Grimmenthal - ein Eisenbahnknoten (35 Aufnahmen), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise @, Region Hannover, Dienstag, 14. November 2017, 16:32 (vor 10 Tagen)

Moin,

ab und an ist es der Blick aus dem Zugfenster, der mich veranlaßt, einen Bahnhof etwas genauer anzuschauen. So war es auch im Fall von Grimmenthal, das ich einige Jahre danach am Morgen des 15. Oktober 2017 ansteuern konnte. Es bildet den östlichen Teil der Gemeinde Obermaßfeld-Grimmenthal, über die ich mich nicht weiter auslasse. Hier kreuzen sich die Bahnstrecke von Erfurt nach Schweinfurt und die Werrabahn, die Eisenach mit Eisfeld verbindet. Da böte sich ein schöner Taktknoten an, ein solcher ist aber im aktuellen wie auch im kommenden Fahrplan nicht vorgesehen.


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Für den hochwertigen Fernverkehr steht die Deutsche Bahn, sie betreibt als „Mainfranken-Thüringen-Express” die zweistündliche RE-Verbindung zwischen den Metropolen dieser beiden Länder, Würzburg und Erfurt. Den übrigen Verkehr wickelt die regional verwurzelte Südthüringenbahn ab. Meiningen als nächstgelegene Metropole wird im Prinzip halbstündlich angesteuert: Um 8:14, 8:29, 8:41, 9:26 und so weiter alle zwei Stunden. Das ist auf den ersten Blick unlogisch, auf den zweiten aber nicht mehr so sehr: Die Abfahrten zur halben Stunde sind die Züge der Linie 41, die auf der Werrabahn zwischen Eisfeld und Eisenach einen Stundentakt bildet. Die Abfahrt auf :41 ist linienlos, sie stellt die Umsteigeverbindung von Erfurt nach Meiningen im Anschluss an den RE her (das dauert 74 Minuten). Die Abfahrt zur Minute :14 ist die zweistündliche Linie 44. Das ist der Bummelzug von Erfurt nach Meiningen, er benötigt 96 Minuten. Dafür hält er in Metropolen wie Sülzenbrücken und, sofern ein entsprechendes Bedürfnis angezeigt wurde, Dörrberg. Daneben fahren außerhalb des Taktgefüges einige weitere Züge zwischen Erfurt und Meiningen. Noch sind dafür beide Unternehmen verantwortlich, ab Fahrplanwechsel aber wechseln die beiden RE-Paare zur Südthüringenbahn.


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Die beiden Bahnstrecken verlaufen im Bereich Grimmenthal parallel, so dass hier in grauer Vorzeit ein Inselbahnhof enstand mit allem, was dazugehört: Empfangsgebäude, Wohnhäuser, Stellwerke und so weiter. Zwei Gleisverbindungen machen es möglich, von Erfurt aus nach Meiningen zu fahren. Von Eisfeld nach Schweinfurt hingegen ist ein doppelter Fahrtrichtungswechsel erforderlich (es sei denn, es gibt einen Rückwärtsgang). Die Verbindung runter nach Mainfranken wurde vor einigen Jahren aus politischen Gründen unterbrochen, so dass die Strecke von Grimmenthal in den Nachbarbahnhof Rentwertshausen außer Betrieb war. Sie wurde später aber wieder hergestellt (und ist heute die einzige Strecke weit und breit, auf der nur Regionalzüge der DB verkehren). Die moderne Bahn forderte ihren Tribut: Bei einem Umbau in den 2000er Jahren erfolgte eine Anpassung des Bahnhofs an die heutigen Bedürfnisse derer, die so etwas planen und verantworten. Das Empfangsgebäude wurde abgerissen, die Bahnsteige erneuert. Somit hat man planmäßig bis zu 50 Minuten Zeit, den Umstieg bei Wind und Wetter an der mehr oder minder frischen Luft zu genießen. Beim Umbau trug man den unterschiedlichen Bedeutungen der beiden Strecken Rechnung: Um zum zweiten Bahnsteig der Werrabahn zu gelangen, muss man ohne jedwede technische Sicherung ein Gleis überqueren. Auf der Schweinfurter Nordseite hingegen entstand ein wunderschöner Fußgängertunnel, per Treppe und Rampe erschlossen. Auch das, um ein Gleis zu passieren. Das Wohnhaus zwischen den Gleisen existiert mittlerweile auch nicht mehr. Dort gibt es nur noch die Zufahrt und das neue Stellwerksgebäude, dessen Bediener hinterm Wald in Arnstadt sitzt.
Im Rahmen des Umbaus oder wenig später erfolgte am 6. Dezember 2008 die Außerbetriebnahme der drei Stellwerke Go, Gs und Gw. Da man jedoch aus mir nicht bekannten Gründen es unterlassen hatte, den Bahnübergang im Ostkopf des Bahnhofs in die neue Technik zu überführen, steht Go weiterhin und dient als total überdimensionierter Schrankenposten. Aber Rettung naht: Mittlerweile gibt es einen Soda-Bahnübergang. Der quert die Werrabahn und wird somit in Zukunft ein menschenungesteuertes Erreichen des Bahnhofes vom Ort her ermöglichen. Aber weiter zur Landstraße waren noch keine Arbeiten erkennbar. Wann die Zukunft beginnt, weiß ich nicht. Bis dahin gilt es, zwischen den Gleisen an der richtigen Stelle abzubiegen und sich nicht von den vielen Schranken verwirren zu lassen. Oder man kommt per Zug.


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Hier muss kein kein Schnitt sein, aber da einer sein muss, ist er hier.

