[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist" (Allgemeines Forum)

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Dienstag, 08. Januar 2019, 17:49 (vor 162 Tagen)
bearbeitet von J-C, Dienstag, 08. Januar 2019, 17:50

Der Youtuber "Simplicissimus" hat ein Video hochgeladen, indem er die Deutsche Bahn auseinandernimmt - vor allem mit Blick auf dessen Geschichte.

Zwar mangelt es defnitiv nicht an Artikeln und Beiträgen zur Deutschen Bahn aber ich glaube, das Video ist trotzdem sehenswert.

--
Geben wir 100%!
Make the Dining car great again!

Mein Eindruck: Massenverkehr im Augenblick generell schlecht

Destear @, Berlin, Dienstag, 08. Januar 2019, 21:15 (vor 162 Tagen) @ J-C

Ich habe mir das Video noch nicht angesehen. Die Überschrift verleitet mich aber dazu, aus meiner eigenen Erfahrung der letzten Monate festzustellen, dass sowohl Bahnfahren als auch Fliegen im Augenblick keine große Freude machen. Mag damit zusammenhängen, dass die niedrigen Preise sehr viel mehr Leute in die Verkehrsmittel locken. Ich hatte in den letzten Wochen wegen der Masse an Reisenden sowohl im Zug wie auch im Flieger eher den Eindruck, dass das Reisen deutlich unangenehmer wird.

Mein Eindruck: Massenverkehr im Augenblick generell schlecht

brun, Dienstag, 08. Januar 2019, 23:37 (vor 161 Tagen) @ Destear

Ja, so sehe ich das auch. Egal ob Bahn, Flugzeug, Auto: die Zeit, dass eine Reise etwas aufregendes war, ist irgendwie vorbei. Es ist IMMER etwas los, es stresst immer.

Fliegen ist generell eine Tortur. Man wird permanent angelogen und vertröstet, als ob man ein kleines Kind ist ("Das Boarding fängt in wenigen Minuten an", "Wir fertigen nur noch zwei, drei Minuten den Papierkram ab, dann starten wir", "Vor uns stehen noch ein Paar andere Flugzeuge, dann geht's aber gleich los"), die innereuropäischen Flugpläne haben fast immer 30 extra Verspätungsminuten einkalkuliert, damit man ja "pünktlich" ankommt, man zahlt extra so bald man sich auch nur die Variante Art von Komfort wünscht ("extra Beinraum"), die Flughäfen sind permanent überlastet. Und stelle euch einfach mal vor, der Berliner Hauptbahnhof hätte bis zur Inbetriebname so lange gebraucht wie der BER.

2008 war Berlin-Tegel abends menschenleer. Der schönste Flughafen, den ich kannte. Zehn Jahre später kann man sich auch Abends im alten Terminal kaum noch bewegen, überall stehen Fluggäste schlange.

Autofahren? Wenn ich auf den Berliner Ring fahre, weiß ich, dass die rechte Spur bis Amsterdam permanent von LKWs blockiert ist. Ankunftszeiten sind völlig unkalkulierbar, ich habe die Strecke schon mal in 6 Std geschafft, habe auch schon mal 14 Std gebraucht.

Und stimmt, an den Feiertagen ist mir wieder aufgefallen: alle wollen reisen, reisen, reisen, reisen, reisen. Nicht nur wie früher nur am Tag vor Weihnachten und am zweiten Feiertag. Nein. Mehrere Tage lang waren die Bahnsteige voller Menschen die mit unfassbar großen Koffern in vollen ICEs stiegen.

Leider ist es im Bahnverkehr auch nicht viel besser

Destear @, Berlin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 00:11 (vor 161 Tagen) @ brun

Ja, so sehe ich das auch. Egal ob Bahn, Flugzeug, Auto: die Zeit, dass eine Reise etwas aufregendes war, ist irgendwie vorbei. Es ist IMMER etwas los, es stresst immer.

Fliegen ist generell eine Tortur. Man wird permanent angelogen und vertröstet, als ob man ein kleines Kind ist ("Das Boarding fängt in wenigen Minuten an", "Wir fertigen nur noch zwei, drei Minuten den Papierkram ab, dann starten wir", "Vor uns stehen noch ein Paar andere Flugzeuge, dann geht's aber gleich los"), die innereuropäischen Flugpläne haben fast immer 30 extra Verspätungsminuten einkalkuliert, damit man ja "pünktlich" ankommt, man zahlt extra so bald man sich auch nur die Variante Art von Komfort wünscht ("extra Beinraum"), die Flughäfen sind permanent überlastet. Und stelle euch einfach mal vor, der Berliner Hauptbahnhof hätte bis zur Inbetriebname so lange gebraucht wie der BER.

Das sehe ich ganz genauso! Flugreisen sind wegen des Vor- und Nachlaufs sehr unangenehm, mir schaudert es vor den Massen am TXL genau so wie am SXF. In TXL bin ich die letzten Male mit zwei Stunden Ankunft vor Abflug knapp hingekommen. Als Beispiel: Der an sich anderthalbstündige Flug nach Budapest hat mit Vor- und Nachlauf sechseinhalb Stunden gedauert. Ich habe lange gezögert, nicht doch die etwas mehr als zehn Stunden im Zug in Kauf zu nehmen, weil es dann einfach entspannter ist - bis mir der Gedanke kam, dass meine letzten Fahrten im Fernverkehr ähnlich unangenehm waren; zu voll, stark verspätungsanfällig und letztlich auch stressig.

2008 war Berlin-Tegel abends menschenleer. Der schönste Flughafen, den ich kannte. Zehn Jahre später kann man sich auch Abends im alten Terminal kaum noch bewegen, überall stehen Fluggäste schlange.

Und wenn es Zeit für die wenigen Fernflüge wird, beginnt die Schlange auch mal vor der Tür...

Autofahren? Wenn ich auf den Berliner Ring fahre, weiß ich, dass die rechte Spur bis Amsterdam permanent von LKWs blockiert ist. Ankunftszeiten sind völlig unkalkulierbar, ich habe die Strecke schon mal in 6 Std geschafft, habe auch schon mal 14 Std gebraucht.

Und stimmt, an den Feiertagen ist mir wieder aufgefallen: alle wollen reisen, reisen, reisen, reisen, reisen. Nicht nur wie früher nur am Tag vor Weihnachten und am zweiten Feiertag. Nein. Mehrere Tage lang waren die Bahnsteige voller Menschen die mit unfassbar großen Koffern in vollen ICEs stiegen.

Genau das meine ich.

