Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 3/7 | 31 B (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Samstag, 10. März 2018, 16:21 (vor 104 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer Frühlingstour zwischen Südtirol und Aostatal. Im zweiten Teil waren wir von Bregenz über Arlberg- und Brennerstrecke nach Bozen gefahren und hatten die Rittner Bahn besucht. Mit der Ferrovia Trento-Malè (Nonstalbahn) steht heute die nächste Meterspurbahn auf unserem Programm.

[image]


Tag 3: Oberbozen – Bozen – Mezzocorona – Malè – Mezzana – Trient - Bassano del Grappa

Wir haben in Oberbozen übernachtet und fahren nun zunächst mit der Seilbahn hinab nach Bozen. Ich muss schon sagen, eine Seilbahn so als Nahverkehrsmittel zu nutzen, gefällt mir gut. Bei der Talfahrt jetzt am Morgen sind überwiegend Pendler in der Bahn.

[image]

Hier sieht man nochmals die Strecke der Rittner Bahn, links oben ist die Endhaltestelle Maria Himmelfahrt, die wir im letzten Berichtsteil besucht hatten. Zur Rittner Seilbahn hatte ich im letzten Teil schon einiges geschrieben, deshalb nun nur noch ein paar Bildeindrücke.

[image]

[image]

[image]

Von der Seilbahn aus ist auch ein Stück der früheren Zahnradtrasse der Rittner Bahn zu sehen. Die Bahn fuhr vom Waltherplatz im Zentrum über den Bahnhofplatz zum Rittnerbahnhof, wo die Zahnradstrecke auf den Berg begann.

[image]

Doch nun weiter zum Bahnhof Bozen. Der Bau aus dem Jahr 1859 wurde im Stil des Wiener Neoklassizismus erbaut, die Fassade mit den Halbsäulen stammt aus einer späteren Umgestaltung.

[image]

[image]

Auf unserem Plan steht ein Regionalzug mit Fahrziel Rovereto, wobei wir früher aussteigen werden. Der ETR 526 gehört zur Familie der Jazz-Triebzüge (Coradia Meridian) und trägt die Lackierung der Provinz Trentino.

[image]

[image]

Auf der Etschtalbahn fahren wir durch das Südtiroler Unterland, nach einer guten halben Stunde Fahrzeit verlassen wir in Mezzocorona den Zug. Vom Bahnhof aus überqueren wir eine Straße...

[image]

...und wenden uns diesem Gebäude zu. Was von weitem wie ein unscheinbares Wohnhaus wirkt, ist ein Bahnhof der Trentino trasporti an der meterspurigen Bahnstrecke von Trient nach Mezzana. Die ehemalige Ferrovia Trento-Malè ist auch unter dem Namen Nonstalbahn bekannt. Unser erster Weg führt uns zur Ticketmaschine, der wir eine Fahrkarte nach Malè entlocken können.

[image]

[image]

[image]

Bei unserem Besuch der Nonstalbahn werden uns zwei Fahrzeuggenerationen begegnen, den Anfang macht ein Pärchen Coradia Meridian ETi 8/8. Ab 2005 wurden 14 Fahrzeuge dieses Typs von Alstom für die Nonstalbahn gebaut, sie tragen heute die Hauptlast des Verkehrs. Wir steigen in den hinteren, nicht mit einer Werbefolie verklebten Triebwagen.

[image]

Die (theoretisch) 120 Stundenkilometer schnellen Züge verfügen über Hoch- und Niederflurbereiche, ein modernes Fahrgastinformationssystem und WLAN. Praktisch liegt die Höchstgeschwindigkeit der Strecke bei 90 Stundenkilometern.

[image]

Die Nonstalbahn verläuft von Trient (Trento) teilweise parallel, teilweise getrennt zur normalspurigen Etschtalbahn bis Mezzocorona und von dort weiter ins Nonstal. Insgesamt ist die Strecke 66 Kilometer lang, viele der Haltepunkte sind Bedarfshalte.

[image]

Die Bahnstrecke führt zunächst noch ein kurzes Stück durch das Etschtal, dann verlässt sie den Talboden und führt ins Nonstal. Das Val di Non liegt an der deutsch-italienischen Sprachgrenze, im Deutschen wird die Region auch Nonsberg genannt.

[image]

[image]

Die Strecke führt nun durch Tunnel und über Viadukte bergauf. In Segno di Taio erinnert ein Monument an einen großen Sohn des Dorfes, den Missionar, Forscher und Wissenschaftler Padre Eusebio Chini, der 1645 in Segno geboren wurde und 1721 in Mexiko starb.

[image]

[image]

Der Talgrund des Nonstals ist vom Obstanbau geprägt, jeder dritte in Italien geerntete und gegessene Apfel stammt aus dieser Region. Die Fahrt durch das Tal während der Apfelblüte ist wunderschön.

[image]

Über den Santa-Giustina-Viadukt führt die Strecke in einer Höhe von 140 Metern über den Fluss Noce. Zum Zeitpunkt des Baus 1959 war dies die höchste Bahnbrücke der Welt.

[image]

Bei Cles wird der Noce zur Energiegewinnung aufgestaut, der Santa-Giustina-See hat während unseres Besuchs allerdings einen sehr niedrigen Wasserstand. Oberhalb des Sees erhebt sich das Castel Cles. Die Geschichte der Burg reicht bis in das 12. Jahrhundert, das Schloss ist noch heute im Besitz der Barone von Cles.

[image]

Einen erkennbaren Taktfahrplan gibt es nicht, die Züge fahren etwa stündlich. Die Strecke wird aktuell von der Provinz Trient betrieben, sie folgt landschaftlich reizvoll weiterhin dem Noce / Nonsbach.

[image]

[image]

In Malè legen wir einen Zwischenstopp ein. Der 2.200-Einwohner-Ort ist der Hauptort des Val di Sole, geprägt wird der Ort von der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt aus dem 16. Jahrhundert.

[image]

[image]

Bis zum Jahr 2003 war Malè Endpunkt der Bahnstrecke im Nonstal, so lautete der Name des früheren Betreibers auch Ferrovia Trento-Malè. Die Bahnstrecke wurde dann verlängert und der frühere Kopfbahnhof durch einen neuen Durchgangsbahnhof ersetzt. Dieses Gebäude...

[image]

...war der frühere Bahnhof. Der neue Bahnhof befindet sich rund 100 Meter entfernt. Die Gleise sind abgebaut, den Bahnsteig mitsamt Dach hat man bisher stehen lassen.

[image]

[image]

Mit einem solchen Bild wird man häufig Streckenstilllegung, Rückzug der Bahn und Verfall assoziieren – aber hier ist genau das Gegenteil der Fall. Und wie es am neuen Bahnhof und auf der Verlängerung der Bahnstrecke aussieht, dazu mehr in den nächsten Tagen im vierten Teil.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

--
www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.
www.Bahnreise-Wiki.de Ein Mitmach-Projekt mit Tipps & Tricks für Bahnreisen im In- und Ausland.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum