Christian_S und ICETreffErfurt haben nicht Unrecht! (Allgemeines Forum)

musicus @, MH/EPD/NZA/XAWIE, Mittwoch, 13. September 2017, 09:34 (vor 71 Tagen) @ 218 466-1
bearbeitet von musicus, Mittwoch, 13. September 2017, 09:36

Sicher, die Einführung des Namens Röntgen in die aktuelle Debatte war etwas ungelenk.
Dennoch ist die Verbindung von Röntgen mit Eschede eine rein assoziative und hat, wie schon richtig bemerkt, keinerlei korrelativen oder kausalen Charakter. Selbiges trifft natürlich auch für das Gedenken an die Opfer zu: Keine Trauer oder Erinnerung wird dadurch tiefer, aufrichtiger oder nachhaltiger, indem man Röntgen oder 884 aus den Plänen verbannt. Es ist allein die Herangehensweise der DB AG mit dem Unfall auf diese Art umzugehen, was natürlich impliziert, dass der exakt gegenteilige Ansatz denkbar und erlaubt wäre - eine Art Gedächtnis-ICE eben. Was wäre es für ein Zeichen der Anteilnahme der DB, neben Röntgen auch an alle Opfernamen über die gesamte Zuglänge zu erinnern. Nur scheint die unmittelbare Konfrontation mit Imperfektion, Scheitern und Tod, auch und gerade im Bahnverkehr, einer breiteren Bevölkerungsgruppe unangenehm und dem Image der DB tendenziell abträglich zu sein. Daher und auch wegen des, momentan hier prototypisch stattfindenden, Dissens zu diesem Thema, denke ich nicht, dass wir einen Röntgen zeitnah wieder auf Schienen sehen werden - obwohl er, neben Planck, Hertz und Heisenberg, sicher zu den allerwichtigsten toten deutschen Denkern auf dem Feld der Physik zählt.
Mit Trauer und Pietät hat also die Ausklammerung Röntgens nichts zu tun. Es ist reine Symbolik, derer man sich mit Fug und Recht bedienen kann - oder eben auch nicht.


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