Mein Eindruck: Massenverkehr im Augenblick generell schlecht

Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 08:35 (vor 161 Tagen) @ brun

Ja, so sehe ich das auch. Egal ob Bahn, Flugzeug, Auto: die Zeit, dass eine Reise etwas aufregendes war, ist irgendwie vorbei. Es ist IMMER etwas los, es stresst immer.

Fliegen ist generell eine Tortur. Man wird permanent angelogen und vertröstet, als ob man ein kleines Kind ist ("Das Boarding fängt in wenigen Minuten an", "Wir fertigen nur noch zwei, drei Minuten den Papierkram ab, dann starten wir", "Vor uns stehen noch ein Paar andere Flugzeuge, dann geht's aber gleich los"), die innereuropäischen Flugpläne haben fast immer 30 extra Verspätungsminuten einkalkuliert, damit man ja "pünktlich" ankommt, man zahlt extra so bald man sich auch nur die Variante Art von Komfort wünscht ("extra Beinraum"), die Flughäfen sind permanent überlastet. Und stelle euch einfach mal vor, der Berliner Hauptbahnhof hätte bis zur Inbetriebname so lange gebraucht wie der BER.


Man wird beim Fliegen nicht mehr angelogen als bei der Deutschen Bahn. Wie viele Flugzeuge vor einem an der Startbahn sehen, kann man auch sehen und im Gegensatz zu den unzähligen Ausreden der DB stimmt die Aussage dann auch.

Zudem ist Fliegen keine wirkliche Konkurrenz zur Bahn, denn auf den Strecken, wo sich Fliegen lohnt, gibt es keine Bahnverbindungen oder diese sind wesentlich länger. Oder wie lange dauert eine Bahnfahrt von München nach London oder Madrid? Und wie lange ein Flug. Über die Pufferzeiten in den Flugplänen kann man streiten. Die Alternative wären Flugpläne, die schon unter optimalen Bedingungen an den Rand des möglichen ausgereizt sind.

2008 war Berlin-Tegel abends menschenleer. Der schönste Flughafen, den ich kannte. Zehn Jahre später kann man sich auch Abends im alten Terminal kaum noch bewegen, überall stehen Fluggäste schlange.

Kann es sein, dass 2008 Tempelhof noch in Betrieb war?

Autofahren? Wenn ich auf den Berliner Ring fahre, weiß ich, dass die rechte Spur bis Amsterdam permanent von LKWs blockiert ist. Ankunftszeiten sind völlig unkalkulierbar, ich habe die Strecke schon mal in 6 Std geschafft, habe auch schon mal 14 Std gebraucht.

Und stimmt, an den Feiertagen ist mir wieder aufgefallen: alle wollen reisen, reisen, reisen, reisen, reisen. Nicht nur wie früher nur am Tag vor Weihnachten und am zweiten Feiertag. Nein. Mehrere Tage lang waren die Bahnsteige voller Menschen die mit unfassbar großen Koffern in vollen ICEs stiegen.


Ich habe meine Weihnachtsreisen diesmal nach vielen Jahren mit der Bahn wieder mit dem Auto gemacht. Seitdem habe ich keine Lust mehr auf's Bahnfahren. Zwar muss ich im Auto ausgeschlafen sein, dafür kommt man eine Tür-zu-Tür-Fahrt, muss nicht erst mit Gepäck zum Zug, Umsteigen mit verpassten Anschlüssen, und dann wieder vom Bahnhof weg. Und diese ganzen Dinge, wie dass man während der Fahrt essen kann: Funktioniert zum einen nur, wenn das Bordrestaurant in Betrieb ist, was regelmäßig wegen irgendwelcher Probleme nicht der Fall ist. Und während der Autofahrt kann man anhalten und das sogar noch an einer Stelle, wo man will. Kostet Zeit, dafür entfallen die Vor- und Nachläufe und meistens ist man trotzdem sogar schneller da.

Mein Eindruck: Massenverkehr im Augenblick generell schlecht

moonglum @, Hagen, Mittwoch, 09. Januar 2019, 08:42 (vor 161 Tagen) @ Münchner

Jammer.... und was hier gesagt wird, ist leider Gottes wahr. Nordsee? Nur noch mit dem Auto. Wichtigste Biz-Termine? Wenn nicht online, dann werde ich von jemandem MIT DEM AUTO mitgenommen. Es ist ein Jammer.

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen & keine Mikrowelle gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

[image]

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

brun, Dienstag, 08. Januar 2019, 23:44 (vor 161 Tagen) @ J-C

Übrigens ist es ein sehr gutes Video.

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 09:22 (vor 161 Tagen) @ brun

Übrigens ist es ein sehr gutes Video.

Naja … Sicher, um jemandem, der sich nicht auskennt, die Problematik zu erklären. Aber ich persönlich habe nichts Neues erfahren und vermute mal, dass das den meisten hier genauso geht. Zwar ist mir auch nichts direkt Falsches aufgefallen, aber es werden einige Zusammenhänge konstruiert, die zumindest fragwürdig sind:

  • 6000 km stillgelegte Strecken: Die Zahl mag stimmen, aber das Gros davon dürften Nebenstrecken vor allem im Osten sein, deren Erhaltung vielleicht aus verkehrs- und strukturpolitischen Gründen sinnvoll gewesen wäre, aber die Fahrgastzuwächse auf den Hauptstrecken kaum abgefedert hätte.
  • Infrastruktur: Sicher war das Abbauen von Weichen und Überholgleisen keine gute Idee, aber zumindest auf den Strecken, die ich öfter fahre, dürften das Problem eher die Gleise sein, die nie gebaut wurden. Etwa mehr niveaufreie Kreuzungen in den großen Knoten, zwei zusätzliche Gleise auf der Hohenzollernbrücke, die NBS Rhein-Main–Rhein-Neckar etc.
  • Fehlender Wettbewerb: Ich weiß nicht, ob der noch wirklich ein Problem ist, angesichts der Tatsache, dass die Wettbewerber nicht mehr nur Auto, sondern auch Flixbus heißen und auch nur mit Wasser kochen. Weiterhin weiß ich nicht, ob es bei den Preisen (also nicht die Flexpreise, sondern die, die die Kunden nach Abzug sämtlicher Sonderaktionen real zahlen) wirklich noch Spielraum gibt. Zu wenige Fahrgäste scheinen ja nun auch gerade nicht das Problem zu sein. Allenfalls wäre mehr Wettbewerb sinnvoll, wenn er über die Qualität statt den Preis geführt würde, aber das sehe ich nicht.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 09:32 (vor 161 Tagen) @ JanZ

[*]Fehlender Wettbewerb: Ich weiß nicht, ob der noch wirklich ein Problem ist, angesichts der Tatsache, dass die Wettbewerber nicht mehr nur Auto, sondern auch Flixbus heißen und auch nur mit Wasser kochen. Weiterhin weiß ich nicht, ob es bei den Preisen (also nicht die Flexpreise, sondern die, die die Kunden nach Abzug sämtlicher Sonderaktionen real zahlen) wirklich noch Spielraum gibt. Zu wenige Fahrgäste scheinen ja nun auch gerade nicht das Problem zu sein. Allenfalls wäre mehr Wettbewerb sinnvoll, wenn er über die Qualität statt den Preis geführt würde, aber das sehe ich nicht.

