Finde ich bescheuert (Fahrkarten, Angebote und Tarife)

Colaholiker @, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 09. Januar 2019, 08:47 (vor 76 Tagen) @ gnampf

Moin zusammen!

Ich wollte eigentlich nach meinem (realen, nicht Foren-)urlaub nichts ganz so altes mehr ausgraben, aber hier muß ich einfach...

Ist ja nicht in Stein gemeißelt das es sich da um eine Buslinie handeln muß. Wenn natürlich viele Leute aus der Bahn kommen, in Bahnhof A in den Bus steigen und dann in Bahnhof B wieder in die Bahn wollen... dann ist was grundlegend schief gelaufen.

Zugegeben, das Szenario klingt für mich etwas merkwürdig.

Davon ab: wer sagt das die Zeiten länger sind? Wenn ich mit abgezähltem Bargeld mein Ticket kaufe bin ich sicherlich schneller durch als wenn ich beim Busfahrer nach Nennung des Betrags erstmal das Portemonaie raus hol, die Karte suche, ins Lesegerät fummel, die PIN im Handy nachschlag, eingeb, vertipp, neu eingeb, Beleg und Fahrkarte abwarte, etc. Kontaktlosigkeit verlieren meine Karten direkt nach dem eintreffen, wer mir mein Geld abnehmen will soll bitte physischen Kontakt zu mir herstellen.

Okay, man kann es auch mit Absicht kompliziert machen.
Du willst also allen Ernstes es als realistisch bezeichnen, daß jemand zwar den Fahrpreis vorab weiß (mich könnteste jetzt schütteln, ich könnte Dir nicht sagen, was eine Einzelfahrt in Frankfurt derzeit kostet), aber ins Handy schauen muß, um seine PIN zu wissen? Daß jemand in der Lage ist, das abgezählte Geld beim Einsteigen schon in der Hand zu haben, aber nicht die Bezahlkarte? Da vergleicht gerade jemand goldene Äpfel mit den Kugeln, die Dungkäfer erzeugen. Sogar ich, als absoluter Zahlenhonk, der sich mit Ach und Krach seine (seit > 20 Jahren bestehende) Handynummer merken kann (Aber meine IBAN? Öööööh...), weiß von allen meinen momentan drei Kreditkarten, und sogar von der eigentlich nie benutzten Girocard die PIN. Und selbst wenn man seine PIN nicht dauerhaft auswendig kennt, kann man ja vor dem Einsteigen schon mal einen Blick auf die passende Notiz im Handy werfen (mache ich an der Packstation auch, ich fummele mir die mTAN nicht erst aufs Display, wenn ich schon am Automaten stehe, sondern schon vorher).

Davon abgesehen kann die kartenannehmende Stelle auch bei kontaktbehafteter Zahlung (mit erhöhtem Risiko) auf PIN-Prüfung verzichten. Wenn ich in den USA beispielsweise bei Target mir ein paar Flaschen Mineralwasser kaufe, wird die PIN auch bei kontaktbehafteter Zahlung (Chip) nie abgefragt, in Deutschland hingegen schon.

Ich meine mich zu erinnern, Deine Abneigung gegen kontaktlose Bezahlung hättest Du im alten Jahr hier schon kundgetan. Ich bleibe da bei meiner Meinung, daß bei den ganzen Funkchips, die sich in meinem RFID-gesicherten Portemonnaie befinden, auf unauffällige Distanz nichts brauchbares zu holen ist. Und wer sich mit der Hand zu nah an mein Portemonnaie bewegt (und damit an meinen Hintern, das Portemonnaie steckt üblicherweise in der Gesäßtasche), wird so schnell keine geklauten Kreditkartendaten mehr brauchen. :->

Klar, kontaktlos geht schneller als "kontaktbehaftet". Mit kontaktlos kommt Aldi halt endlich an die Zeiten der Bargeldzahlung. Deswegen gabs früher ja lange keine Kartenakzeptanz.

Kartenzahlung ging bei Aldi schon vor kontaktloser Kartenzahlung. Die Einführung war letztlich aber auch einfach dem Wunsch der Kundschaft geschuldet. Ich kenne jedenfalls nichts, was in die Kategorie Lebensmittelversorgung fällt, und größer ist als Bäcker/Metzger/Kiosk/Marktstand, das keine Kartenzahlung akzeptiert. Da hat die alte Weisheit gegriffen "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit". Aldi hat erkannt, daß sie einfach irgendwann die Kundschaft, die Kartenzahlung möchte, an die Konkurrenz verlieren wird, wenn sie nicht mitziehen.

Welcher Nachteil? Manchen Automaten (egal wie sch... sein Bedieninterface ist) versteht man besser als den bulgarischen (oder niederbayerischen) Buskutscher.

