[AT] Norbert Hofer (FPÖ) wird als Verkehrsminister gehandelt (Allgemeines Forum)

MF_5289 @, Montag, 04. Dezember 2017, 19:41 (vor 11 Tagen)
bearbeitet von MF_5289, Montag, 04. Dezember 2017, 19:42

Nabend

im Gegensatz zu Deutschland sind die Koalitionäre von der Liste Kurz(ÖVP) und FPÖ schon wesentlich weiter.

Norbert Hofer wird dabei als möglicher Verkehrsminister gehandelt. https://diepresse.com/home/innenpolitik/5330493/Koalition_Hofer-will-Infrastrukturminis...

Wie das Thema Bahn bei den Verhandlungen eine Rolle spielt/e

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 04. Dezember 2017, 20:27 (vor 11 Tagen) @ MF_5289
bearbeitet von J-C, Montag, 04. Dezember 2017, 20:28

Norbert Hofer selber hat den Wunsch schon öfters geäußert, daher verwundert mich das tatsächlich nicht so.

Für mich ist Norbert Hofer in Sachen Verkehrspolitik jedoch völlig unbekannt, auch ich kannte ihn vorher nur als dritten Nationalratspräsidenten und Präsidentschaftskandidaten.

Weil das hier ja auch öfters thematisiert wird, werde ich ein paar Punkte zitieren, die ich schon vorher so las, und die vielleicht interessant sein könnten:

Eine dieser Maßnahmen sei etwa die Straffung von Genehmigungsverfahren. Bei der Dritten Piste des Schwechater Flughafens dauere dieses nun schon 17 Jahre – das sei teuer und ineffizient, hieß es. Sollte Schwarz-Blau zustande kommen, so wolle man weiters alles dafür tun, damit diese Dritte Piste endlich zustande komme.

Liest sich danach, als wolle man generell Genehmigungsverfahren verkürzen und ein "rumeiern" vermeiden. Freilich nicht zugunsten der Bahn. Wobei bei der ohnehin nicht mehr viel ist, was man als Ausbau planen könnte.

Zumindest gut, dass das so in den Koalitionsverhandlungen ist:

So soll etwa der Gütertransport vermehrt von der Straße auf Schiene und Wasser verlegt werden, der Hochwasserschutz forciert und in Österreich eine Breitspurbahn errichtet werden.

Als Problem wurde definiert, dass beinahe die Hälfte der CO2-Emissionen außerhalb des Zertifikatehandels aus dem Verkehr stammen.

Darum will man neue Mobilitätsformen: Die Elektromobilität soll ausgebaut, alternative Antriebsformen sollen erforscht werden. Das Ziel: Schritt für Schritt soll von fossilen Brennstoffen abgerückt werden können. Im öffentlichen Bereich soll das Netz der Ladestationen ausgebaut werden.

Auch wenn die Bahn nicht erwähnt wird, grundsätzlich finde ich das gut.

Aber ich habe noch eine weitere Quelle:

vienna.at

Basierend darauf soll von der Regierung oder dem Landesgesetzgeber das “vorrangige öffentliche Interesse” an Vorhaben festgeschrieben werden. ÖVP-Verhandler Gernot Blümel kündigte gleich eingangs eine “Beschleunigung von Prüfverfahren bei Infrastrukturprojekten” an.

Hmm, von irgendwoher kenne ich die Forderung danach ;-)

Beim öffentlichen Verkehr bekennen sich ÖVP und FPÖ sowohl zum Ausbau im städtischen Bereich als auch zum Erhalt der Nebenbahnen. Hier erwartet Hofer aber eine Kofinanzierung der Bundesländer, mit denen auch ein einheitlicher Rahmenplan für strategische Infrastruktur ausgehandelt werden soll. Das Angebot im öffentlichen Verkehr soll verbessert werden, und zwar sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum.

Unter anderem ist ein neues österreichweites Tarif- und Vertriebssystem und die Harmonisierung der Tarif- und Automatensysteme geplant. Die Finanzierungs- und Verrechnungsströme sollen transparent sein und zwischen Systempartnern Synergien genutzt werden. Der Infrastrukturausbau der ÖBB und der Privatbahnen soll fortgesetzt werden.

Ich hab in Erfahrung gebracht, dass vorige Regierungen sich das auch zum Ziel gesetzt haben, passiert ist jedoch nichts.

Meine Hoffnung: Die halten einfach, was sie versprechen in der Hinsicht, ich würde mich freuen.

Geprüft werden soll eine mittelfristige Liberalisierung des öffentlichen überregionalen Busverkehrs.

Das klingt nach einer Fernbus-Liberalisierung.

Was aber interessant ist: Obwohl die ÖVP vor der Wahl forderte, die Ausschreibungen im Bahnverkehr einzuführen, liest man nun nichts mehr davon. Das findet der noch-Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) suspekt:

Der Ressortchef meinte außerdem: “Verheimlicht Schwarz-Blau die alten Bahn-Zerschlagungspläne der ÖVP?” Die ÖVP habe jahrelang für die Zerschlagung des öffentlichen Verkehrssystems getrommelt: “Geradezu verdächtig erscheinen jetzt die schwarz-blauen Pläne zum Verkehrsbereich, in denen die Zukunft der Direktvergabe auf der Schiene mit keinem Wort erwähnt wird.” Dies heiße aber nicht, dass das Verbot der Direktvergabe und “das Zerstören” der heimischen Eisenbahnbetriebe vom Tisch sind.

Leichtfried kritisierte, dass die heute von Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) vorgestellten Pläne “längst Realität” sind: “Hätten sich die Verhandler richtig kundig gemacht, müssten sie jetzt keine bestehenden Projekte als neu verkaufen.”

Ich hoffe, man ist nun im Bilde ;-)

Gruß
Jan-Christian

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I Bimz.

Rechter als VKM. Hat die Eisenbahn ja bald wieder Arbeit ...

Blaschke, Osnabrück, Montag, 04. Dezember 2017, 21:27 (vor 11 Tagen) @ MF_5289

- kein Text -

--
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen! (Jean Paul Sartre)

... wenn sie nicht vorher abgeschafft wird

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Dienstag, 05. Dezember 2017, 17:42 (vor 10 Tagen) @ Blaschke

- kein Text -

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

[AT] Norbert Hofer (FPÖ) sollte eine Chance bekommen

ThomasK, Dienstag, 05. Dezember 2017, 01:03 (vor 11 Tagen) @ MF_5289

Im Gegensatz zu Deutschland sind die Koalitionäre von der Liste Kurz (ÖVP) und FPÖ schon wesentlich weiter.

Norbert Hofer wird dabei als möglicher Verkehrsminister gehandelt. https://diepresse.com/home/innenpolitik/5330493/Koalition_Hofer-will-Infrastrukturminis...


Ich bin sehr erfreut, dass die FPÖ im Laufe der letzten Jahre wesentlich bahnaffiner geworden ist.

Zwar hält die FPÖ leider noch am Ziel fest, zusätzlich auch noch den MIV auszubauen, aber man merkt, dass in den letzten Jahren die FPÖ eine 90 Grad Wende geschafft hat, denn früher war bei der FPÖ NUR vom Auto die Rede. Inzwischen will die FPÖ AUCH die Eisenbahn ausbauen; dabei geht es keinesfalls nur um die drei Großprojekte Semmering, Koralm und Brenner, sondern auch um Nebenbahnen.

Vor ein paar Tagen wurde in der Pressekonferenz in Wien des Ergebnis der Gespräche bezüglich Infrastruktur zwischen ÖVP und FPÖ präsentiert:

https://youtu.be/DKL3-DPSzic?t=6m

Die entscheidenden Passagen spricht Hofer zwischen 6:00 und 6:44.

