Übersetzfenster im Sommer? Eine Anekdote (Allgemeines Forum)

J-C @, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Freitag, 11. Januar 2019, 12:17 (vor 72 Tagen) @ martarosenberg
bearbeitet von J-C, Freitag, 11. Januar 2019, 12:18

Ich war durchaus längere Strecken im Cityshuttle - einem unklimarisierten Wagen des Regionalverkehrs - gefahren. Eben im Sommer, wo es auch mal recht warm wurde.

Kann daran liegen, dass es Großraumwagen waren, aber prinzipiell war's auszuhalten, wobei bei höheren Geschwindigkeiten es unangenehm zieht.

Es hat aber einen gewissen anderen Charme, den ich in einer Anekdote nochmal zeigen will.

Es war ein Sonntag Nachmittag, ich wollte mit meinem Sommerticket mal eine Reise unternehmen.

Ich kam also am Bahnhof Wien Meidling an, da erblickte ich eine Garnitur aus Siemens ER20 und einigen Cityshuttle-Wagen. An der Tür auf dem Schild steht "Fehring" - ein Ziel, das ich eigentlich schon immer mal anfahren wollte.

So hieß es erstmal einsteigen in einen Zug mit Übersetzfenstern, der gerade aus der Abstellung kommt.

Wer schonmal sein Fahrzeug eine gewisse Zeit in der Sonne anstellte, weiß, wie es drinnen sich danach anfühlt. Es war heiß. Also erstmal die Fenster aufgemacht!

Besser wurde es, als der Zug anrollte. Mit bis zu 160 km/h ging's zunächst nach Wiener Neustadt. Die Fenster waren offen, es zieht, aber das war mir wurscht. Die erhoffte Abkühlung kam dann auch in gewisser Weise.

Ab Wiener Neustadt ging die eigentliche Reise nach einem längeren Aufenthalt erst richtig los. Langsamer wurde es, sodass es wesentlich angenehmer wurde, da es nicvt mehr so zog.

Hinter Aspang hatte man dann das Rundum-Erlebnis. Es quitscht und rattert durch Kurven und Tunnels, besonders gut hörbar eben bei offenem Fenster. Dezent hält sich dabei die dieselelektrische Zuglok zurück von den Geräuschen her.

Die Landschaft rundet das Erlebnis ab, man hat hier über 2 Stunden vollsten Genusses an Geräuschen und Aussichten.

Ein gewisses Gemeinschaftsgefühl kam im Wagen selber auf. Der Zug war zumehmend überschaubar ausgelastet, der Zugbegleiter war sehr freundlich. Zwischendurch regnete es, die Fenster wursen also für eine Zeit lang geschlossen.

Zum Ende der Reise hin dann durchaus was interessantes: Der Zugbegleiter fragte jeden nach seinem Reiseziel. Der Grund wurde später klar. Einige Bedarfshalte konnten so im Lokbespannten Zug ausgelassen werden.

Am Ende steigt man aus und hat eine abwechslungsreiche und erfüllende Reise gehabt, die ich gerne mal wiederholen würde.

Im Winter muss es wohl auch schön sein...

Nebenbei zeigt es, dass so ein lokbespannter Zug gar nicht so unflexibel ist, wie manch einer denkt. Hier werden auch außerhalb des Railjets lokbespannte Wendezüge geflügelt und vereinigt. Und wie beschrieben kann man auch mit Bedarfshalten umgehen. Also quasi alles, was bei einem Triebwagen geht, tun die ÖBB mit lokbespannten Wendezügen.

--
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Roaminggebühren in die Schweiz entfallen sollten.
[image]


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum