@ Twindexx und Reservierungszettel (Aktueller Betrieb)

Twindexx @, St. Gallen (CH), Sonntag, 13. August 2017, 20:24 (vor 370 Tagen) @ Baselaner

Hoi,

Du vergisst hier aber, dass man die Schweiz nicht mit Deutschland vergleichen kann. Denn aufgrund der Größe und Aufteilung ist überhaupt nicht gleich. Das was die Schweiz "FV" nennt ist in D zu 90% schneller Regionalverkehr. Und damit natürlich auch Pünktlichkeit, die ja in Deutschland auch bei ca.95% liegt.

Im Prinzip richtig, jedoch aufgrund der Netzlastung auch nicht ganz vergleichbar. Hier hätte ich mal gerne Werte aus dem Regionalverkehr in NRW zur Pünktlichkeit. Und zwar die Drei-Minuten-Werte (2min 59s !) und nicht die DB-eigene Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Bei Vergleich mit 3min- zu 6min-Pünktlichkeitswerten hat man eh einen Äpfel/Birnen-Vergleich.

Aber je weiter (Kilometer zählt hier!) ein Zug fährt, desto anfälliger ist der Zug auch. Rund 2/3 der Verspätungen ist NICHT durch das EVU zu verantworten...

Hör bitte mit diesem Märchen auf, denn es ist faktisch falsch. Ich kann hier in St. Gallen zum Bahnhof gehen und habe Züge aus München und aus Lausanne. Da München näher liegt als Lausanne, müssten demnach die Züge aus München pünktlicher sein. Das exakte Gegenteil ist jedoch der Fall und zwar nicht nur ein wenig, sondern ziemlich deutlich. Je länger die Strecke ist, desto eher kann man Verspätungen wieder aufholen. Unter dem Strich gleicht sich das gegenseitig aus. Wir können innerhalb der Schweiz keine merkbaren Unterschiede in der Pünktlichkeit anhand der Linienlänge ausmachen.

Das Problem ist eher, dass man da in beiden Ländern unterschiedliche Philosophien hat. So hat DB Netz 3% Reserve, SBB Infra verlangt 8% Zuschlag; SBB Infra verlangt bei Fahrtrichtungswechsel sieben Minuten Aufenthalt, in Stuttgart akzeptiert DB Netz auch vier Minuten. Im einen Fall hat man zuverlässigere Fahrpläne, im anderen kann man kürzere Fahrzeiten und höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten verkaufen.
Ich darf hier selbstverständlich meine eigene Meinung zum Ausdruck, welche Philosophie ich aus Fahrgastsicht besser finde. Das ist mein gutes Recht. Ich akzeptiere aber trotzdem, dass wohl für die andere Philosphie auch ihre Gründe geben kann.

Die Philosophie der SBB ist nunmal, kleine Verspätungen möglichst schnell wieder aufholen zu können und so die Zuverlässigkeit im sehr hoch ausgelasteten Gesamtnetz zu erhalten. Es heisst ja, die meisten Verspätungen verursachen die Fahrgäste selbst. Tür aufhalten oder nur eine statt alle Türen nutzen sind da die Klassiker, aber auf solche kleineren Verspätungen im unteren einstelligen Minutenbereich muss man sich als EVU auch von vorne herein einstellen und si emit entsprechenden Fahrzeitreserven versuchen, abzufedern. Das ist etwas, was in Japan ganz anders läuft, kulturell bedingt.

Nach den von Fahrgästen verursachten Verspätungen kommt dann aber immer noch nicht die Infrastruktur. Türstörungen stehen da in der Hitliste ganz weit oben und das wäre dann EVU-verschuldet, erst danach kommt dann mal die Infrastruktur, wo die Staatsausgaben drin stecken. Türstörungen behebt man durchschnittlich in fünf bis zehn Minuten am Perron. Aber solche Verspätungen kann man dann mit entsprechenden Fahrzeitreserven aufholen; St. Gallen-Zürich, Zürich-Bern oder Zürich-Basel können locker je sechs Minuten aufgeholt werden.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Seit Februar 2018 erfolgreich im Fahrgasteinsatz:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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