Nutznießer meiner BC100 wäre der Arbeitgeber! (Allgemeines Forum)

ThomasK, Montag, 10. Juni 2019, 12:45 (vor 103 Tagen) @ Bahngenießer

Wenn ich privat eine BahnCard besitze freut sich also der Arbeitgeber! (Laut Reisekostenrichtlinie sind vorhandene private BahnCards, Zeitkarten usw. zu nutzen.)


Die Reisekostenrichtlinie deines Arbeitgebers ist unwirksam. Der Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmer nicht verpflichten, eine private BC 100 für Dienstreisen einzusetzen.

Vor Gericht würde er damit mit Pauken und Trompeten verlieren.

Ganz abgesehen davon würde der Arbeitgeber damit zusätzlich seinen Arbeitnehmer steuerrechtlich über das Ohr hauen.


Steuerrechtlich läuft das gemäß § 37b EStG wie folgt:


Die BC 100 kostet 4395 €.

Nun wird ermittelt, wie viel die Geschäftsreisen innerhalb des Kalenderjahres im Normaltarif (also keine BC 50 und kein Spartarif) gekostet hätten.

Jetzt gibt es drei Fälle:

1. Wert der Geschäftsreisen im Kalenderjahr unter 0,7 * 4395 € = 3076,5 €.

In dem Fall einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer üblicherweise gemäß § 37b EStG darauf, dass der Arbeitgeber 70 % der BC 100 bezahlt und der Arbeitnehmer 30 % der BC 100, also 1318,50 €, da andernfalls der Arbeitnehmer diese 1318,50 € als geldwerten Vorteil versteuern müsste. Im Hinblick darauf, dass als Geschäftsreise die Fahrt des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte nicht zählt, kommen mit dieser Lösung Arbeitgeber und Arbeitnehmer beide sehr gut weg, da dann der Arbeitnehmer auch keine Fahrtkosten mehr zwischen Wohnung und Arbeitsplatz hat und die BC 100 uneingeschränkt zusätzlich privat nutzen kann.

2. Wert der Geschäftsreisen im Kalenderjahr mehr als 3076,50 €, aber weniger als 4395 €.

In diesem Fall gilt dasselbe wie bei 1, jedoch mit dem Unterschied, dass der Arbeitnehmer nur noch den geringeren Differenzbetrag als geldwerten Vorteil versteuern müsste. Kosten die Dienstreisen z.B. 4000 €, dann muss der Arbeitnehmer nur noch 395 € als geldwerten Vorteil versteuern, es sei denn, er bezahlt 395 € für die BC 100 mit.

3. Wert der Geschäftsreisen im Kalenderjahr mindestens 4395 €.

In dem Fall kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die BC 100 vollständig bezahlen und dem Arbeitnehmer auch zur privaten Nutzung uneingeschränkt überlassen ohne das der Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil versteuern müsste.


___________


Wenn aber der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zwingt, eine private BC 100 für Dienstreisen einzusetzen, dann haut er den Arbeitnehmer gleich doppelt über das Ohr, da eine private Bahncard 100 zu den Kosten der allgemeinen privaten Lebensführung zählt und steuerrechtlich im Normalfall nicht absetzbar ist.

Wenn der Arbeitgeber so unkooperativ ist, würde ich ihn zwingen, für Geschäftsreisen zusätzlich auch noch eine Einzelfahrt rauszurücken. Bei der Fahrkartenkontrolle zeigt man dann eben nur die Einzelfahrkarte und nicht die BC 100 vor und bittet den Zugbegleiter die Einzelfahrt zu entwerten, denn gemäß den Gesetzen der Spieltheorie muss destruktives Verhalten bestraft werden.

Im Geschäftsleben muss immer für BEIDE Seiten eine Nutzenniveausteigerung vorliegen.


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