Der Mittwochsbahnhof, Teil 21.1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 17. Mai 2017, 17:20 (vor 9 Tagen)

Moin.

Entgegen der Ankündigung besuchen wir heute nicht Harsum. Stattdessen gibt es heute ein Doppelportrait. Und wenn man es schonmal nach Osterode am Harz geschafft hat (das ist per Zug aus der Landeshauptstadt nicht so einfach wie per Auto), dann können wir auch gleich zwei stillgelegte Stationen mitnehmen.


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Am 1. November 2004 mußten sich die Zugfahrgäste in Osterode umgewöhnen. Denn die traditionellen Zugangsstellen Osterode (Harz) und Osterode Süd wurden aufgelassen und durch die neuen Haltepunkte Osterode am Harz Mitte und Osterode am Harz Leege ersetzt.
Alle liegen an der Bahnstrecke Herzberg - Seesen, also der Verbindung am Westrand des Harzes. Diese wurde am 10. Oktober 1870 zwischen Herzberg und Osterode und am 1. September 1871 auch zwischen Herzberg und Seesen eröffnet. Man hatte Großes mit ihr vor. Aber die Strecke erlangte nie die erhoffte überregionale Bedeutung. Höhepunkt der Gefühle war gegen Ende der 1930er E 281/282 Braunschweig - Erfurt. Die Maßnahmen für den späteren Bau des zweiten Gleises sind an vielen Stellen noch zu sehen.
In den 1960ern begann der Niedergang der Strecke. Verstärkt wurde er später durch den autobahnähnlichen Ausbau der parallelen Bundesstraße (mittlerweile darf man dort abschnittsweise 40 km/h fahren, vierzig...). Stillegungspläne kamen auf. 1982 endete der Sonntagsverkehr, in der Woche wurde der Fahrplan reduziert. 1990 erfolgte die Umwandlung in eine Nebenbahn. Kurz ging es durch die Wende bergauf, wenig später schon stand aber wieder die Stillegung vor der Tür. Nur der Nordabschnitt Seesen - Münchehof sollte für die Bedienung des Kalkwerkes erhalten bleiben.
Die Regionalisierung war die Rettung: Das Land sprach sich für die Strecke aus und verdichtete den Reiseverkehr. Seit Sommer 1998 fahren sonntags wieder Züge, spätestens 1999 gab es einen Zweistundentakt Braunschweig - Seesen - Herzberg - Bad Lauterberg. Einige Jahre später wurde zwischen Herzberg und Gittelde mo-fr ein Stundentakt eingeführt (2004 mit der Einstellung der Strecke nach Bad Lauterberg?). Seit etwa zehn Jahren besteht dieser mo-sa auf der gesamten heutigen Linie Braunschweig - Seesen - Herzberg. Sonntags wird zwischen Seesen und Herzberg nur alle zwei Stunden gefahren.

Zur besseren Erschließung des Landstrichs zwischen Osterode und Kreiensen an der Nord-Süd-Strecke baute der Landkreis Osterode (der zum 1. November 2016 mit dem Landkreis Göttingen fusionierte) eine Kreisbahn zwischen diesen beiden Orten, Spurweite 750 mm. Der erste Abschnitt von Osterode aus wurde am 19. Dezember 1898 dem Betrieb übergeben, die Gesamtstrecke (mit einem fast 500 Meter langen Tunnel) war seit dem 2. Mai 1901 befahrbar. Der Personenverkehr endete am 27. Mai 1967, Ende September auch der letzte Güterverkehr. Allerdings war der Abschnitt von Kreiensen bis Kalefeld im 2. Weltkrieg dreischieinig ausgebaut worden; diese Strecke war noch bis 2007 in Betrieb. Die Kreisbahn lebte unter dem Namen „Kreisverkehrsbetrieb Osterode” als reiner Busbetrieb weiter. Zuletzt eine Privatfirma, wurde der Betrieb im Herbst 2008 eingestellt. Danach betrieb zunächst die Regionalbus Braunschweig GmbH den Busverkehr um Osterode. Nach einer Ausschreibung übernahm kürzlich die Firma Rizor aus Hildesheim viele Linien. Bis Ende 2014 gab es in der Stadt auch Stadtbusse, die wurden dann aber eingestellt.


