Schweiz und Niederlande (Sammelantwort). (Allgemeines Forum)

Oscar (NL) @, Eindhoven (NL), Montag, 14. Januar 2019, 11:42 (vor 223 Tagen) @ brun

brun:

Der Unterschied (CH vs. NL) ist aber, dass die Schweiz heute ein Inselstaat mitten in der EU ist, und deswegen eigentlich GAR nichts mehr zu sagen hat, weil sie wirtschaftlich sehr abhängig von dieser EU geworden ist. Das frustet die stolze Schweizer natürlich.

Das "funktioniert" auch andersrum. Die Niederlande, Belgien, Deutschland und Italien sind auch von der Schweiz abhängig. Die Europamagistrale Rotterdam-Genova liegt ja teilweise in der Schweiz. NL/BE/DE/IT sind somit abhängig von den Fortschritten in CH.
Anders gesagt: die Schweiz hat die NEAT nicht nur für sichselbst gebaut.

Die Schweizer hatten es verdammt einfach. Ein Tunnel zu bauen braucht nur Menschen und (planbar teure) Technik, mehr nicht. So bald der Bohrer in dem Berg steckte, waren da *nur* 57 km Fels. Nichts anderes.

Bin ich mir nicht sicher. So eine TBM bewegt sicht nicht vonselber. Nicht alle Felsschichten kann man mit der TBM durchqueren. Bestimmte Felsmassive muss man sprengen; die Sprengstoffe entzünden (zum Glück!) nicht vonselber. Ist also Menschenarbeit; die Menschen müssen irgendwie rein- und raustransportiert werden.
Dann gibt es das Ausbruchmaterial. Mehr als was man für die Betonnierung der Tunnelwand benötigt. Das muss also verarbeitet werden. Die dazu benötigten Steinbrecher, LKWs usw. sind nicht lärmlos.

Alibizugpaar:

Ich denke insgesamt gesehen spielt die DB mindestens eine Liga unter der SBB. Mindestens eine, wenn nicht sogar zwei.

Ich denke dass Deutschland in Vergleich zu gleich grossen Staaten wie Frankreich, Spanien und Italien gleich gut da steht. Kleine Länder wie BE/CH/AT/NL/DK sind eher von grossen Nachbarn abhängig. "Fernverkehr", so wie ICE und TGV, ohnt sich bei uns erst wenn man die Grenze überquert; es sind nur wenige die Amsterdam-Arnhem mit dem ICE reisen.

Grosses Land bedeutet auch andere Priosetzung. Arnhem-Oberhausen ist aus NL-Sicht eine Verlängerung einer Hauptmagistrale, Oberhausen-Arnhem aus DE-Sicht eher eine Nebenbahn. Derselbe Streckenabschnitt, unterschiedliche Blickpunkte.
Vielleicht ist das der Grund wieso Zevenaar-Oberhausen immer noch in Bau ist während Maasvlakte-Zevenaar fast fertig ist. In Deutschland sind Bestandteile wie Oberhausen-Köln-Mannheim-Karlsruhe wichtiger und die haben schon dekadenlang einen guten Ausbaustatus. Auch Karlsruhe-Basel hat einen relativ grossen Inlandskomponent, dies in Gegensatz zu Arnhem-Oberhausen.

Und auch das deutsche Nahverkehrs-Ausschreibesystem bereitet mir von Beginn an Bauchweh. Es muß eine Lösung geben zwischen träger Bundesbahnverwaltung und Verdrängungswettbewerb zu Discountpreisen.

Bei uns werden Regionetze wie Groningen/Friesland, Achterhoek und Provinz Limburg auch ausgeschrieben. Allgemeiner Eindruck ist dass der Verkehr seitdem besser funktioniert: Züge fahren wieder halbstündlich, Anschlüsse Bahn/Bus sind verbessert obwohl die Busnetze separat ausgeschrieben werden. Nicht alles ist besser, aber summa summarum schon. Was macht Ihr falsch?

Alphorn (CH):

Zimmerberg-Basistunnel (wo übrigens keine Güterzüge fahren)

Wo fahren die Güterzüge denn? Um den Berg?

Lieber wenige Projekte und die dafür zügig fertigbauen, als viele Projekte gleichzeitig zu haben, von denen dann jedes pro Jahr nur noch wenig Geld bekommt und daher eine ewige Bauzeit hat. Sowas sieht man ja in Deutschland oft (z.B. VDE8).

In einem kleinen Land ist das noch überschaubar. Deutschland hat schon mehr ausbaubedürftige Stellen. Wenn das Bahnbudget dann auch noch limitiert ist, muss man es vernünftig spendieren.

Oder man gibt es einen nationalen Nenner, wie bei uns PHS ("Programma Hoogfrequent Spoorvervoer", umfasst Streckenausbauten die für Taktverdichtungen nötig sind). PHS ist eine Milliardensache, aber dadurch, dass es eine nationale Sache ist, wird es ernstgenommen.
Ich vermute, man kriegt in Deutschland Bahnprojekte schneller hin, wenn man sie im Rahmen des Deutschland-Taktes stelt. Selbstverständlich muss es jedem klar sein, dass das Teilprojekt in der Tat für den Deutschland-Takt benötigt ist.

ThomasK:

Extrem viele Niederländer (ungefähr 70 %) können perfekt Deutsch...

Bin ich mir nicht sicher. Eine Sprache können ist eins; eine Sprache auf Wert schätzen ist zwei.
Wenn das letzte der Fall wäre, dann wären bei uns solchen Initiative wie "Mach mit" nicht nötig gewesen. Ein Schüler wählt als erster Fremdsprache eher englisch als deutsch. Englisch wird als Internet- und Geschäftssprache gewählt, deutsch eher als (Wintersport-)Urlaubssprache.
Auch im Kulturbereich ist das sichtbar. Deutsche Filme sieht man hier selten im Kino, dafür zahlreiche amerikanische. Auch in unseren Charts sind deutsche Interpreten eher seltsam; Stromae hat mehr Impakt auf unsere Charts als Peter Fox.
Mea culpa: ich muss gestehen, dass ich manchmal gerne Stephen King lese, aber keine deutschen Thrillerautoren kenne.

Andererseits ist im Sportbereich Deutsch(land) sehr gut dabei. Bzgl. Auslandsfussball orientiert man sich gerne an die Bundesliga.

Keine einzige andere Nation ist so stark mit Deutschland vernetzt wie die Niederlande.

Das könnte auch bahntechnisch stimmen. Ich zähle 6 Grenzübergänge: Nieuweschans, Bad Bentheim, Glanerbrug, Emmerich, Venlo und Herzogenrath.
Umso erstaunlicher, dass in NRW und NL der Bahnverkehr gut da steht, aber zwischen beiden nur relativ wenig Züge verkehren.
Nach Groningen, Enschede, Venlo und Heerlen kommt man mit dem "IC".
Nach Leer, Münster, Düsseldorf und Aachen kommt man mit dem IC(E).
Aber zwischen den Städten NL-DE kann man nur mit einem Bummelzug reisen.

Gut, kommt Zeit, kommt LIMAX... ;)


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstrangen enden nicht bei einer Staatsgrenze, sondern bei einem Prellbock.


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