Da habe ich keine Bedenken - zumindest für Österreich (Allgemeines Forum)

Twindexx @, St. Gallen (CH), Samstag, 13. April 2019, 15:01 (vor 98 Tagen) @ Altmann

Hoi,

Und wieso gab ´s dann anfangs im Wienerwaldtunnel herausgerissene Türen, sowohl bei den Railjet wie auch der WESTbahn (bevor diese nachträglich verstärkt wurden)? Und da sind sich keine Dosto-Züge mit 230 begegnet ...

Weder der Westbahnzug noch die RJ sind nach aktuellen TSI-Normen gebaut. Mittlerweile ist es so, dass sich um das Fahrzeug nirgendwo Luftdrücke aufbauen dürfen, die einen bestimmten Wert überschreiten. Und da wird wirklich jede kleinste Stelle gemessen.

Um die Vorgaben einzuhalten, muss die Front entweder spitz genug sein oder man muss Kanten vorsehen, an denen sich die Lüftströme brechen können. Bei noch höheren Geschwindigkeiten sind dann spitze Kanten und lange Schnauzen notwendig. Der ICE 4 und der SBB-Twindexx sind da eigentlich das perfekte Anschauungsbeispiel. Während die Schnauze des SBB-Twindexx für kommerziell 230 km/h tauglich ist, gehen beim spitzeren ICE 4 (aber mit denselben Luftbrechungskanten der SBB-Twindexx) noch höhere Geschwindigkeiten.

Hier mal SBB-Twindexx und ICE 4, um da zu veranschaulichen:

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Jeweils an der Kante von der Front zur Seite hin sieht man eine scharfe Luftbrechungskante. Der ICE 4 als schnellerer Zug hat zusätzlich noch die flachere Schnauze im Vergleich zum SBB-Twindexx.


Und hier mal ein Beispiel, das nicht für 200 km/h zulassungsfähig ist:

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Genau im Bereich, wo ich den roten Rahmen gezogen habe, werden die Luftdruckwerte überschritten. Deshalb müssen diese Kiss nochmal umgebuat werden. Konkret muss da der Schienenräumer nach hinten weggebogen werden, damit die Luft da besser weichen kann, womit der Luftdruck an dieser Stelle sinkt und die Zulassung für 200 km/h möglich ist.

Noch ein anderes Beispiel: https://www.bahnbilder.de/1200/eine-schwalbe-macht-noch-keinen-1103617.jpg
Diese Lok ist auch nicht für 200 km/h zulassungsfähig. Dort baut sich im Bereich der Aufstiegsleitern neben den Puffern der Luftdruck zu hoch auf, sodass die zulässigen Werte für 200 km/h nicht eingehalten werden. Aber mehr als 160 km/h soll jener Zug auch nicht fahren.


Und wenn jetzt jemand wegen des DB-Talgo kommt: Der ist so wie er auf den Bildern dargestellt ist, nicht mal für 200 km/h zulassungsfähig. Mit einer besseren Verpackung von Kupplung und Puffer kann der immerhin für 200 km/h zugelassen werden.
Aber für 230 km/h? Es würde mich nicht wundern, wenn der nie für mehr als 200 km/h zugelassen wird. Die Front ist viel zu senkrecht und an der Lok gibts auch untenrum zuviel Luftstauräume. Bessere Verpackung für untenrum ginge ja noch, aber dann bliebe noch die Front. Die Front abflachen wird bei der Lok schwierig. Denn dann müsste sie länger werden und damit würde sie auch schwerer werden. Das darf die aber auch nicht.

Da waren Siemens und Bombardier jetzt einfach mal so ehrlich und haben gesagt, 230 km/h geht nicht. Talgo hat gesagt, es ginge, und damit haben sie einfach mal den Auftrag und die anderen nicht.
Aber das hat die DB dann nunmal davon, wenn sie Dinge ausschreibt, die nicht gehen. Die Wirtschaft funktioniert nunmal so, dass Unternehmen Aufträge brauchen und da verspricht man dann auch schon mal Dinge, nur um eben mal Aufträge zu erhalten. Irgendeiner kommt eben immer und behauptet, es ginge. Da muss die ausschreibende Bahngesellschaft schauen, dass sie nicht unmögliche Dinge verlangt und diese die Bewertung einer Ausschreibung beeinflussen.

Talgo verdient eh hauptsächlich am Wartunsgvertrag und weniger an der Lieferung selbst. Da kann es ihnen fast schon egal sein, ob die auf die Lieferung wegen 200 km/h statt 230 km/h Pönale zahlen müssen. Aber Talgo kann jetzt die Werke füllen und die Mitarbeiter beschäftigen, die anderen nicht. Also hat Talgo alles richtig gemacht.


Also man sieht, dass das Thema Luftdruck nicht mehr so trivial ist und man dem Thema in der Fahrzeugkonstruktion seit kurzer Zeit enorme Beachtung schenken muss.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IR 13 und IR 37:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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