Schweiz-Runde, Teil 1 (mit 43 Bildern) (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Sonntag, 11. Februar 2018, 18:06 (vor 188 Tagen)

Hallo zusammen,

nachdem ich durch eine sagenhafte 15-stündige Verspätung (der DB!) letzten Oktober ein erquickliches Sümmchen an Bonus-Punkten zurückbekam (war eine Freifahrt International), wollte ich diese für eine weitere Freifahrt nutzen. Diesmal sollte es in die Schweiz gehen, dort funktioniert ja immer grundsätzlich per Definitionem alles 100 % perfekt. (Um es schon mal vorwegzunehmen: Nein, natürlich nicht. :p Aber die Verspätungen waren geringer als 15 h ;)) Geplant war eine Tour entlang der Alpen ins Berner Oberland und durch die Jura zurück.
Los ging es am Morgen des 18. Februar am Münchner Hbf. Diese Monster namens BR 218 üben auf mich immer eine gewisse Faszination aus – aber nur von weitem. Wenn ich in der Nähe von so einem Viech bin, wünsche ich mir Ohrenschützer & Gasmaske. Mein erster Zug wurde nun gleich von zweien dieser Ungeheuer gezogen – naja, solange ich nur mitfahre und nicht daneben stehe, kann’s mir ja egal sein. Die Ungeheuer aus Jurassic Park heulten auf und schleppten den Zug aus München Richtung Südwesten. Die Fahrt führte abwechslungsreich durch eine sehr reizvolle Landschaft: Täler, in denen teils noch der Morgennebel waberte, wechselten sich mit Ebenen ab, dazu gab’s meistens Bergblick. In Immenstadt blieben wir außerplanmäßig stehen, der deutsche Zub informierte über eine Signalstörung. Mit + 6 ging es weiter. Kurz darauf umrundete der Zug den Großen Alpsee, dessen Ufer teils so dick in Nebel gehüllt war, dass ich aus dem dritten oder vierten Wagen die Loks nicht erkennen konnte. Es ging durch die gewellte Landschaft des Allgäus weiter. Meist herrschte Sonnenschein, erst in Richtung Bodensee wurde es trüb. Ein paar Worte zum Zug: die WCs hatten ihre besten Tage schon längst hinter sich gelassen, und als wir in Immenstadt zum Stehen kamen, wurde durchgesagt, dass man die Türen nicht öffnen solle – bei der angeblich besten Bahn der Welt hätte ich ja mit besserer Technik gerechnet…
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1 Zug aus dem langsamen Land neben schnellem Zug

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2 (Auch) der Vollmond beleuchtet an jenem Morgen das Bahnhofsvorfeld in München

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3 Zwei kreischende Ungeheuer aus Jurassic Park machen sich an der helvetischen Zugskomposition zu schaffen

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4 Morgendliche Stimmung auf dem Weg ins Allgäu

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5 Die ersten Berge sind zu sehen

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6 Im Tal hängt noch Nebel

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7 Blick auf den Großen Alpsee

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8 Aussicht ist gestrichen. Wegen Bodennebel…

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9 Einfahrt in Lindau-Hbf.

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10 Heute eine ziemlich trübe Angelegenheit: der Bodensee

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11 Blick vom Zug in die Altstadt von Lindau

Die + 6 vergrößerten sich bis Lindau minimal auf + 7, durch den Lokwechsel dort konnten nur 2 min aufgeholt werden. Weiter ging es also statt mit kreischenden und stinkenden Ungeheuer mit einer fast mickrig wirkenden Schweizer Lok entlang des depressiv trüben Bodensees. Ab der Schweizer Grenze wurde es noch trüber. In St. Margrethen, dem Schweizer Grenzbahnhof, stand der Zug nochmal 4 min, zeitweise ohne Energie, wahrscheinlich zum Wechsel der Stromabnehmer – was mich daran wundert: In der Gegenrichtung sind planmäßig nur 2 min Aufenthalt vorgesehen. Das letzte Stück nach St. Gallen scheint ob des kurvigen Streckenverlaufs ganz interessant zu sein, gesehen hat man leider absolut nichts. In St. Gallen fand ich mich dann in der allerdicksten Suppe wieder.
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12 Manche würden es als „Brücke ins gelobte Land“ bezeichnen

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13 In der Schweiz angekommen (links) wird das Wetter noch schlechter

