof nicht entgegen. Die Vorhabenträgerin hat die hierfür notwendigen Vorkehrungen zur Gewährleistung der gleichen Sicherheit in nicht zu beanstandender Weise und nachvollziehbar in ihren Antragsunterlagen dargestellt. Dies sind zum einen größere Querneigungen der Bahnsteige zur Bahnsteigmitte, rollhemmende Beläge, selbstbremsende Gepäckkarren, sowie Hinweisschilder oder sonstige optische Hinweise auf erhöhte Längsneigung und eventuell erschwerte Benutzung der Fahrzeuge (Ein- und Ausstieg). Zudem lässt sowohl die Eisenbahn- Bau und Betriebsordnung als auch die Konzern-Richtlinie 813 –Personenverkehrs- anlagen für die Bahnsteige selbst Querneigungen von bis zu 20 ‰ zu. Die gewählte technische Ausführung der Bahnsteige mit einer zur Bahnsteigmitte fallenden Querneigung von 10 ‰ (vgl. Erläuterungsbericht Teil III, Kapitel 2.5.1) gewährleist eine sichere Benutzung auch für Kinderwa-gen, Rollenkoffer und Ähnliches. Eine Gefährdung ist somit auszuschließen. Zum anderen wird hinsichtlich des Wegrollens der Züge auf die Schutzziele der einschlägigen EBO verwiesen, die vor allem ein selbständiges in Bewegung setzen von abgestellten Eisenbahnfahrzeugen (Wagen und Züge) zuverlässig verhindern wolle. Diese Funktionen werden in den jeweiligen Wartungsbahnhöfen erfüllt. Im neuen Stuttgarter Hauptbahnhof sieht das Betriebsprogramm nur ein Halten zum Aus- und Einsteigen der Reisenden vor, wobei bei diesen Halten die Zuggarnituren immer gebremst werden. Auch werden in der Regel bei durchgehenden Zügen keine Bremsproben erfor-derlich, so dass auch der Einwand der nicht mehr durchführbaren Bremsproben ins Leere geht."

Seite 372...373


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