Qualität statt Quantität (Allgemeines Forum)

s103, Sonntag, 10. Februar 2019, 15:11 (vor 12 Tagen) @ bigbug21

Hallo alle,

Vorbemerkung:
Ich bin voll dabei, mit ETCS etc. die Möglichkeiten der Anlagen und der Technik auszureizen, und schon ziemlich gespannt auf die Ergebnisse.

Wobei ich auch sehe, dass die bisherigen Bahnhöfe in Stuttgart jeweils etwa 100 Jahre Bestand hatten, bis betriebliche Notwendigkeiten Neubauten erfordeten. Daher rechne ich nicht damit, dass der neue Fernbahnhof bis in alle Ewigkeit die Bedürfnisse befriedigt. Verkehr ist allgemein stetig am wachsen, und eine anteilig größere Steigerung des Bahnverkehrs ist aus diversen Gründen sogar sinnvoll und politisch gewünscht.

Betrieblich ausreichend sind hingegen 8 + 8 aber im Hinblick auf künftige Angebotserweiterungen sollte man mit 8 + 12 planen. Wenn man aber 12 Gleise vom Kopfbahnhof erhält, dann lohnt sich der Rückbau gar nicht mehr, sodass man dann auch gleich alles beim Alten lassen kann und mit 8 + 16 fahren kann.


Wenn man einen Teil des Kopfbahnhofs erhalten wollte, verbleiben zunächst die Fahrstraßenkonflikte zwischen ein- und ausfahrenden Zügen im Gleisvorfeld, wenngleich wohl mit geringer Intensität. Schwieriger wird die Anbindung an den Bestand. In Feuerbach würden sich die Verkehrsströme von Kopf- und Durchgangsbahnhof vermischen, was per se insbesondere stadtauswärts erhebliche Folgeverspätungen verursacht, da laufend Züge des jeweils anderen Bahnhofs(teils) ausgebremst würden. Im dicht gedrängten Westkopf Bad Cannstatt gibt es gar keine sinnvolle Möglichkeit, alt und neu zu verbinden, schon gar nicht über schnell befahrbare Weichen. Und wie es mit der Gäubahn auf Stuttgarter Stadtgebiet weitergeht, wird die Zukunft zeigen.

Ich lasse einmal dahingestellt, ob Teile des Kopfbahnhofs erhalten bleiben sollen oder ob es um eine in irgendeiner Zukunft notwendig werdende Erweiterung um neue Bahnsteige im Umstiegsknoten Stuttgart Hbf geht - möglicherweise auch in anderer Form ebenfalls als Tiefbahnhof aus u. a. städtebaulichen Gründen. (Andere zentrale Umstiegsknoten sehe ich in Stuttgart nicht: Der Flughafen kann vom Norden abgesehen über Hbf kaum erreicht werden. Viele räumliche Alternativen zur Lage in der Gegend des jetzigen Kopfbahnhofs gibt es aufgrund des Mineralwassers nicht, vor allem kann man kaum weiter in die Tiefe.)

In dem Rahmen und auch im Zusammenhang mit der Diskussion, ob die nördlichen Zulaufstrecken aus- oder überlastet sind (die im Grundsatz bei allen Bahnhofsformen ähnlich ist, ob P-Option, alter oder neuer Kopfbahnhof) ergibt das als Gesamtmaßnahme nur kombiniert mit neuen Zulaufgleisen Sinn.

"Kleine" Lösung nördlicher Zulauf
Da die Brücken am Feuerbacher Bahnhof (Borsigstr.) schon für 6 Gleise (mit S-Bahn) ausgeführt sind, stellt es bis hierhin keinen Engpass mehr dar. Bis einschließlich Zuffenhausen könnte man die Gleise so neu ordnen, dass ein zusätzliches Gleis Ri. NBS/Kornwestheim frei wird. Das bisher von Kornwestheim südwärts führende Gleis würde dann zum nördwärts führenden S-Bahngleis. Betrieblich ist das bei minimalem Umbau vermutlich mit teilweise reduzierter Geschwindigkeit verbunden und die S-Bahn-Rampe könnte das südwärts führende Gleis nicht mehr höhenfrei erreichen, was sich durch dann aufwändigen Bahnhofsumbau auch lösen ließe.

Das neue Gleis würde den ausfahrenden Zügen zur Verfügung stehen, so dass ein Engpass im Zulauf bleibt. Hier müsste die Steuerungstechnik dafür sorgen, dass Züge aus der NBS und Kornwestheim sauber einfädeln, ggf. helfen GWB und zusätzliche Weichen.

Große Lösung nördlicher Zulauf
Vor allem wenn im Fernverkehr hinsichtlich Taktknoten Beschleunigungen großen Nutzen bringen würden und dementsprechend Geld für längere Tunnel in Frage käme, würde man vermutlich einen neuen Tunnel zwischen dem neuen Fernbahnhof und der NBS realisieren. Das beseitigt die Ecke über den Abzweig bei Kornwestheim und die langsamen Kurven um Feuerbach und reduziert hier die Auslastung.

Cannstatt
Die Regional- und Fernverkehrsbelastung sinkt hier zunächst deutlich, da Züge Richtung Ulm und solche, die den Tunnel nach Ober-/Untertürkheim nutzen, wegfallen. Später könnte sich der Abschnitt bei Waiblingen zum größten Flaschenhals entwickeln.

Endgültig fertig werden die Anlagen vermutlich nie sein, aber was man mit Stuttgart21 angefangen hat, muss man konsequenterweise schon noch ein Stück weiter führen. Ein sprichwörtliches Verbauen der Zukunft im Rosenstein wird sich m. E. irgendwann rächen.


Schöne Grüße
Gero


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum