Äpfel, Birnen und Tomaten (Allgemeines Forum)

bigbug21 ⌂ @, Stuttgart, Samstag, 09. Februar 2019, 21:10 (vor 127 Tagen) @ ThomasK

Hallo ThomasK,

an deinem Beitrag scheint so einiges durcheinander geraten zu sein:

§ 7 EBO:

Gleisneigung

(2) Die Längsneigung von Bahnhofsgleisen, ausgenommen Rangiergleise und solche Bahnhofsgleise, in denen die Güterzüge durch Schwerkraft aufgelöst oder gebildet werden, soll bei Neubauten 2,5v.T. nicht überschreiten.

Stimmt. Wohl gemerkt: Bahnhofsgleise, nicht Bahnsteiggleise.

Die durchschnittliche Neigung der Bahnsteige bei Stuttgart 21 beträgt das 6-Fache.

Das ist falsch. Stuttgart 21 ist ein Projekt zur Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart, das wenigstens drei neue Personenbahnhöfe umfasst.

Witzigerweise ist die Gleisneigung nicht konstant; an den Stellen, wo sie höher ist, hat man die Angaben einfach weggelassen. Anhand der Höhenpläne muss man sie sich dann selbst ausrechnen.

Die entsprechenden Höhenpläne stehen seit Jahren alle im Internet, selbstverständlich sind dort Längsneigungen und Neigungswechsel durchgehend dokumentiert: http://plaene-bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/

Es bleibt abzuwarten, unter welchen Voraussetzungen das EBA in 7 Jahren die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 genehmigt. Entgegen anderslautender Beteuerungen wird der Schrott vor 2026 eh nicht fertig.

Das EBA genehmigt immer wieder nicht nur den Bau, sondern auch die Inbetriebnahme von Bahnhöfen und neuen Bahnhofsgleisen, an denen aus klar nachvollziehbaren Gründen das Ideal einer praktisch brettebenen Bahnanlage nicht eingehalten werden kann. Hat sich beispielsweise eigentlich mal jemand darüber beklagt, dass im Berliner Hauptbahnhof Bahnhofsgleise in 25 Promille liegen? Zu den weiteren Beispielen zählen Ingolstadt Nord, Stuttgart Neckarpark oder Fornsbach. Selbst in Frankfurt Hauptbahnhof werden in mit über 20 Promille längs geneigten Bahnhofsgleisen sogar ICE-Züge gebildet, ohne dass das jemanden groß interessiert. Mutmaßlich gibt es hunderte Bahnhöfe in Deutschland, in denen Bahnhofsgleise in mehr als 2,5 Promille Längsneigung liegen.

Zahlreiche Versuche haben ergeben, dass etliche Kinderwagen und Rollstühle, bei denen die Bremse nicht eingelegt ist, bei 1,5 % Neigung wegrollen.

Das ist in der Tat ein hochinteressanter Effekt. Warum bloß funktioniert beispielsweise schon der Stadtbahn-Betrieb in Stuttgart in dieser Hinsicht offenbar reibungslos, obwohl dort Bahnsteige in bis zu 70 (in Worten: siebzig) Promille Längsneigung liegen?

Wäre ich beim EBA, dann wäre z.B. eine Auflage von mir, dass die DB Netz mit Hilfe von Zugangssperren dafür Sorge zu tragen hat, dass keine Rollstühle und keine Kinderwagen auf die Bahnsteige gelangen.

Gut, dass beim EBA sachlich-kritische Fachleute mit Augenmaß arbeiten.

Ich bin wirklich gespannt, was das EBA machen wird, denn wenn das EBA den Betrieb genehmigt und es passiert etwas, WEIL die Vorschriften nicht eingehalten worden sind, dann sind ein paar Herrschaften dran!

Das EBA hat sich bereits in der Planfeststellung für den neuen Hauptbahnhof, den du oben vermutlich mit "Stuttgart 21" meintest, mit der Längsneigung auseinandergesetzt, die Argumente abgewogen und letztlich die "Baugenehmigung" erteilt. Zwischenzeitlich sind wir technisch 15 Jahre weiter, nicht zuletzt durch die durchgehende Nutzung von ETCS wird der Betrieb noch sicherer.

Wie ich schon schrieb: Bananenrepublik Deutschland.

Als einer, der im Projekt Stuttgart 21 intensiv daran arbeitet, dass am Ende auch ein gutes betrieblich-verkehrliches Ergebnis steht, frage ich mich schon, wie wenig manche Diskutanten nach links und nach rechts blicken. Es gibt eine Menge bei dem Projekt zu kritisieren -- sachlich begründet ist so manches, für meine Begriffe, nicht.

(...)

Viele Grüße
Peter

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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