Grimmenthal - ein Eisenbahnknoten (35 Aufnahmen), Teil 2

Sören Heise @, Region Hannover, Dienstag, 14. November 2017, 16:33 (vor 10 Tagen) @ Sören Heise

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1 Nehmen wir als erstes eine Aufnahme mit Zug.


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2 Das ist der Weg zum Ausgang.


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3 Zwischen den Bäumen geht der Blick westwärts. Auch dorthin führt ein Weg. Der endet am anderen Bahnhofsende. Da war ich aber nicht.


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4 Extra für euch: Menschen!


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5 Werbepause.


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6 Der Pendelzug nach Meiningen fährt je Stunde sieben Minuten. 18 Minuten steht er in Meiningen und den Rest in Grimmenthal. Am Besuchstag hatte VT 109 diese undankbare Aufgabe.


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7 Auf der Werrabahnseite tut sich was: VT 118 ist gekommen (und als STB 74112 auf dem Weg nach Rauenstein, da die Strecke von dort nach Sonneberg bedingt durch Bauarbeiten geschlossen war).


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8 Der Soda-Bahnübergang wird bei geöffneten Schranken passiert.


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9 Einige Umsteiger sind auf dem Weg nach Gleis 3.


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10 So allmählich löst sich der Nebel auf. Hinten die Kirche in Obermaßfeld.


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11 Beachte die absolut lieblose Nichtgestaltung des Freiraums zwischen den beiden Bahnstrecken.


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12 Es sollte ein Herbsttag werden, schöner als ihn jedes Bilderbuch zeigen kann.


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13 Das Stellwerk heißt die Reisenden in Untermaßfeld-Grimmenthal willkommen. Obermaßfeld ist übrigens die Zwischenstation auf dem Weg nach Meiningen. Im dortigen Schloß übernachtet man auf Staatskosten.


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14 Vorne links stand das Wohngebäude. Hingegen markiert der leere Raum zwischen den Bäumen den Standort des einstigen Empfangsgebäudes.


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15 Noch ein Zug: 612 134 führt die Dreifachtraktion nach Würzburg an. Links sieht man den Anschluß nach Meiningen.


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16 Und hinten 612 032.


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17 Der Verbindungsweg zwischen den Bahnhofsteilen.


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18 Die Ausfahrt gen Erfurt.


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19 Gesamtansicht der Nordseite von Osten her.


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20 Widmen wir uns nun Rampe und Tunnel. Beachte hierbei die Lochmetallfenster.


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21 Wendepunkt.


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22 Gleich sind wir unten.


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23 Den Weg sparen wir uns.


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24 Aber hier geht es nirgendwo hin. Egal.


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25 Die Herbstsonne überstrahlt die Trostlosigkeit.


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26 Der Soda-Bahnübergang.


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27 Hier aus der Gegenrichtung mit Kirche. Wobei: Schranken und Lichter sind verhüllt. Es ist also wohl doch kein Bahnübergang. Sondern kein Bahnübergang.


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28 Deutschlands größter Schrankenposten? Beachte auch die Sicherungskästen.


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29 Gesamtansicht.


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30 Die beiden Bahnübergänge.


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31 Noch ein Bild.


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32 An einem Haus ist ein altes Bahnhofsschild erhalten.


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33 Die Straße nach Rohr. Im Tal läuft auch die Eisen- und seit einigen Jahren die Autobahn. Wieviele wohl auf sie umgestiegen sind?


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34 Leer ist es.


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35 Zeit zum Verweilen.


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Nächstes Mal wird es großstädtisch.


Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Grimmenthal - ein Eisenbahnknoten (35 Aufnahmen), Teil 2

Regiosprinter @, Dienstag, 14. November 2017, 21:48 (vor 10 Tagen) @ Sören Heise

Hallo Sören,

vielen Dank für deine Eindrücke!

Ich kenne den Bahnhof noch mit morbidem Reichsbahn-Charme um die Jahrtausendwende.
Erstaunlcih auch, dass in der neuen Unterführung noch keinerlei Graffiti zu sehen sind. Die endlosen grauen Betonwände laden geradezu dazu ein...

Viele Grüße
Klaus

sehr schön. :-)

sflori @, Mittwoch, 15. November 2017, 17:38 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von sflori, Mittwoch, 15. November 2017, 17:38

- kein Text -

Danke für den Bericht!

ICETreffErfurt ⌂ @, Eisenach, Mittwoch, 15. November 2017, 17:41 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise

- kein Text -

Zwischentakt = Linie 44

ICETreffErfurt ⌂ @, Eisenach, Mittwoch, 15. November 2017, 17:47 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise

Für den hochwertigen Fernverkehr steht die Deutsche Bahn, sie betreibt als „Mainfranken-Thüringen-Express” die zweistündliche RE-Verbindung zwischen den Metropolen dieser beiden Länder, Würzburg und Erfurt. Den übrigen Verkehr wickelt die regional verwurzelte Südthüringenbahn ab. Meiningen als nächstgelegene Metropole wird im Prinzip halbstündlich angesteuert: Um 8:14, 8:29, 8:41, 9:26 und so weiter alle zwei Stunden. Das ist auf den ersten Blick unlogisch, auf den zweiten aber nicht mehr so sehr: Die Abfahrten zur halben Stunde sind die Züge der Linie 41, die auf der Werrabahn zwischen Eisfeld und Eisenach einen Stundentakt bildet. Die Abfahrt auf :41 ist linienlos, sie stellt die Umsteigeverbindung von Erfurt nach Meiningen im Anschluss an den RE her (das dauert 74 Minuten).

Rein formal gehören diese Züge zur Linie STB44. Zumindest sind sie dort im Kursbuch hinterlegt.

Danke zurück!

Sören Heise @, Region Hannover, Mittwoch, 15. November 2017, 18:09 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise

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