Allerdings unterliegt Hofer auch dem Irrtum, mit Elektromobilität ausschließlich elektrisch betriebene Autos zu meinen. Da Hofer gerade von der Eisenbahn gesprochen hat, ist da natürlich noch eine Nachkorrektur notwendig.

Die Politikanalysen zeigen aber eindeutig, dass die FPÖ ihre großen Wahlerfolge durch ihren konsequenten Kurs gegen die illegale Einwanderung erzielt hat und keineswegs durch eine eisenbahnaffine Politik. Insofern werden wir abwarten müssen, wie sich die FPÖ in den nächsten Jahren verkehrspolitisch entwickeln wird.

Ich weiß von ein paar kärntner Eisenbahnfreunden, dass sie sich an die FPÖ in Wien gewendet haben, um die Stilllegung der Eisenbahnstrecke nach Kötschach-Mauthen, die vor 12 Monaten erfolgte, rückabzuwickeln.

Über die Zukunft der Gailtalbahn tobt in Kärnten eine heftige Diskussion. Ich hoffe doch sehr, dass die Eisenbahnfreunde in der hitzigen Debatte obsiegen werden. Die erfolgte Stilllegung im Dezember 2016 ist völlig absurd, zumal von der Topografie her diese Strecke keine großen Schwierigkeiten bereitet.

Als Münchner schaue ich da natürlich sehr interessiert zum Nachbarn, wie dort die Diskussionen laufen. In Anbetracht der finanziellen Stärke des Bundesland Bayern, welches jedes Jahr mehr als 500 Millionen € Altschulden tilgt und bis vsl. 2030 komplett schuldenfrei sein wird, ist das Thema Streckenstillegungen in Bayern (derzeit) zum Glück kein Thema. In Bayern geht es eher um (erfolgte) Reaktivierungen wie z.B. nach Weißenhorn.

Historisch gesehen hat Bayern durch einen Trick große Streckenstillegungen im Bayerischen Oberland verhindert. Dadurch, dass fast sämtliche Strecken in Normalspur gebaut wurden (Motto: Schmalspur ist schlecht und wird langfristig stillgelegt) sind fast alle Strecken im bayerischen Oberland heute noch in Betrieb. Bis auf ein paar Ausnahmefälle wie z.B. Bichl - Wolfratshausen ist also im Bayerischen Oberland noch fast alles in Betrieb. Wir können also von Glück reden, dass auch nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee seinerzeit - sehr weitsichtig - in Normalspur gebaut wurde.

Ich hoffe doch sehr, dass auch die FPÖ in Österreich die Eisenbahn deutlich ausbauen wird.

Auf meinem Wunschzettel stehen neben einer NBS Salzburg - Wels u.a. auch der zweigleisige Ausbau der Arlbergbahn, der Bau einer Eisenbahn über den Reschenpass und über den Fernpass, eine Gleisverbindung zwischen Vils und Füssen und die Verlängerung der Zillertalbahn von Mayrhofen über Hintertux nach St. Jodok. Um den Güterverkehr effizienter abzuwickeln, könnte ich mir sehr langfristig die Umstellung der Zillertalbahn auf Normalspur vorstellen. Mit leistungsstaken Stadtbahnfahrzeugen - ungefähr so in der Art wie bei der Stadtbahn Stuttgart - käme man dann sogar ohne Zahnstange bis nach Hintertux zur Talstation der Hintertuxer Gletscherbahn. Zwischen Hintertux und St. Jodok würde ich aber nicht - wie im Zillertal andiskutiert - über das Joch fahren, sondern dann zwischen Hintertux und St. Jodok einen Tunnel bauen.

Zur Verlängerung der Zillertalbahn nach Hintertux gab es auch mal eine Diplomarbeit an der Uni Innsbruck. Allerdings hat der Student nur eine Trassierung in Schmalspur (760 mm) und nicht in Normalspur untersucht.

Als ich bei einer meiner zahlreichen Bergtouren in Tirol mit den Tirolern über diese Ideen gesprochen habe, meinten sie zu mir: "Warum nicht? Aber unsere Politik ist noch nicht soweit, um darüber zu diskutieren."

