ZEIT: Planen Sie mit der Dummheit der anderen! (Allgemeines Forum)

Henrik @, Samstag, 10. August 2019, 21:06 (vor 15 Tagen)

Deutsche Bahn

Planen Sie mit der Dummheit der anderen!

Mit dem Zug in den Urlaub? Geht nicht, schon gar nicht mit Nachwuchs. Zu unwägbar, zu stressig, zu Deutsche Bahn! Quatsch – man muss nur die richtigen Tricks kennen.

Von Johannes Schneider
9. August 2019

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Stellen wir uns nun zwei erfahrene Bahnfahrerinnen vor, die mit ihren zwei Kindern (zwei und vier Jahre) sechs bis zehn Mal im Jahr weitere Bahnreisen im gesamten Bundesgebiet unternehmen. Von Berlin geht es nach Marburg, von Marburg (mit der wundervollen Kurhessenbahn) über Brilon-Wald nach Dortmund, es geht nach Flensburg, Syke, Rottenburg am Neckar und zurück, die Verwandtschaft lebt weit verstreut im Westen.
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77 Prozent der Deutschen wohnen in Städten oder Ballungsräumen, wo es ja gemeinhin einen ÖPNV und eine Fahrradinfrastruktur gibt oder geben sollte.

Und auch was das Reisen selbst angeht, ist das Paar erstaunt über die Masse der schlechten Erfahrungen: Wieso, fragt es sich, sind unsere Züge immer leidlich pünktlich, in etwa in den Dimensionen, die auch die Bahn selbst bemisst? Wieso funktionieren zumeist unsere Anschlüsse? Wieso erfahren wir Hilfsbereitschaft und gute Beratung am Gleis und kommen mit großer Zuverlässigkeit ungestresst und leidlich pünktlich am Zielort an?

Das Paar schaut sich die Einwände der anderen genauer an und stellt fest: Die Leute machen aber auch ziemlich viel falsch. Sie kaufen sich die BahnCard 25 und spekulieren auf Frühbucherrabatte (Stress im Vorfeld), sie reservieren im Kleinkindabteil und landen im Ruhewaggon (Stress auf der Reise), sie nehmen zu viel Gepäck und zu wenig Filme für die Kinder mit (Stress mit anderen), sie erregen sich maßlos über jede kleine Verspätung (Stress mit sich selbst). Man befindet: Höchste Zeit für einen kleinen Guide!

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60 Minuten sind keine Verspätung!

Ja, es passiert – gerade, wenn man von einem (tendenziell unpünktlicheren) Fernzug in einen (tendenziell pünktlicheren) Regionalzug umsteigen muss: Der Anschluss wird verpasst, der nächste Zug fährt erst eine Stunde später. Man kann dann 50 Minuten lang vor Wut dampfend am Gleis stehen, oder einfach – viel besser als im Stau – Pause machen. Bahnhofsmissionen können tolle Orte sein, auf Vorplätzen lässt sich rennen, in Passagen noch eine fehlende Hose kaufen. Es gibt sogar Städte, die für Kulturinteressierte eine sehr große Kirche in Gleisnähe platziert haben. Der Urlaub beginnt schon auf dem Weg.

Bonus-Tipp: Don’t be an asshole!

Über Lautsprecher wird die Verspätung mit einem Personenschaden oder einem Notarzteinsatz im Gleis begründet und Sie schimpfen weiter laut auf die "Kack-Bahn"? Das ist verroht.

https://www.zeit.de/entdecken/reisen/2019-07/deutsche-bahn-kinder-bahnfahren-zug-urlaub...


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