Das Problem liegt woanders (Allgemeines Forum)

worfie, Freitag, 20. April 2018, 18:01 (vor 183 Tagen) @ Frecciarossa

Hier in der Gegend scheint es mir eher so, daß die publizierte Zeit eine Empfehlung für den frühestmöglichen Beginn der Abfertigung ist. Gerade bei den LINTs mit ihren unsäglichen Schiebetritten kann es dann nochmal ein bis zwei Minuten dauern, bis nach mehrmaligem Rein und Raus der Bleche endlich das Fahrzeug sich zum Abfahren überreden läßt.

Deine Lösung ist also, die Türen schon zwei Minuten vor Abfahrt zu schließen? Oder sollte man nicht lieber an der Zuverlässigkeit der Türschließzeit und der Präzision der Mitarbeiter arbeiten? Probleme kaschieren statt lösen?

Zunächst einmal: Alles andere als die Türschließzeit zu kommunizierten, bringt dem Fahrgast nichts. Schließlich möchte er nicht unbedingt nur die sich entfernende Zugschlussleuchte bewundern.

Aber - und da kommen wir zu deinem Kommentar -, das Problem würde sich eigentlich auch fast in Luft auflösen, wenn denn nicht die Differenz zwischen Abfertigung und Abfahrt so enorm wäre.
Zum einen liegt das an den zeitintensiven Abfertigungsmaßnahmen, die man in Deutschland betreibt und die sich sicherlich auch nicht über Nacht ändern lassen, zum anderen aber auch daran, dass Türen für mich in meiner aktiven Zeit einer der besten Pünktlichkeitskiller waren.Erst einmal dauert der Fahrgastwechsel sowieso schon länger, weil die Haltestellen der Türen auf dem Bahnsteig nicht markiert sind. Dann ist vielleicht nochmal eine oder mehrere Türen defekt, die Fahrgäste drängen sich dann über andere Türen rein: Kostet Zeit. Dann sind oft genug die Türen nicht dort, wo sie sein sollen (vulgo: umgekehrte Wagenreihung). Und dann ist da noch der von dir genannte Lint. Wie oft sind mir diese besallerten Schiebetritte im Winter festgefroren?

Wenn man bedenkt, was da in einem Jahr gerechnet alles an Verspätungsminuten und daraus resultierenden Kosten zusammenkommt, will ich lieber gar nicht erst hinterfragen.

Aber die Zugabfertigung in Deutschland gehört meiner Meinung nach überdacht.
Hier mal ein Beispiel anhand von Videos, die die Youtube-Suche nach Bahnsteigansichten ausgespuckt hat:

Nahverkehr in Japan: https://youtu.be/iw5vkNM07YA?t=4m54s
5:22 Zug steht
5:26 Türen offen
6:18 Abfahrtsmelodie
6:25 Türschliessansage Blechelse
6:32 Türschliessansage vom Bahnsteigpersonal
6:40 Abfertigung
6:51 Türen geschlossen
6:58 Zug fährt ab.

Fernverkehr in Japan: https://youtu.be/TNjSh39C_KA?t=3m17s
3:18 Schliessansage Blechelse + Bahnsteigpersonal
3:52 Türen geschlossen
3:56 Zug fährt ab

In beiden Beispielen sind es nur wenige Sekunden, die zwischen Türschließzeit und Abfahrtszeit liegen. Außerdem werden einfache Schiebetüren benutzt und keine mit gelben Defekt-Schildchen dekorierte, komplexe Schwenkschiebetüren mit ausfahrbaren und einfrierbaren Schiebetritten.

Im Vergleich ein Video aus Deutschland (NV + FV) https://www.youtube.com/watch?v=-vQ_MNitHuU

NV:
4:41 Zug steht
4:49 Türen offen
5:15 Türschliiessansage
5:34 Abfertigungspfiff (?)
5:47 Türen geschlossen
6:11 Zug fährt ab

FV:
9:24 Türen zu
9:58 Zug fährt ab

Die Differenz zwischen Türschluß und Abfahrt liegt hier bei mehr als 30 Sekunden und ist Pi mal Daumen 5x so lang wie in Japan und meinen Beobachtungen nach für viele Darwin-Award-Kandidaten Anlass genug, um (bei Bimz und n-Wagen) noch wie wild am Türgriff herumzuziehen oder (bei anderen Wagen) auszuprobieren, ob sich die Tür nicht doch noch einmal öffnet, wenn man kräftig dagegen tritt.


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