Konstruktive Diskussion (Allgemeines Forum)

Aphex Twin, Sonntag, 11. August 2019, 13:36 (vor 14 Tagen) @ MC_Hans

Spass beiseite, vielleicht sollte die aktuelle Diskussion über den Deutschlandtakt ergänzt werden um den Vergleich um wieviel sich die durchschnittliche Reisezeit bei heutigem Fahrplan verringern würde, wenn man die Pünktlichkeit von 77.5% auf z.B. 95% steigern (und Zugausfälle in einem ähnlichem Ausmass reduzieren) würde. Zusammen mit einem Plan welche Massnahmen man ergreifen muss um dies zu erreichen.

Natürlich ist dies schwieriger zu beziffern als die benötigte Höchstgeschwindigkeit auf einer Strecke um eine ITF-taugliche Fahrzeit zu erreichen. Und ein Teil der Unpünktlichkeit beruht ja auch nicht auf mangelndem Geld sondern auf organisatorischem Unzulänglichkeiten. Und Massnahmen die die Pünktlichkeit in der Zukunft verbessern können sie kurzfristig verschlechtern (s. Baustellen).

Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Berechnung einer Kundenpünktlichkeitsquote und daran anschliessend die kumulierte Summe der Kundenverspätungsminuten, wobei man Zugausfälle in beide integrieren könnte (obwohl natürlich die Berechnung der Kundenverspätung die eine von der Bahn gesponserte Taxifahrt beinhaltet komplizierter ist aber man kann hier sicher mit Pauschalen rechnen, ebenso mit Kundenverspätungen die eine ungeplante Übernachtung mit beinhalten). Zum Schluss muss man die Summe der Kundenverspätungsminuten ins Verhältnis mit der Summe Kundenreiseminuten unter Annahme von Null Verspätungen setzen, um zu einer Zahl zu kommen die sagt dass aufgrund von Verspätungen (und Ausfällen), sich die durchschnittliche Reisezeit um X Prozent verlängert hat. Was damit noch nicht miteingeschlossen ist sind die Reisezeitverlängerungen die durch bewusste Buchung von Verbindungen mit geringerer Anschlussverlustwahrscheinlichkeit entstehen.

Der zweite Schritt kann entweder sein eine globale Verbesserung der Pünktlichkeit (z.B. eine Halbierung der Verspätung jedes heute verspäteten Zuges und z.B. eine Halbierung der Zugausfälle) zu simulieren oder gleich den punktuellen Effekt spezifischer Massnahmen zur Verspätungsreduzierung zu beziffern (z.B. einen kurzen Doppelspurausbau der die Übertragungswahrscheinlichkeit von Verspätung eines Zuges auf einen anderen verringert).

Ein Problem bei der Umsetzung von Massnahmen zur Verringerung von Verspätungen ist dass sie aus sehr verschiedenen Töpfen finanziert werden. Neu- und Ausbaustrecken (die entweder Fahrzeiten verkürzen und damit etwas Puffer generieren oder Verspätungssübertragung verringern wie Doppelspurabschnitte) werden über den Bundesverkehrswegeplan geplant, Sanierung/Instandsetzung über die LuFV, Investitionen in Unterhalt und Fahrzeugerneuerung bzw. Fahrzeugpoolausbau über das allgemeine Investionsbudget von DB Fernverkehr.

***

Anstelle auf der einen Seite nur über Verspätungen zu klagen und die Bahn für unfähig zu erklären und auf der anderen Seite die DB Ankündigungen über Investitionen in Unterhalt und Neuanschaffungen und Pünktlichkeitsziele machen zu lassen würde ich gerne spezifische Zahlen sehen von Fahrwegstörungsquoten vor und nach einen Umbau, von Ausfall- und Störungsquoten pro Zugtyp und im Verhältnis zum Fahrzeugalter, einem z.B. Fünfjahresplan in dem spezifische Massnahmen und deren Auswirkung auf Verspätungsminuten aufgelistet sind. Natürlich wird vieles anders kommen als geplant aber ohne den Plan zu kennen kann man kaum abschätzen ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden (eine substanzielle und kontinuierliche Verbesserung) und an welcher Stellschraube man mehr drehen müsste.

Und eine abschliessende Diskussion über einen ITF ohne zum einen das Ausmass von Verspätungen (auf durchschnittliche Reiseverlängerungen) und zum anderen der Kosten zur Verringerung jener zu kennen ist immer unvollständig.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum