Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut - Fortsetzung 2 (Reiseberichte)

TD ⌂ @, Dienstag, 16. Mai 2017, 17:43 (vor 192 Tagen) @ TD

Tag 4: Puttgarden - Burg - Nürnberg

So, nachdem wir gestern den ganzen Tag ausschließlich im Nahverkehr unterwegs waren, soll es heute wieder Fernverkehr geben, unser Ziel ist der IC „Lübecker Bucht“, der von Fehmarn-Burg nach Bayern fährt.

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Puttgarden ist hauptsächlich als Fährhafen an der Vogelfluglinie bekannt, der eigentliche Ort liegt etwas entfernt. Hier ein frühmorgendlicher Blick über die Insel Fehmarn.

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Durch das Fährterminal gelangt man zum Bahnsteig. Der Bahnhof Puttgarden wurde 1963 in Betrieb genommen und trug damals einen Großteil des Güter- und Personenverkehrs von und nach Skandinavien. Mit der Brücke über den Großen Belt hat die Vogelfluglinie den Güterverkehr verloren.

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Eigentlich wollte ich mir den Fährbetrieb in Puttgarden noch näher anschauen, aber das lässt unser Fahrplan diesmal nicht zu. Etwas Zeit für einen erneuten Besuch bleibt ja noch, bis die feste Fehmarnbelt-Querung den Fährbahnhof überflüssig macht – im Moment ist vom Jahr 2028 die Rede.

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Mit der Regionalbahn um 7.20 Uhr fahren wir nun zunächst nach Burg, sieben Minuten dauert die Fahrt über die Insel. Hier mit Blick auf den Fernmeldeturm Puttgarden, der mit 115 Metern das höchste Gebäude der Insel ist.

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Seit dem Jahr 2010 hat der Ort Burg auf Fehmarn wieder einen Haltepunkt, er trägt den Namen „Fehmarn-Burg“. Der Haltepunkt verfügt nur über einen Bahnsteig an einem Stumpfgleis, das über zwei Verbindungskurven an die Bahnstrecke Lübeck-Puttgarden angebunden ist. Die Regionalzüge auf der Vogelfluglinie machen hier Kopf, so auch der LINT, mit dem wir eben angekommen sind.

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In Burg haben wir nun eineinhalb Stunden Zeit für ein Frühstück und eine Erkundung des Ortes. 2003 fusionierten alle Gemeinden der Insel zur Stadt Fehmarn, der Hauptort Burg mit etwa 6.000 Einwohnern ist somit nur noch ein Stadtteil. Das erklärt auch die DB-Namensgebung „Fehmarn-Burg“ für den Haltepunkt. Wobei – müsste der Bahnhof Puttgarden dann nicht auch „Fehmarn-Puttgarden“ heißen?

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Wir bummeln nun durch die Altstadt der „Inselhauptstadt“. Das Rathaus auf dem Marktplatz stammt aus dem Jahr 1901 und ersetzte einen spätmittelalterlichen Bau. Die St.-Nikolai-Kirche hingegen ist deutliche älter, Baubeginn für die dreischiffige Hallenkirche war um das Jahr 1230.

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Auf dem Rückweg zum Haltepunkt fällt uns dieses Gebäude ins Auge, es handelt sich um den ehemaligen Bahnhof aus dem Jahr 1905. Als Teil der Inselbahn besaß Burg bereits früher einen Bahnanschluss, dieser ging 1983 außer Betrieb. Der neue Haltepunkt liegt etwa 200 Meter weiter nördlich als der frühere Bahnhof. Das Gebäude wurde zuletzt gastronomisch genutzt, mittlerweile soll der alte Bahnhof abgerissen worden sein.

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So, und hier kommt nun der Anlass für den Besuch in Burg eingefahren: eine Lok der Baureihe 218 rollt mit dem Intercity an den Haltepunkt Fehmarn-Burg.

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Normalerweise fährt der Intercity „Lübecker Bucht“ von Burg bis Passau – wegen Bauarbeiten endet er an unserem Reisetag jedoch bereits in Nürnberg. Das wurmt mich etwas, denn wenn wir schon mit einem solchen Langläufer quer durchs Land fahren, möchte ich eigentlich auch den kompletten Laufweg mitnehmen. Aber gut, ich kann‘s nicht ändern und ein paar hundert Kilometer kommen auch so zusammen.

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Über die Fehmarnsundbrücke fahren wir auf das Festland und weiter durch das Oldenburger Land nach Lübeck, unterwegs kommen Ferienorte wie Sierksdorf, Haffkrug und Timmendorfer Strand zu Fernverkehrsehren.

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So ein Abteil ist eigentlich ja etwas Feines. Aber diesmal hat das Reservierungssystem kein Erbarmen mit uns und setzt uns zwei furchtbare alte Schachteln ins Abteil. Das Verlesen von Horoskopen sowie Klatsch und Tratsch aus der Regenbogenpresse ertrage ich ja noch, aber als die Damen dann auch noch Fachgespräche über die Gefahren des Bahnfahrens führen und davor warnen, dass der Lokfahrer so alleine auf der Lok ja schnell mal einschlafen könne...

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...ergreifen wir in Hamburg die Flucht. Der Zug wird hier um weitere Wagen verstärkt und wir finden ein ruhiges Plätzchen im neu beigestellten Großraumwagen.

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Beim Verlassen von Hamburg können wir mit der Ericusspitze in der HafenCity und dem Blick auf die Norderelbe noch etwas maritimes Flair genießen, dann geht es über Bremen...

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...Richtung Wiehengebirge, Teutoburger Wald, Münsterland und Bergisches Land nach Köln.

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Immer wieder schön: die Fahrt über die Mosel in Koblenz und die anschließende Strecke durch das Mittelrheintal.

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Hier sind wir schon am Main in Frankfurt angekommen, anschließend geht es durch den Spessart und über die Nantenbacher Kurve auf die Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg.

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Ein letztes Bild der Strecke gibt es von der Querung des Mains in Kitzingen, für weitere Bilder ist es dann zu dunkel. Der Zugbegleiter auf dem unterfränkischen Abschnitt ist überrascht und erstaunt, als er die Fahrkarte von Fehmarn-Burg sieht - dass tatsächlich jemand von der Ostsee bis Franken durchfährt, scheint ihm nicht oft unterzukommen.

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Der Zug hat unterwegs noch etwas Verspätung angesammelt und knapp 12 Stunden nach der Abfahrt auf Fehmarn sind wir in Nürnberg angekommen. Gut, dass man bei der Abfahrt von durchgebundenen Zügen mit großen Umwegen manchmal nicht den tatsächlichen Zielbahnhof angibt, kann ich ja noch verstehen. Aber warum verschweigt man bei der Ankunft den tatsächlichen Startbahnhof?

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So, nach der langen Bahnfahrt wollen wir uns bei einem Abendspaziergang noch etwas die Beine vertreten, von der Lorenzkirche...

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...vorbei am Heilig-Geist-Spital...

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...laufen wir zur Frauenkirche, dann beenden wir den heutigen Reisetag und damit auch diesen Teil des Reiseberichts. In den nächsten Tagen folgt der vierte Teil, dann geht es weiter in den Bayerischen Wald.

Viele Grüße

Tobias

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.
www.Bahnreise-Wiki.de Ein Mitmach-Projekt mit Tipps & Tricks für Bahnreisen im In- und Ausland.


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