Es geht doch um die ursprünglich gebuchte Verbindung (Fahrkarten, Angebote und Tarife)

Frecciarossa, Mittwoch, 13. März 2019, 20:37 (vor 128 Tagen) @ mmandl

Erstens verbietet es sich hier von allgemeinen und speziellen Fällen im deutschen Tarifsystem zu sprechen. Die VO gilt unionsweit. Man müsste sich überlegen, was für eine Vorstellung der Unionsgesetzgeber hatte. Vermutlich gar keine, er hat (von der Kapitelüberschrift und der Regelung für Zeitkarten abgesehen) ja nicht einmal wirklich bedacht, dass es auch Umsteigeverbindungen und ausgefallene Züge gibt.

Fahrkarten dieser beiden Kategorien gibt es unionsweit, das ist keine deutsche Spezialität.

Legen wir einmal zugrunde, dass der veröffentlichte Fahrplan die Grundlage ist (was ist eigentlich der veröffentliche Fahrplan? Hafas? Der auf Gleis 1 oder auf Gleis 2? Der im Reisezentrum?), dann dürfte der Fahrgast nach deiner Logik nie eine Entschädigung bekommen, wenn er sich für einen anderen Zug entscheidet und dieser tatsächlich genutzte Zug pünktlich ist, ganz egal ob der erste ausfällt, er den Anschluss verpasst oder warum auch immer.

Nein, Verbindung verknüpft immer eine Abfahrtszeit mit einer Ankunftszeit, auf einen einzelnen Zug in dieser Verbindung kommt es nicht an.

Aber selbst wenn wir immer den veröffentlichten Fahrplan heranziehen, sagt das noch gar nichts aus, die Verspätung welchen Zugs wir heranziehen müssen. Irgendwie muss ja noch eine Verbindung zwischen dem veröffentlichen Fahrplan und dem Fahrgast hergestellt werden. Und das funktioniert über die Ausübung des Wahlrechts, das dem Fahrgast aufgrund der nicht zuggebundenen Fahrkarte zusteht. Sucht sich der Fahrgast eine Verbindung aus, wird der veröffentlichte Fahrplan dieser gewählten Verbindung zur geschuldeten Ankunftszeit. Kommt der Fahrgast wegen eines verspäteten Zugs - mit oder ohne Nutzung eines alternativen Zugs nach Art. 16 VO - im Vergleich zu dieser geschuldeten Ankunftszeit zu spät an, entsteht der Entschädigungsanspruch je nach Höhe der Verspätung.

Bei der Berechnung der Verspätung muss, wenn nach der Definition der Verordnung eine auf der Fahrkarte angegebene Zeit nicht maßgeblich ist, die planmäßige Ankunftszeit einer Verbindung, also einer Verknüpfung von Abfahrts- und Ankunftszeit, die Grundlage sein. Natürlich, wenn ein Zusammenhang zwischen ursprünglich gewählter Abfahrtszeit und tatsächlich gewählter Verbindung besteht, dann bleibt die ursprünglich gewählte Zeit maßgeblich. Wenn also der erste Zug einer Verbindung ausfällt und man auf den nächsten warten muss, dann muss natürlich die Ankunftszeit der ursprünglichen Verbindung maßgeblich bleiben. Jedoch besteht kein sachlicher Zusammenhang, wenn man aus freien Stücken einen mehrstündigen Aufenthalt einlegt, hieraus kann kein erweiterter Erstattungsanspruch erwachsen.


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