Schweiz-Runde, Teil 2 (mit 41 Bildern) (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Sonntag, 11. Februar 2018, 18:07 (vor 188 Tagen) @ Krümelmonster

In Luzern hatte ich ca. eine Dreiviertelstunde Aufenthalt, die ich für einen Blitzrundgang durch die Stadt nutzte. Ich war außerordentlich begeistert – hier die schönsten Bilder.
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44 Die Uferpromenade von Luzern

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45 Das Wahrzeichen von Luzern: die Kapellbrücke mit Wasserturm

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46 Weil’s so schön ist gleich nochmal – hier von der Rathausbrücke aus gesehen

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47 Das hier ist die Rathausbrücke

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48 & 49 Der Kornmarkt

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50 – 52 Die nördliche Uferpromenade der Reuss von der Kapellbrücke aus gesehen

Weiter ging es mit der Zentralbahn. Ich war also den ganzen Tag in der Schweiz unterwegs, ohne SBB-Personal zu begegnen.^^ Es war ein Triebwagen vom Typ Adler, der unpassend zum Namen auch über Zahnradantrieb verfügte. Die schnelle Fahrt aus Luzern heraus empfand als sehr ruppig, als der Schmalspurzug mit vollem Karacho über diverse Weichen bretterte (ich sollte dazusagen, dass ich meistens auf der erhöhten Plätzen über den Drehgestellen sitze, um besser Landschaft gucken zu können, doch in anderen Zügen ist es nie derart ruppig). Aber ich fahre ja nicht des Komforts wegen, und es war damit eh bald wieder vorbei.^^ Hinter Giswil benutzte der Adler seine Zähne, um an Höhe zu gewinnen, denn die Strecke steigt mit bis zu 128 Promille. Da hat man das Gefühl, der Zug stellt sich auf die Hinterbeine! Schnell entschwand der Lungerersee nach unten – wirklich eindrucksvoll. Die Passhöhe liegt auf 1002 m, Luzern nur 426 m hoch. Von der Passhöhe bis Meiringen auf 596 m Höhe brauchte der Adler ebenfalls die Zähne, damit er nicht vom Berg fiel.
Und jetzt kommt’s. Wirklich. Ohne Schmarrn. Kein Scheiß! Ischwöärä! Beim Warten auf den Gegenzug in der Ausweiche Käppeli entstand eine fünfminütige Verspätung. Ich wiederhole: es entstand Verspätung! Der Adler krabbelte noch etwas weiter den Berg hoch bis zur Passhöhe und wechselte dann die Richtung von steil aufwärts auf steil abwärts bis Meiringen. Und wer glaubt, die fünfminütige Verspätung sei ein einmaliger Ausrutscher, der sei gewarnt: Es kommt noch krasser! Bei der Abfahrt im Schneckentempo sammelte der Adler weitere Verspätungsminuten ein, Meiringen wurde mit + 7 erreicht. OH MEIN GOTT!!!!! Und für alle Schweizfetischisten: Das war nicht weniger, als die DB am Morgen geschafft hatte! Ob der Verspätung verließ ich den Adler in Meiringen. Ich hatte eh 29 min Zeit zum Umsteigen für einen Fußweg, den man auch bequem in 29 Sekunden schafft. Aber das Aufregen über die Verspätung in der Schweiz musste einfach sein! :p
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53 Ferrophiler Adler

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54 Letzter Blick auf den Vierwaldstättersee

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55 – 57 Dreimal Spiegelung

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58 Hier sind wir schon am Lungerersee

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59 Blick zurück

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60 Berg voraus

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61 Nochmal Blick zurück auf den Lungerersee

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62 Im Folgenden wird der Adler kräftig an Höhe gewinnen

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63 Das da unten ist immer noch der Lungerersee

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64 Schweizer Idylle

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65 Auf der Abfahrt nach Meiringen

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66 Der Spatz ist der kleine Bruder vom Adler, nur halb so lang

Das letzte Stück fuhr mich die MIB. Ausgeschrieben klingt das leider nicht ansatzweise so putzig, es heißt Meiringen-Innertkirchen-Bahn.^^ Für die 4,4 km zahlte ich stolze 3,60 CHF, das macht umgerechnet einen Km-Preis von über 80 ct. Nun gut, ich wusste ja, dass ich in die Schweiz fahre.^^ Das putzige Wägelchen füllte sich beträchtlich, wenn auch nicht mit Umsteigern aus Luzern. Sorry an alle Lokführer, aber ich glaube, Tf bei der MIB muss doch einer der langweiligsten Jobs auf Erden sein. Tagein tagaus fährt man in ca. 12 min die 5 km lange Strecke (davon über 1,5 im Tunnel) von Meiringen nach Innertkirchen und zurück, das ganze im Halbstundentakt. Zwar ist der Tf auch für die Fahrkartenkontrolle verantwortlich, aber wirklich Abwechslung bringt die sicher auch nicht. Es wird immer dieselbe Strecke mit demselben Fahrzeug gefahren. Ich stelle mir das „verdammt öde“ (freundlich umschrieben) vor.
Nun denn, der Lokführer hatte noch die Motivation, mich nach Innertkirchen zu fahren. Dort stieg ich in einer sagenhaft günstigen, völlig tadellosen Pension ab: 50 CHF für ein Einzelzimmer war der günstigste Preis weit und breit. In Interlaken hätte ich für die billigsten Unterkünfte mindestens das Doppelte bezahlt. Ziemlich schnell fiel ich dann ins Bett.
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67 MIB nach Innertkirchen. Mib Mib geht nicht, denn das gute Stück ist ein Unikat.

