Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Forts. (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Samstag, 13. April 2019, 16:46 (vor 8 Tagen) @ TD

Tag 2: Livorno – Bastia – Ajaccio

Um 8 Uhr startet die Fähre von Livorno nach Korsika, entsprechend früh müssen wir das Hotel verlassen und uns auf den Weg zum Fährterminal machen. Der Weg führt uns wieder entlang der Kanäle von Venezia Nuova.

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Mit der Mega Express Two stechen wir nun in See, das Fährschiff wurde 2001 in Livorno gebaut. Ich hatte ursprünglich bei einer anderen Reederei gebucht, dort gab es ein Übernachtungsangebot, bei dem man am Abend schon einchecken und auf der Fähre hätte übernachten können – damit wäre der Morgen sicherlich entspannter gewesen. Einige Tage vor der Reise kam jedoch eine Mail, dass man die Übernachtung doch nicht anbieten könne. Notgedrungen hatte ich dann ein Hotelzimmer in Livorno gebucht und habe dann aus Verärgerung die Fahrkarte bei jener Reederei komplett storniert.

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Vom Oberdeck der Fähre gibt es einen Blick über den Hafen, der Turm Mastio di Matilde gehört zur alten Festung Fortezza Vecchia di Livorno, die im Mittelalter von der Stadt Pisa erbaut wurde.
Im Hafen liegt die Amerigo Vespucci, das bekannteste Segelschulschiff der italienischen Marine. Das Schiff lief 1931 vom Stapel und ist seither als Schulschiff in Gebrauch.

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Korsika wird von verschiedenen Häfen aus angefahren, die kürzeste Strecke ist die Verbindung von Livorno über das Tyrrhenische Meer nach Bastia. Die Überfahrt dauert 3 Stunden, nach dem Frühstück an Bord verbringen wir die Fahrt auf dem Sonnendeck. Das fühlt sich an wie eine Mini-Kreuzfahrt, da kommt Urlaubsstimmung auf.

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Schließlich taucht Korsika am Horizont auf. Die Mittelmeerinsel ist 83 Kilometer vom italienischen Festland entfernt, gehört aber zu Frankreich. Korsika besteht zu einem großen Teil aus einem Hochgebirge, das macht später auch das Bahnfahren so interessant.

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Mit etwas Verspätung erreicht die Fähre den Hafen von Bastia. Bastia ist mit 45.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Insel und wichtige Hafenstadt.

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Wäre die Fähre pünktlich gewesen, hätten wir in Bastia schon den Mittagszug bekommen. Rückblickend bin ich über die Verspätung dankbar, denn Bastia ist auf jeden Fall einen Besuch wert und die Zeit bis zum Nachmittagszug lässt sich hier gut verbringen. Vom Place Saint Nicolas am Fährhafen starten wir unsere Stadterkundung in die Altstadt.

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Zu den bekanntesten Fotomotiven zählt der Blick über den alten Hafen Vieux Port zur Barockkirche Saint-Jean-Baptiste. Das doppeltürmige Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert ist für viele Besucher, die mit der Fähre nach Bastia kommen, ein markantes Erkennungszeichen.

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Oberhalb des Hafens liegt der Stadtteil Terra Nova mit der Zitadelle, dem ehemaligen Gouverneurspalast und weiteren historischen Gebäuden. Die Zitadelle gab der Stadt auch ihren Namen Bastia, das leitet sich von dem italienischen Bastiglia für Zitadelle ab.

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So, jetzt wird es langsam aber Zeit für den Zug und wir machen uns auf den Weg zum Gara di Bastia. Amtssprache auf Korsika ist Französisch, daneben ist Korsisch als Regionalsprache anerkannt. „Gara“ ist Korsisch und unschwer als Bahnhof (vom Französischen Gare) zu erkennen. Die Ortsschilder auf Korsika sind zweisprachig. Korsika wurde 1768 von Genua an Frankreich verkauft, dabei wurden die Ortsnamen nicht französiert, sondern wurden in der ursprünglichen italienischen Fassung erhalten. Das macht es dem Reiseberichtsautor etwas einfacher, wenn man ohne die diakritischen Zeichen auskommt.

