Schweiz-Runde (Reiseberichte)

Twindexx @, St. Gallen (CH), Sonntag, 11. Februar 2018, 21:30 (vor 185 Tagen) @ Krümelmonster

Hoi,

Dann will ich mal einige Fragen beantworten:

und als wir in Immenstadt zum Stehen kamen, wurde durchgesagt, dass man die Türen nicht öffnen solle – bei der angeblich besten Bahn der Welt hätte ich ja mit besserer Technik gerechnet…

Die Wagen sind durchgehend mit seitenselektiver Türfreigabe ausgerüstet. Die funktioniert überall, nur in Deutschland nicht. Dasselbe gilt auch für das Kundeninformationssystem (KIS). Das muss bei deutschen Loks auch immer abgeschaltet werden, weil es dort Störungen verursacht. Bei einer Fahrt von München nach Zürich wird das KIS dann jeweils nach Lindau eingeschaltet, umgekehrt vor Lindau ausgeschaltet.

In St. Margrethen, dem Schweizer Grenzbahnhof, stand der Zug nochmal 4 min, zeitweise ohne Energie, wahrscheinlich zum Wechsel der Stromabnehmer – was mich daran wundert: In der Gegenrichtung sind planmäßig nur 2 min Aufenthalt vorgesehen.

Bei Fahrten in der Schweiz muss noch die Notbremsanforderung (NBA) in Betrieb genommen werden. Die SBB fahren mit ihren Zügen in der Schweiz grundsätzlich 18-polig und mit aktivierter NBA. Es hat sich gezeigt, dass die zwei Minuten Haltezeit dafür mittlerweile nicht mehr ausreichend sind. Deswegen hat man Richtung Zürich den Aufenthalt im Grenzbahnhof verlängert.
Für den künftigen Betrieb mit RABe 503 muss dafür noch eine Lösung gefunden werden, die diesen längeren Aufenthalt nicht erfordert. Da müsste das bereits in München Hbf erledigt werden, allerdings gibts bei dem Triebzug ja auch keine deutschen Loks mehr, die man damit stören könnte. Im Moment ist man dran, die Prozesse zu definieren, den Länderwechsel an der Landesgrenze bei 80 km/h (Stromabnehmer und Zugsicherung) vorzunehmen, sodass dann der Halt in St. Margethen nur noch kommerzieller Natur und nicht mehr technisch bedingt wäre.

Da ich keine Franken hatte, musste ich zuerst Geld tauschen. Ich vollbrachte das Wunder, für einen dreistelligen Euro-Betrag einen zweistelligen Frankenbetrag zu bekommen… Zusätzlich zum schlechten Wechselkurs (1 zu 1,017 – theoretisch hätte es damals 1 zu 1,07 sein können) behielt die SBB auch noch 4 CHF Gebühren.

GA-Inhaber erhalten vergünstigte Konditionen beim Geld wechseln am SBB Schalter. Am Bahnhofplatz gegenüber hätte es auch noch die Hauptpost St. Gallen gegeben. Die wechselt auch € in CHF. Ich weiss aber nicht, ob die bessere Konditionen als die SBB haben. Als Postfinance-Kunde und GA-Inhaber zahle ich bei beiden keine Umtauschgebühren.

Für die nicht ganz anderthalbstündige Fahrt bezahlte ich über 19 CHF… Als sie dann noch meinte: „Schön, in Appenzell haben Sie bestimmt Sonne.“, fühlte ich mich endgültig verhöhnt.

Naja, das kostet eine Pizza auch. Aber ich weiss, in Deutschland bekommt man dafür sicher mehrere Pizzen. ;-)

Wenigstens hatte das ganze nicht allzu lange gedauert, sodass ich schon nach gut 20 min die Appenzeller Bahn ab dem Bahnhofsvorplatz nehmen konnte.

Ist Bahnhofvorplatz sowas wie der Vorplatz zum eigentlichen Bahnhofplatz? ;-D

Wir haben hier den Kornhausplatz (der ist noch im Bau) und den Bahnhofplatz (der ist fast fertig, da fahren die Busse). Die Appenzeller Bahnen fahren am Gaiserbahnhof ab, so heisst dieser Teil des Bahnhofs. Das kommt daher, dass hier die Züge nach Gais abfahren.