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68 Des gesamten Gefährtes Innenleben am nächsten Morgen

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69 & 70 Auf dem kurzen Weg nach Innertkirchen entstanden u. a. diese zwei Bilder

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71 Innertkirchen Grimseltor, der „Stadt“-„Bahnhof“

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück reiste ich schon wieder ab. Das Dorf selber hat nicht viel zu bieten, ich ging zum Endbahnhof der MIB am Nordrand des Ortes. Dort staunte ich nicht schlecht über den beheizten Miniatur-Warteraum mit ca. 3 Sitzplätzen. Zu mir gesellte sich noch eine Asiatin, die nach einem Blick auf die Uhr mit einem ganz putzigen Akzent erklärte, dass der Zug in 10 min komme. Ich wunderte mich, was eine asiatische Touristin ausgerechnet in dieses verschlafene Kaff verschlagen hatte. 10 min später küsste sie den Lokführer – ach so.^^ Ich will mir gar nicht ausmalen, wie groß ihr Kulturschock damals bei der Ankunft in Innertkirchen gewesen sein muss. :D
Das Zügli mit seinen 40 Plätzen blieb fast leer, es waren nur 6 Fahrgäste – mich inbegriffen (plus die Frau des Lokführers). Dafür gab es ein besonderes Highlight: Als der Tf mitbekam, dass ich fotografierte, holte er mich vor in der Führerstand. Einfach so! :) Dann konnte ich zwar keine guten Fotos ohne Spiegelungen mehr machen, doch hatte einen viel besseren Ausblick. Die Strecke ist zwar nett, aber nicht spektakulär. Also ich würde da nicht den ganzen Tag hin- und herfahren wollen. :D Gefahren wurde auf dem Mittelstück meist mit 60 km/h. Ob der geringen Besetzung wurden alle Stationen unterwegs (sämtliche waren „Halt auf Verlangen“) ohne Halt durchfahren, Ankunft in Meiringen dementsprechend 3 min verfrüht – bei einer planmäßigen Fahrtzeit von 11 min (für knapp 5 km…) nicht schlecht.^^
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72 Morgendlicher Blick aus dem Fenster. Nicht schlecht, Herr Specht.

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73 Hier ahnt man noch nicht, dass die Aare auf ihrem weiteren Weg der längste Fluss innerhalb der Schweiz wird

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74 Blick entlang der Aare flussaufwärts Richtung Süden

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75 Schmuckloses Rathaus

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76 Beheizter (!) Warteraum – als Deutscher macht man da schon mal Augen!

So, dieses Mal durfte es nicht zu einer Verspätung kommen. Ich hatte in Interlaken-Ost einen 5-min-Anschluss und ab dort ein Ticket nach Deutschland mit Zugbindung ab der Grenze. Aber eine Stunde früher wollte ich nicht dafür losfahren, nicht in der Schweiz (in jedem anderen Land hätt ich’s gemacht). Es klappte aber alles, das Land heißt halt Schweiz.^^ Der Adler kam pünktlich aus Luzern und rannte ebenso pünktlich weiter gen Interlaken. Am Sonntagmorgen hatte er noch nicht so viele Reisende gefrühstückt, sondern war schön leer. Und wieder war ich von der Landschaft hier einfach nur begeistert. Die schneebedeckten gezackten Alpengipfel spiegelten sich friedlich im blauen Brienzersee, einfach nur schön! Ich konnte mich gar nicht an dem Panorama satt sehen.
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77 Adler verdeckt Spatz

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78 Der Brienzersee rückt näher

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79 Seepanorama, Blick Richtung Westen. Am rechten Bildrand ist der Ort Brienz erkennbar

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80 Dieser See hat mich wirklich beeindruckt, deshalb ein paar mehr Bilder. Hier der Blick gen Südosten Richtungen Meiringen

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81 Spiegelung…

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82 Richtung Osten gesehen

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83 Hier der direkte Blick aus dem Fenster in südliche Richtung.

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84 Und damit ist der Brienzersee auch schon zu Ende…

Und ich muss noch einmal splitten.

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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