Ich habe dann mit ein paar Österreichern, die auch sehr ÖV-affin sind, noch überlegt, wie man es schaffen könnte, z.B. Ischgl an die Eisenbahn anzubinden. Aber dann kamen wir dann doch zum Ergebnis, dass es - ehe man eine Eisenbahn nach Ischgl baut - doch sinnvoller ist, Ischgl über den Berg mit einer 3S-Bahn direkt an den Bahnhof St. Anton am Arlberg anzubinden. Eine Eisenbahn nach Ischgl ist dann doch etwas größenwahnsinnig. *lach* ;)

Leider ist die Zeit noch nicht reif dafür, solche fantastische Eisenbahnprojekte in Angriff zu nehmen.

Ich denke aber, dass nun eine neue Internetgeneration heranwächst, die mit ihren Smartphones einen leichten Informationszugang zur Eisenbahn mit ihren Fahrplänen hat, so dass in den nächsten 20 Jahren diese Projekte durchaus mal auf die Tagesordnung der Parlamente kommen könnten.

Der rasante Wandel der FPÖ in den letzten Jahren zu einer immer bahnaffineren Partei gemacht hat, spricht Bände. Wir werden sehen, wie sich ein FPÖ-Infrastrukturminister schlägt. Und bei der nächsten Wahl wird man sehen, ob die FPÖ ihre 26 % halten kann.

[AT] Norbert Hofer (FPÖ) sollte eine Chance bekommen

Manitou, Dienstag, 05. Dezember 2017, 02:18 (vor 11 Tagen) @ ThomasK

Meterspur ist durchaus leistungsfähig. Es gibt Staaten, deren gesamtes Eisenbahnnetz in Meter- bzw. Kapspur angelegt ist und dabei durchaus Hauptbahn-Parameter hat. Selbst der "Molli" (Bäderbahn Bad Doberan-Kühlungsborn) fährt (bzw. fuhr zu DDR-Zeiten im Sommer Züge mit 60 Achsen, also Schnellzug-Stärke).

Schmalspur in 760 mm hat durchaus auch ihre Berechtigung. Man kan billiger bauen. Dennoch kann man hohe Verkehrsleistungen bewältigen. Die Strecke Zittau - Oybin (750 mm) war bis 1945 zweigleisig.

[AT] Norbert Hofer (FPÖ) sollte eine Chance bekommen

Ösi, Dienstag, 05. Dezember 2017, 07:14 (vor 10 Tagen) @ Manitou

Meter-/Kapspur ist allerdings für HGV ungeeignet.

[AT] Norbert Hofer (FPÖ) sollte eine Chance bekommen

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Dienstag, 05. Dezember 2017, 08:13 (vor 10 Tagen) @ ThomasK

Trotzdem hat man in Österreich so einige Schmalspurbahnen. Ob Mariazellerbahn, Attergaubahn oder Zillertalbahn.

Gemein haben sie, dass sie wie in der Schweiz nicht von der Staatsbahn betrieben werden.

Wirtschaftlich ging's Österreich zuletzt sogar etwas besser als Deutschland, das hat durchaus externe Gründe, trotzdem denke ich, kann man auf einen grünen Zweig kommen.

Wenn die Koalition ihr Papier mit Leben füllt, wäre ich da ganz glücklich...

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OÖ: Neues Landesbudget sieht mehr Geld für Schiene vor

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Dienstag, 05. Dezember 2017, 08:34 (vor 10 Tagen) @ ThomasK

Trotz des Sparzwangs will FP-Landesrat Steinkellner mehr in die Schiene investieren und dafür bei der Straße sparen. Besonders Projekte in und um Linz stehen auf der Agenda.

Auch wenn Landespolitik sich von Bundespolitik unterscheidet. Ja, die. FPÖ kannnbahnaffin sein. In einem Land, wo relativ viel Bahn gefahren wird, würde eine nur autoaffine Politik ohnehin keinen Sinn ergeben.

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