Die Faszination Bahnfahren statt Smartphone (Allgemeines Forum)

Colaholiker @, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 13. Juni 2018, 12:01 (vor 62 Tagen) @ GUM

Danke für Deinen interessanten Beitrag.

Danke, gleichfalls. :)

Vielleicht lässt sich die Sinnfreiheit des Komfort-Check-Ins auch ein bisschen anders verdeutlichen:

Wenn der Kunde nur noch auf dem Handy herumtippt, dann lenkt er seine Aufmerksamkeit weg vom Kernprodukt Bahn oder der Beförderungsdienstleistung.

Die Frage ist halt, warum und mit welchem Hintergedanken jemand die Bahn nutzt.
Ich gehe, weil es für mich das einfachste ist, mal von mir aus. Für mich gibt es prinzipiell drei Anwendungsfälle, wegen derer ich üblicherweise in der Bahn sitze.

1.) Die tägliche Pendelei zur Arbeit. Da ist mir das "Erlebnis" vollkommen schnurz. Morgens wird in der Bahn noch geschlafen, nachmittags mit eventuell mitfahrenden Kollegen geschwätzt. Service gibt es ohnehin keinen, man ist schon froh, wenn die Bahn nicht ausfällt und halbwegs pünktlich ist. (Optimal zwischen 10 und 15 Minuten Verspätung. Da ist der Zeitverlust nicht allzu groß, aber die 10-Minuten-Garantie des RMV greift.)

2.) Die "Wochenendpendelei" zwischen meinen zwei Heimaten. Die Strecke kenne ich mittlerweile auch in- und auswendig (jetzt am Wochenende könnte es interessant werden, den Fahrzeiten nach zu urteilen wird zwischen Fulda und Kassel großrumig umgeleitet, oder die bekannte Strecke ist zu Deutschlands längster Langsamfahrstelle geworden, keine Ahnung). Außer des höheren Komforts (ICE, meist 1. Generation, in der 1. Klasse vs. klapperige VT2E in der 2. Klasse beim täglichen Pendeln) und der deutlich höheren Zuverlässig- und Pünktlichkeit steht da das Erlebnis auch eher, wenn nicht völlig, im Hintergrund. Man (ich) möchte ankommen. Die Zeit wird genutzt mit was halt gerade sinnvoll ist - noch ein wenig Arbeit fürs ehrenamtliche Engagement erledigen, dösen, auf dem Tablet was zocken. Okay, manchmal auch nur mit Musik auf den Ohren den Blick aus dem Fenster genießen (sind ja doch ein paar ganz nette Brücken auf der SFS zwischen Fulda und Göttingen, und die meist proppevolle Autobahn die stückweise parallel in Sichtweite ist zaubert auch ein Schmunzeln auf mein Gesicht).

3.) Urlaubs- oder Dienstreisen auf unbekannte oder weniger gut bekannten Strecken - ja, da genieße ich dann noch eher den Blick aus dem Fenster und das "Erlebnis", wie Du es nennst.

Der Anteil der jeweiligen Fahrten ist mit jedem Punkt fallend, das Erlebnis steht also beim Großteil meiner Fahrten weit hintenan. Allerdings - dessen bin ich mir vollkommen bewußt - ist das meine ganz persönliche Ansicht, die fernab von maßgeblich oder gar allgemeingültig ist. Ich führe es nur auf, um meine abweichende Ansicht zu dem Thema zu untermauern. ;-)

Sollen doch eigentlich die Systemvorteile inkl. Bewegungsfreiheit und Service am Platz erlebbar werden.

Bewegungsfreiheit ist relativ. Natürlich, man kann während der Fahrt aufstehen, was im Auto nicht möglich ist. Aber einfach durch den Zug laufen finde ich eher uninteressant, und wenn ich ehrlich bin, lasse ich mein Gepäck auch nur ausgesprochen ungern am Platz zurück. Den Service am Platz nutze ich eigentlich gar nicht - wenn ich während der Bahnfahrt etwas essen will, setze ich mich in den Speisewagen. Man hat dort erstens mehr Platz zum Essen (das Klapptischchen ist doch nur begrenzt brauchbar) und geht nicht den Mitreisenden mit leckerem Essensduft auf die Speicheldrüsen.

Und das geht eher, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist anstatt auf den Bildschirm zu starren :-)

Das ist richtig. Nur wenn man das, was die Augen erblicken würden, in- und auswendig kennt, weil man die Strecke bei jeder Witterung und jedem Lichtverhältnis von strahlender Sonne bis tiefste Dunkelheit schon gefahren ist, schaut man vielleicht auf etwas, das man zwar theoretisch überall haben könnte, aber eben noch nicht kennt.

Service am Platz gibt es nicht mal beim Bugatty Veyron....

Das stimmt. Und ich wage zu behaupten (ich habe noch nie in einem gesessen und es reizt mich auch nicht), daß auch hier wieder gilt, daß je sportlicher das Auto sein soll, desto unbequemer ist es auch. Ich wurde mal in einem Porsche 911 mitgenommen und war doch erschüttert, wie unbequem man in so einem Auto sitzt. Da wrde ich es keine 20 km drin aushalten.

Es letztlich als abhängig von den persönlichen Gewichtungsfaktoren der Vor- und Nachteile sehende Grüße*
der Colaholiker

*) einfacher formuliert: Ich verstehe und akzeptiere Deinen Standpunkt, teile ihn aber nicht uneingeschränkt. ;-)

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