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Osterode ist ziemlich alt, wurde vielleicht 1152 erstmals erwähnt: Damals wurde es durch eine der alltäglichen Fehden einiger Territorialherscher zerstört. Aber so etwas war damals normal.
Der Bahnhof wurde im Nordwesten, ein wenig außerhalb, angelegt. Bis wann er noch als Bahnhof aktiv war, weiß ich leider nicht. Im Südosten der Altstadt, zwar dichter an ihr dran, aber auch nicht wirklich zentral, wurde zu einem mir unbekannten Zeitpunkt der Haltepunkt Osterode Süd angelegt. Der neue Haltepunkt Osterode Mitte liegt zwischen den beiden ehemaligen Stationen. Der Haltepunkt Leege liegt ziemlich am äußersten Südostende von Osterode. In der Umgebung befinden sich ein Gewerbegebiet und eine Berufsschule. Da beginnen wir. Vorbei an Osterode Süd und Osterode Mitte geht es zum einstigen Bahnhof und durch die Altstadt zurück nach Mitte. Alle Aufnahmen entstanden heute vor einer Woche, am 10. Mai 2017.


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Da machen wir mal einen Schnitt. 12495 Zeichen sind dem Forum zu viele.

Der Mittwochsbahnhof, Teil 21.2 (40 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 17. Mai 2017, 17:21 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise

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1 Osterode Leege mit 648 260.


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2 Osterode Leege ohne 648 260.


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3 Blick zurück.


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4 Es gibt sogar einen Zusatzwegweiser. Vielleicht haben zu viele den Zugang nicht erkannt, gleich so hinterm Zaun vom Müllentsorger.


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5 Der Haltepunkt liegt ziemlich weit draußen. Die paar Busfahrten sind keine Alternative, denn das sind nur Schülerfahrten. Und bislang hat sich wohl niemand dran gestört, daß die Fahrpläne an der jeweiligen Haltestelle der Gegenrichtung hängen.


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6 Vierzehn Minuten später. Ein nettes kleines Wohnhaus.


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7 Es liegt direkt an einem Bahnübergang.


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8 Und somit an der Bahnstrecke.


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9 Nur noch der Straßenname erinnert an seine erste Funktion.


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10 Ein letztes Bild, ehe wir weitergehen. Hinten die Brücke der B 241 nach Clausthal.


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11 An diesem kleinen Durchlass sieht man die Vorleistung fürs zweite Gleis.


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12 Bahnübergangsbild.


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13 Das ist - laut Wanderwegweiser - der Hauptbahnhof.


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14 Telegrafenleitung und Haltepunkttafel.


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15 Vor einem alten Industriegelände der jüdische Friedhof.


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16 648 260 kommt aus Herzberg zurück und überquert die Söse.


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17 Der alte Staatsbahnhof.


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18 Bahnsteigbild.


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19 Ansicht Richtung Herzberg. Am Vorbau unterm runden Fenster kann man noch „Frauen” lesen.


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20 Fahrkartenautomat.


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21 Namensschild.


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22 Ansicht aus der Gegenrichtung. Links war der Kreisbahnhof, da steht jetzt eine Firma.


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23 Die Gleisseite mit 648 273.


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24 Auf dem Marktplatz. Kornmarkt heißt er, hinten erhebt sich die Aegidienkirche.


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25 In die andere Richtung. Hinten links geht es zum Hp. Mitte. Einen Wegweiser habe ich nicht gesehen.


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26 Rathaus und St. Aegidien.


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27 Das Kornmagazin. Es diente der Getreideversorgung der Oberharzer Bergstädte.


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28 Die Bushaltestelle Osterode Mitte/Stadthalle. Wer genau hinschaut, sieht hinterm linken Baum etwas.


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29 Das ist der Haltepunkt. Er ist, was für Eisenbahnstationen des 21. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit ist, nicht auf einem Fußweg zu erreichen. Man muß sich über den Parkplatz seinen Weg suchen.


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30 Der Zugang. Es gibt da wohl Grundstücksstreitigkeiten.


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31 Die Bushaltestelle Osterode Mitte. Es fahren zwei Linien nach Clausthal-Zellerfeld sowie je eine nach Herzberg, Kamschlacken, Bilshausen und Katlenburg. Zwischen Zaun und Haus vorbei geht es zu den Zügen.


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32 Der Bahnübergang am Haltepunkt.


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33 648 273 ist zurück.


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34 Ein kurzer Blick nach oben.


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35 Hier ist wohl jeder Bildtext überflüssig. Die Haltestelle kennt ihr schon und am Bus ist alles lesbar. Bis vielleicht auf den Typ, aber den weiß ich auch nicht.


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36 Wenig später kam der Bus nach Bad Grund. Der fährt bis Gittelde parallel zur Bahn, hat aber im Gegensatz zu ihr Zwischenhalte.


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37 So präsentiert sich Osterode den ankommenden Zugreisenden.


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38 Bahnsteigbild gen Süden...


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39 ...und nordwärts.


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40 Kurz vor 648 267 kam die Fotowolke.


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Soviel aus Osterode. Abschließend sei noch auf zwei Einst-und-Jetzt-Vergleiche hingewiesen. 1989 und 2010 besuchte ccar sowohl Osterode Süd als auch den „Hauptbahnhof”.

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
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Der Mittwochsbahnhof, Teil 21.2 (40 Bilder)

Regiosprinter @, Mittwoch, 17. Mai 2017, 22:39 (vor 9 Tagen) @ Sören Heise


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29 Das ist der Haltepunkt. Er ist, was für Eisenbahnstationen des 21. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit ist, nicht auf einem Fußweg zu erreichen. Man muß sich über den Parkplatz seinen Weg suchen.

Oh ja, Osterode!
Das erinnert mich an meinen ersten und bisher einzigen Besuch dort vor sechs Jahren. Wir kamen abends gegen 19 Uhr dort an und wurden auf dem Parkplatz zur Begrüßung beinahe von ein paar Tuning-Freaks über den Haufen gefahren...
Einladend sieht anders aus!

Viele Grüße
Klaus

Wenn ich mal über alte Zeiten philosphieren darf...

oppermad @, Wuppertal/Wunstorf, Donnerstag, 18. Mai 2017, 18:03 (vor 8 Tagen) @ Regiosprinter
bearbeitet von oppermad, Donnerstag, 18. Mai 2017, 18:07

Moin,

Oh ja, Osterode!
Das erinnert mich an meinen ersten und bisher einzigen Besuch dort vor sechs Jahren. Wir kamen abends gegen 19 Uhr dort an und wurden auf dem Parkplatz zur Begrüßung beinahe von ein paar Tuning-Freaks über den Haufen gefahren...

zunächst dazu: Obwohl Horst-Werner N. in Osterode für Recht und Ordnung sorgt, konnte das passieren? Gut, auf dem Land gehen die Uhren anders.

Einladend sieht anders aus!

Och, so schlimm finde ich das nicht. Wuppertal Hbf könnte als Einstimmung dienen, dann geht es weiter mit der dortigen Schwebebahnstation und den täglichen Saufgelagen und als ultimatives Highlight empefehle ich den Besuch von Unterbarmen.

Als ich noch mit Schüler-Ferien-Ticket in Niedersachsen unterwegs war, kann ich mich an eine Fahrt von Seesen nach Herzberg mit 614 erinnern. Irgendwann war Osterode erreicht und nach dem Abstellen der Motoren standen wir im mit Formsignalen ausgestatteten Bahnhof und warteten auf den Gegenzug. Die Vögel zwitscherten vor sich hin und diese hochsommerliche Ruhe wurde nur kurz von einem Motorradfahrer unterbrochen, der vorsätzlich nicht schaltete.

Was war das für eine Ruhe fast ohne jede Hektik, wie ich sie aus Hannover kannte! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich natürlich nicht auf dem Schirm, 20 Jahre später nach Wuppertal auszuwandern und nach Düsseldorf zu pendeln...

Später als ich ein Praxissemester bei einem Personaldienstleister machte, zeigten sich die Vorteile vom beschleunigten Taktfahrplan und moderneren 648, als es galt, einen Mitarbeiter täglich von Göttingen nach Braunschweig fahren zu lassen.

Auch wenn sich dort sehr viel verändert hat, so bin ich froh, dass auch weiterhin Züge zwischen Herberg und Seesen fahren.

Sören, danke für die durch dieses Portrait geweckten Erinnerungen! Wie die Zeit vergeht.

Viele Grüße,

Dirk

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Meine persönliche FGR-Olympiade seit 2011:
1. Platz DB Regio 201 Fälle,
2. Platz DB Fernverkehr 99 Fälle,
3. Platz NWB 12 Fälle,
4-5. Platz eurobahn und Westfalenbahn je 4 Fälle,
6-7. Platz metronom und erixx je 3 Fälle.

Wobei in Osterode durchaus Fahrgastwechsel ist ...

Blaschke, Osnabrück, Donnerstag, 18. Mai 2017, 20:15 (vor 8 Tagen) @ Sören Heise

Hallöchen.

Damals zu meinen Zeiten gab's da in den Zählzetteln jedenfalls tatsächlich Veränderungswertes zu notieren.

Schöne Grüße von

jörg

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Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jeder ist überzeugt, dass er genug davon habe. (René Descartes)

Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 19. Mai 2017, 18:20 (vor 7 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

besten Dank fürs Klicken. Gut nur, daß nicht alle auch eine Antwort geschrieben haben. ;-)

Klaus: Ein Eindruck, der bleibt.

Dirk: Wuppertal als Vergleich. Ich weiß ja nicht.
Für die Fahrgäste ist die Veränderung in Osterode sicher positiv, auch wenn die Verknüpfung zum Bus sicher nicht ganz optimal ist und sein kann. Zu Zeiten des dünnen Fahrplans habe ich es nie auf die Strecke geschafft.

Jörg: Ja, da ist Fahrgastwechsel. Bei einer Stadt dieser Größe ist das auch wenig verwunderlich.


Viele Grüße
Sören

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