So sieht's aus ... (Allgemeines Forum)

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Samstag, 08. Juni 2019, 19:22 (vor 136 Tagen) @ Bluenight1983
bearbeitet von J-C, Samstag, 08. Juni 2019, 19:23

Wer will schon Parallelgesellschaften in unserem Land? Ich glaube, da wird keiner das wirklich ernsthaft hier wollen.

Bloß die Ansätze zu diesem durchaus existierenden Problem muss man sich eben genau anschauen. Da ist "Ausländer raus" zwar eine griffige, einfach zu plakatierende und sehr einprägsame Lösung.

Aber sicher keine gute Lösung.

Und das ist einfach das Problem. Die Politik hat ein Problem produziert, zu dem sie nicht direkt eine zufriedenstellende Lösung hat - oder schlimmer noch, wenn sie kein Signal gibt, sich überhaupt damit befassen zu wollen. Deswegen ist die Flüchtlingsthematik ja so ein Fangthema der Rechtspopulisten. Die Politik hat das Feld zuerst ganz eben solchen überlassen und später erst verstanden, dass man sich damit mehr befassen sollte.

Die Politik hatte Zeit genug, eine Lösung zu entwerfen, die tragfähig ist und den optimalen Benefit rausholt.

Hat sie nicht genutzt. Und das verfolgt sie etwa bis heute.

Allerdings ist das streng genommen nur ein Ventil für den Frust, den die Politik durch ihre verfehlten Maßnahmen gesetzt hat. Präkere Arbeitsverhältnisse in der Unterschicht, ein eher schwach umgesetzter Mindestlohn, der zudem zu niedrig ist...

Es gab eine Zeit, da war die SPD mit den Grünen an der Macht. Was wurde zum Beispiel unter Rot-Grün beschlossen? Hartz IV! Es gibt Leute, die nutzen Google oder haben das sogar selbst damals mitbekommen. Das vergessen nicht alle.

Ganz ehrlich, wenn jemand als Arbeiter im Osten, wo ohnehin schon viele Arbeitsplätze abgebaut wurden, wo durchaus auch funktionierende Betriebe kaputt gemacht wurden, wo die Regierung eben es nicht geschafft hat, den Leuten dort wirklich gute Perspektiven zu bieten, oder zumindest handwerkliche Fehler dabei machte, wenn man nun als solcher mit diesem Background, der noch nicht einmal komplett ausformuliert ist, am Ende das anschaut, sieht, wie die etablierten Parteien im Allgemeinen die eigene Situation nicht verbessern, dann wird man schon frustriert. Dann wird man nach einer Bewegung und einer Partei suchen, die Abhilfe zumindest verspricht.

Da hat die Politik einfach versagt. Was aber jetzt nötig ist, ist, dass die Politiker hier nicht vol oben herabschauen, sondern eben die Leute, die bisher im Stich gelassen wurden, abholen. Dann geht es nicht um Flüchtlinge, auch nicht um Migration. Wenn man es schafft, die Lebensverhältnisse des "kleinen Mannes" zu verbessern, wird er sich auch nicht darüber beschweren, wenn es andere, die nach einem besseren Leben suchen, auch gut haben. Das ist keine Einbahnstraße. Bessere Lebensbedingungen erhöhen die Kaufkraft, minimieren auch die Unzufriedenheit, haben das Potenzial, Radikalisierungen einzudämmen.

Ich habe schon viele Ideen gegeben, wie man damit umgehen kann und die Sache ist, das Thema ist einfach sehr vielschichtig, man könnte ein ganzes Buch damit füllen. Blaschke ist ein Freund einfacher Lösungen, die kann er so schön schreiben. Ja, er provoziert auch gerne, nutzt durchaus gewisse Stilmittel, um seine Gedanken rüberzubringen.

Fakt ist aber, dass einfache Lösungen hier gar nichts bringen. Es ist ein wesentlich weiträumigeres Thema als manche wahrhaben wollen. Da sollte man auch zur Wurzel hingehen. AfD wählen jedenfalls nur die wenigTen aus Spaß, mitunter ist das auch eine gewisse Verzweiflungstat, die dahintersteckt.

Zum Thema Dresden zurückkommend, was ich gerne noch anfügen will:

Wer etwa bei einem Städtetrip sich auf politische Präferenzen beschränkt, der tut sich nicht nur keinen Gefallen, der verkennt überhaupt das Wesen einer Stadt und seiner Bewohner. Das haben wir ja schon vorher beleuchtet gehabt. Es ist einfach nur eine traurige Beschränkung sich selbst gegenüber. Man tut sich da einfach keinen Gefallen.

Ich glaub, das hab ich schonmal in gewisser Weise erwähnt, aber um es etwas anders auszudrücken, ist doch der sehr töricht, der sich dem Genuss der köstlichsten heißen Schokolade verwehrt, nur weil sich an der Oberfläche eine Haut gebildet hat.

Und so ist es töricht, eine Stadt zu meiden, bloß weil's paar nicht so angenehme Zeitgenossen dort gibt.

Und um genau darüber nicht zu lange nachzudenken, dichtet man sich hinzu, dass die Bewohner generell keine angenehme Zeitgenossen sind. Dann kann man das Thema für sich besser abschließen, muss sich nicht weiter damit befassen. Man fühlt sich dann tatsächlich besser, wenn man dann genau das Marketing betreibt, das die, gegen die man ist, am liebsten haben. Sollen die Schneeflocken doch wegbleiben, haben wir unsere Ruhe.

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