Kapitel 4: Go West! Teil 3 (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Samstag, 09. Februar 2019, 15:57 (vor 71 Tagen) @ Krümelmonster

Die nächtliche Grenzüberquerung nach Tschechien erfolgte pünktlich, in Zeiten von Schengen merkt man das ja einzig an der SMS mit den Tarifinformationen. Lt. Google Zeitachse (die funktioniert erst ausgerechnet seit Poprad und ist tatsächlich äußerst nützlich beim Verfassen solcher Reiseberichte im Nachhinein ;-)) stand der Zug von 1:35 – 2:15 Uhr in Dětmarovice, was gar kein planmäßiger Halt war, Ankunft in Bohumín war mit + 50, Weiterfahrt mit + 40. Als ich aufwachte, hatte der Zug noch 25 min Verspätung, so erreichten wir Prag gegen 7 Uhr. Die Gepäckschließfächer waren erst schlecht ausgeschildert. Dann konnte man dort 100 Kronen (die ich ja dabei hatte) nur in 10- und 20-Kronen-Münzen bezahlen. Mehrere Geschäfte ließen mich abblitzen mit dem Kommentar: „Kauf doch was bei uns“. Also versuchte ich mein Glück bei Touristen, die nicht zuhören wollten, und Einheimischen, die sich auch nicht gerade kooperativ zeigten. Schließlich wurde mir am Fahrkartenschalter geholfen. Das ganze hatte über eine halbe Stunde gedauert. -.-
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54 Angekommen in Prag
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55 Da hängen auch polnische Wagen
Anschließend drehte ich eine Runde durch die schöne Altstadt. Tagsüber trampeln sich hier die Massen gegenseitig zu Tode, aber Sonntag morgens war es fast ruhig. Die Altstadt ist ja nicht allzu groß, so schaffte ich es, in zwei Stunden durchaus recht viel zu sehen.
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56 Wenzelsplatz von oben
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57 Wenzelsplatz von unten
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58 Alte Tatra
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59 Prachtvolles Gebäude mit neuer Škoda-Tram
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60 Moldau-Panorama, rechts die Karlsbrücke, wo sich tagsüber die Touris gegenseitig über den Haufen trampeln
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61 Hier ist die Karlsbrücke links
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62 – 66 Die morgendliche Ruhe vor dem Sturm am Altstädter Platz
Am Rande der Bahnhofshalle wartete eine kleine Brotbüchse auf mich. Nach Querung der Elbe ging es kurvig immer weiter bergauf zum Prager Semmering. Von der Innenstadt war bald nichts mehr zu sehen, während sich die Brotbüchse durch nette Berge schlängelte. Anschließend durchquerte sie die gesichtslosen Vorstädte. Nach exakt einer Stunde Fahrzeit war die Endstation Rudná u Prahy erreicht, wo der 2-min-Anschluss trotz + 2 klappte.
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67 Der Hauptbahnhof ist kein Schmuckstück
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68 Brotbüchse
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69 Blöder Mast^^
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70 Am dem Weg zum Prager Semmering
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71 Heimelig^^
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72 Noch eine Brotbüchse
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73 Verzweigung bei Hostivice
Weiter ging es in einer Regionova eine knappe halbe Stunde entlang des Flusses Berounka nach Beroun. Hier hatte ich 50 min Aufenthalt, ich verpulverte noch ein paar Münzen für etwas zu beißen. Mein Schnellzug höchster Qualität (d h klimatisierte Wagen) hatte wegen irgendwelcher Bauarbeiten 6 min Ankunftsverspätung, aber bereits in Pilsen war er 3 min zu früh dran, d h statt planmäßig 59 min brauchte er für die Strecke nur 50 min – das nenne ich mal Reserven! Planmäßig waren in Pilsen ohnehin schon üppige 15 min Aufenthalt vorgesehen, mit der Verfrühung waren es sogar 18 min. Weiter ging es durch leicht hügelige, unspektakuläre Landschaft bis Cheb, das pünktlich erreicht wurde.
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74 Meine Regionova
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75 Weiter geht’s
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76 Pilsener Pause
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77 Schade, bahnsteiggleicher Übergang. Ich wollte ein letztes Mal die Gleise auf landestypische Weise überqueren.^^
Der „internationale Schnellzug der Gesellschaft České Drahy“ in Form eines einzelnen 612ers erfreute sich großer Beliebtheit und Auslastung. In Marktredwitz stieg der Zoll zu, der junge alleinreisende Männer (so auch mich) befragte. Der Einfachheit halber sagte ich, ich sei das Wochenende über in Cheb und Prag gewesen, und erwähnte die Slowakei & Ukraine lieber nicht, meine Kontrolle war sodann auch recht schnell vorbei. :D Die Fahrt führte durch eine durchaus abwechslungsreiche Landschaft, doch die engen Flusstäler konnten bei hoher Geschwindigkeit nicht gut fotografiert werden. Ich hatte in Nürnberg einen 6-min-Übergang und war guter Dinge. Und kurz vor Nürnberg kam die Signalstörung [denkt euch hier ein Totenkopf-Emoji]. Es kam, wie es kommen musste, im Bahnhofsvorfeld winkte ich meinem Anschlusszug zu, der ICE T winkte mittels Komfortneigung zurück und rannte weg. Nürnberg wurde mit + 9 erreicht. Ich sag’s ja: keine Reise ohne Anschlussverlust…
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78 Der Zug stärkt sich
Für den nachfolgenden ICE wurden im Laufe der Wartezeit nicht weniger als fünf (!) verschiedene Verspätungsbegründungen geliefert: Signalstörung, Warten auf Reisende aus einem anderen Zug, Bauarbeiten, technische Störung an der Strecke, Verspätung eines vorausfahrenden Zuges. Letztendlich rollte ein 411 nach München ein, kurz darauf am selben Bahnsteig ein 403, beide mit Halt in Ingolstadt. Ich fragte die Zubine vom 411, wer zuerst fahren würde, sie wusste es nicht. Ich fragte die Zubine vom 403, wer zuerst fahren würde, sie wusste es nicht. ¯\_(ツ)_/¯. Ich wartete auf dem Bahnsteig, bis einer von beiden ein Zeichen gab. Am Ende des Urlaubs war ich ja völlig entspannt und regte mich gar nicht drüber auf, sondern beömmelte mich nur, was die DB hier aufführte.^^ Zur großen Überraschung aller Beteiligten winkte dann die Zubine des 411, der sich kurz darauf tatsächlich als erster in Bewegung setzte, er hatte zu diesem Zeitpunkt + 22. Dann ging es nicht etwa im Rahmen des Möglichen über die SFS (von Highspeed möchte ich beim 411 mal gar nicht sprechen^^), sondern die Anzeige vermeldete meistens 150 – 180 km/h, manchmal bis zu 200 – ich konnte mir quasi bildlich vorstellen, wie der Tf des 403 hinter uns ins Führerpult biss. An den Unterwegsbahnhöfen ist keine Überholung möglich, da die Bahnsteige zu kurz sind (daran scheitert ja auch eine Verlängerung des notorisch hoffnungslos überfüllten MüNüX). In Ingolstadt wäre eine Überholung theoretisch möglich, aber südlich davon ist der 403 ja auch nicht schneller, dementsprechend überholte er auch nicht.^^ München wurde dann kurz vor 19 Uhr mit + 18 erreicht, mit dem Anschlussverlust in Nürnberg war ich bei + 50, gerade zu wenig für FGR, aber am Ende eines zweiwöchigen Urlaubes war mir das auch egal.^^ 2 – 3 min nach dem 411 rollte auf dem Nebengleis der 403 ein – warum man den nicht vorgelassen hat, weiß ich bis heute nicht.^^ Bevor ich mich auf den Heimweg machte, fiel mir gerade noch rechtzeitig auf, dass ich vielleicht lieber nicht die U5 benutzen sollte, denn am Vorabend hatte die Wiesn begonnen (für alle Nordlichter: ihr nennt das – warum auch immer – „Oktoberfest“).
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79 Vorbei… :( :( :(