Es war ein wunderliches Gefährt: der hintere Teil sehr modern, der mittlere so mittel, der vordere richtig alt – und mit zu öffnenden Fenstern! Ich ließ mich dort nieder, bei leichten Minusgraden waren die geöffneten Fenster schon ein Statement, sodass sich niemand zu mir gesellen wollte.^^

Diese Kompositionen sind nur noch bis Herbst im Einsatz. Demnächst beginnt die Ablieferung des neuen Rollmaterials. Das, was nicht noch weiter für die Linie Gais-Altstätten Stadt, wird ausrangiert.
-> http://www.modernisierung-ab.ch/de-de/fahrzeuge/appenzell-stgallen-trogen.aspx

Direkt nach dem Verlassen des Bahnhofs St. Gallen beginnt der letzte verbliebene Zahnstangenabschnitt (auch dieser soll durch einen Tunnel ersetzt werden), bei dem sich eine gute Aussicht auf St. Gallen bieten soll – kann ich nicht beurteilen.^^ Durch die tiefste Suppe ging es weiter ohne Zahnstange, aber dennoch mächtig bergauf.

Oh, die Aussicht ist tatsächlich ganz gut. Man sieht auch, wo ich wohne. ;-)

Es handelt sich dabei um die engste Zahnradkurve Europas, die am 02. April 2018 das allerletzte Mal von Züge befahren wird. Anschliessend beginnt die sechsmonatige Streckensperre zur Fertigstellung der Neubaustrecke. Ab 08. Oktober 2018 fahren dann nur noch die neuen Triebzüge und nur noch durch den neuen Tunnel. Die Zahnstangenstrecke wird vollständig abgebaut. Es gibt zwar auf politischer Ebene Ideen, die Lage der engen Kurve in die künftige städtebauliche Entwicklung einfliessen zu lassen, so als dezente Erinnerung, mehr wird aber langfristig nicht übrig bleiben.

Gibt es in der Schweiz eigentlich Unterschiede wie bei uns zwischen EBO und BOStrab? Dementsprechend war die Fahrt nicht allzu schnell, doch zu sehen gab es genug.

Nein, eine solche Unterscheidung gibt es im Prinzip nicht. Von der Signalisierung gibt es aber den Trambetrieb. Trambetrieb heisst dann einfach, dass an Übergängen oder im Strassenraum Fahrt auf Sicht gilt. In jedem Fall hat der Zug aber im Strassenraum immer Vortritt vor allen anderen Verkehrsteilnehmern, ausser es wird durch Lichtsignale geregelt. Weil die Vorschriften zwischen Eisenbahn und Tram also nicht strikt getrennt sind, kann abschnittsweise das eine oder das andere gelten. Die Strecke wird grundätzlich als vollwertige Eisenbahn betrieben (mit gesicherten Bahnübergängen und ab diesem Jahr auch mit Streckenblock), die jedoch immer wieder einzelne Abschnitte im Trambetrieb aufweist. Aber nur weil man besonders nah entlang der Strasse fährt, muss es noch lange kein Trambetrieb sein.

Ab Appenzell ging es dann weiter mit einem Gefährt, in dem es mir nicht gelang, Plätze zu finden, wo man ohne Einsatz des Nothammers die Fenster öffnen konnte. Außerdem machte sich immer wieder Nebel breit. Dementsprechend gelangen dort auch wenige Bilder. Nach halbstündiger Fahrt war Herisau erreicht.

Für diese Linie werden dieses Jahr auch neue Züge geliefert: http://www.modernisierung-ab.ch/de-de/fahrzeuge/gossau-appenzell-wasserauen.aspx
Die Appenzeller Bahnen modernisieren sich hiermit auf einen Schlag auf grossen Teilen ihres Netzes. Damit werden dann auch alle Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllt, welche bis Ende 2023 zwingend erfüllt sein müssen.

Weiter ging es nun also mit dem Voralpen-Express. Der Begriff "heruntergekommen" wäre vielleicht etwas übertrieben, aber die Wagen hatten ihre besten Tage seit geraumer Zeit hinter sich… Das WC durfte in Bahnhöfen nicht benutzt werden. Naja, dafür konnte man die Fenster öffnen.

Das weist nur darauf hin, dass du den falschen Wagen genommen hast. Der Voralpenexpress besteht grundsätzlich aus modernisierten Wagen, klimatisiert und mit geschlossenen WC, die man auch im Bahnhof nutzen darf. An den Zugsenden finden sich zusätzliche Wagen, die älter sind. Du hast ganz offenbar so einen Wagen genommen. Diese Zusammenstellung wurde für einen Übergangszeitraum von Ende 2013 bis Ende 2019 so gewählt.
Ab Ende 2019 soll der Voralpenexpress durchgehend mit neuem Rollmaterial verkehren: http://www.bahnonline.ch/bo/10984/neuer-voralpen-express-kommt-in-fahrt.htm


Fortsetzung folgt...

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Seit Februar 2018 erfolgreich im Fahrgasteinsatz:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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