Diskussion: sorgen Rennzüge überhaupt noch für Modal Shift? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL) @, Eindhoven (NL), Mittwoch, 13. März 2019, 12:12 (vor 72 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

seit dem zweiten Weltkrieg hat sich der Schienenfernverkehr enorm entwickelt. Aus F-Zug wurde Trans-Europ-Express und InterCity; ab 1979 wurde der IC zweiklassig ("Premium für alle"); ab 1987 gab es dann der EuroCity.
Inzwischen hatten die Franzosen ihren TGV und Deutschland folgte mit dem ICE.
TEE und IC'79 erstellten im Sache Modal Shift wahre Bahnrevolutionen. Die Bahnen konnten zahlreiche neue Fahrgäste gewinnen. Und wenn ich die Dokus glauben muss, hat der ICE das auch geschafft. Aber danach?

Gefühlt reisen auf der Rennbahn K-F vor allem Fahrgäste, die zuvor linksrheinisch im IC reisten.
Gefühlt reisen auf der HSL-Zuid im IC Direkt vor allem Fahrgäste, die zuvor Amsterdam-Rotterdam via Den Haag reisten.
Einiger Zeit war Bahnhof Best (NL) IC-Bahnhof wegen Bauarbeiten an der Autobahn Eindhoven-Den Bosch. Der IC-Halt wurde vor allem von "Sprinter"-Fahrgästen benutzt.

Man verschiebt also nur Fahrgäste von langsamen Zügen in schnellen Zügen. Autofahrer fahren nach wie vor Auto, Fluggäste fliegen nach wie vor. Von einem Modal Shift ist also keine Rede, und das ist mit der heutigen Klimadiskussion wichtig. (PDF dazu)

Zugleich haben Billigflieger und Fernbusse der Bahn einiges an Kundschaft entnommen. Nun ist das bei den Fernbussen nicht sooo schlimm, denn ein gut ausgelasteter Fernbus durfte umweltfreundlicher sein als ein ICE. Totlast pro Fahrgast ist sowieso niedriger.

Andererseits: selber bin ich ein Beispiel eines Reisenden, der die Bahn für sich gewonnen hat, denn bevor ich 2003 meine erste ICE-Fahrt machte, reiste ich kaum oder gar keine Fernstrecken.

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In China hat der HGV enorm gewonnen, aber Auto und Flieger auch. Denn der Normalchinese konnte sich ein Ticket für den Fuxing Hao leisten, aber auch einen eigenen Dongfeng vor der Haustür.
In Spanien war die Bahn vor dem AVE keine Alternative. In der Türkei auch nicht.
Sogar die USA sieht Chancen, trotz politisch ungünstiger Lage.

Aber in Deutschland habe ich das Gefühl, dass DB Fernverkehr vor allem IC-Fahrgäste in die ICEs verschiebt = man gewinnt keine Neuverkehre.
Dann können wir ICE-Fans noch so begeistert über lückenlose Schienenautobahnen träumen / spekulieren / Vorstellungen machen, aber es bleibt den Eindruck: mit einem gut ausgebauten IC-Verkehr (meinetwegen "IC"-Verkehr?) liegen die Chancen eines Modal Shifts besser als mit mehr Rennbahnen. Siehe CH und NL. Klar, das sind kleinere Staaten, aber CH ist auch Transitland.
Dabei sei auch noch bemerkt, dass ein klassischer Fernzug umweltfrundlicher unterwegs ist als ein ICE und dass bei der Modalität Privatauto mehr zu holen ist als beim Flieger.

Wie seht Ihr das? Hat Deutschland im Fernverkehr doch Marktanteile der Modal Share gewonnen? Oder war das nur so bei Einführung des ICE und hat es später stagniert?


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstrangen enden nicht bei einer Staatsgrenze, sondern bei einem Prellbock.


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