Warum die Deutsche Bahnpolitik so schlecht ist (Allgemeines Forum)

markw @, Mittwoch, 09. Januar 2019, 07:45 (vor 221 Tagen) @ J-C

Der Youtuber "Simplicissimus" hat ein Video hochgeladen, indem er die Deutsche Bahn auseinandernimmt - vor allem mit Blick auf dessen Geschichte.

Zwar mangelt es defnitiv nicht an Artikeln und Beiträgen zur Deutschen Bahn aber ich glaube, das Video ist trotzdem sehenswert.

Es gibt Probleme mit der Bahn, aber so wie die Debatte geführt wird, nervt sie und führt am Problem vorbei. Denn das Problem ist nicht die Bahn, sondern die Bahnpolitik, denn auch wenn es Spielräume gibt, so ist die Bahn wie sie jetzt ist, im Wesentlichen das Ergebnis einer verfehlten Bahnpolitik. Da kann ich jetzt keine perfekte Analyse liefern, aber ein paar zentrale Dinge fallen mir ein:

1. Die verfehlte Vorstellung, dass Privatisierung um jeden Preis zu einer besseren Bahn führt und das man damit dann sogar Gewinne machen kann. Ich habe auch für ein privates Bahnunternehmen gearbeitet und ich glaube auch, dass man Gewinne machen kann. Aber im Großen und Ganzen ist die Bahn eher eine Unternehmung, in die der Staat dauerhaft mehr oder weniger investieren muss. Die Vorstellung, dass man hier Gewinne machen, führt zu einer runtergewirtschafteten Infrastruktur, wie wir sie jetzt haben. Ich finde es bitter, dass die Grünen, die hier die besten Intentionen, nicht Abschied nehmen vom neoliberalen Unsinn. Die Zerschlagung der Bahn, die Trennung von Netz und Infrastruktur wird vieles nur noch schlechter machen. Es ist notwendig, dass getrennte Unternehmensteile wieder mehr zusammenarbeiten. Das keine Totalabsage an private Unternehmungen, aber Heuschrecken, wie Flix haben aus meiner Sicht auf der Schiene nix zu suchen.

2. Politische Vetternwirtschaft. Die Bahn ist regelmä0ig Abstellbahnhof für abgehalfterte Politiker. Damit kommt keine Kompetenz ins Unternehmensmanagement und von den herbeigeredeten besseren Kontakten in die Politik spürt man nix. Ist eher umgekehrt so, dass die Politik mit ihrer Einflussnahme so unsinnige und teurere Projekte wie S21 bei der Bahn durchdrückt, die zu Lasten des Unternehmens gehen. Mit dem Geld, was für S21 verschleudert wurde und wird, hätte man viel besser in die breite investieren können.

3. Dauer von Planungsprozessen und politischer Entscheidungsprozessen zum Ausbau. Ich bin entsetzt darüber, wie lange es dauert, bis neue Bahnprojekte oder teilweise auch Sanierungen auf den Weg kommen. Das geht anderswo schneller. Und ich denke auch, dass es bei uns ohne große Abstriche an demokratische Planungsbeteiligung schneller gehen könnte. Hier im Norden ist es die Friesenbrücke, deren Wiederaufbau am Ende vermutlich 10 Jahre dauern wird. So was kann nicht sein.


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