Streikrecht ist NICHT unbestritten (Allgemeines Forum)

ES89, Hamburg / Rostock, Sonntag, 02. Dezember 2018, 12:15 (vor 11 Tagen) @ RenateMD

Wie man u.a. an dieser Gegenrede erkennen kann, ist das Streikrecht in Deutschland eben nicht unbestritten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich:
- Die absolute Mehrheit der Medien in im Eigentum von Großkonzernen, die kein Interesse an einem funktionieren Streikrecht haben.
- Die SPD besitzt etliche Zeitungen, taugte aber schon vor New Labour nicht mehr als geeignete linke Kraft für eine Gegenmeinung. Dafür ist man zu oft und lange Teil der Regierung gewesen, die selbst zu den großen Arbeitgebern zählt. Zudem erhält auch die SPD massiv Spenden aus der Wirtschaft.
- Im Nachkriegsdeutschland wurde von Anfang an dafür gesorgt, dass es keine politischen Streiks geben darf. Gerade diese sind aber für die Entwicklung einer Streikkultur wichtig. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgereichts aus den 1950er Jahren ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie nationalsozialistisch durchsetzt die Gericht in der Adenauer-Ära waren.

- auf wessen Kosten wird gestreikt? Auf die der "kleinen" Leute, die nicht mal eben auf Flieger/Auto umbuchen können. Da hat die Gewerkschaft ja super verstanden, aus welchem Klientel ihre Mitglieder kommen.
- welche andere Berufsgruppe hat eine vergleichbare Macht, außer Piloten? Hier wird schamlos ausgenutzt, dass wochenlanger Streik zu Stillstand in Deutschland führt.

Ähnliche Argumente dürfen sich fast alle Bereiche der öffentlichen Dienstleistung anhören - auch die Privatisierten. Einzelne Bereiche davon (wie die Kindergärtner) haben einen gewissen Sympathiebonus, die meisten eher das negativen Beamten-Image.
Für Berufsgruppen, die so wichtig für das funktionieren des Staates erfoderlich sind, gibt es das Berufsbeamtentum. Passt nur halt nicht mit einer Privat-vor-Staat-Poltik zusammen.

Im Übrigen: Bei einem vernünftigen Organisationsgrad könnten unzählige andere Berufsgruppen zu Stillstand führen, man schaue in andere Eurpäische Staaten: Lkw-Fahrer, Einzelhändler etc.

- wer darf am Ende die Lohnerhöhung zahlen? Lutz nicht, Pofalla nicht, sondern du, markw, und ich und all die anderen Bahnfahrer.

Unser Wirtschaftssystem ist auf stetige Geldentwertung ausgelegt. Die Nationalbanken haben bei Stillstand oder gar Deflation "Alarmstufe Rot".
In allen nichtstaatlichen Brachen führt des fehlen von entsprechenden Gehaltserhöhungen zu einer Umverteilung nach oben. Die Beschäftigte der staatlichen Brachen sind in Folge dieses Wirtschaftssystems ebenso auf diese Erhöhungen angewiesen.

... Ist der Gewerkschaft bewusst, dass sie ein Ergebnis ausgehandelt hat, das signifikant zum aktuellen Personalmangel beiträgt? Ich sag nur gleiches Gehalt bei weniger Arbeit.

Genau das wird in den nächsten Jahrzehnten zu einer Kernforderung der Gewerkschaften werden müssen. Wenn die Digitaisierung ganze Berufsgruppen abbaut, bleibt uns gar nicht viel anderes übrig. Ein erstgemeintes bedingungsloses Grundeinkommen als Gegenlösung ist gar nicht mit der deutschen Mentalität vereinar.
Problem derzeit ist, dass es hierfür bisher keine aureichende Streikbereitschaft auf Beschäftigtenseite gibt. Dabei wäre gerade meine "Generation Y" von ihrem Grundwertebild dafür besonders gut geeignet.

- werden junge Menschen nicht mehr Lokführer wegen dem Gehalt oder wegen der lange propagierten Aussicht der DB in Form von Grube, den Beruf Lokführer werde es in einigen Jahren nicht mehr geben? Da helfen Gehaltssteigerungen weniger.

Damit bestätigst du meinen Vorabsatz selbst.

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Gegen Großraum-Zwang im Fernverkehr!
Für zumindest drei Abteile je Wagenklasse!


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