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Die korsische Eisenbahn Chemins de fer de la Corse (CFC) betreibt auf der Insel ein Meterspurnetz mit einer Hauptstrecke von Bastia in die Hauptstadt Ajaccio und einer Zweigstrecke nach Calvi. Wir wollen das komplette Streckennetz der CFC befahren, heute starten wir mit der Strecke von Bastia nach Ajaccio. Die CFC ist eine Tochter der SNCF, sie agiert aber sehr eigenständig, weder Fahrplan noch Tickets sind über die SNCF zu finden.

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Eingesetzt wird ein Doppeltriebwagen der Reihe AMG-800, dieser Fahrzeugtyp ist seit 2007 auf der Insel anzutreffen, er ist weitgehend identisch mit den Fahrzeugen des Train des Pignes von Nizza nach Digne-les-Bains.

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Bastia liegt im Nordosten der Insel, Ajaccio im Südwesten. Die Fahrt zwischen beiden Küstenstädten führt einmal diagonal über die Insel und dauert 3 Stunden 45 Minuten. Die ersten paar Kilometer führen durch das Flachland an der Küste und sind eher langweilig, dann führt die Strecke ins Innere der Insel und eine beeindruckende Fahrt durch die Berglandschaft Korsikas beginnt.

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Die Strecke wurde von 1888 bis 1894 erbaut, aus jener Zeit stammt auch der Bahnhof von Francardo. Er wurde von der Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) erbaut und am 1. Februar 1888 eingeweiht.

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Auf dem Weg von Küste zu Küste überwindet der Zug einen Höhenunterschied von 930 Meter, dabei passieren wir unzählige Brücken und Tunnel. Noch dazu dieses Prachtwetter – einfach herrlich!

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Das bekannteste Bauwerk der Strecke ist der Vecchio-Viadukt. Der Schattenwurf macht es möglich, auch aus der Fahrgastperspektive einen Eindruck des 140 Meter langen und 80 Meter hohen Bauwerks zu bekommen. Der Entwurf geht auf Gustave Eiffel zurück.

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Der Bahnhof von Vivario stammt aus dem Jahr 1892, er wurde 2015 saniert und vom damaligen Regierungschef von Korsika mit den Worten wiedereröffnet „On est quand même sur l'un des plus beaux parcours ferroviaires du monde!“ (Wir sind immer noch auf einer der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt!) – und ich denke, da hatte er Recht.
Kurz darauf durchfährt der Zug den knapp 4 Kilometer langen Vizzavona-Tunnel, der den Hauptkamm des korsischen Hochgebirges unterquert.

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Schließlich erreicht die Bahnstrecke die Westküste Korsikas. Nach 157 Kilometern endet die Zugfahrt gleich in Ajaccio – zuvor gibt es auf den letzten Metern noch einen Blick über den Golf von Ajaccio.

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Mit 70.000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Insel nun auch keine Großstadt. Ajaccio hat mit ihren Boulevards und der Bebauung in warmen Rot-, Orange- und Gelbtönen einen anderen Charakter als Bastia, die Stadt wirkt mondäner und französischer.

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Ajaccio ist der Geburtsort von Napoleon Bonaparte, der Kaiser der Franzosen wurde 1769 auf Korsika geboren. Mit der Statue de Napoléon Empereur Romain, Fontaine des 4 lions erinnert die Stadt an den Kaiser.

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Und mit einem Blick über den Strand und die Küstenpromenade von Ajaccio endet der zweite Reisetag und damit auch dieser Teil. In den nächsten Tagen folgt Teil 2, darin fahren wir von Ajaccio zurück nach Bastia und schauen uns die Stichstrecke nach Calvi an.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.
www.Bahnreise-Wiki.de Ein Mitmach-Projekt mit Tipps & Tricks für Bahnreisen im In- und Ausland.


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