Schweizer Bahnen werden nicht kaputt gespart (Allgemeines Forum)

ThomasK, Freitag, 14. September 2018, 12:52 (vor 8 Tagen) @ Bm235
bearbeitet von ThomasK, Freitag, 14. September 2018, 12:56

Was mir aufgefallen ist: Auf eingleisigen Strecken kann noch nahezu an jedem Bahnhof gekreuzt werden. In Deutschland geht das wegen "schlanker Infrastruktur" ja meistens nur noch auf den Bahnhöfen, wo das planmäßig vorgesehen ist. Und bei Verspätungen überträgt sich alles auf die Gegenrichtung und auch noch auf die nächsten Züge, so dass es Stunden dauern kann, bis alles wieder im Takt ist.

Genauso ist es.

Gerade dann, wenn man auf eingleisigen Strecken an fast jedem Bahnhof kreuzen kann, kann man Verspätungen in der Größenordnung von 5 - 7 Minuten wesentlich besser auffangen.

Es ist extrem wichtig, dass sich das System Eisenbahn bei Störungen möglichst schnell wieder erholt.

Diese fundamentale Erkenntnis wird in Deutschland überhaupt nicht beachtet. Deshalb gibt es auch jeden Tag z.B. bei der S-Bahn München Chaos.

Außerdem sieht man schon mit bloßem Auge, dass die Infrastruktur in der Schweiz viel gepflegter ist als bei uns. Man hat manchmal den Eindruck, als würden die Schweizer jede Strecke alle zwei Jahre neu einschottern. Und den bei uns üblichen Urwald entlang der Böschungen gibts in CH auch nicht.


In Zermatt habe ich u.a. die Betriebsanlagen der GGB angeguckt. Die Anlagen sind top in Schuss. Kein Unkraut im Gleis, keine Pflanzen im Lichtraumprofil. Voll funktionsfähige Signale. Saubere Züge. Saubere Stationen. Saubere Fahrkartenschalter. Saubere Sitzbänke. Präzise und professionelle Betriebsführung. An allen Zwischenstationen werden die nächsten Abfahrten Richtung Zermatt und Gornergrat angezeigt. Überall Normaluhren mit Funkbetrieb, die absolut pünktlich laufen, so wie zu den Zeiten der Deutschen Bundesbahn.

Natürlich würde man heute, gäbe es die Gornergratbahn nicht, keinesfalls mehr eine Eisenbahn auf den Gornergrat bauen, sondern eine 3S-Bahn mit Durchlaufbetrieb in Riffelalp, Riffelberg und Rotenboden, da eine Zahnradbahn Zermatt - Gornergrat viel zu unwirtschaftlich ist. Trotz alternierendem 15/9-Minuten-Takt zwischen Riffelberg und Gornergrat muss die Zahnradbahn im Winter noch durch die Seilbahn Gifthittli verstärkt werden, weil sie zu leistungsschwach ist. Eine 3S-Bahn würde das locker alles ganz alleine schaffen und bräuchte auch keine Schneepflüge oder Schneeschleudern. Aber da die Bahn seit 1898 historisch gewachsen ist und es 1898 logischerweise noch keine 3S-Bahnen gab, da die erst ab 1991 entwickelt wurden, sagen die Schweizer, dass sie dieses Projekt Gornergratbahn nun absolut professionell durchziehen und trotz irrsinnig hohem Aufwand die Zahnradbahn top in Schuss halten und das gefällt mir.

Abgesehen davon wäre ein totales Verbot von Autos, wie das erfreulicherweise in Zermatt mit absoluter Härte durchgeboxt wird, in Deutschland völlig undenkbar. In Deutschland bekommt man ja noch nicht einmal den Spitzingsee autofrei. Um es kurz und knapp zu sagen: Die Schweiz spielt im Bereich Eisenbahn in der Champions League und Deutschland allenfalls in der Kreisklasse.


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