Am Ende noch etwas Statistik:
Inkl. der kurzen Fahrten in Belgrad, Budapest und der Slowakei waren es 29 Fahrten, die 97:48 h dauerten (davon 12:59 h für Zwischenhalte). Das macht im Durchschnitt 2:55 h pro Fahrt. Es wurden 5.437 km zurückgelegt, davon 460 km in Deutschland, 217 in Österreich, 186 in Slowenien, 457 in Kroatien, 167 in Montenegro, 476 in Serbien, 10 in Bosnien, 569 in Ungarn, 1.757 in der Ukraine, 474 in der Slowakei und 663 km in Tschechien. Das macht im Durchschnitt eine Geschwindigkeit von gerade einmal 64,1 km/h. :D
Insgesamt wurde 305 min Verspätung eingefahren, davon von waren 68 schon durch verspätete Abfahrten entstanden (je gut 20 in Villach und Nürnberg, sonst nur max. 5 – 6 min). Das macht eine Pünktlichkeitsquote (ab + 5 ist verspätet) von grottigen 65,5 %.
Gekostet hat das ganze Spektakel inkl. aller Zuschläge gerade einmal 226 €, also sagenhaft günstige 4,2 ct/km.


Doch die zahlreichen so unterschiedlichen und interessanten Erlebnisse kann man wohl kaum in Zahlen fassen!
Ich glaube, gerade wenn man in unbekannte Länder/Regionen fährt, kann man dabei am meisten lernen & mitnehmen!

Soweit von mir an dieser Stelle.

Es grüßt
Das Krümelmonster

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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