Über die Pfefferminzbahn zum Neusiedler See – 5/5 m 56 B (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 07. August 2018, 18:20 (vor 125 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum letzten Teil unserer kleinen Rundreise über die Pfefferminzbahn zum Neusiedler See. Im vierten Teil waren wir von Neusiedl zu einer Umrundung des Neusiedler Sees aufgebrochen und waren bis Eisenstadt gekommen, dort setzen wir den Bericht nun fort.

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Nach unserem Spaziergang durch die Landeshauptstadt des Burgenlands kehren wir an den Bahnhof zurück. Mit einem ÖBB-Talent fahren wir auf der Pannoniabahn von Eisenstadt weiter nach Wulkaprodersdorf.

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Die hier eingesetzten Talent-Triebzüge (Reihe 4124) sind Zweisystemfahrzeuge, denn neben den ÖBB-Strecken gibt es hier in der Region auch Strecken der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (Raaberbahn), wo das ungarische Stromsystem verbaut ist, außerdem kommen die Züge auch nach Ungarn.

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In Wulkaprodersdorf trifft die Pannoniabahn auf die Raaberbahn von Ebenfurth ist ungarische Sopron. Hier heißt es umsteigen; da der REX nach Sopron aber wiederum aus einem 4124er-Talent gebildet ist, spare ich mir das Bild. Auch landschaftlich und beim Wetter hat sich bisher nicht viel geändert.

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Die Raaberbahn ist eine grenzüberschreitende Bahnstrecke zwischen Österreich und Ungarn, sie führt bis Győr (deutsch Raab). Gebaut wurde die Strecke von der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG, die noch heute Eigentümerin der Strecke ist.
Die Geschichte und die Namensgebung sind etwas verworren. Als die Strecke gebaut wurde, lag sie überwiegend in Ungarn, nur ein sehr kurzes Stück führte durch Österreich. 1921 kam es zu einer Umgliederung des Burgenlandes, seither liegt ein wesentlich größerer Teil der Strecke in Österreich. Die Raaberbahn behielt die Konzession; nach dem zweiten Weltkrieg ging die Gesellschaft durch Enteignung in ungarischen Staatsbesitz über. Nachdem Österreich sich später am Ausbau beteiligte, übernahm das Land Aktienanteile der Gesellschaft, auch ein Bauunternehmen hat heute Aktienanteile, die Mehrheit liegt aber weiterhin beim ungarischen Staat.
Die Bahngesellschaft ist in Österreich unter dem Namen Raaberbahn oder manchmal auch unter der alten Abkürzung ROeEE bekannt (R für Raab/Győr, OE für Oedenburg/Sopron, E für Ebenfurth), während sich aus den gleichen Städtenamen in Ungarn die Abkürzung GySEV ergibt. Hier sind wir gerade in Draßburg, der Ort ist seit 1879 an das Bahnnetz angeschlossen.

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Den Verkehr auf der Strecke betreiben die ÖBB und die Raaberbahn in Kooperation. Ich hatte ja eigentlich auf einen der grün-gelben Züge der Raaberbahn spekuliert. Stattdessen scheinen wir aber ganz woanders gelandet zu sein.

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Das flache Land des Neusiedler Sees haben wir mittlerweile verlassen und die Strecke führt durch leicht hügeliges Land nach Sopron. In Sopron verlassen wir den Zug, der weiterfährt bis Deutschkreuz, was schon wieder in Österreich liegt. Zu Zeiten des kalten Kriegs gab es hier einen Korridor-Verkehr durch Ungarn.

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So, jetzt schauen wir uns aber Sopron an – beginnen wir gleich mit dem Wahrzeichen der 60.000-Einwohner-Stadt, nämlich dem Feuerturm. Gut, mit Sonne wäre die Altstadt bestimmt noch schöner, aber sind wir mal froh, dass es wenigstens nicht regnet.

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Eigentlich ist das die Benediktinerkirche, aufgrund einer Ziege auf einem Wappen am Hauptportal trägt sie heute jedoch den Namen Geißkirche. Im 17. Jahrhundert wurden in der Geißkirche die Vizekönige Ungarns gekrönt.

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Mittendrin in der Altstadt liegt die Ursulinenkirche mit Klostergebäuden.

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Schließlich kehren wir an den Bahnhof von Sopron zurück, auch hier dominiert das Grün der GySEV. Wir wollen die Umrundung des Neusiedler Sees fortsetzen, die nächste Etappe geht von Sopron nach Fertőszentmiklós.

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Jetzt fängt es auch noch zu regnen an – aber dafür gibt es etwas Abwechslung zu den sonst allgegenwärtigen ÖBB-Talenten, denn jetzt fahren wir Intercity. Die Werbelok ist dem ungarischen Nationalhelden Franz II. Rákóczi gewidmet, dem Anführer des Aufstands ungarischer Adliger gegen die Habsburger von 1703 bis 1711.

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Der Intercity „Kékfrankos“ besteht aus Wagen der GySEV, die von der ÖBB übernommen und modernisiert wurden und sich innen wie auch außen in der grünen Hausfarbe der GySEV präsentieren. Im Rahmen der Modernisierung wurden die Abteile mit Deckenmonitoren ausgestattet.

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Der Zug fährt bis Budapest, wobei wir am ersten Halt Fertőszentmiklós schon wieder aussteigen. Auf der Karte kann man auch die Strecke der Neusiedler Seebahn erkennen, auf der wir anschließend östlich des Neusiedler Sees weiterfahren.

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Bei Regen sind meisten Strecken eigentlich hässlich.

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Sopron ging ja noch, aber bei Fertőszentmiklós nutze ich besser copy & paste. Hier also der Bahnhof vom Zug aus...

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...und dann der Zug vom Bahnhof aus. Die grünen Wagen der GySEV werden als RaaberCity vermarktet.

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In dem 4.000-Einwohner-Ort Fertőszentmiklós treffen die Raaberbahn von Sopron nach Győr und die Neusiedler Seebahn aufeinander – sonst hätte es uns wohl auch nicht hierher verschlagen. Rund um den Bahnhof gibt es nicht viel, und so warten wir hier unter dem schützenden Dach auf den nächsten Zug.

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Neben einer Gedenktafel zum 100-jährigen Jubiläum der Raaberbahn 1997 gibt es auch einen Monitor mit der Anzeige der nächsten Züge – das erscheint mir doch praktischer als die Dynamischen Schriftanzeiger der DB.

Es geht gleich weiter...

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