Ich halte das mit dem Wettbewerb für die übliche Fehlannahme, dass private Unternehmen im Wettbewerb alles besser machen. Die aktuelle Lage der Bahn ist gerade ein Beispiel dafür, dass das eben so uneingeschränkt nicht gilt. Wenn man nach GB schaut, dann konnte man schon lange sehen, wo das hinführt.

M.E. nach ist eine Eisenbahn eine wesentliche Infrastruktur in einem Land, bei der man durchaus darauf achten soll, dass sie ihre Kosten auch einbringt und nicht unnötig Geld für goldene Türklinken verplempert. Sie aber nichts, was man irgendwie im Wettbewerb unter alleinigem Fokus Kostendruck betreiben sollte.

Dieses Sparen, wo man nur kann und wo es kurzfristig keine Auswirkung hat, hat u.a. die gesamte Infrastruktur in der Art und Weise ruiniert, wie wir sie heute erleben dürfen.

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 09:57 (vor 161 Tagen) @ Münchner

[*]Fehlender Wettbewerb: Ich weiß nicht, ob der noch wirklich ein Problem ist, angesichts der Tatsache, dass die Wettbewerber nicht mehr nur Auto, sondern auch Flixbus heißen und auch nur mit Wasser kochen. Weiterhin weiß ich nicht, ob es bei den Preisen (also nicht die Flexpreise, sondern die, die die Kunden nach Abzug sämtlicher Sonderaktionen real zahlen) wirklich noch Spielraum gibt. Zu wenige Fahrgäste scheinen ja nun auch gerade nicht das Problem zu sein. Allenfalls wäre mehr Wettbewerb sinnvoll, wenn er über die Qualität statt den Preis geführt würde, aber das sehe ich nicht.


Ich halte das mit dem Wettbewerb für die übliche Fehlannahme, dass private Unternehmen im Wettbewerb alles besser machen. Die aktuelle Lage der Bahn ist gerade ein Beispiel dafür, dass das eben so uneingeschränkt nicht gilt. Wenn man nach GB schaut, dann konnte man schon lange sehen, wo das hinführt.

M.E. nach ist eine Eisenbahn eine wesentliche Infrastruktur in einem Land, bei der man durchaus darauf achten soll, dass sie ihre Kosten auch einbringt und nicht unnötig Geld für goldene Türklinken verplempert. Sie aber nichts, was man irgendwie im Wettbewerb unter alleinigem Fokus Kostendruck betreiben sollte.

Dieses Sparen, wo man nur kann und wo es kurzfristig keine Auswirkung hat, hat u.a. die gesamte Infrastruktur in der Art und Weise ruiniert, wie wir sie heute erleben dürfen.

Nun, man muss dem Video zugute halten, dass von einer Privatisierung der Infrastruktur ausdrücklich keine Rede war, im Gegenteil. Und kaputt sparen kann andererseits auch der Staat, siehe Straßen oder die Bundeswehr. Wie gesagt, könnte ein Wettbewerb Erfolg haben, wenn er über Qualität geführt wird, das ist aber gerade in Deutschland viel zu selten der Fall.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 10:44 (vor 161 Tagen) @ JanZ

Hier übrigens ein Interview mit dem Verkehrsminister von BW: https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/405/es-ist-zum-verzweifeln-5625.html#

Darin kommt er auch darauf zu sprechen, dass weniger der Status der DB als AG das Problem ist als die Mentalität der Unternehmens- und politischen Führung. Immerhin hat auch schon die Bundesbahn trotz Kaputtsparens ein Riesendefizit eingefahren, und im Gegensatz dazu sind auch die SBB eine AG und liefern trotzdem gute Qualität ab.

Was ich zu dem Video noch schreiben wollte: Einerseits betitelt er einen Kritikpunkt mit dem häufig strapazierten Schlagwort „Keine Konzentration aufs Kerngeschäft“, andererseits sagt er aber selber, dass man das Geld, das Arriva und Schenker verdienen, besser ins deutsche Bahnnetz investieren solle. Was denn nun? Mit dem Bahnverkehr in Deutschland lässt sich sehr wahrscheinlich nicht viel Geld verdienen. Also muss man entweder von anderen Geschäftsfeldern quer- oder staatlich subventionieren. An dem von ihm propagierten Wettbewerb werden sich höchstwahrscheinlich auch Unternehmen beteiligen, deren Kerngeschäft nicht das Fahren von Zügen in Deutschland ist.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

heinz11 @, Mittwoch, 09. Januar 2019, 11:14 (vor 161 Tagen) @ JanZ

Hier übrigens ein Interview mit dem Verkehrsminister von BW: https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/405/es-ist-zum-verzweifeln-5625.html#

Darin kommt er auch darauf zu sprechen, dass weniger der Status der DB als AG das Problem ist als die Mentalität der Unternehmens- und politischen Führung. Immerhin hat auch schon die Bundesbahn trotz Kaputtsparens ein Riesendefizit eingefahren, und im Gegensatz dazu sind auch die SBB eine AG und liefern trotzdem gute Qualität ab.

Was ich zu dem Video noch schreiben wollte: Einerseits betitelt er einen Kritikpunkt mit dem häufig strapazierten Schlagwort „Keine Konzentration aufs Kerngeschäft“, andererseits sagt er aber selber, dass man das Geld, das Arriva und Schenker verdienen, besser ins deutsche Bahnnetz investieren solle. Was denn nun? Mit dem Bahnverkehr in Deutschland lässt sich sehr wahrscheinlich nicht viel Geld verdienen. Also muss man entweder von anderen Geschäftsfeldern quer- oder staatlich subventionieren. An dem von ihm propagierten Wettbewerb werden sich höchstwahrscheinlich auch Unternehmen beteiligen, deren Kerngeschäft nicht das Fahren von Zügen in Deutschland ist.


