@ Twindexx und Reservierungszettel (Aktueller Betrieb)

Baselaner, Sonntag, 13. August 2017, 18:29 (vor 768 Tagen) @ Twindexx

Hoi,

Auch bei den SBB Kollegen gibt es realistische Leute die sehen, dass die SBB auch nur mit Wasser kocht.


Klar, aber etwas muss man schon anmerken:

Nur wenn der Staat 6 mal mehr Geld investiert, kann ich da auch mehr machen.


Nur gibt es Bereiche, die gar nicht vom Staat unterstützt werden. Das wäre beispielsweise der Personen-Fernverkehr, der sich nur durch die Fahrgeldeinnahmen finanziert. Da es hier also nicht drauf ankommt, wieviel der Staat investiert, kann man hier schon Vergleiche ziehen. Dann darf man nicht nur die Frage stellen, man muss sogar die Frage stellen, wieso man im einen Fall ständig zu wenig Rollmaterialreserven hat? Das hat nämlich nichts damit zu tun, wieviel ein Staat investiert.

Du vergisst hier aber, dass man die Schweiz nicht mit Deutschland vergleichen kann. Denn aufgrund der Größe und Aufteilung ist überhaupt nicht gleich. Das was die Schweiz "FV" nennt ist in D zu 90% schneller Regionalverkehr. Und damit natürlich auch Pünktlichkeit, die ja in Deutschland auch bei ca.95% liegt. Und damit ähnlich. Aber je weiter (Kilometer zählt hier!) ein Zug fährt, desto anfälliger ist der Zug auch. Rund 2/3 der Verspätungen ist NICHT durch das EVU zu verantworten...

Dann wären da noch so Dinge, wie der Kauf von Arriva oder anderem Zeugs ausserhalb Deutschlands. Hat der deutsche Staat das der DB befohlen oder war das nicht vielmehr eine eigene Entscheidung der DB? Dieses Geld hätte man auch eher in den Unterhalt des Schienennetzes investieren können und hat daher kaum etwas damit zu tun, wieviel Geld ein Staat investiert. Solche Dinge dürfen nicht nur, sie müssen hinterfragt werden.

Klar muss man das hinterfragen. Nur warum wird das gemacht? Welche Hintergründe hat das? Ziel ist es, mehr Geld zu verdienen. Und zur anderen Sache muss man aber auch sagen, dass es mit dem Bund eine Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung gibt. Hier könnte der Bund mehr vorschreiben. Macht er nicht und damit kann die DB mit dem Geld investieren. Warum sollte es auch investieren, wenn es der Eigentümer nicht will? Moralisch vielleicht nicht nachvollziehbar. Aber danach fragt keiner ...

Auch im Regionalen Personenverkehr (RPV) erhalten EVU in der Schweiz nicht zwangsläufig mehr Geld pro Angebotskilometer als dies im Ausland der Fall ist. Das BAV benchmarket die Kosten des Schweizer RPV regelmässig mit dem Ausland und es zeigt sich, dass Schweizer EVU etwa mit demselben Geld auskommen müssen wie im Ausland auch in ausgeschriebenen Netzen bezahlt wird. Höhere Budgets seitens Bund und/oder Kanton führen eher zu mehr Angebot, nicht zu höheren Abgeltungen pro Angebotskilometer an die EVU.
Es ist gar so, dass der Bund in der Schweiz die finanzielle Unterstützung für die Beschaffung von Rollmaterial auch im RPV gestrichen hat. Die EVU müssen das nun komplett selbst finanzieren. Geblieben ist nur die Staatsgarantie auf die Kredite für die eigene Rollmaterialfinanzierung, was für die EVU zu entsprechend günstigen Zinskonditionen führt, wie sie sonst nur der Staat hat (in Deutschland gibts dafür das Länderfinanzierungsmodell in einigen Bundesstaaten).

Also vom finanziellen Ähnlich. Nur gibt es in der Schweiz einen häufigeren Takt. Im Vergleich zwischen 30 Minuten Takt (CH) und 2 Stunden Takt (D) ist das eine 4 fache Finanzierung! (Grob gerechnet) Und damit investiert man auch mehr in der Schweiz. Mit mehr Geld könnte man auch einen öfteren Takt realisieren und diese steigert natürlich auch die Attraktivität. Nur muss das Einer finanzieren.

Wo wirklich mehr Geld investiert wird, dass ist in der Infrastruktur. Vor allem beim Ausbau der Infrastruktur wird in der Schweiz deutlich mehr investiert als in Deutschland.

Das ist politisch in D nicht gewollt. Aufgrund von Arbeitsplätzen (siehe Dieselskandal, wo keine Sanktionen gegen die Autobauer verhängt werden) ist klar die Straße in D bevorzugt. Und ehe sich hier nichts ändert, fahren wir so weiter wie bisher. Und bevor jetzt wieder die Schreier kommen: Das sterben begann bereits zu Bundesbahn-Zeiten und ist keine Erfindung von Hr. Mehdorn ...

Grüsse aus der Ostschweiz.

Viele Grüße zurück


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