Da ich keine Franken hatte, musste ich zuerst Geld tauschen. Ich vollbrachte das Wunder, für einen dreistelligen Euro-Betrag einen zweistelligen Frankenbetrag zu bekommen… Zusätzlich zum schlechten Wechselkurs (1 zu 1,017 – theoretisch hätte es damals 1 zu 1,07 sein können) behielt die SBB auch noch 4 CHF Gebühren. Dann brauchte ich ein Umwegticket über Appenzell nach Herisau. Die freundliche Schalterdame meinte, zu einem deutschen Sparpreis könne sie mir kein Umwegticket ausstellen. Recht hatte sie ja, aber ich hatte gehofft, dass sich die Schweizer nicht so gut mit deutschen Tickets auskennen.^^ Für die nicht ganz anderthalbstündige Fahrt bezahlte ich über 19 CHF… Als sie dann noch meinte: „Schön, in Appenzell haben Sie bestimmt Sonne.“, fühlte ich mich endgültig verhöhnt.
Wenigstens hatte das ganze nicht allzu lange gedauert, sodass ich schon nach gut 20 min die Appenzeller Bahn ab dem Bahnhofsvorplatz nehmen konnte. Es war ein wunderliches Gefährt: der hintere Teil sehr modern, der mittlere so mittel, der vordere richtig alt – und mit zu öffnenden Fenstern! Ich ließ mich dort nieder, bei leichten Minusgraden waren die geöffneten Fenster schon ein Statement, sodass sich niemand zu mir gesellen wollte.^^ Direkt nach dem Verlassen des Bahnhofs St. Gallen beginnt der letzte verbliebene Zahnstangenabschnitt (auch dieser soll durch einen Tunnel ersetzt werden), bei dem sich eine gute Aussicht auf St. Gallen bieten soll – kann ich nicht beurteilen.^^ Durch die tiefste Suppe ging es weiter ohne Zahnstange, aber dennoch mächtig bergauf. Gerade als ich mich fragte, warum ich mir das eigentlich antue und ein Vermögen dafür bezahlt hatte, begann sich der Nebel zu verziehen. Es offenbarten sich immer wieder schöne Ausblicke auf das Appenzeller Land. Die Bahnstrecke führt bis Gais direkt entlang der Straße. Teilweise ist gar keine Begrenzung vorhanden, nicht einmal ein Bordstein. Gibt es in der Schweiz eigentlich Unterschiede wie bei uns zwischen EBO und BOStrab? Dementsprechend war die Fahrt nicht allzu schnell, doch zu sehen gab es genug.
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14 Alpenkletterer, hier die moderne Seite

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15 So sah es im vorderen, alten Teil seines Inneren aus. Die Fenster lassen sich öffnen – ui! :)

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16 Traumhafte Aussicht. Nicht.

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17 In Teufen fährt der Zug einfach auf der Straße. Ach, und der Nebel ist weg. :)

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18 Von tief da unten komme ich her. Ich kann euch sagen: Dort suppt es gar sehr

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19 Nach dieser engen Kurve…

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20 …hat man einen schönen Blick auf Gais

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21 Dahinter gibt’s Berge zu sehen :)

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22 Es suppt gar mächtig im Hexenkessel von Appenzell

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23 Letzte Brücke vor Appenzell

Durch das teure, aber schnelle Prozedere in St. Gallen hatte ich Zeit für einen gut halbstündigen Rundgang durch Appenzell.
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24 Bhf. von Appenzell

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25 In der Altstadt

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26 Hübsche Häuser

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27 Touri-Klassiker

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28 Und das letzte Bild aus Appenzell

Ab Appenzell ging es dann weiter mit einem Gefährt, in dem es mir nicht gelang, Plätze zu finden, wo man ohne Einsatz des Nothammers die Fenster öffnen konnte. Außerdem machte sich immer wieder Nebel breit. Dementsprechend gelangen dort auch wenige Bilder. Nach halbstündiger Fahrt war Herisau erreicht.
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29 Gefährt für die Weiterfahrt nach Herisau

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30 Hat was…

Weiter ging es nun also mit dem Voralpen-Express. Der Begriff "heruntergekommen" wäre vielleicht etwas übertrieben, aber die Wagen hatten ihre besten Tage seit geraumer Zeit hinter sich… Das WC durfte in Bahnhöfen nicht benutzt werden. Naja, dafür konnte man die Fenster öffnen. Anfangs war noch nicht viel zu sehen, erst ab dem Obersee verzog sich der Nebel. Nach der Überquerung des Damms zwischen Obersee und Zürichsee ging es wieder bergauf über Biberbrugg, dann wieder bergab bis Arth-Goldau an der Zufahrt zum Gotthard. Die Steigungen auf der Strecke betrugen bis 50 Promille – für die Gegend ganz normal. Um diese bewältigen zu können, führte der Zug an beiden Enden je eine Lok mit. Hinter Arth-Goldau ging es zunächst nordwärts am westlichen Ufer des Zugerseees entlang weiter, bevor der Zug wieder gen Westen abbog, um den Vierwaldstättersee und bald darauf Luzern zu erreichen. „Voralpen“ ist etwas untertrieben, denn die ganze Zeit gab’s herrliches Bergpanorama zu gucken. :)
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31 Bahnhofsvorplatz in Uznach oder Schmerikon

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32 Ufer des Obersees

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33 Ausfahrt aus Rapperswil

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34 Irgendwo da hinten ist Zürich

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35 Schick, schick

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36 Nun wird es wieder bergig

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37 Blick Richtung Gotthard

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38 Schweizer Idylle

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39 Der Zugersee

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40 Noch ein Blick zurück gen Gotthard

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41 Der Rigi

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42 Daneben wieder ein schönes Bergpanorama vor der Kulisse des Vierwaldstättersees

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43 Wieder bloß ein Beweisbild: Der Voralpen-Express ist in Luzern angekommen

Es geht gleich weiter.

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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