Das eine schließt ja das andere nicht aus. Es ist gut und wichtig, wenn der DB-Konzern mit seinen Beteiligungen Geld verdient. Diese sollte man nicht abstoßen, wenn sie ertragbringend sind. Vermutlich hat man im Zuge der Expansion das Kerngeschäft in D "vergessen", vielleicht dachte man, es läuft von selbst, evt. sind fähige Leute in die Beteiligungsgesellschaften abgewandert, oder, oder, oder.

Auf den Punkt gebracht verstehe ich das so: Das eine deutlich besser tun als bisher, ohne das andere zu lassen.

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 12:15 (vor 161 Tagen) @ JanZ

Was ich zu dem Video noch schreiben wollte: Einerseits betitelt er einen Kritikpunkt mit dem häufig strapazierten Schlagwort „Keine Konzentration aufs Kerngeschäft“, andererseits sagt er aber selber, dass man das Geld, das Arriva und Schenker verdienen, besser ins deutsche Bahnnetz investieren solle.

Gewinne steckt man eben als persönliche Leistung ein. Investitionen und Verluste lässt man die Gesellschaft bezahlen...

Was denn nun? Mit dem Bahnverkehr in Deutschland lässt sich sehr wahrscheinlich nicht viel Geld verdienen. Also muss man entweder von anderen Geschäftsfeldern quer- oder staatlich subventionieren. An dem von ihm propagierten Wettbewerb werden sich höchstwahrscheinlich auch Unternehmen beteiligen, deren Kerngeschäft nicht das Fahren von Zügen in Deutschland ist.

Fragt man z.B. bei der Justiz, ob sie gewinnbringend arbeitet? Nein. Warum? Weil man es als eine Grundfunktion des States ansieht.

Etwas ähnliches sehe ich bei der Bahn. Ein Bahnverkehr muss meiner Ansicht nach auch nicht die hohe Rendite abwerfen. Es handelt sich hier um etwas grundlegendes für das Land, was entsprechend funktionieren sollte. Damit meine ich nicht, dass man sich nicht auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit verschiedener Dinge stellen oder das man versuchen sollte, auch kostendeckend oder sogar gewinnbringend zu arbeiten. Die Kapitalrendite sollte nur nicht das einzige Ziel sein.

Das mag ja alles sein, …

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 12:23 (vor 161 Tagen) @ Münchner

… aber im Video war davon keine Rede, bzw. war unklar, worauf der Autor überhaupt hinauswollte. Nur darum ging es mir, nicht um die x-te Diskussion Privatisierung gegen Daseinsvorsorge.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Aphex Twin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 14:32 (vor 161 Tagen) @ Münchner

Was ich zu dem Video noch schreiben wollte: Einerseits betitelt er einen Kritikpunkt mit dem häufig strapazierten Schlagwort „Keine Konzentration aufs Kerngeschäft“, andererseits sagt er aber selber, dass man das Geld, das Arriva und Schenker verdienen, besser ins deutsche Bahnnetz investieren solle.


Gewinne steckt man eben als persönliche Leistung ein. Investitionen und Verluste lässt man die Gesellschaft bezahlen...

Genau, weil die Boni des Bahnvorstandes soviel höher sind als die an den Bund abgeführte Dividende.

Was denn nun? Mit dem Bahnverkehr in Deutschland lässt sich sehr wahrscheinlich nicht viel Geld verdienen. Also muss man entweder von anderen Geschäftsfeldern quer- oder staatlich subventionieren. An dem von ihm propagierten Wettbewerb werden sich höchstwahrscheinlich auch Unternehmen beteiligen, deren Kerngeschäft nicht das Fahren von Zügen in Deutschland ist.

Nehmen wir einmal an die Bahn würde wieder in eine Behörde umgewandelt mit genau denselben Nettozuschüssen wie heute (Infrastrukturkosten die heute schon der Staat übernimmt minus die Dividende). Wieso führt dies dazu dass mehr Geld für sinnvolle Sachen ausgegeben werden kann? Fast alles was man der Bahn vorwirft hat wenig mit der Tatsache der zu tun dass sie eine AG ist.

Der Grund wieso manche mehr Wettbewerb fordern (für den Fernverkehr nicht die Infrastruktur), ist die Hoffnung dies eher dazu führt dass die Bahn als Organisation besser und effizienter wird (d.h. bessere Leistungen pro Inputeinheit) als die Alternative in der ein Minister oder Behördenchef direkte Weissungsbefugnis bekommt.

Fragt man z.B. bei der Justiz, ob sie gewinnbringend arbeitet? Nein. Warum? Weil man es als eine Grundfunktion des States ansieht.

Sind WiFi oder die Verpflegung im Zug eine Grundfunktion des Staates? Ist aller Schienengüterverkehr eine Grundfunktion des Staates?

Die Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen (IGA) ist auch eine GmbH. Ditto die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) bzw. jetzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Mittwoch, 09. Januar 2019, 14:46 (vor 161 Tagen) @ Aphex Twin

Nehmen wir einmal an die Bahn würde wieder in eine Behörde umgewandelt mit genau denselben Nettozuschüssen wie heute (Infrastrukturkosten die heute schon der Staat übernimmt minus die Dividende). Wieso führt dies dazu dass mehr Geld für sinnvolle Sachen ausgegeben werden kann? Fast alles was man der Bahn vorwirft hat wenig mit der Tatsache der zu tun dass sie eine AG ist.

Niemand hat gesagt, die DB soll in eine Behörde zurückgesetzt werden. Wenn wir außerhalb Deutschlands schauen, finden wir mehr als eine Staats-/Bundesbahn, die als AG organisiert ist, sich aber eben sehr wohl auf ihr Kerngeschäft fokussiert. Und das funktioniert dann auch. Der Staat schießt vielleicht auch mehr Geld dann zu als in Deutschland - aber dafür ist die Betriebsqualität dann auch besser.

Der Grund wieso manche mehr Wettbewerb fordern (für den Fernverkehr nicht die Infrastruktur), ist die Hoffnung dies eher dazu führt dass die Bahn als Organisation besser und effizienter wird (d.h. bessere Leistungen pro Inputeinheit) als die Alternative in der ein Minister oder Behördenchef direkte Weissungsbefugnis bekommt.

Das könnte natürlich auch zur Wahrheit gehören, in Österreich kann man ja recht gut sehen, was durch den Wettbewerb mit der WESTbahn sich tat - zumindest wird das gerne hochgehalten.

Sind WiFi oder die Verpflegung im Zug eine Grundfunktion des Staates? Ist aller Schienengüterverkehr eine Grundfunktion des Staates?

