Übersetzfenster im Sommer? Eine Anekdote (Allgemeines Forum)

gnampf @, Freitag, 11. Januar 2019, 18:24 (vor 187 Tagen) @ J-C

Kann daran liegen, dass es Großraumwagen waren, aber prinzipiell war's auszuhalten, wobei bei höheren Geschwindigkeiten es unangenehm zieht.

Großraum ist sicherlich etwas besser, weil man da nicht zwangsläufig direkt am offenen Fenster hockt und den ganzen Wind abbekommt.

Es hat aber einen gewissen anderen Charme, den ich in einer Anekdote nochmal zeigen will.

...

Wer schonmal sein Fahrzeug eine gewisse Zeit in der Sonne anstellte, weiß, wie es drinnen sich danach anfühlt. Es war heiß. Also erstmal die Fenster aufgemacht!

deswegen werden Züge ja auch vorklimatisiert... auch soo, geht ja nicht ohne Klimaanlage. Tolle Sache für Leute mit Kreislaufproblemen.

Besser wurde es, als der Zug anrollte. Mit bis zu 160 km/h ging's zunächst nach Wiener Neustadt. Die Fenster waren offen, es zieht, aber das war mir wurscht. Die erhoffte Abkühlung kam dann auch in gewisser Weise.

Dann hock dich mal bei 160 ans offene Fenster, in Fahrtrichtung, vor eine Wand. Da drückt dann der Wind mit 160 in deine Augen. Geil! Von der Geräuschkulisse mal ganz zu schweigen.

Ab Wiener Neustadt ging die eigentliche Reise nach einem längeren Aufenthalt erst richtig los. Langsamer wurde es, sodass es wesentlich angenehmer wurde, da es nicvt mehr so zog.

Wie zu Großmutters Zeiten... aber wer das heute haben will bucht eine Sonderfahrt. Wer hingegen von A nach B will, was wohl die meisten sein werden, der will sowas genau nicht, sondern möglichst wenig Zeit, die dafür möglichst angenehm im Zug verbringen.

Hinter Aspang hatte man dann das Rundum-Erlebnis. Es quitscht und rattert durch Kurven und Tunnels, besonders gut hörbar eben bei offenem Fenster. Dezent hält sich dabei die dieselelektrische Zuglok zurück von den Geräuschen her.

Siehe oben. Für Eisenbahnromantiker toll, werf noch den Diesel weg und häng 'ne Dampflok davor, perfekt. Um auf der Strecke volle Züge zu bekommen hingegen völlig ungeeignet. Und die Anwohner freuts natürlich auch.

Die Landschaft rundet das Erlebnis ab, man hat hier über 2 Stunden vollsten Genusses an Geräuschen und Aussichten.

Ein gewisses Gemeinschaftsgefühl kam im Wagen selber auf. Der Zug war zumehmend überschaubar ausgelastet, der Zugbegleiter war sehr freundlich. Zwischendurch regnete es, die Fenster wursen also für eine Zeit lang geschlossen.

Jo, alles klar... Wien Neustadt - Fehring per Zug 2:34, per Auto 1:17. Kein Wunder das du viel Platz hattest ;-)
Besonders toll wirds wenn durch den Regen keine wirkliche Abkühlung kommt. Dann kannste die Fenster kaum auf machen und es wird richtig brüllend heiß.

Zum Ende der Reise hin dann durchaus was interessantes: Der Zugbegleiter fragte jeden nach seinem Reiseziel. Der Grund wurde später klar. Einige Bedarfshalte konnten so im Lokbespannten Zug ausgelassen werden.

Doof wenn unterwegs dein Kumpel anruft und dich fragt ob du nicht kurz unterwegs bei ihm auf'n Kaffee raushüpfen willst. Da muß der dann erstmal zum Bahnhof dackeln und dich abholen, weil sonst rauscht der Zug leider durch. Andere bauen für sowas einfach Haltewunschtaster ein... was selbstverständlich auch bei Wagenparks möglich wäre.

Am Ende steigt man aus und hat eine abwechslungsreiche und erfüllende Reise gehabt, die ich gerne mal wiederholen würde.

Ja, mal. Ich buche auch jedes Jahr mehrere Sonderfahrten, mit Dampflok, V200, Umbauwagen, m-Wagen, etc. Aber das will ich nicht im Alltag haben wenn ich von A nach B und retour will/muss.

Im Winter muss es wohl auch schön sein...

Zumindest stört die fehlende Klimaanlage nicht. Wenn die Dichtungen der Fenster was taugen kann man es da wahrscheinlich sogar aushalten... wenn sie so gut in Schuß sind wie zum Schluß bei den n-Wagen, dann hockste wieder am Gang, sonst wirst von unten von der Heizung gekocht während oben die Eiszapfen von der Nase hängen.

Nebenbei zeigt es, dass so ein lokbespannter Zug gar nicht so unflexibel ist, wie manch einer denkt. Hier werden auch außerhalb des Railjets lokbespannte Wendezüge geflügelt und vereinigt. Und wie beschrieben kann man auch mit Bedarfshalten umgehen. Also quasi alles, was bei einem Triebwagen geht, tun die ÖBB mit lokbespannten Wendezügen.

Lokbespannte Züge sind im Nahverkehr wohl vor allem daher verpönt, weil sie mit der Lok, gerade auf solchen Strecken, viel überflüssige Masse mitschleppt. An den Bedarfshalten liegt das weniger.
Und klar kannst du auch lokbespannte Züge "flügeln". Der Aufwand ist halt höher als zwei Zugteile per Schaku zu vereinigen oder zu trennen. Schon die Bremsprobe dauert da wohl länger als das ganze Flügeln beim Triebwagen... und erfordert deutlich mehr Personal.


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