Die Ökonomen, man muss sie einfach lieben (Allgemeines Forum)

Chrispy, Donnerstag, 11. Oktober 2018, 14:34 (vor 69 Tagen) @ Henrik

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-der-deutschlandtakt-ist-ein-w...

Mein Lieblings Satz im Text ist ja zweifelsohne dieser hier:
Zehn Jahre hat es gebraucht, eine vermeintlich revolutionäre Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

Man stelle sich vor ein Privatunternehmen hätte dieselbe Idee, dann wäre sie ja kaum mehr vermeintlich revolutionär. Die Ökonomen würden alle sofort los ziehen und den Aktienkurs durch die Decke in richtung Mond schiessen lassen. Die überbezahlten Kleinhirne mit ihrem Diplom/Master abschluss in Microsoft Excel, können ihre dogmatische Ansicht: "staatliche Unternehmung = keine Innovation und private Unternehmung = so innovativ, dass sich mein Glied verhärtet," einfach nicht ablegen. (OT: Wann kam zum letzten mal eine wirklich innovative Idee aus einer der Wirtschaftslehren?)

Klar kann die verwirklichung eines ITF scheitern, z.B. wenn die Infrastruktur in sehr schlechtem Zustand ist. Das hat dann aber eher mit mangelndem Unterhalt/Finanzierung zu tun als mit der Grundidee an sich.

Vereinfacht gesagt fahren Züge demnächst nicht mehr nach Bedarf, sondern nach einem straffen Taktfahrplan. Ohne Rücksicht darauf, wann Kunden fahren wollen. Es wird ein künstlich modellierter Angebotsfahrplan. Ob Passagiere um zehn Uhr dreißig von Cuxhaven nach Braunschweig wollen, das ist egal. Der Zug fährt, weil der Takt es so vorgibt.

Das ist doch kein Argument. Cuxhaven - Braunschweig hat ja heute bereits eine Stündliche verbindung. Allerdings bei variablem Reiseweg und unterschiedlichen Zugsklassen für die einzelnen Abschnitte. Dass der Zug nicht unbedingt genau zu der Zeit fährt, zu der man verreisen will, ist ja auch nicht ein Nachteil den nur ein ITF aufweist. Auf vielen Linien soll ja gerade durch den ITF die Anzahl verbindungen erhöht werden, damit sinkt die Durchschnittliche wartezeit am Bahnhof. Soll einer verstehen, was der liebe Herr Ökonom uns damit sagen will...

Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Deutschlandtakt der Abschied vom Wettbewerbsgedanken und von Flexibilität auf der Schiene ist.

Welchen Wettbewerbsgedanken meint der gute Mann? Der Wettbewerb funktioniert ja überhaupt nicht. Bis jetzt ist noch jeder Privatanbieter im nicht private FV-Anbieter nach realtiv kurzer Zeit pleite gegangen, gerade weil die Anbieter nicht in der Lage waren ein Netz anzubieten, sondern nur einzelne Städte verbanden. Aber generell hat der Deutschlandtakt überhaupt nichts mit Wettbewerb zu tun. Man könnte durch konzessionierung der FV-Linien (siehe England) sehr wohl einen ITF und den ominösen Wettbewerbsgedanken verbinden.

Unwirtschaftliche Strecken wird der Staat dann subventionieren müssen.

Muss man nicht, siehe Schweiz. Man kann auch nicht wirtschaftliche Linien quersubventionieren, wie es auch im voll privatisierten Luftverkehr gemacht wird. Werden die Linien dann nicht innerhalb von 5 Jahren kostendeckend, kann man an diesen Stellen immer noch den Takt ausdünnen oder gar den FV auf besagter Linie einstellen.


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