...wurde das jemals behauptet? Solche Dinge sind vielleicht nicht als Grundversorgung deklariert, aber bitte, solche Dinge sind heutzutage selbstverständlich!

--
Geben wir 100%!
Make the Dining car great again!

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Aphex Twin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 15:00 (vor 161 Tagen) @ J-C

Nehmen wir einmal an die Bahn würde wieder in eine Behörde umgewandelt mit genau denselben Nettozuschüssen wie heute (Infrastrukturkosten die heute schon der Staat übernimmt minus die Dividende). Wieso führt dies dazu dass mehr Geld für sinnvolle Sachen ausgegeben werden kann? Fast alles was man der Bahn vorwirft hat wenig mit der Tatsache der zu tun dass sie eine AG ist.

Niemand hat gesagt, die DB soll in eine Behörde zurückgesetzt werden.

Wieso reden dann so viele davon dass das Grundübel sei dass die Bahn als AG, d.h. eine Gesellschaft die eine Bilanz hat in der Gewinn und Verlust ausgewiesen wird, organisiert ist?

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:07 (vor 161 Tagen) @ J-C

Niemand hat gesagt, die DB soll in eine Behörde zurückgesetzt werden. Wenn wir außerhalb Deutschlands schauen, finden wir mehr als eine Staats-/Bundesbahn, die als AG organisiert ist, sich aber eben sehr wohl auf ihr Kerngeschäft fokussiert.

Nun, beispielsweise SNCF (über Keolis), NS (über Abellio) und FS (über Netinera) beteiligen sich munter auch am ÖPNV im Ausland. Ohnehin finde ich das Bild der „Konzentration aufs Kerngeschäft“ putzig. Muss ich mir da einen DB-Manager vorstellen, der auf seinem Monitor so fasziniert auf die Güterzüge in China schaut, dass er ganz vergisst, die Personalplanung für das Stellwerk in Mainz zu machen?

Und das funktioniert dann auch. Der Staat schießt vielleicht auch mehr Geld dann zu als in Deutschland - aber dafür ist die Betriebsqualität dann auch besser.

Ich habe mal das Entscheidende markiert ;-).

Der Grund wieso manche mehr Wettbewerb fordern (für den Fernverkehr nicht die Infrastruktur), ist die Hoffnung dies eher dazu führt dass die Bahn als Organisation besser und effizienter wird (d.h. bessere Leistungen pro Inputeinheit) als die Alternative in der ein Minister oder Behördenchef direkte Weissungsbefugnis bekommt.

Das könnte natürlich auch zur Wahrheit gehören, in Österreich kann man ja recht gut sehen, was durch den Wettbewerb mit der WESTbahn sich tat - zumindest wird das gerne hochgehalten.

Und in D wird hochgehalten, was sich durch den Wettbewerb mit dem Fernbus tat. Unter anderem eben Preissenkungen (ob in dem Maße sinnvoll, sei dahingestellt) und das WLAN im Zug.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:22 (vor 161 Tagen) @ JanZ
bearbeitet von Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:25

Niemand hat gesagt, die DB soll in eine Behörde zurückgesetzt werden. Wenn wir außerhalb Deutschlands schauen, finden wir mehr als eine Staats-/Bundesbahn, die als AG organisiert ist, sich aber eben sehr wohl auf ihr Kerngeschäft fokussiert.


Nun, beispielsweise SNCF (über Keolis), NS (über Abellio) und FS (über Netinera) beteiligen sich munter auch am ÖPNV im Ausland. Ohnehin finde ich das Bild der „Konzentration aufs Kerngeschäft“ putzig. Muss ich mir da einen DB-Manager vorstellen, der auf seinem Monitor so fasziniert auf die Güterzüge in China schaut, dass er ganz vergisst, die Personalplanung für das Stellwerk in Mainz zu machen?

Und das funktioniert dann auch. Der Staat schießt vielleicht auch mehr Geld dann zu als in Deutschland - aber dafür ist die Betriebsqualität dann auch besser.


Ich habe mal das Entscheidende markiert ;-).

Es würde ja niemand etwas sagen, wenn in Deutschland alles 1a wäre. Ist es aber nicht. Das System TGV funktioniert. Die Freccia Rossa auch. Das System ICE hakt leider vorne und hinten. Technische Probleme an den Zügen, an den Strecken. Probleme mit der rechtzeitigen Bereitstellung, gerade in München. Letzte Woche durfte ich mit einem ICE-4 fahren, bei dem es schon wieder zig technische Probleme gab. Wir reden hier von einem neuen Zug und keinem, der schon seit Jahren auf den Schienen ist. Freunde haben von ihren Fahrten ähnliche Dinge berichtet. Gerade sitzt ein Kollege im ICE4 auf den Weg nach Berlin. Der Zug ist in München wegen technischer Probleme schon mit 15 Minuten Verspätung abgefahren. Jetzt hat er 35. Weitere Erhöhungen werden im Fünfminutentakt per Internet kommuniziert.

In der Vergangenheit hat die DB durchaus ganz ordentliche Gewinne gemacht. Nur hat man diese Gewinne dann in unzählige Investitionen im Ausland gesteckt, die sich teilweise rechnen, aber teilweise eine große Pleite waren. Um hier mal das Beispiel Busbetrieb auf Malta zu bringen, wo man einen dreistelligen Millionenbetrag versenkt hat.

Auch darf man durchaus hinterfragen, ob ein Unternehmen Deutsche Bahn Geld in Containerterminals in Fernost investieren muss, wenn im eigenen Land, dessen Namen sie sogar im Unternehmensnamen trägt, sehr viel zu tun wäre.

Und in D wird hochgehalten, was sich durch den Wettbewerb mit dem Fernbus tat. Unter anderem eben Preissenkungen (ob in dem Maße sinnvoll, sei dahingestellt) und das WLAN im Zug.

Durch die Fernbusse ist man nicht mehr umhin gekommen, zugeben zu müssen, dass es vorne und hinten klemmt. Und zwar massiv. Man denke nur mal an die Serviceoffensive im Jahr 2014, die das Ziel hat(te), dass bis 2025 die Toiletten im Zug im Regelfall alle funktionieren.

Wenn ich mir nun heute die Artikel über die DB anschaue, dann will ich nicht wissen, wie es im Unternehmen wirklich aussieht. Man gibt Dinge zu, die man gerade eben noch bestritten hat. Mit anderen Worten: Man findet keinen Teppich mehr, der groß genug wäre, um da alles drunterzukehren. Also gibt man da zu, was schon seit langem offensichtlich ist. Nur sollte man dann auch erwähnen, dass sich alle diese Dinge über viele Jahre aufgebaut haben und sicher auch schon da zu sehen waren.

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Paladin @, Hansestadt Rostock / Berlin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:29 (vor 161 Tagen) @ Münchner

Ich habe mal das Entscheidende markiert ;-).


Es würde ja niemand etwas sagen, wenn in Deutschland alles 1a wäre. Ist es aber nicht. Das System TGV funktioniert. Die Freccia Rossa auch. Das System ICE hakt leider vorne und hinten. Technische Probleme an den Zügen, an den Strecken. Probleme mit der rechtzeitigen Bereitstellung, gerade in München.

Jo, wo mehr Geld reingeschossen wird, funktioniert es besser. Ist jetzt nicht gerade die Topneuheit 2019 ...
Und dass das "System TGV" funktioniert, muss denke ich auch etwas genauer beleuchtet werden, wenn man das ganze wirklich detailliert vergleichen will.

In der Vergangenheit hat die DB durchaus ganz ordentliche Gewinne gemacht. Nur hat man diese Gewinne dann in unzählige Investitionen im Ausland gesteckt, die sich teilweise rechnen, aber teilweise eine große Pleite waren. Um hier mal das Beispiel Busbetrieb auf Malta zu bringen, wo man einen dreistelligen Millionenbetrag versenkt hat.

Jo, Investitionen gehen auch schief. Andere Milliardenbeträge auf der Schiene oder in (angehenden) Bahnhöfen erwähnst du an der Stelle natürlich nicht. Das Missmanagement ist auch hierzulande zu finden.

Auch darf man durchaus hinterfragen, ob ein Unternehmen Deutsche Bahn Geld in Containerterminals in Fernost investieren muss, wenn im eigenen Land, dessen Namen sie sogar im Unternehmensnamen trägt, sehr viel zu tun wäre.

Ein Unternehmen Deutsche Bahn tut das nicht, das ist das Unternehmen Schenker AG, das zur Deutsche Bahn AG gehört. Warum man so einen nationalen Bullshit betonen muss, verstehe ich nicht und ist auch eine Sache des letzten Jahrhunderts ...

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:49 (vor 161 Tagen) @ Paladin
bearbeitet von Münchner, Mittwoch, 09. Januar 2019, 16:52

Jo, Investitionen gehen auch schief. Andere Milliardenbeträge auf der Schiene oder in (angehenden) Bahnhöfen erwähnst du an der Stelle natürlich nicht. Das Missmanagement ist auch hierzulande zu finden.


Der angesprochene Bahnhof ist für Kunden der DB immerhin nutzbar. Abgesehen davon ist das Thema S21 doch etwas komplexer, auch in seiner Entscheidungsfindung, als dass man nur zwei Gleise in Stuttgart hätte verlegen müssen.

Ein Unternehmen Deutsche Bahn tut das nicht, das ist das Unternehmen Schenker AG, das zur Deutsche Bahn AG gehört. Warum man so einen nationalen Bullshit betonen muss, verstehe ich nicht und ist auch eine Sache des letzten Jahrhunderts ...

Es ist kein nationaler Bullshit. Infrastrukturunternehmen, die zu 100% dem Staat gehören und ihr Startkapital komplett aus öffentlichem Eigentum bezogen haben, sollten erst einmal vor ihrer eigenen Haustüre tätig werden, bevor sie Infrastruktur irgendwo in der Welt aufbauen und fördern. Und da gäbe es genug zu tun. Im eigenen Land und in den Verbindungen mit den Nachbarländern. Man braucht sich nur mal anschauen, dass mittlerweile fast jede Autobahn eine Spur komplett mit Lastern hat und viele eine zweite, die auch gut damit gefüllt ist. Der Gotthardtunnel ist seit einiger Zeit fertig. Die Zulaufstrecken in Deutschland fehlen und werden noch Jahre auf sich warten lassen. Ähnliches wird mit dem Brennerbasistunnel passieren.

Wenn Unternehmen wie die DB komplett ohne Zuschüsse aus Steuermitteln auskommen und noch Geld übrig haben, können sie das ja gerne irgendwo investieren.

Ist es für dich eigentlich auch "nationaler Bullshit", wenn z.B. Sparkassen der Gemeinnützigkeit (vor Ort) verpflichtet sind? Bedeutet ja auch nicht, dass sie keine Gewinne machen dürfen. Aber sie sollen eben vor Ort entsprechend tätig werden und nicht Casinos in Las Vegas und andere Dinge finanzieren, selbst wenn diese eine höhere Rendite bringen würden.

Deutsche Bahn AG - Name soll Programm sein?

Paladin @, Hansestadt Rostock / Berlin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 17:04 (vor 161 Tagen) @ Münchner

Der angesprochene Bahnhof ist für Kunden der DB immerhin nutzbar.

Und die von dir verhassten Terminals sind für Kunden von Schenker nicht nutzbar?

Abgesehen davon ist das Thema S21 doch etwas komplexer, auch in seiner Entscheidungsfindung, als dass man nur zwei Gleise in Stuttgart hätte verlegen müssen.

Hab nie das Gegenteil behauptet.

Es ist kein nationaler Bullshit. Infrastrukturunternehmen, die

Die DB Schenker AG ist kein Infrastruktunternehmen.

Wenn Unternehmen wie die DB komplett ohne Zuschüsse aus Steuermitteln auskommen und noch Geld übrig haben, können sie das ja gerne irgendwo investieren.

Ist es für dich eigentlich auch "nationaler Bullshit"

Einzig die Hervorhebung "Deutsche" in der "Deutschen Bahn" ist für mich nationaler Bullshit. Sollen der BVB und der FCB auch nur in der Bundesliga gut spielen und die Champions League ist egal?

Sollen wir die Deutsche Bahn AG einfach in "International Transportation AG" umbenennen, damit es Recht ist und nicht mehr auf dem Namen rumgeritten wird?

Deutsche Bahn AG - Name soll Programm sein?

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 17:19 (vor 161 Tagen) @ Paladin

Danke für deine Beiträge. Vor allem der vorige war ungefähr das, was ich auch gedacht hatte, mich aber nicht berufen genug fühlte, es auch zu posten.

Was Schenker betrifft, so steckt durchaus die Idee dahinter, den Güterverkehr zu stärken, indem man nämlich den Kunden Logistiklösungen anbietet. Die können durchaus auch den Transport auf deutschen Schienen beinhalten, aber bei den heutigen Warenströmen ist bei einer Konzentration nur auf „deutsch“ und nur auf „Schiene“ wohl kaum ein nennenswerter Gewinn zu machen, den man dann in irgendeine Infrastruktur investieren könnte. Abgesehen davon liegt die Verstopfung der Autobahnen mit Lkw und der schleppende Ausbau der Rheintalbahn an allem Möglichen, aber am wenigsten daran, dass die Bahn sich für das Geld lieber eine Spedition gegönnt hätte, weil sie darauf gerade Lust hatte.

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[Video] "Warum die Deutsche Bahn so schlecht ist"

Aphex Twin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 18:11 (vor 161 Tagen) @ Münchner
bearbeitet von Aphex Twin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 18:15

Ein Unternehmen Deutsche Bahn tut das nicht, das ist das Unternehmen Schenker AG, das zur Deutsche Bahn AG gehört. Warum man so einen nationalen Bullshit betonen muss, verstehe ich nicht und ist auch eine Sache des letzten Jahrhunderts ...


Es ist kein nationaler Bullshit. Infrastrukturunternehmen, die zu 100% dem Staat gehören und ihr Startkapital komplett aus öffentlichem Eigentum bezogen haben, sollten erst einmal vor ihrer eigenen Haustüre tätig werden, bevor sie Infrastruktur irgendwo in der Welt aufbauen und fördern.

Zu dem Zeitpunkt als die DB Schenker kaufte (2002), sah dies perspektivisch eben deutlich anders aus. Die Deutsche Bahn war seit 1994 eine Aktiengesellschaft. Die Deutsche Telekom wurde seit 1996 an der Börse gehandelt, die Deutsche Post AG seit 2000 und waren damit zumindest teilprivatisiert. Im Jahr 2002 kaufte die Deutsche Post DHL was eine internationale Ausweitung einleitete die - wenn auch nicht in allen Fällen erfolgreich - insgesamt in ein durchaus gelungenes Geschäftsmodel mündete. Eine zumindest Teilprivatisierung der Deutschen Bahn war geplant.

Auch wenn man jede einzelne Transaktion unterschiedlich bewerten kann war die internationale Expansion der Deutschen Bahn ein durchaus verständliches Konzept in diesem Umfeld. Inzwischen ist man in den allermeisten Ländern von einer Privatisierung zumindest der Bahninfrastruktur wieder abgekommen. Vor allem der Betrieb von definierten Nahverkehrsnetzen funktioniert jedoch auch mit privaten Betreibern in einer zufriedenstellenden Weise. Im Güterverkehr machen private Unternehmen einen bedeutenden Anteil aus und fungieren auch über Grenzen hinweg in einer effizienten Weise.

Die Frage ist also nicht ob private Betreiber und besonders im Güterbereich auch internationale und intermodale Unternehmen Sinn haben können, sondern wie die Deutsche Bahn sich in dieses System einfügen kann. Man kann wahrscheinlich fast von einem Konsensus sprechen dass die momentane Struktur und der allgemeine Zustand gewisse Probleme aufwerfen und sich etwas ändern sollte. Hélas, darüber was genau die richtige Lösung ist besteht im Moment allerdings alles andere als ein Konsensus.

Um es auf den Punkt zu bringen, dass es im Güterbereich ein Logistikunternehmen gibt welches international aufgestellt ist und verschiedene Transportarten abdeckt ist wohl kaum verwerflich, dass ein solches sich zu 100% im Staatsbesitz befindet ist aber nicht unproblematisch (auch wenn es in anderen Bereichen Staatsunternehmen gibt die international agieren, s.z.B. Dubai World). Sollte die Lösung sein dass sich die Deutsche Bahn (und damit der Staat) komplett aus dem Gütertransport zurückzieht (d.h. diesen Teil privatisiert)? Was sollte mit der Eisenbahngütertransportinfrastruktur geschehen? Sollte sich die Deutsche Bahn (und damit der deutsche Staat) sich auf Gütertransport auf der Eisenbahn innerhalb Europas beschränken?

Ich denke ein Grundproblem ist die Frage wo man Bruchlinien einziehen will und wo man sie vermeiden will. Es gibt gute Argumente staatliches Eigentum und Eisenbahninfrastruktur zu verbinden. Genauso gibt es gute Gründe Infrastruktur und Betrieb nicht zu trennen. Ebenso ist vor allem im Güterbereich ein Betrieb über Grenzen hinweg sinnvoll. Und auch die Kombination von Schienengüter mit anderen Transportarten kann sinnvoll sein (die Deutsche Post AG z.B. hat ein Logistiknetzwerk welches verschiedene Transportmodi nutzt). Aber wenn man an keiner dieser Verbindungen ein Trennung durchführt führt dies im Extremfall dazu dass der deutsche Staat möglicherweise einen Hafen in Asien besitzt.

Ganz einfach erklärt ... ;-)

Blaschke, Osnabrück, Mittwoch, 09. Januar 2019, 19:05 (vor 161 Tagen) @ JanZ

Hey.

Ohnehin finde ich das Bild der „Konzentration aufs Kerngeschäft“ putzig. Muss ich mir da einen DB-Manager vorstellen, der auf seinem Monitor so fasziniert auf die Güterzüge in China schaut, dass er ganz vergisst, die Personalplanung für das Stellwerk in Mainz zu machen?

Der weiß gar nicht, dass es in Mainz noch ein Stellwerk gibt, wo noch Personal disponiert werden muss. Weil er vor Jahren beschlossen hat, dass es nur noch EStW gibt.

Und bei "Mainz" denkt der höchstens an "AKK" - und wird dann fehlgeleitet ...

Außerdem ruft grad Mister Yang Wu Xing aus Chongqing an und fragt, warum denn der Zug aus diesem Düßburg schon wieder 38 Minuten Verspätung hat. "Lokführer told 'Signalstörung' in 'Wanne Unser Fritz' - what means that?". Fragt der DBler sich auch - "we have ETCS! And the name was a coalmine, but it have been closed hundred years ago." Und so verstehen beide nur "Bahnhof" - immerhin das.


Schöne Grüße von jörg

--
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen! (Jean Paul Sartre)

Danke ;-)

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Mittwoch, 09. Januar 2019, 19:23 (vor 161 Tagen) @ Blaschke
bearbeitet von JanZ, Mittwoch, 09. Januar 2019, 19:23

- kein Text -

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Warum die Deutsche Bahnpolitik so schlecht ist

markw @, Mittwoch, 09. Januar 2019, 07:45 (vor 161 Tagen) @ J-C

Der Youtuber "Simplicissimus" hat ein Video hochgeladen, indem er die Deutsche Bahn auseinandernimmt - vor allem mit Blick auf dessen Geschichte.

