[AT] Des Kuriers Semmering-Seifenoper - zweite Folge (Allgemeines Forum)

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Mittwoch, 15. Mai 2019, 09:18 (vor 65 Tagen)
bearbeitet von J-C, Mittwoch, 15. Mai 2019, 09:21

Erste (inoffizielle) Folge

Das Thema Einsturz am Semmering-Basistunnel beschäftigt den Kurier offenbar sehr. So kommt nun der dritte Beitrag des Mediums zum Thema, dieses Mal will man über einen Brief empört sein:

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Nach dem teilweisen Tunneleinsturz und der Kraterbildung über dem Semmering-Basistunnel sind die ÖBB um Schadensbegrenzung bemüht. Ein Brief, der dieser Tage an alle Anrainer ergangen ist und das Vertrauen wiederherstellen sollte, hat bei einigen das Gegenteil bewirkt. Weil die Bahn den Vorfall in dem Schreiben weiterhin „herunterspielt“, ist der Unmut einiger Bewohner groß.

Wir können also uns auf einen emotionalen Beitrag gefasst machen.

Für die Bürgerinitiative BISS in Gloggnitz (NÖ) mutet der erste Satz des Schreibens fast schon als eine Frechheit an. "Ihr Vertrauen ist uns wichtig und es ist uns ein Anliegen, Sie persönlich über die Ereignisse der letzten Tage und Wochen zu informieren...", heißt es.

Dabei wollten die ÖBB den Einsturz mit dem massiven Wassereintritt im Tunnel vor der Öffentlichkeit geheim halten.

Erstmal, genialer Name für eine BI. Aber an sich ist der herbeigeschriebene Widerspruch Blödsinn. Eine persönliche Information ist keine Veröffentlichung.

Zumal es gute Gründe haben kann, wieso man dem Vorfall möglichst wenig Öffentlichkeit geben kann, geht's doch u.A. um die Reputation der verantwortlichen Firmen.

Erst auf Recherche des KURIER wurde der Zwischenfall mit drei Wochen Verspätung eingestanden. Als, wie berichtet, sich kurz darauf in einem Waldstück genau über der betroffenen Tunnelröhre ein riesiger Erdkrater auftat, wollten die ÖBB ebenfalls kein „mediales Aufsehen“.

So weit so gut so widerspruchslos.

Die Anrainer wurden gebeten, niemanden darüber zu informieren. „Transparenz sieht anders aus. In Summe wird alles verharmlost“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Horst Reingruber.

Die, die betroffen sind, wurden persönlich informiert. Wo fehlt die Transparenz? Verharmlosung ist das nicht zwangsläufig, zumal, wo lag die Gefahr? Gerade dort, wo es gefährlich werden könnte, hat man an Schutzmaßnahmen gedacht, eine reale Gefahr für die Anwohner hat also zu keinem Zeitpunkt bestanden. Wo wurde also was verharmlost? Wenn Fakten die Befürchtungen widerlegen, ist das keine Verharmlosung.

In dem Schreiben gesteht die Projektleitung zwar ein, dass in der Tunnelröhre auf einer Länge von 25 Metern Gestein und Schlamm in den Tunnel eingedrungen ist. Von einem (teilweisen) Einsturz des Tunnels – so wie in einzelnen Medienberichten dargestellt – könne jedoch keine Rede sein, heißt es in dem Brief.

Ein Video von dem Unglück zeigt jedoch das wahre Ausmaß des Zwischenfalles. Auf den Aufnahmen müssen Arbeiter um ihr Leben laufen, um nicht verschüttet zu werden.

Wenn in der Tunnelröhre von oben Gestein und Schlamm eindringt, was ist das wohl? Könnte PR-Sprech für einem Einsturz sein. Für die Betroffenen aber ohnehin irrelevant. Die Darstellung entspricht den Tatsachen. Zumal 25 Meter nicht so viel sind, dass man gleich von einem verheerenden Ereignis spricht. Es wurde schon vorher in einem Artikel erwähnt, dass es nicht immer rundläuft und dass ein Vorfall wie dieser dabei nicht so außergewöhnlich ist.

Dass die ÖBB nun behaupten, dass an der Oberfläche laufend Beweissicherungen in Form von Begehungen und einem Oberflächensetzungsmonitoring erfolgten, stößt den Anrainern sauer auf. „Diese Kontrolle hat gerade einmal im Ortszentrum stattgefunden, weil dort die Tunnelröhren 30 Meter darunter verlaufen“, ärgert sich ein Anrainer.

Also gerade mal da, wo es zur Gefahr werden könnte. Wo kämen wir hin, wenn wir nur dort Risiken bewerten, wo sie tatsächlich relevant sind?!

Dass die Bahn den Erdkrater, der groß genug war, um ein Einfamilienhaus darin verschwinden zu lassen,

Was zwar eine nette Verbildlichung ist, aber nicht eintreten wird, weil eben ein diesbezügliches Risiko ausgeschlossen werden kann....

in ihrem Brief als „Eintiefung“ bezeichnet,

Was ist eine Eintiefung? Eben. Also wo wurde was verharmlost?

ist für Reingruber bezeichnend.

Ja, wir können natürlich von Einstürzen, Katastrophen etc. sprechen. Aber es hat seine Gründe, wieso die Verantwortlichen eine unemotionale Wortwahl gewählt haben. Eben weil das unter Berücksichtigung der Situation am sinnvollsten ist.

Wieso sollte man um einen Vorfall, der an sich keinen in eine reale Gefahr bringen konnte denn jetzt als ein gefährliches Ereignis aufgespielt werden?

Der Krater ist jedenfalls seit Montag wieder mit Gesteinsmaterial befüllt und geebnet. Laut Projektleiter Gerhard Gobiet bestehe keine weitere Gefahr für Anrainer.

Und damit ist im Grunde die gesamte Situation wunderbar beschrieben. Außer Spesen nichts gewesen. Aber das hat den Kurier von reißerischen Artikeln auch nicht abgehalten.

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