Und zumindest hier im recht komplizierten RMV-Tarif ist die Tarifkenntnis der Automaten auch oft besser als die der meisten Fahrer.

Weswegen die meisten Automaten ja bereits Schnellwahltasten für die beliebtesten Ziele haben, die im Bus sich auch dynamisch aus der aktuellen Position zusammen setzen könnten. Und ansonsten ist man meist nach wenigen Zeichen am Ziel.

Funktioniert leider auch nicht immer so prall. Letztens hatte ich das Problem, eine Tageskarte für den Weg zur Arbeit kaufen zu müssen (Monatskarte abgelaufen, noch ein Arbeitstag bis zum Urlaub). Automat bei mir vor der Tür funktioniert bei der Zieleingabe "66" (wenn man seit fast 13 Jahren regelmäßig fährt, kennt man den Zielcode, der schneller eingegeben ist, als auf der kleinen Buchstabentastatur mit schlecht kalibriertem Touchscreen den Ortsnamen einzufrickeln) wie gewünscht, hat aber ein Problem bei der Verarbeitung der Kartenzahlung. Also ohne Fahrschein in die Tram (Automat geht ja nicht), beim Umstieg zum nächsten Automaten (anderer Betreiber). Der kannte den Zielcode wiederum nicht, wurde als ungültig abgewiesen.
Nachdem ich dann auf der (Eigenschaften siehe oben) Bilschirmtastatur endlich den Ortsnamen drin hatte, ging es dann. Von den 7 Minuten Umsteigezeit blieb gerade noch Zeit für den Sprint zum Bahnsteig.

und dann da zu stehen und zu fragen was denn eine PIN ist und wozu man das braucht, die Frau am Bankschalter will sowas doch auch nie wissen, und der Busfahrer gestern wollte das doch auch nicht. Tja, doof das alle x Zahlungen halt zwangsweise die Pin fällig ist.

Reine Konfigurationssache des Kartenterminals. Und daß man am Schalter keine PIN bräuchte, halte ich für ein Gerücht. Mein erstes Girokonto (lange isses her) hatte ich bei der Postbank, damals noch ohne Onlinebanking, mit Geldautomaten, die nur auszahlen konnten und keinen Kontostand anzeigen, in einer Währung, die nicht mehr existiert. Der einzige Weg, den Kontostand zu erfahren (Konzoauszugdrucker gab es damals bei der Postbank auch noch keine) ohne bis zum nächsten zugesandten Monatsauszug zu warten, war, an den Schalter zu gehen. Nicht einmal die Abfrage des Kontostandes ging ohne PIN, ebensowenig Auszahlungen. Lediglich von Sparbüchern kenne ich, daß die Vorlage des eigentlichen Buchs gereicht hat, um Geld zu bekommen, aber alles, was Girokonto war und eine Karte hatte, brauchte auch eine PIN.
Ohne PIN kenne ich sonst nur das zum Glück aussterbende ELV-Verfahren in Geschäften (wo man mit trockenem Kuli den Thermopapierbon zerfetzt und dann mit der Kassiererin diskutieren muß, daß die Unterschrift anders aussieht als auf der Karte), von falsch konfigurierten Kreditkarten (oder wenn man doch nochn irgendwo die alte Belegpresse verwendet), oder wenn ganz auf PIN verzichtet wird (kontaktlos bis 20€ zum Beispiel).

Die kramen dann auch erstmal stundenlang nach ihrer Karte, halten dann ihre Gesundheitskarte statt der "EC-Karte" davor, etc.

Bist Du selbst so blöd, kennst Du leute, die ernsthaft so blöd sind, oder hast Du einfach nur eine blühende Phantasie um Dinge künstlich schlechtzureden? Die ersten zwei dieser drei Möglichkeiten würden mich arg erschüttern.

Warum müssen Kartenverfechter eigentlich immer auf die Abschaffung von Bargeld drängen? Wenn Kartenzahlung wirklich das einzig wahre ist wird sie sich auch ohne den Abschaffzwang von alleine durchsetzen.

Wird sie. Geduld. Ich sehe halt wenig Sinn darin, mit meiner Karte erst irgendwohin zu schlurfen, aus einem Gerät Geld zu bekommen, dieses Geld dann woanders hinzutragen, dort wieder abzugeben, wenn ich genausogut die gleiche Karte vom Anfang des Satzes dort zu einer direkten Bezahlung nutzen könnte. Im Gegenzug muß dafür nämlich wieder jemand anderes das Geld (mit Umweg) in die Gegenrichtung bewegen.

Immer noch auf die blühende Phantasie hoffende Grüße
der Colaholiker

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