Zwar mangelt es defnitiv nicht an Artikeln und Beiträgen zur Deutschen Bahn aber ich glaube, das Video ist trotzdem sehenswert.

Es gibt Probleme mit der Bahn, aber so wie die Debatte geführt wird, nervt sie und führt am Problem vorbei. Denn das Problem ist nicht die Bahn, sondern die Bahnpolitik, denn auch wenn es Spielräume gibt, so ist die Bahn wie sie jetzt ist, im Wesentlichen das Ergebnis einer verfehlten Bahnpolitik. Da kann ich jetzt keine perfekte Analyse liefern, aber ein paar zentrale Dinge fallen mir ein:

1. Die verfehlte Vorstellung, dass Privatisierung um jeden Preis zu einer besseren Bahn führt und das man damit dann sogar Gewinne machen kann. Ich habe auch für ein privates Bahnunternehmen gearbeitet und ich glaube auch, dass man Gewinne machen kann. Aber im Großen und Ganzen ist die Bahn eher eine Unternehmung, in die der Staat dauerhaft mehr oder weniger investieren muss. Die Vorstellung, dass man hier Gewinne machen, führt zu einer runtergewirtschafteten Infrastruktur, wie wir sie jetzt haben. Ich finde es bitter, dass die Grünen, die hier die besten Intentionen, nicht Abschied nehmen vom neoliberalen Unsinn. Die Zerschlagung der Bahn, die Trennung von Netz und Infrastruktur wird vieles nur noch schlechter machen. Es ist notwendig, dass getrennte Unternehmensteile wieder mehr zusammenarbeiten. Das keine Totalabsage an private Unternehmungen, aber Heuschrecken, wie Flix haben aus meiner Sicht auf der Schiene nix zu suchen.

2. Politische Vetternwirtschaft. Die Bahn ist regelmä0ig Abstellbahnhof für abgehalfterte Politiker. Damit kommt keine Kompetenz ins Unternehmensmanagement und von den herbeigeredeten besseren Kontakten in die Politik spürt man nix. Ist eher umgekehrt so, dass die Politik mit ihrer Einflussnahme so unsinnige und teurere Projekte wie S21 bei der Bahn durchdrückt, die zu Lasten des Unternehmens gehen. Mit dem Geld, was für S21 verschleudert wurde und wird, hätte man viel besser in die breite investieren können.

3. Dauer von Planungsprozessen und politischer Entscheidungsprozessen zum Ausbau. Ich bin entsetzt darüber, wie lange es dauert, bis neue Bahnprojekte oder teilweise auch Sanierungen auf den Weg kommen. Das geht anderswo schneller. Und ich denke auch, dass es bei uns ohne große Abstriche an demokratische Planungsbeteiligung schneller gehen könnte. Hier im Norden ist es die Friesenbrücke, deren Wiederaufbau am Ende vermutlich 10 Jahre dauern wird. So was kann nicht sein.

Warum die Deutsche Bahnpolitik so schlecht ist

moonglum @, Hagen, Mittwoch, 09. Januar 2019, 08:38 (vor 161 Tagen) @ markw
bearbeitet von moonglum, Mittwoch, 09. Januar 2019, 08:40

Und dazwischen und gern übersehen: Eine katastrophale Beraterfirma namens M.K., die von der synergetischen Vielfalt solcher Unternehmensprozesse keine Ahnung hat und solche Dynamiken auch nicht in der Philosophie hat. So musste es dahin kommen, dass die DB von innen zerstört wird. Wenn man mich heute fragt, ob der Laden noch zu retten ist, dann kann ich nur vermuten, dass er auf niedrigstem Qualitätsniveau weiterrödeln wird, bis es möglich ist, diese Loser aus dem Management zu verjagen, mit kompetenten Kennern synergetisch funktionierender Großkonzerne und mit ALTEN EISENBAHNERN, welchen ich ganz genau zuhören würde UND mit wirklich adäquaten Serviceangeboten einen Neuanfang zu wagen....

Er wird auf alle Fälle Milliarden kosten, die bisher noch nicht im Blickfeld der Möglichkeiten sind. Das Unternehmen wurde von Politikern mit zu wenig zum Thema passendem Weitblick, von unqualifizierten Experten und ungeeigneten Beratern totgespart und in zu viele Untereinheiten zerlegt, deren oberste Prämisse die finanzielle Effizienz ist. So etwas kann nur schief gehen.

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen & keine Mikrowelle gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

[image]

Warum die Deutsche Bahnpolitik so schlecht ist

Aphex Twin, Mittwoch, 09. Januar 2019, 14:53 (vor 161 Tagen) @ markw

Es gibt Probleme mit der Bahn, aber so wie die Debatte geführt wird, nervt sie und führt am Problem vorbei. Denn das Problem ist nicht die Bahn, sondern die Bahnpolitik, denn auch wenn es Spielräume gibt, so ist die Bahn wie sie jetzt ist, im Wesentlichen das Ergebnis einer verfehlten Bahnpolitik. Da kann ich jetzt keine perfekte Analyse liefern, aber ein paar zentrale Dinge fallen mir ein:

1. Die verfehlte Vorstellung, dass Privatisierung um jeden Preis zu einer besseren Bahn führt und das man damit dann sogar Gewinne machen kann. Ich habe auch für ein privates Bahnunternehmen gearbeitet und ich glaube auch, dass man Gewinne machen kann. Aber im Großen und Ganzen ist die Bahn eher eine Unternehmung, in die der Staat dauerhaft mehr oder weniger investieren muss.

Und der Staat investiert ja schon sei je dauerhaft in die Bahn. Die entsprechenden Infrastrukturausgaben des Staates haben doch die Dividende klar überstiegen. Im bestellten Nahverkehr funktioniert dies ja im wesentlichen. Das Problem ist doch einfach dass der Staat zu wenig investiert hat und dass die interne Struktur der Bahn und wie der Eigentümer seine Vorstellungen in das Unternehmen eingebracht ineffizient und teilweise kontraproduktiv sind. Ob das Ganze jetzt eine AG, GmbH oder eine Stiftung ist ja bei weitem nicht die wichtigste Frage.

Die Vorstellung, dass man hier Gewinne machen, führt zu einer runtergewirtschafteten Infrastruktur, wie wir sie jetzt haben.

Wieso? Der Staat kann der DB Netz doch alle Infrastruktur die sie will finanzieren ohne dass dies von der Tatsache dass DB Fernverkehr (kleine) Gewinne macht beeinflusst wird?

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum