Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 4/7 | 42 B (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 13. März 2018, 17:33 (vor 101 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum vierten Teil unserer Frühlingstour zwischen Südtirol und Aostatal. Im dritten Teil waren wir von Bozen mit der Trenitalia nach Mezzocorona gefahren und waren dort auf die Meterspurbahn ins Nonstal umgestiegen.

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Wir schreiben noch immer den dritten Reisetag und setzen den Bericht nun in Malè fort. Nachdem ich zuletzt ein paar Bilder vom alten Bahnhof von Malè gezeigt hatte...

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...wenden wir uns nun dem neuen Durchgangsbahnhof aus dem Jahr 2003 zu. Der moderne Bau aus Stahl, Beton und Holz ist barrierefrei und verfügt über Schalter, Kiosk und Bar, Toiletten und einen Warteraum. Er besitzt drei Gleise, einige Früh- und Spätkurse beginnen bzw. enden in Malè.

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Perfekt! Für die Weiterfahrt bis zur neuen Endstation Mezzana fährt einer der alten Triebwagen ein. So können wir auch diese Fahrzeuggeneration kennenlernen. Die vier Elektrotriebwagen der Nonstalbahn wurden 1994 von Ansaldo Breda gebaut. Die Farbgebung im Innenraum ist vielleicht nicht mehr so ganz zeitgemäß – dafür lassen sich hier die Fenster öffnen.

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Allerdings finde ich diesen Neubauabschnitt landschaftlich etwas schwächer als den Abschnitt bis Malè. Die Bahnstrecke wurde 2003 bis Marilleva und 2016 bis Mezzana verlängert. Die Strecke folgt weiterhin dem Tal des Noce / Nonsbach.

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Bequemer geht es wohl kaum für Wintersportler und Bergwanderer: der Haltepunkt Daolasa ist direkt an die Talstation einer Gondelbahn gebaut.

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So, und hier haben wir den vorläufigen Endpunkt der Nonstalbahn erreicht, nämlich den Bahnhof Mezzana. Der Bahnhof wurde 2016 eröffnet, er hat für ein 900-Einwohner-Dorf beeindruckende Ausmaße. Holz, Beton und Glas prägen den modernen Bau.

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Mezzana war eigentlich nur als Zwischenetappe gedacht und ein Weiterbau bis ins 6 Kilometer entferne Fucine geplant, dafür sollte auch ein drei Kilometer langer Tunnel gebaut werden. Allerdings ist es um diese Pläne ruhig geworden. Und so bleibt abzuwarten, ob die Prellböcke hier eines Tages wieder verschwinden.

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Über den Noce...

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...laufen wir nun hinauf in das Bergdorf Mezzana, das erhöht am Hang liegt. Das Dorf im Val di Sole ist umgeben von den Bergmassiven Adamello-Presanella, Ortler-Cevedale und den Brentadolomiten. Die Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert ist den Hl. Petrus und Paul geweiht.

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Hier der Blick auf den Bahnhof mitsamt einer integrierten Fußgängerbrücke über den Noce. Bei dem Bau hat man wahrlich nicht gekleckert, auch wenn sich mir der Sinn eines solchen monströsen Bauwerks nicht erschließt. Aber vielleicht ist ja hier in der Wintersportsaison mehr los. 13,6 Millionen Euro hat man in den Bahnhof verbaut.

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Für die Rückfahrt nach Trient steht eine Doppeltraktion der neueren ETi-Triebwagen bereit. Während wir in Mezzocorona die Fahrkarten am Automaten und in Malè am Schalter gekauft hatten, sind die Biglietti diesmal beim Zugbegleiter erhältlich. Für 4,70 € gibt es eine knapp 2 stündige Fahrt.

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Die Endstation Mezzana liegt auf 900 Metern über dem Meer, das ist gleichzeitig der höchste Punkt der Strecke. Bis Trient geht es um 700 Höhenmeter nach unten. Da ich im letzten Teil schon zahlreiche Bilder von der wunderschönen Strecke durch das Nonstal gezeigt habe, will ich mich nun etwas zurückhalten.

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Die Nonstalbahn wurde zwischen 1907 und 1909 in bosnischer Spurweite durch die Firma Stern & Hafferl erbaut, sie war als Überlandstraßenbahn konzipiert und führte teilweise auf den Hauptstraßen durch die Orte. (2016 hatten wir bereits verschiedene Strecken von Stern & Hafferl in Österreich besucht, zum Reisebericht). Nach schweren Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke neu trassiert auf eigenem Bahnkörper, 1961 fand die Neueröffnung statt. Von 1909 bis 1934 gab es mit der Nonsbergbahn noch eine schmalspurige Lokalbahn, die in Dermulo von der Nonstalbahn abzweigte und zum Mendelkamm führte.

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Bei Mezzolombardo ist der Übergang vom Nonstal zum Etschtal erreicht. Die Strecke führt nun weiter auf dem Talboden bis Trient. Sie führt teilweise parallel zur normalspurigen Etschtalbahn, teilweise erschließt sie aber auch weitere Orte. Auf dem Talabschnitt ist das Fahrplanangebot durch einige Zusatzzüge zwischen Mezzolombardo und Trient verdichtet.

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Der Endbahnhof der Nonstalbahn in Trient befindet sich unmittelbar neben dem normalspurigen Bahnhof Trento FS. Vom hier aus starten wir nun zu einem kleinen Stadtrundgang durch Trient (italienisch Trento).

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Die Universitätsstadt und Hauptstadt des Trentino liegt im Flusstal der Etsch, sie hat eine geschichtsträchtige Altstadt. Vorbei am Torre della Tromba...

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...erreichen wir dem Domplatz mit dem Palazzo Pretorio, dem Neptunbrunnen und der Kathedrale San Vigilio.

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Wie auch meine Heimatstadt Konstanz ist Trient eine Konzilstadt, das Konzil von Trient fand von 1545 bis 1563 statt und tagte hier in der Kathedrale.

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Es geht gleich weiter...

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Frühling zwischen Südtirol und Aostatal - Fortsetzung

TD ⌂ @, Dienstag, 13. März 2018, 17:34 (vor 101 Tagen) @ TD

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Doch nun zurück an den Bahnhof. Der Bahnhof Trient wurde 1859 eröffnet, damals von Österreich-Ungarn. Zwischen 1932 und 1936 wurde er in einem italienischen Stil umgestaltet. Der Bahnhof liegt an der Brennerlinie, außerdem zweigt hier die Bahnstrecke Trient-Venedig ab.

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Und genau auf jene Strecke in Richtung Venedig haben wir es diesmal abgesehen. Die sogenannte Valsuganabahn ist eine eingleisige Nebenbahn, sie ist auf dem Abschnitt von Trient nach Bassano del Grappa nicht elektrifiziert. Es verkehrt ein Minuetto-Triebzug.

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Wir hatten auf dieser Reise großes Wetterglück und fast durchgehend herrlich-sonniges Frühlingswetter – nur nicht an diesem Nachmittag. Wir fahren nun in ein Gewitter, so dass ich von der Fahrt auf der Valsuganabahn nur bescheidene Streckenbilder habe. Schon im Stadtgebiet von Trient gewinnt die Strecke an Höhe und windet sich durch einen Kehrtunnel hinauf in das Valsugana / Suganertal.

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Weiter führt die Strecke am Ufer des Lago di Caldonazzo. Hier im oberen Valsugana liegt auch der Scheitelpunkt der Strecke, anschließend geht es hinab nach Venetien.

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Wo heute für den Reisenden unbemerkt die Grenze zwischen zwei Regionen liegt, war bis 1918 die Grenze von Österreich zu Italien. Leider habe ich vom ehemaligen Grenzbahnhof Primolano kein vorzeigbares Bild, hier sind wir schon eine Station weiter in Cismon del Grappa. Die Bahnstrecke folgt nun dem Fluss Brenta durch ein enges Tal zwischen hoch aufragenden Felsen der südlichen Dolomiten. Der Namenszusatz Grappa stammt von einem Gebirgsstock der Region. Landschaftlich ist die Strecke überaus reizvoll und abwechslungsreich, die sollte ich nochmals für besseres Wetter vormerken.

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Durchgehende Züge von Trient bis Venedig gibt es nicht, die Verbindungen sind in Bassano del Grappa gebrochen. Nach knapp 100 Kilometern und gut 2 Stunden Fahrzeit ist damit auch unsere heutige Endstation erreicht, denn wir haben in Bassano del Grappa eine Zwischenübernachtung eingeplant. Hier sind wir schon am Hauptplatz Piazza della Libertà angekommen. Auch wenn es hier zahlreiche Grappa-Brennereien gibt, so geht der Name der Stadt ebenfalls auf den Monte Grappa zurück.

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Bekanntestes Bauwerk von Bassano del Grappa ist die Holzbrücke Ponte Vecchio über den Fluss Brenta. Der Ursprungsbau aus der Renaissance wurde mehrfach zerstört und stets wieder nach dem historischen Vorbild aufgebaut.

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So, jetzt sind wir nass genug, dann beenden wir mit der spätbarocken Querkirche San Giovanni Battista unseren Stadtrundgang und damit auch diesen Berichtsteil. In den nächsten Tagen folgt der fünfte Teil, da gibt es zur Abwechslung wieder mal Fernverkehr und wir machen zwischen Vicenza und Turin richtig Kilometer, bevor es dann hinauf geht ins Aostatal.

Viele Grüße

Tobias

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Frühling zwischen Südtirol und Aostatal - Fortsetzung

moonglum ⌂ @, Hagen, Dienstag, 13. März 2018, 19:19 (vor 101 Tagen) @ TD

Fantastisch, sehr sehr schön!!!

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Schöne Grüße,
bevorzugt aus den EC 6/7/8/9, ICE 102, 103 und 515
Web: www.bio12code-institut.eu
Foto: EC9 in Wuppertal Hbf
(Gewitterumleitung 15.6.14)
[img]http://abload.de/img/img_4408g6yu6.jpg[/

Frühling zwischen Südtirol und Aostatal - Danke

RhBDirk @, Köln und Hamburg, Dienstag, 13. März 2018, 20:10 (vor 101 Tagen) @ moonglum

Danke auch für diesen Teil. Trento hat mir sehr gut gefallen, ich war im Februar 2017 dort - gleiches Wetter - erstes Eis des Jahres auf der Hand gabs dann nachmittags in Bozen :-)

Frühling zwischen Südtirol und Aostatal - Danke

TD ⌂ @, Mittwoch, 14. März 2018, 18:03 (vor 100 Tagen) @ RhBDirk

Ja, ich erinnere mich an Deinen Reisebericht, das war mit eine Inspiration einen Zwischenstopp in Trento einzuplanen. Und für uns gab es das Eis in Trento ;)

Viele Grüße

Tobias

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